<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182</id><updated>2011-07-07T17:55:34.365-07:00</updated><title type='text'>Ökumene und Menschenrechte</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Heinz F. 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In Stockholm war unsere Erfahrung mit Aeroflot die erste unvergessliche Lektion in Sachen “ehemalige Sowjetunion”: In menschenverachtender Weise nahm  Aeroflot wohl unsere Koffer, nicht jedoch uns selbst mit nach Moskau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir einen Tag später mit Finnair in der russischen Hauptstadt ankamen, gab es zunächst Probleme bei der Passkontrolle: Dr. Walter wurde beiseite gerufen und nicht durch die Sperre gelassen, bis man schließlich kapierte, daß er kein geeignetes Objekt für die korrupte Freibeuterei von Grenzbeamten war. Er wäre lieber ins KZ gegangen, als auch nur einen müden Rubel Schmiergeld zu bezahlen! Dann ging es jedoch weiter in diesem Takt, nämlich bei  der Reklamation des Gepäcks. Zunächst wusste niemand von nichts! Ich hatte mir aber von SAS die Kopie eines Telex aushändigen lassen, auf dem die Ankunft unseres Gepäcks in Moskau bestätigt worden war. Also wurden wir missmutig an die Leute im Gepäckraum verwiesen! Wo aber befand sich dieser?? Das Benehmen der Zöllner erinnerte mich an den Dorfsowjet, von dem es bei Simmel  -Auch wenn ich lache, muß ich weinen, Knaur 1995, S. 225 heißt: "... Solche wie Kotikow haben die Menschen in unserem Land durch Jahrhunderte gequält und klein gehalten, ob als Dorfsowjet, General, Zar oder Großgrundbesitzer ..."  Glücklicherweise haben wir in diesem Stadium der Angelegenheit unsere offiziellen Abholer, die uns nach Kazan geleiten sollten, getroffen: die Germanistin Galina und einen moslemischen Geistlichen, denn in Kazan an der Wolga ist die Mehrheit der Bevölkerung von Haus aus mohammedanisch. Den Geistlichen hatte man extra meinetwegen mitgeschickt; das brachte jedoch nicht viel, weil er nur russisch sprach. Er hat uns aber dann 800 km weit nach Kazan gefahren, ohne unterwegs auch nur 5 Minuten zu schlafen! Zunächst allerdings mußten wir unsere beiden Koffer ausfindig machen, was mit Hilfe einer jungen Beamtin auch gelang, um uns anschließend der Zollabfertigung zu unterziehen. Das war auch eine mittlere Komödie. Mehr als ärgerlich war die Behandlung bei der Deklaration unserer Devisen. Wir fühlten uns in die Zeit der Zaren versetzt, in der es Beamte gab, wie Puschkin oder Gorki sie in ihren Werken zur Genüge beschrieben haben. Das Ergebnis der Devisendeklaration war, daß wir uns in der Folge täglich vor dem Moment fürchteten, an dem wir Russland wieder zu verlassen haben würden! (Was dann allerdings völlig harmlos war, wenn auch nicht ohne Schrecksekunden, arreglos und Elemente, die einer Komödie würdig gewesen wären!) Während wir nach dem russischen Abenteuer wieder „entweichen“ konnten, gab es für unsere lieben Freunde keine Alternative. Sie mußten in einer Gesellschaft ausharren, die während der 70jährigen Herrschaft der Sowjets ui den Lastern der Zarenzeit noch die Mängel der sowjetischen Zeit hinzu bekommen hatte. Man versteht, was ein Kritiker meint, wenn er sagt: „Die Tragik des 20. Jahrhunderts liegt darin, daß es nicht möglich war, die Theorien von Karl Marx zuerst an Mäusen auszuprobieren."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gegen Mittag schließlich ging es mit dem Dienstwagen der Technischen Universität Kazan auf große Fahrt . Wir sassen auf der 800 km langen Strecke 13 Stunden lang im schon etwas schäbigen Wolga. Da konnten wir viel vom interior  Russlands sehen! Wir “Brasilianer” sehnten uns bei einem Zwischenstop in einer Art von Straßendorf vor allem nach einer beleb enden Tasse Kaffe. Schilder mit der Aufschrift Cafe oder RECTORAHT (Restaurant) gab es des öfteren, Kaffee jedoch war dort beileibe nicht zu finden, dagegen jede Menge Coca Cola oder Fanta. Russland ist ein Paradies für Limonadenhersteller geworden, denn das Wasser aus den Hähnen (Kränen) ist nun einmal um Gotteswillen nicht trinkbar! Und Tee scheint auch ziemlich rar zu sein. Bier und Wodka gibt es dafür allerorten! Und wie war es mit dem Essen?  Salat, das bedeutet konkret Gurke und Tomate in Scheiben, wie auch Kartoffeln, fehlen weder beim Frühstück noch zu Mittag noch beim Abendessen. Hühnerfleisch, vielleicht auch Sardinen, bilden die proteinhaltigen Beilagen. Viel Speck und Geräuchertes oder Gesottenes, Naturquark, jedoch kaum Käse; Schweinswürste, kaum “edlere” Wurst wie man sie bei uns als sog. “Aufschnitt” bekommt. Fleisch vom Chicken und Schwein besassen alle etwas, Rindfleisch jedoch und Milch waren Mangelware, denn seit der Ära Breschnew, in der die Rinderhaltung und Milchwirtschaft reduziert wurden, fehlen in Russia just diese Produkte.  Die Anekdote weiß zu berichten: Auf einem Parteitag wird Breschnew ein Zettel folgenden Inhalts gereicht: "Leonid Iljitsch! Warum gibt es in den Geschäften kein Fleisch?" Breschnew antwortete: "Genossen! Mit Siebenmeilenstiefeln schreiten wir dem Kommunismus entgegen. Mit diesem Tempo kann das Rindvieh nicht Schritt halten!" Der Mangel war offensichtlich, der Ausweg waren tomatka, kartoschka, Eier und Speck; rustikal also, nach unserer Einschätzung ein wenig ärmlich. Vegetarier hätten Mühe, in Russland zu üb erleben...  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein ganzes Kapitel könnte man über Abtritte in der ehemaligen UdSSR schreiben - ein trauriges Kapitel! Ein anderes Kapitel würde sich auf die immer währenden “Verkehrskontrollen” auf der 800 km langen Fahrstrecke beziehen. In Wirklichkeit handelt es sich - noch nach alter NKWD-Manier - um die penible Überwachung des  regionalen und interregionalen Verkehrs. Da schlüpft im Ernstfall keine Maus durch! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir endlich gegen 3 Uhr morgens einigermaßen gemartert und übermüdet unser Quartier in Kazan erreichten, waren wir ehrlich schockiert: Es handelte sich um eine Art “Apartmenthotel” der Universität, doch was waren das für “Apartments” und in welchem Zustand waren die hygienischen Verhältnisse? Das WC in meinem “Apartment” war schlichtweg menschenunwürdig, Die Schüssel schien jahrelang nicht gereinigt worden zu sein, die “Brille” nicht viel öfter;  die Rohre waren dick mit Rost überzogen, ganz abgesehen davon, daß es beispielsweise keinerlei Papier für “hinterlistige Zwecke” gab (was durch das permanente Mitführen deutscher Tempo-Taschentücher ausgeglichen werden konnte). Die Wasserspülung lief in allen Spültoiletten, die ich im Laufe der Tage zu sehen bekam,  ebenso ununterbrochen wie dies bei den Wasserhähnen in den verschiedenen Universitäten und Instituten, die wir in Kazan und Moskau zu sehen bekamen, der Fall war. Am ersten Tag im “Hotel” der Universität erhielt ich weder einen  Schlüssel für mein bescheidenes Zimmer noch für die Eingangstür zum Apartment, in dem in einem anderen Raum vom zweiten Tag an unser Freund Prof. Anatolio aus St. Petersburg - oder sollte ich besser sagen: aus Pratos (denn er ist dort geboren!) - nächtigte. Die Concierge, die ebenfalls auf unserem Flur wohnte, hatte einfach nicht daran gedacht, mir bei der Ankunft einen Schlüssel auszuhändigen. In der Lobby-Loge im Erdgeschoss waltete ein Wächter hinter einem Schalter seines Amtes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der erste Tag in Kazan war der Pfingstsonntag. Ehe Dr. Walter und ich in seinem, etwas besser als meines ausgestatteten, Apartment mit unserem “Frühstück” beginnen konnten  - er verfügte über etwas Pulverkaffee, ein paar Tassen und einen Samowar -  wurden wir ganz nach russischer Sitte vom Rektor der Technischen Universität, unserem Gastgeber,  zum Begrüßungsfrühstück mit Salat, Fleisch, Cognac, Wodka und Obst “abgefüttert”. Daran schloss sich eine Autofahrt zum Hafen der Wolga an, wo ein Motorschiff auf uns wartete. Der Einstieg ins Boot erfolgte auf etwas abenteuerliche Weise per „Affenleiter”, wie wir das steil aufgerichtete, mit Querlatten versehene, lange Brett tauften, das sich unter dem Gewicht des jeweils nach oben turnenden Passagiers ziemlich durchbog. Wir schafften aber alle den embarque.  Neben dem russischen Rektor und seiner Frau waren die Vizerektoren und einige Professoren, die im Universitätsgefüge wichtige Positionen inne hatten, zugegen, dazu unsere Dolmetscherin Dilya, eine Doktorandin, die leidlich Englisch verstand und mühsam auch einige Sätze auf Germanski  herausbrachte. Während der 40 Minuten Fahrt wurden wir erneut zu einem ausgiebigen Begrüßungstrunk und Frühstück eingeladen, diesmal in der Kajüte. Ziel war der Ferienstrand der TU Kazan. Die russische Gastfreundschaft gebot, daß wir uns erneut zu einem Frühstück mit vielen Trinksprüchen trafen. Ein kurzer Spaziergang unter Birken und Kiefern sollte uns Appetit auf das unmittelbar darauf  folgende Mittagessen machen! Als wir aufatmend meinten, nun sei es mit Essen und Trinken endgültig zu ende, wurde uns bedeutet, daß man aus technischen Gründen nur eine kleine Pause, einen interval einlegen werde,  danach solle es mit  Schaschlik, Fisch und Fischsuppe weitergehen. Während das Fleisch über dem Rost duftend zu braten begann, zeigte der Gastgeber auf die Büsche hinter dem Grillplatz und bedeutete uns: “Wenn Ihr mal müßt...” Sein Arm zeichnete einen weiten Bogen in die Luft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während der Rückfahrt auf der Wolga gab es dann einen Abschiedstrunk mit einigen Happen aus Fleisch oder Fisch. Mittlerweile waren der Toasts viele gesprochen worden. Und die Russen trinken immer auf “ex”! Ich hatte damit bereits aus Vietnam - wo das sowjetische Brudervolk den Wodka populär gemacht und russische Sitten eingeführt hatte - genügend Erfahrung und ließ mir einmal vollschenken, um dann bei jedem Toast nur zu nippen. Mein Verweis auf die Gesundheit wurde wohl toleriert - übrigens auch beim Gang zur Sauna, dem ich mich entzog - der Beruf allerdings wäre keine Entschuldigung gewesen, denn im Lande des “Wässerchens” pflegen auch die Geistlichen nicht abstinent zu sein! Immerhin begründete ich, während Dr. Walter die russische Sauna genoss oder erlitt, in dem umliegenden Wäldchen mit dem Pedell, der kurz und unwillig in der Sowjetarmee gedient hatte, eine pazifistische Konspiration: „Wojna kaputt, nix soldat!“ Wieder im Hafen von Kazan angekommen, ging es per Omnibusfahrt bis zum Quartier, wo inzwischen Prof. Anatolio eingetroffen war, dessen förmliche Begrüßung - mit viel Wodka und Cognac und wiederum dem typischen russischen Abendessen - nun auf dem Programm stand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Prof. Anatolio Gach, Romanist aus St. Petersburg (Jhg. 1936) ist, wie Dr. Walter in seinem Trinkspruch verriet, in Pratos/Tucunduva - meiner ersten Gemeinde im Dienst der Riograndenser Synode (Dezember 1952)! -  geboren und Anfang 1953 nach Polen zurückgewandert Die polnischen Eltern waren 1934 nach Brasilien ausgewandert. Der begabte Sohn besuchte die Maristenschule in Santa Rosa. In Polen nahm er das akademische Studium auf. Nach seiner späteren Zulassung zur Diplomatenschule in Warschau erhielt er ein Visum für die UdSSR, wohin es die Eltern zog. Anatolio studierte Romanistik  (Spanisch) - es gab seinerzeit in der UdSSR noch keine Lusitanistik. Später kam die Anordnung der Regierung, in Leningrad eine Abteilung für Portugiesisch zu eröffnen und Prof. Anatolio wurde zum Chef berufen. Zuletzt war er zwei Jahre in Ijuí für die Regionaluniversität tätig. Von daher kannte ihn Dr. Walter. Nach seiner Pensionierung denkt Anatolio evtl. an eine Rückkehr zur Unijuí und zugleich an den Erwerb eines Hauses mit Hilfe der Unijuí und nach dem Verkauf seines Apartments und einer Datscha in St. Petersburg (wo ihn die kranke Mutter wohl noch eine Weile festhalten wird). Wir sind dann noch miteinander bis Moskau und St. Petersburg gereist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Pfingstmontag fand um 9 Uhr unser “Besuch” bei der TU Kazan statt   Im Grunde handelte es sich zunächst um die Besichtigung) der Universität Der Beginn unseres Programms wurde wiederum mit einem offiziellen Frühstück, bestehend aus: Quark, Sahne, Ei, Orangenlimonade, Tee und ein wenig Brot, markiert. Danach ging es durch einige Abteilungen - Computerzentrum (Statistikprogramm), Flugtechnik, wie es in einer nach Tupolew genannten Universität nicht anders zu erwarten ist; Raketensysteme - und dann zu einem Besuch des Universitätsmuseums. Dort fand ich Anregung und Unterlagen zur Abfassung eines Flugblattes für brasilianische Interessenten an der Fabrikation eines kleinen Flugzeugs, das den Pflanzern in Rio Grande do Sul die Arbeit erleichtern könnte, wenn man es beispielsweise zum Besprühen der Felder einsetzen würde. Anschließend an den Rundgang durch die Abteilungen erfolgte unsere offizielle Begrüßung im Universitätskonzil, übrigens mit einer exzellenten Rede von Dr. Walter.  Dieser besitzt, wie er selbst zu sagen pflegt, physiognomisch eine gewisse Ähnlichkeit mit Michail Gorbatschow was ihm einige unter den russischen Freunden auch amüsiert bestätigten. Alle nahmen seine Reden seht freundlich auf, machten jedoch,  wohin wir auch kamen, keinen Hehl daraus, dass sie Gorbatschow auf alle Fälle zum Teufel wünschten.  Simmel gibt in dem bereits erwähnten Roman einen Witz wieder, der vielleicht zu erklären vermag, warum in Russland alles noch immer so im argen liegt,  trotz Glasnost und Perestroika: „Da fährt ein Zug, der muß plötzlich bremsen und stehen bleiben, denn vor ihm gibt es auf einmal keine Schwellen für die Gleise mehr. Nun, da haben wir ein Problem ... Wie hätte es Lenin gelöst? ... Lenin hätte gesagt:  Wir müssen Bäume fällen und daraus Schwellen für die Gleise bauen ... Stalin hätte befohlen, eine große Menge Menschen umzubringen und sie als Schwellen zu benützen ... Breschnew hätte die Vorhänge an den Fenstern der Waggons schließen und alle Waggons von starken Männern ein wenig schaukeln lassen, damit die Passagiere glauben, der Zug fährt wieder ... Gorbatschow hätte den Reisenden gesagt, sie sollten, zum Teufel, selber etwas tun. Da wir nun aber Glasnost haben, stehen alle auf, stecken die Köpfe aus dem Fenster und brüllen wütend: Warum fährt der Zug nicht weiter? Wer ist schuld daran? ..." ( S. 201)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach einem Mittagsimbiss unternahmen wir eine Stadtrundfahrt beim Nachmittagsregen! Es war möglich, ein traditionelles Gotteshaus der Orthodoxen Kirche zu besuchen, die Universität zu sehen, an der einst Lenin studierte; den Kremlin, also die fortaleza der geschichtsträchtigen Stadt und selbstverständlich erklärte uns eine eigens angeheuerte  geschichtsbeflissene Ärztin in Kürze die Geschichte der Stadt. Das Abendessen zusammen mit den wichtigsten Persönlichkeiten des Lehrkörpers der TU fand wiederum in Dr. Walters Apartment statt: 1. Teil frios - Sauna ! - 2. Teil janta (ich hab’s glücklicherweise verschlafen).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Danach, gegen 22.30 Uhr, erfolgte ein Besuch bei einem aus Ijuí in Urlaub angereisten tatarischen Professors (Physik). Als wir vor seinem Wohnblock vorfuhren, war gerade das Licht  ausgegangen, so daß wir die acht Stockwerke im Dunkeln erklommen, die Familienangehörigen in totaler Finsternis begrüßten und kulinarische Aufmerksamkeiten im Dunkeln probierten.  Ich mußte das Versprechen abgeben, den Professor anlässlich unseres für den Herbst geplanten Aufenthalts  in Ijuí zu besuchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Dienstag nach Pfingsten, dem 6.6. standen die Verträge zwischen Russland und Brasilien auf dem Programm. Im Laufe des Vormittags wurden zwei Verträge im Rektorat abgeschlossen, die ich als testemunha mitunterzeichnete. Dann ging es mit Dr. Walter zur Landwirtschaftlichen Universität, wo dieser wieder eine gute Rede hielt. Auf die Frage eines alten Marxisten während der Diskussion legte Dr. Walter ein “offenes Bekenntnis” zur Leistungsgesellschaft ohne jegliche staatliche Intervention oder tuition ab, sprach sich jedoch für staatliche Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbeutung von Mitarbeitern aus. “Damit bin ich Marx und Lenin vielleicht am nächsten”, so Dr. Walter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir fiel bei der Frage des russischen Freundes die recht boshafte Bemerkung ein: „Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus?“ - „Im Kapitalismus wird der Mensch vom Menschen ausgebeutet. Im Kommunismus ist es genau umgekehrt!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Mittagessen war bei Prof. Talgat K. Sirazetdinov, der sich freute, einen Pastor im Hause zu haben: Zwei Pastoren habe er kennen gelernt, sagte er in einer Tischrede: in Passo Fundo und nun meine Person. Beide hätten auf ihn Eindruck gemacht. Er fügte noch hinzu: “Ich beginne mich für Religion zu interessieren; ich habe leider zu wenig Zeit dazu.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Nacht fuhren wir per Schlafwagen nach Moskau, wo wir ein besonderes Erlebnis in der Technischen Universität hatten. Zunächst einmal jedoch: An der Eingangsfassade waren ein paar Figuren in Stein zu bewundern. Respektlos bemerkte Freund Anatolio: ”Das sind die einzigen, die in diesem Hause nicht besoffen sind.” Wir hatten Gelegenheit, den Grund für diese Bemerkung zu erfahren: Eines Festes wegen waren der Rektor und die höheren Chargen des corpus docendi abwesend. Der Vizerektor war verdonnert worden, zu bleiben und uns zu empfangen. Außerdem wollte er am Abend zu einer Konferenz nach Bulgarien abreisen. Nur sein alter Lehrer und Mitglied der Akademie der Wissenschaften etc. war geblieben, um ihm Gesellschaft zu leisten. Da es ein Festtag der Institution und noch dazu ein einsamer und langer Tag war, hatte der Vizerektor bereits ziemlich viel “getankt”, als wir zunächst unser Gepäck dort abstellten. Darauf setzten wir uns auf Anordnung unserer Betreuerin Dilya zuerst einmal zu einer kurzen Besichtigung des Kremls und anderer Moskauer  Sehenswürdigkeiten ab. Als wir dann zum offiziellen Gesprächstermin in das Büro unseres Vizerektors zurück kamen, gab es nichts mehr zu besprechen, denn der Mann war stockhagelbesoffen, wie man es von literarischen Figuren, wie Puschkin oder Gorki sie einst geschaffen haben, kannte! Und noch viel, viel mehr! Einfach unglaublich, surrealistisch. total unmöglich! Würde man in einem Bühnenstück Ähnliches darstellen wollen, würden alle im Publikum sagen: So etwas gibt es nicht!! Traurig nur, daß eine Handvoll Studenten, die sich noch dazu im Examensstress befanden, dies alles mit ansehen mußten! In einem bestimmten Moment griff unser Gastgeber nach luxuriösen, farbigen Mappen in einem Wandschrank, nahm zwei in die eine und zwei in die andere Hand und erklärte mir, der ich als intermediário fungierte, wir würden es jetzt machen wie die Kinder. Dann trat er, die Hände hinter seinem Rücken versteckt, in den Raum und fragte:  “Welche Hand wollen Sie?” Ich verwies auf Dr. Walter: “The Rector first!” Dann begann der Mummenschanz! Schließlich verteilte der Vizerektor an uns noch bis vor kurzem aus Gründen der Geheimhaltung in einem “Rüstungslaboratorium” streng geheime Drucksachen, nicht ohne zu bemerken, daß er in seiner Stellung ranggleich mit einem Minister sei.  Dr. Walter raunte mir in einem günstigen Moment die Bemerkung zu: ”Wer weiß, ob sich in den Mappen nicht wichtige Dokumente befinden! Wir nehmen das Zeug nicht mit, sonst werden wir bei der Ausreise am Flughafen noch als Spione verhaftet!” In der Tat ließ Dr. Walter die Tüte mit den kompromittierenden Papieren zum Schluß im Büro des Gastgebers vorsätzlich zurück, doch da die Studenten dazu verdonnert waren, uns am Tage unserer Abreise zum Flughafen zu geleiten,  händigten diese uns vor dem Abflug das “heiße” Päckchen wieder aus! Und siehe da, als ich meinen Anteil an der chause zuhause auspackte, fand ich tatsächlich russische Briefschaften und Notizen in einer der Mappen!  Während Dilya, unsere Betreuerin aus Kazan, den Vizerektor aus dem Russischen ins Englische und ich dann aus dem Englischen ins Portugiesische übersetzte,  entschuldigte sich Dilya einmal bei mir, indem sie sagte: ”I do not know why he suddenly speaks about Winston Churchill.”  Ich gab es so an Dr. Walter weiter und übersetzte das Zitat: Churchill habe einmal gesagt, der Balkan sei ein strategisch entscheidendes Gebiet. Die wurde uns offenbar gesagt, weil sich der Vizerektor unmittelbar vor Antritt einer Reise nach Bulgarien befand. Zu den absoluten Merkwürdigkeiten des Termins in jener Moskauer Universität gehörte auch die unzeitgemäße  “Ordensverleihung”, die wir die zweifelhafte Ehre und das ebenso zweifelhafte Vergnügen hatten: Nachdem unser Gastgeber uns darauf hingewiesen hatte, daß wir uns in einem Raume befänden, in dem früher der Komsomol zu tagen pflegte, kramte er erneut in seinem Wandschrank und brachte drei kleine Pappschächtelchen hervor, denen er sowjetische Auszeichnungen entnahm: Diese Auszeichnung erhielten nur Absolventen der Technischen Hochschule nach bestandenem Examen. Früher, als die Universität noch eine Art von Planungsbüro für die Rüstungsindustrie gewesen sei und man militärische Traditionen gepflegt habe, hätten die Auszuzeichnenden den Orden, der am Boden eines “stakan”, eines Schnapsgläschens versenkt worden sei, nicht nur den Wodka auf einen Zug austrinken, sondern dann den Orden mit den Zähnen herausnehmen müssen. Bei uns Zivilisten werde die Prozedur etwas erleichtert: Wir hätten nur den Wodka auf einen Zug auszutrinken, um dann den ehrenvoll verliehenen und rite erworbenen Orden an uns zu nehmen. Zum Abschied küsste mir der Hauptdarsteller der Komödie, an der wir als Mitspieler Anteil hatten, ausgiebig die Hand. Dies pflege man in Russland zu tun, um einem Geistlichen Respekt zu erweisen. So bin ich wohl der einzige Geistliche geworden, der ein paar Jahre nach der Auflösung  der Sowjetunion ohne Abschlussprüfung an der Technischen Universität innerhalb einer Viertelstunde von ein uns derselben Person einen Orden des Komsomol und dazu auch einen Handkuss erhielt. Das war schon ein merkwürdiger Nachmittag!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abends erfolgte die Weiterfahrt mit dem Zug nach St. Petersburg .Dr. Walter und ich waren gemeinsam in einem Abteil untergebracht. In St. Petersburg angekommen, fuhren wir in einem kleinen Auto zu  einer  Gästewohnung der Universität, wo Dilya ein Zimmer allein, Walter und ich ein anderes Zimmer zusammen bewohnten. Dort herrschten saubere hygienische Verhältnisse, jedoch litten wir bei der Hitze, die uns das Wetter während unseres gesamten Aufenthalts in Russland beschert hatte, ständig unter dem Mangel an trinkbarer Flüssigkeit (da das Wasser aus der Leitung nicht getrunken werden darf). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als erster Punkt auf dem Programm stand ein Besuch im Sprachenzentrum und bei den Romanisten der Universität von St. Petersburg. Walter hielt eine längere Ansprache. Herrlich war, daß wir mit allen unseren Freunden aus der Abteilung für Romanistik problemlos kommunizieren konnten! Alle sprechen Portugiesisch (de Portugal!) bzw., eine Professorin für Spanisch, español !&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dilya betreute uns, auch hinsichtlich der Bestellung der Mahlzeiten im Universitätscafé. Dabei war sie über unseren abweichenden Ess- und Trinkbedürfnisse nicht gerade glücklich. Immerhin spielte sich sogleich die Praxis ein, daß wir am Ende einer jeden Mahlzeit  (auch des Frühstücks) “bestellten”, was wir zur folgenden Mahlzeit genießen wollten. Dabei handelte es sich auf unserer Seite lediglich um eine Reduzierung oder Annullierung üblicher Gerichte oder Speisefolgen. Das russische Essen bestand uns einfach aus zu viel Fleisch und Fett. Andererseits boten die Mahlzeiten zu wenig Flüssiges, zumal wir ja dem „Wässerchen“ nicht in gebührender Weise zusprachen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei einer sehr interessanten Stadtrundfahrt mit einem Romanistikstudenten konnten wir auch den berühmten Kreuzer Aurora besuchen und ein paar Erinnerungsfotos dort  schießen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Freitag hatte man für uns den Besuch der Eremitage (Winterpalast) eingeplant. Unter der fast professionellen Führung der liebenswürdigen Professora Natascha bekamen wir einen Eindruck nicht allein von den Kunstschätzen, die dort auf einer Wegstrecke von 3000 Metern konzentriert zu besichtigen sind, sondern insgesamt von der russischen Kultur und der Geschichte dieses zähen und tapferen Volkes. Wir stellten überdies fest, daß wir uns in St. Petersburg “mitten im europäischen Haus” befanden und empfanden große Freude und Genugtuung darüber, daß wir nun nach langer Trennung voneinander wieder wie Geschwister miteinander kommunizieren durften! Mit einem Essen als Gäste der Dozentenschaft der Romanistik endete der denkwürdige Besuch in der geschichtsträchtigen und traditionsreichen osteuropäischen  Stadt St. Petersburg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der nächtlichen Fahrt nach Moskau waren Walter und ich wieder  in einem Abteil, Dilya teilte ihr Abteil  mit einem fremden Mann und war nicht sehr erbaut darüber. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Samstag sagte Dilya nach Ankunft in Moskau zu uns: “Bisher waren Sie Gäste, jetzt machen Sie alles, was die Einwohner Moskaus tun müssen.” So erhielten wir einen Einblick in den “Kampf ums Dasein”, angefangen bei  der Metro, der Straßenbahn, den Problemen, die auftreten, wenn es um die “menschliche Bedürfnisse” bis hin zum Duschen im “Wohnheim und  die Schwierigkeiten des “shopping” in Moskau  (zur Verzweiflung meines Reisegenossen stellte das “shopping” zumindest ein mittleres Problem dar!). Wir erlebten ein Mittagessen a la “Mundo de plástico”, die lange Autofahrt zum Flughafen und die Schwierigkeit dortselbst mit dem Gepäck  einzuchecken. Wir erfreuten uns aber auch der Freiheit. In der Lanchonette im Obergeschoss zu bestellen, wonach uns zumute war, wenn auch für teueres Geld. Wir verfügten jedoch über eine beträchtliche Summe russischer Rubel, mit der uns die TU-Kazan freundlicherweise ausgestattet hatte, die auszugeben jedoch absolut keine Gelegenheit bestanden hatte und die aus dem Lande auszuführen streng verboten war. Als wir sie verschenken wollten, ernteten wir Protest und Entrüstung. Schließlich gelang es Dr. Walter, den Bestand an Rubeln einer russischen Dozentin überreichen zu lassen, die dafür einige Besorgungen würde erledigen können, ehe sie in einigen Wochen nach Brasilien zurückkehrt. Übrigens verlief die Kontrolle bei der Ausreise problemlos. Zwar hatten wir keine aktuelle Devisenerklärung zur Hand. Doch rettete uns unser Vorschlag, doch einfach das Datum des Doppels der alten, bei der Einreise abgegebenen, Devisenerklärung ändern zu dürfen. Diese, der brasilianischen Kultur des jeitinho entsprungene, Lösung des akuten Problems wurde uns genehmigt. Kaum war das Datum der Erklärung geändert und von der Beamtin abgestempelt, wurde es von dieser auch schon uninteressiert auf den Boden des Flughafens geworfen - ein sehr vernünftiges “Ablageverfahren”! Ein schweizerisch-russisches Speiseeis vor dem Gate zu unserem Flug versüßte uns dem Abschied. Bald ging es mit LH  zurück nach Frankfurt! Dort habe ich Dr. Walter noch zum Varig-Schalter begleitet und ihn nach Brasilien verabschiedet, dann ging es für mich ab nach Nürnberg, wo mich meine Frau und unser Gast Oskar Lützow erwarteten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Até aqui o relatório sobre uma viagem à Rússia!. Es ist eine rein persönliche Schilderung, eine Hilfe für die Rückschau.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-7316307636396702654?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/7316307636396702654/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=7316307636396702654' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7316307636396702654'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7316307636396702654'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2011/07/zwei-brasilianer-in-russland.html' title='Zwei Brasilianer in Russland'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-5774888472234064465</id><published>2011-05-22T03:12:00.000-07:00</published><updated>2011-05-22T03:14:16.400-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-jP3q-VKnUBI/Tdjh2S5xq8I/AAAAAAAAAHo/ywgLVJNuDMo/s1600/DSC_6112.JPG"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 295px;" src="http://1.bp.blogspot.com/-jP3q-VKnUBI/Tdjh2S5xq8I/AAAAAAAAAHo/ywgLVJNuDMo/s400/DSC_6112.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5609481658793307074" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5774888472234064465?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5774888472234064465/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5774888472234064465' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5774888472234064465'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5774888472234064465'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2011/05/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/-jP3q-VKnUBI/Tdjh2S5xq8I/AAAAAAAAAHo/ywgLVJNuDMo/s72-c/DSC_6112.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-6104604275821610788</id><published>2011-05-22T03:07:00.000-07:00</published><updated>2011-05-22T03:10:07.782-07:00</updated><title type='text'>DIALOGOS -  HEINZ DRESSEL</title><content type='html'>DIALOGOS -  HEINZ DRESSEL, EL PASTOR LUTERANO QUE SALVO A DECENAS DE PERSONAS DURANTE LA DICTADURA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Salga, salga de ahí, que yo lo espero"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dressel fue condecorado recientemente en forma conjunta por las cancillerías de Argentina y Chile. En los '70 permitió que decenas de argentinos, chilenos y brasileños pudieran marchar al exilio a través de un programa de becas. "Tratamos de ayudar a todos, nunca hicimos diferencias", afirmó con orgullo a Página/12.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Para mí?", preguntó el pastor luterano Heinz Friedrich Dressel en voz alta, poco antes de la entrevista, a un mozo que lo llamaba desde el fondo de un salón por una comunicación telefónica. A su regreso, en su cara se veía una sonrisa dibujada, era una llamada desde Nicaragua, dijo, de una exiliada de la que no habló y no hablará más nada hasta poco más adelante, cuando lo exija el relato de su historia.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Usted viene de Alemania, de una familia singular.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Yo me crié en el advenimiento del Tercer Reich –comienza Dressel–, en el nazismo, y eso naturalmente influenció toda mi juventud. Cuando terminó la guerra, tenía 15 años. Me crié especialmente en la casa de mis abuelos paternos donde el hermano de mi abuelo había pasado por un seminario teológico luterano y lo habían enviado a los Estados Unidos en 1901, de ahí creo que crecí con el mito del Tío en América. En esa casa había un ambiente prenazista, al contrario de mis padres, que eran ambos miembros del Partido. En casa de mis abuelos se vivía un espíritu del nacionalismo, del imperio alemán que era de un humanismo clásico, antes de que llegara la barbarie. En la retrospectiva, eso me parece que fue importante para mi desarrollo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿Qué pasó después?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Cuando toda Alemania estaba en ruinas y mientras se proclamaba la Carta Magna de los derechos humanos, nosotros, los jóvenes de mi generación que escapamos de la muerte –porque los más grandes habían muerto en los últimos días de la guerra–, pensábamos que empezaba un nuevo tiempo, una nueva era en todo el mundo. Y así empezó un lento proceso de democratización. Yo me formé como teólogo y después me fui a trabajar como pastor a Brasil. En ese momento, estaba la guerra de Corea, luego Vietnam, y yo llegué a Brasil para la última fase del ídolo de muchos brasileños, Getulio Vargas. Después noté que no sólo en Brasil sino en todo el continente había una cosa de efervescencia.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Allí estuvo siete años en Río Grande como pastor de las comunidades de alemanes evangélicos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Luego del primer tiempo en Brasil, hubo un encuentro de Iglesias en Nueva Delhi que marcó un cambio general. Yo mismo entré, digamos, en la fase sociológica. Quería saber en qué mundo vivíamos; cuántas patas tenía una silla, cuántos hijos tienen las mamás y encontré una embarazada con ¡veinte! Y los veinte sobrevivían.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Eso terminó en un libro consultado en las universidades de la época. A partir de allí su Iglesia le hizo una nueva propuesta.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Me preguntaron si quería asumir la dirección de una nueva institución para graduados pastores, seminarios para los estudios académicos. Hablé con mi esposa porque debíamos trasladarnos a Río Grande de nuevo y por tres años. Finalmente, lo hicimos. Nos mudamos a las montañas de Río de Janeiro donde existía la institución pero que no funcionaba. A poco de llegar, aconteció que yo viajé a Europa para tomarme las segundas vacaciones en quince años y unos conservadores de los que siempre hay en el mundo descubrieron un libro teológico que yo había publicado en Suiza y que estaba fuera de las normas de la doctrina oficial. Por esa razón, ellos convocaron a un Consejo de pastores para evaluarlo y la mayoría dijo que yo no servía. Que no se podía dejar la formación de los pastores en mis manos. Así fue que me quedé como refugiado en Alemania, porque todas mis cosas, inclusive mis libros, se habían quedado en Río de Janeiro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Quienes lo conocen dicen que en ese momento usted hizo su propia experiencia de exilio. ¿Por qué lo censuraron?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Eran razones ideológicas, teológicas, digamos. Yo hablé de lo que en teología se llama cristología, la doctrina sobre Jesucristo. Católicos y evangélicos por igual hablan de las dos naturalezas de Jesucristo: una humana y otra divina. Pero la teología crítica dice que eso es imposible, que uno no puede tener dos naturas a la vez y yo defendí a Jesucristo como una persona con mucha natura, pero una natura humana. Si hubiésemos estado en la Edad Media, puedo asegurarle que ya no estaría hablando con usted.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Porque lo hubiesen quemado. ¿Qué pasó con sus cosas?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Me quedé como un desterrado porque ni siquiera era un refugiado: mi existencia ya era una pena y un poco más. Tuve que rearmar mi vida, con mis tres hijos. No quería aceptar cualquier comunidad porque, ya quemado y marcado, quería elegir por lo menos un ambiente que más o menos combinara con mi ideología y encontré un lugar en Frankfurt que era y es una Iglesia muy abierta y tenía un aeropuerto más o menos como Buenos Aires: el aeropuerto central del país por el que de vez en cuando pasaba algún brasileño. Eso me permitió seguir un poco en contacto con mi Brasil, y saber qué estaba pasando. Empecé a dar charlas sobre Brasil y América latina. Eso y mi pasado teológico en el Brasil hicieron que algunos líderes de la Iglesia global alemana vinieran a preguntarme si quería asumir la dirección de la Obra Estudiantil Ecuménica.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿De qué año habla? Porque eso disparó más tarde toda su relación con los exiliados argentinos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Fue en 1968. En Alemania se habían edificado casitas para un programa de becas, pero aún no había programa y todo cayó en mis manos. La idea era generar planes de estudio para todo el mundo, es decir: para todo el mundo subdesarrollado, no los americanos, ni Estados Unidos, ni los suecos. Africa, Corea o los países a los que se llamaba sureuropeos, en vías de desarrollo o Tercer Mundo. Eran becas de posgraduación porque la idea era, y me parece correcta, dejar a las personas en sus propios países para toda la capacitación que pudieran tomar en sus lugares y, luego, lo que no tuvieran podían hacerlo afuera. En ese momento, me propusieron empezar por Africa. Como no conocía Africa empecé por Latinoamérica en 1972.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Justo a tiempo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–A mi regreso noté que las cosas desde adentro se veían de una forma, pero que Chile no se iba a quedar como en septiembre de 1972. Allí, yo podría decir que ya estábamos preparados para recibir a los estudiantes de Chile porque era previsible lo que iba a pasar aunque la gente no lo veía, como en Argentina, porque estaban anestesiados por falta de información.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿Se acuerda de alguna situación, como ejemplo?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Cuando llegué a Chile, por ejemplo, me encontré con la huelga de los motoristas porque faltaban neumáticos, pero eso no era apenas falta de algo. Detrás había otra cosa porque casi no era posible conseguir un vehículo para trasladarse. Otra vez viajé por casualidad con un alcalde del sur de Chile. Cuando supo que yo era pastor evangélico me dijo: "¡Ahhh!... Los evangélicos son pastores, los católicos son todos comunistas". Había muchas de estas cosas en la población, y yo volví con algunas informaciones en mi cabeza porque pude hablar con ellos y en Argentina era más o menos lo mismo. Yo sospechaba que ese clima podía ser peligroso para algunos amigos, pero los amigos me decían que no me preocupara. Un día, me llegó una carta de un viajero desde Estados Unidos, que había despachado una carta para Alemania porque ya no era posible mandarla directamente desde Argentina por razones de censura. Yo me di cuenta de que la persona que me escribía se estaba escondiendo porque estaba siendo perseguida por un Falcon o no sé qué. ‘¡Salga, salga, salga!', le dije. Le dije que saliera cuando pudiera, que yo la esperaba. Se lo dije, pero ella no se daba cuenta de que estaba en peligro porque además trabajaba en el Ministerio de Acción Social.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿Quién fueron los primeros exiliados?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Antes de que mi institución existiera, ya había programas de refugiados en Alemania, pero era ayuda en pequeña escala por poco tiempo, en la obra que surgió después de la guerra por necesidad. Sólo que después nadie esperaba olas y olas de personas de Latinoamérica que debían abandonar su país. Y vamos a lo concreto, ya cuando existía el programa un día nos llamaron de una institución protestante de París que había recibido a unos exiliados brasileños y que, por casualidad, uno de ellos hablaba alemán porque el papá era alemán y por esas interrelaciones me llegaron sus datos. Me dije que los vería y a casi todos los llevamos a Alemania. Eso fue en el principio de 1973 tal vez, y luego surgió el golpe de Chile y muchos tenían que dejar el país. Entre ellos, había un grupo de izquierdistas de Brasil que habían sido desterrados, habían pasado por Cuba, luego México y estaban asilados en Chile, después del golpe no podían volver a su país. En el primer momento ellos estaban más en peligro que los propios chilenos. Al principio se refugiaron en la Embajada de Italia, después en México, donde les dijeron que más de tres meses no se podían quedar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿Quiénes eran?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–En Brasil estaban presos y los habían cambiado por secuestrados políticos. También ellos entraron.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿Qué requisitos debían cumplir?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Yo no podía dar ninguna beca para un panadero o un obrero, era un programa académico. Yo debía saber cuál era su currículum académico y saber una o dos palabras de por qué estaba en esa situación. Bueno, lo que sucedió después con ese grupo es que no pasó mucho tiempo antes de que en las hojas esas que ustedes tienen también aparecieran sus nombres como "¿Dónde están estos terroristas?". En ese momento, los servicios de inteligencia del mundo no tenían claro dónde estaban ellos porque habían entrado por Bélgica y todos los que llegaban ahí, eran invitados a quedarse. En ese contexto, encontré instrumentos para arreglar las cosas de otra manera porque quien tenía una beca nuestra podía entrar a cualquier país, porque nosotros pagábamos por él.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿No arreglaban los papeles antes, sino después?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Sí, primero ellos empezaron a vivir con nosotros y después presentaban sus nombres al comité de selección. Pero era una cuestión de confianza también. Y lógicamente, después de unos días los mandaba a la policía de extranjeros para que se registraran como estudiantes de nuestra organización. En ese momento, los servicios secretos que existen en todo el mundo se enteraron bien de dónde estaban, sólo los periodistas aún no lo sabían. Y yo sé que los servicios lo sabían porque cuando se celebró el campeonato mundial en Alemania, mis desterrados brasileños eran obligados a aparecer tres veces ante la policía del barrio, para que no abrieran una bandera o brasileña o roja en el campo de fútbol, o para que no les lanzaran una bomba. Cuando se aquietó Brasil, empezó Chile y después Argentina, Salvador, Nicaragua, después Africa, Filipinas o Etiopía. Y aquí, en Buenos Aires, teníamos un puesto con el secretario general Ille que tomaba contacto con los que debían irse y salir primero por un país vecino. Hubo personas que nos ayudaron. Una persona de Naciones Unidas del Acnur que ayudó mucho y una mujer que atendía el teléfono en el Programa Nacional de Naciones Unidas para el Desarrollo que no tenía que ver con nada, pero la señora que estaba ahí y ocupaba una silla en una oficina, dijo: "Yo voy a hacer algo".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Las embajadas estaban sobre aviso en Argentina. Cómo hicieron ustedes para sacar a la gente. Además, ¿tenían que ser religiosos?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–No, casi nadie lo era. Habría que preguntarles a ellos pero lo que yo puedo decir es que en un momento quise explorar la frontera para encontrar una posibilidad de que la gente pudiera salir a través de Uruguay, y entrar en territorio brasileño. Y fui porque quería pasar yo mismo. Llegué a un hotel, quería dormir ahí, pero no había estación, por eso seguí de largo. Vi otro hotel, paré el coche, entré, le pregunté al hombre si había lugar para esa noche, me dijo que sí y entonces muy aliviado pensé que tenía una cama para estar y seguir viaje a Uruguay y el hombre me dijo: "Usted ya está en Uruguay". ¡Había atravesado una sola calle, de un lado estaba Rivera (en Uruguay) y Santo do Livramento (Brasil), que separa los dos países! Nadie me controló, y por lo tanto se podía cruzar sin policías. La cuestión era saber si controlaban a los ómnibus, pero para una emergencia se podía usar un coche. Finalmente no se necesitó. Pero lamento hasta hoy que encontré a un argentino que no pude convencer de que se volviera conmigo. Le dije que podía arreglar todo, pero me dijo que su madre estaba muy enferma y que tenía que volver, y hasta hoy nunca más supe qué fue de su vida.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿Recibió presiones?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Tal vez preocupaciones, miedo no. Con 40 o 50 años uno tiene menos escrúpulos que con 70, hoy tengo más escrúpulos a salir de acá que 30 años atrás que andaba en cualquier lado. Aun así, recuerdo un día en Chile cuando volvía de la Vicaría a mi hotel que encontré en la entrada de mi pieza a tres personas vestidas bien elegantes y se incomodaron un poquito al verme. Me dijeron que iban a pedir calefacción. Después llega un señor que dice que viene de la Vicaría donde yo había estado unas horas antes oficialmente. Se presentaba así porque no era posible tratar ese caso en la Vicaría. Me preguntó si yo tenía tiempo y entonces pensé que tenía que decidirme en ese momento: no o sí. Y yo que tengo mucha confianza en los demás, le dije que sí. Y esa persona me presentó el caso de la chica que llamó hoy desde Nicaragua.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿Logró sacarla de Chile?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Miré el caso y traté de buscar una salida inmediata en la semana o una cosa así, nunca con la línea aérea del mismo país, sino Varig, por ejemplo, pero después supe que igual era el Mercosur de la información. Bueno, todos llegaron con Varig. Pero al otro día cuando fui al aeropuerto veo que está medio vacío, compré el diario El Mercurio y de repente escucho que dicen por micrófono mi nombre, que tenía que presentarme ante la policía. No había nadie, y yo tenía el caso de la chica ésta en un bolsillo del pecho. Me encontré en una sala vacía, pedí un café y de repente viene un oficial de Canadá y me dijo: ¿Are you Mr. Dressel? El avión viajaba antes y me estaban esperando sólo a mí.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–¿Cómo hizo con esto de las becas de los estudios? ¿Si una persona estaba en peligro priorizaba rescatarla?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Eso es un tema muy difícil porque los propios estudiantes pueden contarlo mejor. Yo le mencioné el primer caso de los brasileños que llegaron en 1972 o en el inicio de 1973, otro que llegó de Brasilia que fue cruelmente torturado, preso por nada, y salió un poco perturbado naturalmente con su esposa y un niño y entonces él tenía un bloqueo para atender el curso de lengua. Era un hombre hecho y fue difícil sentarse para que alguien le dijera de nuevo: a, b, c. Un día se enojó, y también los profesores se quejaban. Ellos pertenecían a la institución, eran germanistas, creían que el alumno tenía que ser así y así. Y me criticaron muchas veces porque no querían que hablase portuñol con ellos. En ese contexto, yo intenté conciliar posiciones. Les dije a los exiliados que fueran de vez en cuando a dar su cara, su fisonomía.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–Entiendo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;–O por ejemplo, en la organización, había muchos sin becas que procuraron amparo por lo menos sentimental y psicológicamente. Ellos no recibían beca, pero yo les decía, si tú consigues dar el examen de entrada al curso de alemán, entonces yo puedo pagar el plato, la comida. Hubo casos ortodoxos y no ortodoxos, y de facto nosotros nunca distinguimos entre diferentes tipos de gente.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entrevista pagina 12, Buenos Aires 2007&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-6104604275821610788?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/6104604275821610788/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=6104604275821610788' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6104604275821610788'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6104604275821610788'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2011/05/dialogos-heinz-dressel.html' title='DIALOGOS -  HEINZ DRESSEL'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-1851814762470564173</id><published>2011-04-12T09:27:00.000-07:00</published><updated>2011-04-12T09:29:44.299-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/--gcWaXmi3o4/TaR9q4wcwbI/AAAAAAAAAHg/4yb2DmCFzZc/s1600/acud.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5594734812844573106" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 400px; CURSOR: hand; HEIGHT: 300px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/--gcWaXmi3o4/TaR9q4wcwbI/AAAAAAAAAHg/4yb2DmCFzZc/s400/acud.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-1851814762470564173?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/1851814762470564173/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=1851814762470564173' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/1851814762470564173'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/1851814762470564173'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2011/04/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/--gcWaXmi3o4/TaR9q4wcwbI/AAAAAAAAAHg/4yb2DmCFzZc/s72-c/acud.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-5763443882603780240</id><published>2011-04-12T09:06:00.000-07:00</published><updated>2011-05-07T12:36:43.369-07:00</updated><title type='text'>„Affenjagd" auf guerrilhas</title><content type='html'>- Zum Dschungelkieg in Araguaia -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heinz F. Dressel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele der von brasilianischen Streit- und Sicherheitskräften während der zwei Jahrzehnte der Diktatur verübten Gräuel sind bereits bekannt, auch Einzelheiten über die brutalen Praktiken, wie sie im Zuge der Guerrilhabekämpfung in Araguaia Anwendung gefunden hatten. Vor kurzem wurden weitere ungeheuerliche Details aus dem Dschungelkrieg bekannt. Der brasilianische Journalist Lucas Figueiredo brachte ans Tageslicht, dass die Militärs in der Region am Araguaia zur Aufspürung und Liquidation von guerrulheiros Indios einsetzt hatten, die durch vorher erlittene Folterqualen „kooperationsbereit" gemacht worden waren. Ihre Aufgabe war es, den guerrilheiros die Köpfe abzuschlagen. Nach vollendeter Arbeit wurden sie selbst liquidiert. (Blog, Tribuna da Imprensa, Helio Fernandes, 6.4.20011)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Jahre zwischen 1970 und 1974 waren für die Militärs in Brasilien vom Krieg gegen die Stadtguerrilha und die kleinenGruppen der Landguerrilha im Amazonasgebiet geprägt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich erinnere mich noch genau daran, wie man mir im Juli 1972, bei meinem Besuch in Belém do Pará, von Stoßtruppunternehmen der Armee berichtete, die - so lautete das Gerücht - in der Region Araguaia ein Kontingent von 10.000 Soldaten zur Jagd auf ein paar sechzig guerrilheiros des PC do B, der Kommunistischen Partei Brasiliens, unterhalte. Tatsächlich hatte die Armee bereits 1972 zwei Operationen im Antiguerrilhakrieg unter Einsatz von ca.. 3.500 Mann durchgeführt. Eine derart aufwendige Militäraktion hatte es seit der Zeit des brasilianischen Expeditionscorps im Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. Bei den guerrilhas handelte es sich, wie gesagt, um kommunistische Kämpfer, die, wie man sie gelehrt hatte, von der Vorstellung einer guerra popular besessen waren, dazu war wohl auch der jedem Brasilianer geläufige Mythos von der Coluna de Prestes sowie von Lampião und Maria Bonita kräftig idealisiert worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Garnison Belém war, wovon ich mich überzeugen konnte, sehr gut ausgebaut. Es gab übrigens bereits ein Jahr vor Beginn der guerrilha von Araguaia zahlreiche guerrilha-Gruppen im Gebiet von Imperatriz-MA, gegründet von Organisationen, die nichts mit dem PC do B zu tun hatten. Sie wurden im Zuge der bis dahin von der Armee geheim gehaltenen „Operation Mesopotamia" restlos"exterminiert", wie es damals militärisch knapp und präzise hieß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwischen 1972 und 1975 hatte sich dann im Süden des Staates Pará ein unbeschreiblich grausamer Dschungelkrieg abgespielt, von dem die meisten Brasilianer nicht die geringste Ahnung hatten. Entsprechend dem Kriegsrecht hatte man den Medien absolute Schweigepflicht in Sachen Guerrilhakrieg auferlegt. Erst Jahre später kamen einige einschlägige Fakten - und damit auch die von der Truppe begangenen Gräuel - tropfenweise ans Licht der Öffentlichkeit. Ein ziviler Gehilfe der zur Guerrilhabekämpfung in der Region Marabá agierenden Truppenteile, Manuel Leal de Lima, Vanu genannt, der sich unter der Folter zur Mitarbeit im Kampf gegen die guerrilha bereiterklärt hatte, berichtete Reportern der ZH (10.5.96) über seine Erlebnisse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als sich in der Gegend seines väterlichen Gehöfts ungefähr zehn Fremde - Angehörige der Landguerrilha - niederließen, ein Haus errichteten und Maniok- und Maispflanzungen anlegten, nahm Vanu an, es handle sich um fazendeiros. Man kam bestens mit ihnen aus. Die Kämpfer des PC do B hatten sich in der Region, völlig unverdächtig, vorwiegend als Landwirte, Lehrer, Fischer, garimpeiros (Gummisucher), Besitzer kleiner Kramläden oder auch schon einmal als Apotheker ausgegeben; für die Einheimischen waren es zugewanderte „paulistas", mit denen man ausgezeichnet auskam. Einige waren schon Ende der 60er Jahre in die Region gekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschichte des Zeitzeugen sargento João da Santa Cruz Sarmento, der hautnah an den Aktionen der Armee in Araguaia teilgenommen hatte, bringt ein wenig Licht in die offiziell bis heute de facto als Staatsgeheimnis behandelten Vorgänge in der Wildnis Amazoniens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;João da Santa Cruz hatte gegen Ende der 60er Jahre zusammen mit einer Reihe von Kameraden an einem Kurs der berühmt-berüchtigten Escuela de las Américas in Panamá teilgenommen, bei dem die Gruppe in die Kunst des Dschungelkrieges eingeführt worden war. Aus der Erfahrung dieser Gruppe von brasileiros in Panamá war dann die Bildung eines Batalhão da Selva - einer Einsatzgruppe für den Dsachungelkrieg - in Manaus hervorgegangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der erste Einsatz des sargento Santa Cruz in der Region Araguaia erfolgte am 3. April 1972. Bis zur Ankunft in Marabá erklärte man der Gruppe die Natur ihres Auftrags. Ein Teil der Abteilung begab sich nach São Domingos do Araguaia, der andere nach Palestina. Die Gruppe, zu der Santa Cruz gehörte, wurde zu einem Ort, den man als „72" bezeichnete, beordert. Dort kämen die „paulistas" regelmäßig vorüber, hatten die Einheimischen berichtet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Wir kamen dort an, als wollten wir ein Stück Land erwerben; so suchten wir eine Menge von Leuten auf und sammelten auf diese Weise nützliche Informationen auch über die „paulistas", berichtete Santa Cruz. Auf diese Weise gelangten die als potentielle Landkäufer, bärtig und einfach, wie die camponeses, gekleideten Soldaten zum „Chega com Jeito", einem Ort, an dem die ebenfalls verkleideten guerrilheiros sich zu treffen pflegten. Dort stießen sie auf drei von ihnen: Ari, Dina und Piauí. Von diesen erhielten sie weitere Auskünfte und waren schließlich in der Lage, eine Karte der Region anzufertigen, mit der sie dann zu ihrer Basis nach Manaus zurückkehrten, um sie ihren Vorgesetzten auszuhändigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten militärischen Operationen während des Jahres 1972 waren erfolglos geblieben. Nach gründlichen Aufklärungsmaßnahmen kehrten 1973 Spezialeinheiten mit dem eindeutigen Auftrag zurück: „prender, matar ou morrer" - fassen und töten oder getötet werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;De facto wurden gefangene guerrilheiros - sofern sie nicht auf der Stelle erschossen wurden - den sogenannten „doutores" übergeben. Diese betrieben ihr trauriges Geschäft in der Casa Azul, dem Vernehmungs-zentrum, das man auf dem Gelände des DNER mit allen bei einem „peinlichen Verhör" erforderlichen Utensilien installiert hatte. Bei den „doutores" handelte es sich um Spezialisten des DOPS, die ihr unseliges Handwerk gründlich erlernt hatten. Einer von ihnen war Romeu Tuma. Sargento Santa Cruz hatte u. a. die Gefangenen Piauí und Doca zur Casa Azul gebracht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als nach den geheimen Erkundungen eines Tages reguläre Soldaten in der Gegend auftauchten und erklärten, sie seien gekommen, um Terroristen ausfindig und unschädlich zu machen, war das Erschrecken bei den Einheimischen groß. Von diesem Augenblick an begannen die Soldaten die in der Region ansässigen Bauern schrecklich zu drangsalieren, ihr Vieh zu töten und die Felder zu verwüsten, damit niemand den terroristas Nahrungsmittel überlassen konnte. Die „paulistas" oder „fazendeiros" hatten sich mittlerweile längst in die Wälder geflüchtet. Nach einem halben Jahr kamen einige von ihnen wieder zum Vorschein und verlangten ausgehungert nach Essen. Vanus Schwiegervater, der Mitleid mit diesen Leuten empfand, hatte ihnen zu essen gegeben und war dann mit ihnen gezogen. Daraufhin nahm das Militär die Schwiegermutter fest und fasste bald auch den Schwager samt zwei guerrilheiros, André Grabois und Divino Pereira dos Santos. Alle drei wurden erschossen und Vanu erhielt den Auftrag, sie zu begraben. Er lud die drei Leichen auf den Rücken eines Esels und brachte sie bis zu einer Vertiefung hinter einem der Häuser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So erfuhr die Öffentlichkeit durch den „Pfadfinder" der in der Region Araguaia operierenden Einheit der Streitkräfte, „Pfadfinder", der gleichzeitig als „Totengräber"der in jener abgelegenen Gegend aufgespürten guerrilha-Kämpfer und Kämpferinnen sowie des warmherzigen Kleinbauern Manuel Leal Lima eingesetzt wurde, auch von der Existenz eines Vernehmungszentrums, der Casa Azul und der acht geheimen Friedhöfe, auf denen man drei Jahrzehnte später 41 Skelette ermordeter guerrilhas aus den frühen 70er Jahren fand. (ZH 3.5.96)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sitz des Vernehmungszentrums war das Areal des Nationalen Straßenbauamtes (DNER) von Marabá, auf dessen Gelände noch Mitte der 90er Jahre die Geräte und Apparate als Schrott herumlagen, die man bei den Praktiken der Tortur benötigt hatte. Auch auf dem Gelände des DNER hatte man 20 Kämpfer des PC do B verscharrt. Manuel Leal Lima war Zeuge grausamer Szenen geworden, die sich dort zugetragen hatten. In einer der sieben Zellen, welche die Armee dort für ihre Gefangenen eingerichtet hatte, war er als junger Mann selbst drei Wochen lang festgehalten worden, ehe man den ortskundigen Kolonistensohn mit der Aufgabe eines „Pfadfinders" und Totengräbers betraute. In der Regel wurden die Gefangenen unmittelbar nach einem brutalen Verhör durch ein paar Garben aus der Maschinenpistole niedergemäht. In der seinerzeit gültigen Werteskala zählte die ideologische Ausrichtung des Menschen mehr als seine physische Existenz. Dies war auf beiden Seiten, bei den Hütern des Staates ebenso, wie auch bei den Feinden des Systems, der Fall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Osvaldo Orlando da Costa, einer der gefürchtetsten guerrilheiros jener Jahre, war, ehe er in das Guerrilha-Gebiet Amazoniens gekommen war, bereits an mehreren Raubüberfällen beteiligt gewesen und hatte dazu an der Ermordung von „inimigos" teilgenommen. Einmal im Kampfgebiet eingetroffen, zeichnete er für den Tod zweier Soldaten verantwortlich und trug darüber hinaus die Verantwortung für das „justiçamento", für die „Hinrichtung" von Genossen, die man des Verrats bezichtigt hatte oder bei einem Absetzmanöver ertappt hatte. Osvaldão wurde im Februar 1974 im Dschungel von einer Patrouille der Armee überrascht und erhielt einen Bauchschuss. Die Patrouille schleifte den Schwerverwundeten an den Füßen, den Kopf am Boden, durch den Wald, bis sie ihren Hubschrauber erreichte, band ihn mit einem Seil am Helikopter fest und brachte ihn so zu ihrer Basis, um seine Leiche dann vor den camponeses als Trophäe zur Schau zu stellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Helio Gaspari berichtet von einem Gespräch, das General Geisel am 16.2.74, vier Wochen ehe er das Amt des Präsidenten der Republik übernahm, mit seinem Waffenbruder Dale Coutinho führte. Dabei ging es auch um die „Subversion" und die Methode ihrer Bekämpfung. Coutinho merkte an, dass es für den Krieg gegen äußere Feinde exakte Gesetze gebe, für „unseren spezifischen Krieg" leider nicht. „In vielen Fällen war ich gezwungen, jemand länger als 30 Tage lang festzuhalten. Es war illegal." Im Verlauf des Gesprächs fügte er noch die Bemerkung hinzu: „Dann begannen wir damit, zu töten." Geisel erwiderte darauf: „Diese Sache mit dem Töten ist eine Barbarei, doch ich denke, es muß sein." Coutinho kam auf seine Erfahrung bei der Armee zurück: „Ich war gezwungen, mit diesem Problem fertigzuwerden und mußte töten." Der künftige Präsident pflichtete ihm mit den Worten bei: „Wir werden im kommenden Jahr weitermachen müssen. Wir dürfen uns von diesem Krieg nicht abwenden." Erneut kam General Coutinho auf die Rechtslage zurück: „Die Militär-kommandeure sind gänzlich ohne Rückendeckung durch die Justiz. Man trägt die Verantwortung, denn jemand muß sie tragen." Nüchtern kommentiert Gaspari: „Das Töten wurde fortgesetzt, auch bei denen, die sich ergaben." (A Ditadura Derrotada, 324ff.) Die verbrecherische Praxis der „Liquidation" wurde sowohl gegen die Land- als auch gegen die Stadtguerrilha erbarmungslos angewandt. 1974 war die „Politik der Extermination politischer Gefangener" auf ihrem Höhepunkt angelangt. „Es gibt Elemente, die man nicht am Leben lassen kann ... dies ist die Art des schmutzigen Krieges, den man verliert, wenn man nicht mit den gleichen Waffen kämpft wie sie, bemerkte Oberstleutnant Germano Arnoldi Pedrozo in einem Gespräch mit Geisel, der dann antwortete: „Gewiss, was man jedoch zur jetzigen Zeit tun muß, ist mit großer Intelligenz vorzugehen, damit von dieser Geschichte keine Spuren bleiben." Es waren nicht abusos - missbräuchliche Handlungen - auf der „unteren Ebene", auf deren Konto die Toten - Suizidanten, auf der Flucht Erschossene, bei Scharmützeln ums Leben Gekommene - und die Verschwundenen ging, sondern die Extermination war im Prinzip von oben gewollt und abgesegnet, nicht etwa nur geduldet. Die Statistik zeigt exakt die Zunahme der Praxis der Liquidierung im Verlauf der Militärdiktatur. Während es in den Jahren von 1964 - 1969 bei insgesamt 58 einschlägigen Todesfällen nur 4 Fälle des Verschwindens gegeben hatte, war das Bild in den darauf folgenden Jahren, von 1970 - 1974 wesentlich anders: allein im Jahr 1970 zählte man 30 Tote und 5 Fälle des Verschwindens. Danach stiegen die Zahlen in beiden Bereichen kontinuierlich an, bis zu 52 Toten und 52 Verschwundenen im Jahre 1974. (Gaspari, A Ditadura Derrotada, S. 387ff.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Marighela hatte in seinem Manual da Guerrilha Urbana von einem Nervenkrieg gesprochen. Nun war er Wirklichkeit geworden! Die guerrilha könne auf den Terror nicht verzichten, lautete die Doktrin, von atos terroristas revolucionários - revolutionären Terrorakten - sprach man gern. Roque Dalton berichtete in seiner Arbeit Revolución en la Revolución? y la crítica de derecha, La Habana von der Spaltung der PCB in São Paulo. Dort habe sich unter der Führung von Carlos Marighela eine Gruppe von Dissidenten gebildet. Diese habe sich klar für den bewaffneten Kampf, für den Einsatz einer Land- und Stadtguerrilha unter den in Brasilien gegebenen Bedingungen ausgesprochen. Auch habe sie für die Unter-stützung der Allgemeinen Erklärung der Lateinamerikanischen Organisation für Solidarität (OLAS) votiert sowie der Entscheidung, dem Beispiel des Kommandanten Ernesto Guevara zu folgen, zugestimmt. Daneben habe sich die „Revolutionäre Kommunistische Partei" von Alves gebildet, unterstützt von den Organismen der KP von Minas Gerais und der Mehrheit des Staatlichen Komitees von Rio de Janeiro; des weiteren die Kommunistische Arbeiterpartei, und zwar mit Unterstützung der sogenannten „Dissidenten" in Rio Grande do Sul; gleicherweise sei es auch zur Bildung von Dissidentengruppen innerhalb der Jugend der PCB gekommen. Alle übten sie großen Einfluß auf die Studentenbewegung aus. Neben Kuba und der Volksrepublik China haben, wie man weiß, auch Nordkorea und Algier den bewaffneten Kampf der marxistisch-leninistischen Bewegungen gegen das Regime in Brasilien finanziell unterstützt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den großen Zentren häuften sich Banküberfälle, die auf das Konto kommunistischer Dissidentengruppen, namentlich des MR-8 (Movimento Revolucionário 8 de Outubro), ausgingen (von 1968-70 wurden über 225 solcher Überfälle gezählt). Dazu kamen 75 Überfälle auf Geschäftsunter-nehmen. Die Zahl der Flugzeugentführungen nach Kuba betrug sieben. Nachrichten über Bombenattentate (in 2 Jahren 60), Auto- und Waffendiebstahl in den großen Städten, Brandstiftung auf Zuckerrohr-plantagen in Pernambuco etc. füllten die Spalten der Gazetten. Bei derartigen Anschlägen wurden 42 Menschen verletzt, 10 von ihnen tödlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Brutalität nahm rapid zu und erreichte aufseiten des Staates, dessen Aufgabe es war, für „Recht und Ordnung" zu sorgen, ein bis dahin unvorstellbares Ausmaß was gerade auch im Verlauf der Operação Marajoara, die im Oktober 1973 begann, zu beobachten war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drei Jahrzehnte nach den scheußlichen Gräueln, wie sie im Rahmen der Operação Marajoara in der Region verübt worden waren, trafen sich in São Domingos de Araguaia 114 Opfer und Zeitzeugen im Rahmen einer „Wahrheitskommission" bzw. der im Jahre 2005 gegründeten Associação dos Torturados da Guerrilha do Araguaia, um die Leiden der einheimi-schen camponeses und ihrer Familien der Vergessenheit zu entreißen und Recht einzufordern. Priscila Lobregatte berichtete darüber:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter den Opfern befand sich der nunmehr 80jährige Frederico Lopes, den die militärischen Folterknechte zu einem debilen menschlichen Wrack geprügelt hatten. Für ihn sprachen seine Frau und sein Sohn. Frederico wurde von den Militärs von der fazenda Fortaleza, wo er mit den Seinen lebte und arbeitete, nach Bacaba, einem Ort in der Nähen von São Domingos, àm Rand der Transamazônica, gebracht. Dort befand sich ein Lager, in dem alle die Verhafteten gesammelt wurden. Wurden neue Gefangene eingeliefert, fand eine Art von „Selektion" statt. Man trennte diejenigen, die dort auf Dauer festgehalten werden sollten, von solchen, die für ein anderes Lager der Armee in Marabá, Xambioá oder Araguaína bestimmt waren. Mißhandelt wurden sie alle. Die gefangenen Männer wurden auf einen Haufen von Blechbüchsen gestellt, dann schubste man sie, während man sie am Penis festhielt, berichtete eine Zeugin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Blechbüchsen, in denen die Nahrung für die Truppe geliefert wurde, benutzte man nun als Folterwerkzeug. Die Gefangenen wurden gezwungen, barfuß auf den Haufen geleerter Blechbüchsen zu steigen, dann traten die Soldaten mit ihren Stiefeln gegen die Büchsen, so dass die Gefangenen zumeist die Balance verloren und zu Boden stürzten. Wer auf den Boden gefallen war, galt, einer abstrusen Logik zufolge, als guerrilheiro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Probe der „latinhas" - der Blechbüchsen - war nicht die einzige Mißhandlungsprozedur im Lager. Zu der „Behandlung" gehörten auch Schläge auf den Kopf. Bei Frederico hatten sie dazu geführt, dass er für den Rest des Lebens den Verstand verlor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach 60 Tagen der Gefangenschaft und Mißhandlung, die Federico zu erdulden hatte, weil er guerrilheiros, die in der Region lebten, kannte, wurde er nach Belém do Pará, in die Hauptstadt des Bundesstaates Pará, verbracht, um psychologisch behandelt zu werden, doch „die Gefolterten gewinnen niemals wieder, was sie verloren haben", lautete der Kommentar eines der Zeitzeugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle camponeses, die seinerzeit in der guerrilha-Region lebten, verloren ihr Hab und Gut und wussten nicht, wie sie ihre Familie ernähren sollten. Heute, mit ihrer Associação dos Torturados da Guerrilha do Araguaia, kämpfen sie für ihr Recht gegen ihren brasilianischen Staat, der sie in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu Rechtlosen gemacht hatte. (Priscila Lobregatte, enviada a São Domingos de Araguaia, anistia.multiply.co /views/item/86)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter den Einheimischen gab es auch eine Anzahl von „Waldmeistern" oder „Waldläufern" - mateiros sagen die Brasilianer - Personen, die sich im Wald gut auskennen. Die Militärs bedienten sich gern ihrer Dienste, wenn es darum ging, die Verstecke der guerrilheiros ausfindig zu machen. Einer dieser mateiros, war Cícero Pereira Gomes, der ebenfalls an der Wahr-heitsfindungskommission in São Domingos de Araguaia teilgenommen hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 14. September 1973 nahm man ihn mit in den Urwald und mit seiner Hilfe machte man das Versteck des guerrilheiro Chicão, bzw. Adriano Fonseca aus. „Es half nichts, ihn lebend gefangengenommen zu haben, denn er wurde auf jeden Fall getötet und seine Leiche in den Fluss Chicão geworfen", berichtete Cicero und merkte an, er sei auch bei der Festnahme von Jaime, Peri, Fogoio, Raul, Luiz Carlos, Daniel, Áurea, Lia, Tuca, Rosa und Valquiria zugegen gewesen. Jaime Petit sei mit sechs Gewehrschüssen getötet und die Leiche anschließend enthauptet worden. Damit sprach er ein besonders grausames Kapitel der Jagd auf guerrilheiros an: die decapitação - die Enthauptung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das 2007 erschienene, gewichtige Buch Direito à memória e à verdade, von dem nachher noch ausführlich die Rede sein wird, erinnert (S. 195ff.) gerade auch an diese grausame Praxis der Streit- und Sicherheitskräfte im Kampf gegen die „Subversion", die auch bei den Operationen in Araguaia Anwendung fand. In dem Buch wird als trauriges Beispiel für die unvorstellbare Grausamkeit der Repression das Schicksal der guerrilheiros Arildo Airton Valadão, „Ari"(S. 222f.), und Osvaldo Orlando da Costa, „Osvaldão",(S. 249f.) angeführt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird berichtet, laut Aussagen von Einheimischen starb Osvaldão am 24. April 1974 kurz vor der Karwoche in der Nähe von São Domingos. Sein Körper wurde mit einem Seil an einem Hubschrauber gehängt und auf diese Weise von Saranzal, wo man ihn getötet hatte, zum Lager der Truppe in Bacaba und von dort nach Xambioá geschleppt. Als man die Leiche zum ersten Mal an den Hubschrauber angeseilt hatte, fiel dieser herab und die Knochen eines Beins brachen. Später wurde sein abgetrennter Kopf öffentlich zur Schau gestellt. Im Lager Xambioá hatten Soldaten seine Leiche mit Fußtritten, Stockschlägen und auf dieselbe geworfenen Steinen geschändet, ehe sie verbrannt wurde. Dann warf man die Reste in ein unter der Bezeichnung „Vietnã" bekanntes Loch (einen Graben am Ende der Flugpiste der Militärbasis Xambioá), wohin man die Toten und Sterbenden zu werfen pflegte. Nach Beendigung der militärischen Operationen in der Region wurde das Gelände der Militärbasis eingeebnet und nichts erinnerte mehr an die frühere Nutzung des Geländes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ângelo Lopes de Sousa, inzwischen 74 Jahre alt, hatte die enthauptete Leiche Osvaldãos gesehen. Er war 1964 von Maranhão nach São Domingos gekommen. Dort besass er ein Stückchen Land an einem Metade genannten Ort, wo er mit seiner Familie lebte. „Ich arbeitete von 1973 bis 1974 mit den Streitkräften und war um die achtmal mit ihnen im Wald", berichtete er. Er erinnerte sich, dass es in „Chega com Jeito" ein Scharmützel zwischen den Soldaten und den guerrilheiros gegeben hatte. Dort starb „Aí"und der „Pfadfinder" Ângelo Lopes de Sousa sah den toten Osvaldão in der „Grota da Onça". „Ich war an diesem Tag als „guia" - landeskundiger Führer - tätig und sah seinen vom Körper abgetrennten Kopf", erinnerte er sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ângelo erinnerte sich daran, dass die Soldaten ihre „guias" als „Köder" vor sich her laufen ließen. Die Gruppe Peixinhos, erinnerte er sich, wurde von Capitão Salsa angeführt. „Der trug keine Uniform, sondern die übliche Bauernkleidung. Ich ging mit, weil man mich dazu zwang, aber ich habe keinen Tropfen Blut von irgendjemandem vergossen", resümierte er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peixinho sprach auch von Pedro Carretel, einem camponês, der sich den Forças Guerrilheiras do Araguaia (Forga) - den Guerrillakräften von Araguaia - angeschlossen hatte. „Man ergriff ihn lebend. Sie füllten ihn mit Blei, doch er starb nicht. Sie nahmen ihn mit nach Bacaba. Carretel prophezeite „von dem Tag an, an dem ich hier herauskomme, werdet ihr mir nicht entgehen". Nur weil er das gesagt hatte, wurde er umgebracht. Ich mochte ihn sehr. Ich wollte ihn nicht sterben sehen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst kürzlich wurden gänzlich neue Details über die menschenverach-tenden Praktiken der Antiguerrilhatruppe von Araguaia bekannt, als Lucas Figueiredo in der Monatsschrift GQ in einer reichlich illustrierten Reportage ans Licht brachte, wie die Truppe mit den Männern eines winzigen und friedlichen Indianervolkes, den in der Region Araguaia lebenden aikevara, umgegangen ist: sie wurden als „guias" oder „Pfadfinder" mit in den Urwald genommen, wobei man ihnen vormachte, es ginge darum, Affen zu erlegen - „matar macacos". Doch, berichtete einer der índios aus diesem Völklein, „era para cortar a cabeça de homens e mulheres, guerrilheiros" - es ging darum, den Männern und Frauen der guerrilheiros den Kopf abzuschlagen". Einer der wenigen Überlebenden, der Zeuge índio aikevara Warani, sagte aus: „Nos levaram para a selva, dizendo que era para caçar macacos. Mentira. Era para caçar guerrilheiros" - sie nahmen uns mit in den Urwald und sagten es ginge darum, Affen zu jagen. Lüge! Es ging darum, gerrilheiros zu jagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines der großen Geheimnisse im Kontext der Guerrilhabewegung von Araguaia ist der Verbleib der sterblichen Reste der Dschungelkämpfer. Viele Leichen wurden aus den Gräbern entfernt und an anderer Stelle verscharrt, wobei man die Grabplätze unkenntlich gemacht hatte. Der Antiguerrilhakampf in Araguaia war mit dem ausgehenden Jahr 1974 beendet worden; die Guerrilhakämpfer und -kämpferinnen hatte man liquidiert; die Leichen blieben verschwunden. Man hatte die Spuren der im Namen des Staates begangenen Gräuel fachmännisch „entsorgt". Man hatte exakt nach der Devise gehandelt, die General Geisel in einem Gespräch Oberstleutnant Germano Arnoldi Pedrozo so umschrieben hatte: „Was man zur jetzigen Zeit tun muß, ist mit großer Intelligenz vorzugehen, damit von dieser Geschichte keine Spuren bleiben."Nach Diva Santana, conselheira der Comissão de Mortos e Desaparecidos, Mitglied der Gruppe Tortura Nunca Mais in Bahia und Schwester der „verschwundenen" guerrilheira Dinaelza Santana Coqueiro, sind die der Kommission über dieses Problem vorliegenden Aussagen nicht besonders hilfreich, denn die Zeugen wissen zwar viel, doch zögern sie aus Vorsicht vor Repressalien stark, wirklich frei und ungezwungen zu sprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist offensichtlich, dass die Militärs die Hand eisern auf den einschlägigen Archivalien halten; da halfen bislang auch offizielle Mahnungen, Rügen oder gar Verurteilungen durch internationale Organisationen, wie z. B. durch die Corte Interamericana de Direitos Humanos, eines mit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verbundenen internationalen Gerichts, bislang nichts. Von einer rechtsstaatlichen Ahndung von Staatsverbrechen, wie sie in diesem Überblick zu Araguaia massenweise benannt worden sind, kann keine Rede sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur allgemeinen Überraschung hat die Regierung Brasiliens inzwischen allerdings bewiesen, dass sie dazu bereit ist, das von ihr gegebene Versprechen, die Archive des Schreckens zu öffnen, auch zu erfüllen. Am 29. August 2007 legte der damalige Präsident, Luiz Inácio Lula da Silva, im Palácio do Planalto, dem Regierungspalais in Brasília im Verein mit Justizminister Jobim und den Beauftragten der Regierung für Menschen-rechtsfragen eine umfangreiche Dokumentation über 339 Opfer - Tote und „Verschwundene" - der Militärdiktatur aus den Jahren 1964 - 1985 vor: „Direito à Memória e à Verdade". In seiner Ansprache betonte der Präsident, die Regierung wolle der Gesellschaft mit der vorgelegten Dokumentation dabei helfen, die Seite mit dieser Geschichte ein für allemal abzuschließen und umzublättern. Der Vorsitzende der Comissão de Mortos e Desaparecidos, Marcos Antônio Barbosa, hingegen forderte die Bestrafung solcher Angehöriger der Streitkräfte, die seinerzeit die Folter angewendet hatten. Justizminister Jobim warnte, dass jegliche Reaktion auf die Veranstaltung anlässlich der Vorstellung der Dokumentation „Direito à Memória e à Verdade" die ihr gebührende Antwort erhalten werde. Es blieb dann nicht aus, dass die Militärs auf die ungewöhnliche Veranstaltung entsprechend reagierten. Dies fing bereits damit an, dass die Chefs der drei Waffengattungen der Einladung zur Präsentation der Dokumentation über 339 Opfer - Tote und „Verschwun-dene" - der Diktatur nicht Folge leisteten. Unmittelbar nach der Veran-staltung im Regierungspalais erklärte General Enzo Peri im Namen des Oberkommandos in einer Mitteilung an die Presse, das Amnestiegesetz von 1979 habe der Nation die Versöhnung gebracht und gelte für beide Seiten. Dem Murren der im Clube Militar vereinten Reservisten setzte der Verteidigungsminister entgegen, Versöhnung könne es nur da geben, wo die Streitkräfte bereit seien, sich zu erinnern, und nicht, wo die Erinnerung verhüllt werde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die 500 Seiten umfassende Publikation dokumentiert das Ergebnis des elfjährigen Forschens der Comissão Especial sobre Mortos e Desapare-cidos Políticos. Der gewichtige Band beginnt mit einem historischen Überblick, nicht nur über die Situation in Brasilien, sondern zugleich über die Lage im lateinamerikanischen Umfeld während des betreffenden Zeitraums. Ein besonderes Kapitel bezieht sich auf die Arbeit der Kommission und auf die Herausforderungen, denen sie gegenüberstand, z.B. im Zusammenhang mit der Suche nach den „Verschwundenen"und mit dem Zugang zu spezifischen Archiven. Bemerkenswert ist der Abschnitt über „Fälle" aus der Zeit vor 1964 bzw. vor dem 31. März bzw. 1. April 1964, unter ihnen auch der Fall einer Arbeiterführerin, Angelina Gonçalves, die am 1. Mai 1950 in Rio Grande-RS von der Polizei erschossen wurde, als sie bei einer Demonstration ein Plakat mit der Aufschrift trug: „O Petróleo é Nosso!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es folgt ein Kapitel über die Periode von 1964 bis zum AI-5 mit 39 Namen. Es folgen jeweils Abschnitte zu den Jahren 1969 - 1971. Waren Schicksale wie das des Professors Pe. Antônio Henrique Pereira Neto, Mitarbeiter D. Hélders, der 1969 bestialisch ermordet worden war, einer breiten Öffentlichkeit bereits bekannt, so kamen nunmehr auch so grausame Geschichten wie die der 17jährigen bahianischen Sekundarschülerin Nilda Carvalho Cunha ans Tageslicht. Sie gehörte zum MR-8. In der Nacht des 19. August 1971 wurde sie verhaftet und zur Base Aérea de Salvador gebracht. Dort wurde sie in unsäglicherweise gefoltert. Als man sie Anfang November entließ, war sie praktisch erblindet und vermochte kaum mehr zu atmen. Sie wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und verstarb nach wenigen Tagen. Als die Mutter die Grausamkeiten, die ihre Tochter im Gewahrsam der Sicherheitskräfte hatte erdulden müssen, publik machte, wurde sie von Unbekannten mit einem Elektrokabel umgebracht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es folgen weitere Abschnitte jeweils über die Jahre 1972 - 1980, dazwischen ein Kapitel über die Guerrilha do Araguaia, worüber bis dahin nur sehr wenig bekannt gewesen war. Danach figurieren nur noch die beiden Jahre 1982 und 1985.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manche der Minister und Beamten der Secretaría Especial dos Direitos Humanos da Presidência da República - so auch der Secretário Especial de Direitos Humanos, Paulo de Tarso Vanuchi - hatten einst Verfolgung durch den autoritären Staat erlitten und waren selbst Flüchtlinge. Paulo Vanuchi, welcher der Ação Libertadora Nacional (ALN) angehört hatte, wurde verhaftet und der Folter unterzogen. Wie viele andere von der Repression Verfolgte in Brasilien, Chile und Argentinien - z.B. Lysâneas Maciel (Rio de Janeiro), Paulo Freire (Recife) oder Maria Teresa Piñero (Buenos Aires) - fand er schließlich Zuflucht beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf. Ihre persönliche Erfahrung hatte diese einstigen Flüchtlinge, wenn sie später in entsprechende Funktionen gelangten, den menschlichen Umgang mit zahlreichen - insbesondere politischen - Flüchtlingen aus Problemländern gelehrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit Januar 2011 liegt das Prädidentenamt in den Händen einer Frau, Dilma Rousseff, einst selbst Angehörige der Stadtguerrilha und in den 70er Jahren unter dem Militärregime inhaftiert und gefoltert worden, hatte wiederholt betont, dass sie aufgrund ihrer eigenen Biographie Fragen der Menschenrechte oberste Priorität geben wolle. Eine Wahrheitskommission, deren Aufgabe es sein wird, die Verbrechen der Diktatur in gebührender Weise zu untersuchen, ist bereits im Entstehen begriffen. Der Exekutivsekretär der in der Bundesrepublik Deutschland aktiven „Koalition gegen die Straflosigkeit", der Journalist Esteban Cuya, nahm im vergangenen Dezember beratend an einer Tagung in Rio de Janeiro teil, die sich mit Fragen der künftigen brasilianischen Wahr-heitskommission beschäftigte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So darf weiter gehofft werden, dass das traurige Kapitel des Staatsterrors in Brasilien zur Zeit der Diktatur moralisch, juristisch und gegebenenfalls auch ökonomisch doch noch aufgearbeitet wird. Zwar ist von den unmit-telbar Betroffenen aus jener Zeit mittlerweile wohl kaum mehr einer am Leben, doch es bleiben die Familienangehörigen, vor allem die Söhne und Töchter, denen der Staat damals kaltblütig den Ernährer genommen hat. Daran, dass der Staat hinter der ganzen Barbarei stand, kann es keinen Zweifel geben. „Es muß sein.", hatte General Ernesto Geisel am 16.2.1974 zu der „Sache mit dem Töten" zu Dale Coutinho gesagt. Bei der geforderten juristischen Aufarbeitung wird es heute kaum mehr um die Bestrafung der Schuldigen gehen können, da diese alle das Zeitliche bereits gesegnet haben dürften; es sollte jedoch um die juristischen Konsequenzen gehen, die sich aus einem - auch posthumen - Schuldspruch praktisch ergeben: um eine angemessene Entschädigung für die durch das Verbrechen entstandenen „Kolateralschäden". Es wäre nicht mehr als recht und billig, wenn die Hinterbliebenen der direkten Opfer für den ökonomischen Schaden entschädigt würden, der z. B. durch die Abschlachtung der Viehbestände etc. - offenkundige Repressalien der Armee gegen die in der Region Araguaia ansässigen Kolonisten - verursacht worden ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5763443882603780240?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5763443882603780240/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5763443882603780240' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5763443882603780240'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5763443882603780240'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2011/04/affenjagd-auf-guerrilhas.html' title='„Affenjagd&quot; auf guerrilhas'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-5028316262165430165</id><published>2011-04-05T08:23:00.000-07:00</published><updated>2011-04-05T08:52:36.240-07:00</updated><title type='text'>Gegen das Vergessen:</title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-GRZeGnpt3ZE/TZs2LoxXTMI/AAAAAAAAAHY/Cw8HxB2C9Hc/s1600/6DreselMadres.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5592122935861529794" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 320px; CURSOR: hand; HEIGHT: 240px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/-GRZeGnpt3ZE/TZs2LoxXTMI/AAAAAAAAAHY/Cw8HxB2C9Hc/s320/6DreselMadres.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&lt;div&gt;„SCHWARZES VIEHZEUG" UND „FARBIGES ELEMENT"&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Beobachtungen zum Thema „Menschenrecht, Toleranz und Humanität in Lateinamerika &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Eine Reise nach Argentinien, Paraguay und Brasilien führte mir sehr anschaulich die Lage der Eingeborenen, Schwarzen und der Landlosen, der Schwächsten also in der lateinamerikanischen Gesellschaft, im Jahr 2000 - vor Augen. Brasilien beging in jenem Jahr das 500. „Jubiläum" der „Entdeckung" der „Terra da Vera Cruz,"&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Auf der Plaza de Mayo von Buenos Aires erinnern in das Pflaster eingelassene Symbole an die vielen Menschen, die während der blutigen Herrschaft der Militärs ums Leben gekommen bzw. `verschwunden´ sind. Jeden Donnerstag versammeln sich die `Mütter der Plaza de Mayo vor dem Regierungspalais zu einem Schweigemarsch. Sie fordern Aufklärung über den Verbleib ihrer Angehörigen und verlangen `Gerechtigkeit´. Dazu gehört auch die Verurteilung der Schuldigen, die noch heute unbehelligt auf ihren Posten sitzen. Der Abgeordnete des Nationalparlaments Torres Molina unterstützt die Angehörigen der Opfer des staatlichen Terrors der 70er Jahre mit großem Engagement. Sein Assessor war einer der Exilierten jener Zeit, der bei uns in der Bundesrepublik Aufnahme gefunden hatte. Im Nürnberger Menschenrechtszentrum pflegen wir die Verbindung zu den Freunden in Argentinien. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Bis zum heutigen Tag sind wir ein kolonisierter und ausgebeuteter Kontinent", sagte einer meiner Kollegen in Rio de Janeiro. Der Leiter der Staatskanzlei von Rio Grande do Sul sprach in einem Interview, um das ich ihn gebeten hatte, von einer erneuten Kolonisierung Brasiliens. Dazu nannte er ein Beispiel: „Die 5 Geldinstitute des Landes, die von den ehemals 40 brasilianischen Banken übrig geblieben sind, befinden sich heute mehrheitlich in spanischer oder portugiesischer Hand", bemerkte er. Alle Leute sagen, Brasilien sei eine Demokratie, in der Menschen unterschiedlicher Rassen ohne Diskriminierung zusammen leben. In den gängigen Statistiken heißt es, die Bevölkerung setze sich aus 53% Weißen, 34% Mischlingen, 11% Schwarzen und 2% Sonstigen zusammen. Die Zahl der Indios wird mit 300.000 angegeben - bei einer heute um die über 200 Millionen zählenden Bevölkerung! Im Eingeborenen-Reservat von Inhacorá sprach ich mit dem Häuptling, João Camargo, der einer Gruppe von 800 Kaingang- „Indios" vorsteht. De facto geben die Bürokraten der Nationalen Indianerstiftung den Ton an. Die Kaingang betreiben Subsistenzwirtschaft auf einem Gebiet, das ca. 2.800 ha umfaßt. Vor einigen Jahren waren es noch 5.000 ha gewesen. 2.200 ha haben in der Zwischenzeit die „brancos´, weiße Anlieger, die dem „schwarzen Viehzeug´, wie sie die Indianer oft verächtlich nannten, von dem Territorium abgezwackt. Seit sie 1993 als Staatsbürger anerkannt wurden, können die Indios ihr Land wieder selbst bebauen; doch in welchem Zustand haben sie es vorgefunden? Jahrzehntelang wurde der Naturwald von skrupellosen weißen Geschäftemachern abgeholzt. Der Boden wurde durch Monokulturen, wie z. B. die für den Export bestimmte Sojabohne, total ausgelaugt. Nur schrittweise kann begonnen werden, auf der Basis der Subsistenzwirtschaft die Grundlage für den eigenen Lebensunterhalt zu schaffen. Es fehlt an allem: an Saatgut und Kleinvieh ebenso wie an landwirtschaftlichen Geräten oder Maschinen. Die Indianerschutzbehörde ist ein bürokratischer Wasserkopf. Kaum jemand dort versteht wirklich, was die Indios benötigen. In Rio Grande do Sul gibt es nur noch 8.787 Kaingang und Guaranis auf einer Grundfläche von 60.330 ha in 17 Reservaten. Für zwei Gemeinden von 336 bzw.24 Eingeborenen muß über die Anerkennung des von ihnen bewohnten Gebietes erst noch durch die Justiz entschieden werden. Wen darf es wundern, wenn sich unter diesen Umständen bei den Indios der Wunsch verbreitet: „Wir wollen in Freiheit leben, wie zu der Zeit ehe der Portugiese nach Brasilien kam!´ Kurz vor dem Besuch bei den Kaingangs hatten, ausgerüstet mit Pfeil und Bogen, Indios in Mato Grosso eine Ortschaft belagert, um zu fordern, `was ihnen gehört´: `Dieses Land ist unser!" &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;In Asunción lernte ich einen Ingenieur kennen, der eine Indianerstiftung leitet. Sein Vater, Leon Cadogan, Sohn Australischer Einwanderer, hatte sich in der Indianerarbeit in außergewöhnlicher Weise engagiert und verschiedene Guarany-Sprachen studiert. In den 40er und 50er Jahren, als die Eingeborenen noch schutzlos der Sklaverei ausgesetzt waren, hat er mit Erfolg für das Recht der Indios gekämpft. Am Ende hat er eine umfangreiche Bibliothek über die Geschichte und Kultur der Guaraní-Völker Paraguays, samt einer Art von ethnologisch-anthropologischem Museum hinterlassen. Mit einem Indio fuhren wir in das benachbarte Luque, um dort eine posada zu besuchen, ein Grundstück, auf dem die Angehörigen eines Stammes der Guaranis „Unterkunft" finden, bis sie nach Erledigung ihrer Geschäfte in der Hauptstadt wieder in den Chaco zurückkehren können. Wir haben uns freundschaftlich unterhalten und ich erfuhr viel über die Unterdrückung dieser Menschen, deren Vorväter einst die Herren dieses Landes gewesen waren. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Was die Situation der Schwarzen betrifft, deren Vorväter Brasilien als Sklaven unfreiwillig „entdecken´ mußten, widerspiegelt ein bezeichnendes Erlebnis, das ich in Porto Alegre hatte: &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;Im Regierungspalais wurde ich ins Vorzimmer des Chefs der Staatskanzlei weitergereicht, wo man mich bat, ein Weile Platz zu nehmen; vor mir sei nur noch eine Dame, eine Schwarze, an der Reihe. Als ein Sekretär auf der Bildfläche erschien, wandte sich dieser sofort mir zu, und fragte höflich, ob ich ein Glas Wasser annähme, worauf ein livrierter Diener mir artig cafézinho und Wasser anbot. Meine Nachbarin, neben der ich auf dem obligatorischen Ledersofa saß, hatte Glück, dass auch für sie ein Espresso samt einem Glas Wasser abgefallen war. Ich raunte ihr zu: „Da sehen Sie die democracia racial. Sie sind Brasilianerin, ich bin Ausländer, Sie waren zuerst hier, während ich erst nach Ihnen eintrat, doch ich habe helle Haut, also werde zuerst ich angesprochen. Vielleicht gibt es bis zum Jahr 2088 ein Gesetz, welches eine derartig offensichtliche Diskriminierung wirklich verhindert!" Damit bezog ich mich auf das `berühmte´ Jahr 1888, in dem am 13. Mai durch die Kaiserin die Abolition verkündet worden war. Obwohl seit der Aufhebung der Sklaverei weit über hundert Jahre vergangen sind, werden die Schwarzen in Brasilien noch immer als Bürger zweiter Klasse behandelt. Dabei sind von je zehn Brasilianern vier von dunkler Hautfarbe. De facto werden 60 Millionen Brasilianern bis heute die vollen staatsbürgerlichen Rechte vorenthalten, vor allen Dingen durch rassistische Mechanismen im Bildungswesen, aber auch auf dem Arbeitsmarkt. Eine ganze Reihe befreundeter Schwarzer haben mir bestätigt, dass sie auf Grund ihrer Hautfarbe entweder ohne Arbeit sind oder - auch als Akademiker - schlechter bezahlt werden als Weiße. Sogar im Bereich der Kirche sind gelegentlich Beispiele der Diskriminierung von Schwarzen zu registrieren. So berichteten Freunde aus Nova Iguaçú, einer Stadt im Großraum von Rio de Janeiro, in der überwiegend Schwarze leben, mit Abscheu vom Verhalten eines Priesters, der die bereits festgesetzte Trauung eines schwarz-weißen Paares mit der Ermahnung verhindert habe, die jungen Leute möchten sich die Sache doch noch einmal genau durch den Kopf gehen lassen. zwar verbietet das Gesetz jegliche Diskriminierung aus Gründen der Rasse, und man spricht nicht über die Hautfarbe des andern. Wie die Katze um den heißen Brei herum schleicht, windet man sich, wenn es um die Frage der Rasse geht. Am Ende bezeichnet man den Neger dann vorsichtig als ein `elemento de cor´ - ein farbiges Element! In Rio Grande do Sul und Pernambuco führte ich Gespräche mit Angehörigen der Landlosenbewegung (MST), die entweder ein Latifundium besetzt hatten, wo sie dann über viele Monate oder Jahre in primitiven Behausungen aus Planen hausen mußten, oder sich bereits definitiv einrichten konnten und, in einfachen Häusern lebend, bereits ihrer bäuerlichen Tätigkeit nachgingen. Eine UNO-Statistik belegt, daß Brasilien unter den Ländern der Erde mit der größten Bodenkonzentration in privater Hand an zweiter Stelle steht. Ungefähr 1% der Landeigentümer verfügen über 40% der gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Brasiliens. Dabei handelt es sich um nicht weniger als um 80 Millionen Hektar. Eine Untersuchung aus dem Jahre 1996 macht deutlich, dass in dem riesigen Land 4,9 Millionen bäuerlicher Familien unterhalb der Armutsgrenze vegetieren. 78% der ländlichen Bevölkerung verdienen pro Tag nicht mehr als zwei Reais, ungefähr zwei DM. Wen darf es da wundern, wenn die Miserablen unter solchen Bedingungen gegen das bestehende menschenverachtende System aufbegehren? Nach ersten Landbesetzungen haben landlose Taglöhner 1984 die Bewegung der Landlosen (MST) ins Leben gerufen. Im Laufe der mittlerweile verflossenen 15 Jahre gelang es, im Zuge von 2000 Aktionen der Landbesetzung über 200.000 Familien von Landarbeitern auf 7 Millionen ha bis dato ungenutzten Bodens anzusiedeln. Heute leben auf diesen Flächen 20 - 30mal mehr Familien als dies vor der Okkupation der Fall gewesen ist. Der Weg bis zur offiziellen Anerkennung solcher Okkupationen war nicht nur hart, sondern auch blutig. Die Kirche hat nachgewiesen, daß in den 12 Jahren von 1985 bis 1997 in ländlichen Regionen 1.003 Landarbeiter - Männer, Frauen und Kinder - und Anführer der Bewegung, wie Rechtsanwälte, kirchliche Mitarbeiter und Priester, im Zusammenhang mit Landbesetzungen ermordet worden sind. Weltweiten Protest erregten die der Bundespolizei anzulastenden Massaker von Corumbiara und Carajás. In all den Jahren kam es lediglich in 56 Fällen zu Strafprozessen, und nur 7 Personen wurden verurteilt. Alle übrigen gingen straffrei aus. Nach diesen Beispielen der Missachtung von Menschenrechten namentlich in Argentinien und Brasilien sei zum Schluß aber auch noch ein persönliches Erlebnis, eine Begebenheit von beispielhafter Toleranz, berichtet: Man hatte für den 12. Februar in der katholischen Kirche von Casa Forte, Recife, die Taufe unserer brasilianischen Enkeltochter angesetzt. Als protestantischer Theologe sollte ich bei der Feier mitwirken. In einem Vorgespräch mit Padre Edivaldo, der ein guter Freund des bekannten Erzbischofs von Olinda und Recife, Dom Hélder Câmara gewesen war, erzählte ich ihm die folgende Geschichte, die mir Dom Hélder einmal berichtet hatte: „Eine Studentin aus Rio de Janeiro, die sich auf die Abfassung ihrer Dissertation vorbereitete, kam in unsere Region mit dem Bewußtsein ihrer geistigen Überlegenheit. Man schickte sie in eine entfernte Gegend, wo sie einem Fischer begegnete, der mit einem Korb voller Fische des Weges kam. Sie begann sich mit ihm zu unterhalten und fragte ihn, ob er wisse, wer der Präsident der Republik sei. Er wusste es nicht. Und wer der Gouverneur des Staates Pernambuco sei. Auch das wusste er nicht. Und wie heißt der Bürgermeister diese Ortes? Wiederum blieb er die Antwort schuldig. Die Studentin verhehlte nicht ihr Erstaunen darüber, dass jemand, der in diesem Lande wohnte, die Namen jener Persönlichkeiten nicht kannte, die doch fast aller Welt bekannt waren. Der Fischer nahm seinerseits ganz gelassen einen seiner Fische aus dem Korb, hielt ihn der Fremden vors Gesicht und fragte: „Weiß die Frau Doktor vielleicht den Namen dieses Fisches?" Sie verneinte. Er holte einen anderen hervor: „Und diesen hier?" Sie verneinte wiederum. „Und diesen dritten hier?" Sie mußte erneut passen. Da sagte der Fischer in aller Schlichtheit: „Dann müssen wir unsere Unwissenheit austauschen!" - Nachdem ich diese Geschichte zum Besten gegeben hatte, wurde ich ohne langes Federlesen eingeladen, die gesamte Taufhandlung zu übernehmen. Eine erstaunliche Offenheit! Zur festgesetzten Stunde war ich an Ort und Stelle. Padre Edivaldo stellte mich nach der Messe der Gemeinde vor und kündigte an, daß nun der anwesende Pastor luterano aus Deutschland sein Enkelkind taufen werde. Die Gemeinde klatschte kräftig Beifall. Anstatt, wie am Vortag besprochen, bei der Tauffeier anwesend zu sein, sagte mir der Padre nun, es sei doch nicht sinnvoll, wenn er während der Taufe auch zugegen wäre, ich solle die Amtshandlung in aller Ruhe ganz allein vollziehen und zwar ganz genau so, wie es in meiner Gemeinde üblich sei. So wurde das Kind in einer der schönen katholischen Kirchen von Recife im Stil des Kolonialbarocks nach lutherischem Ritus getauft und danach in das Taufregister der römisch-katholischen Gemeinde von Casa Forte eingetragen. Dass der zuständige Kollege diese Form der Taufe in seiner Kirche gestattete, verriet eine ganz außergewöhnliche Toleranz. Er zeigte ein wahrhaft großes Herz! Eigentlich war es aber der gemeinsame amigo Dom Hélder Câmara, der statu invisibile seinen Segen zu der ungewöhnlichen Amtshandlung gegeben hatte! So wird durch dieses sehr private Beispiel bestätigt, was ein protestantischer Kollege aus Rio mir im Blick auf sein Volk und Land einmal sagte, das allen Unbilden zum Trotz von der Hoffnung auf morgen getragen wird: „Wir sind umgeben von Unwissenheit, Armut und Leiden, und doch sind wir erfüllt von Hoffnung! In unserer Zeit sind es die Armen, die gekreuzigt werden. Der Boden unseres ganzen Kontinents ist von ihrem Schweiß und Blut getränkt, doch eines Tages wird sich erfüllen, worauf wir gehofft haben, und wir werden uns zu einem neuen Leben erheben.´&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5028316262165430165?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5028316262165430165/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5028316262165430165' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5028316262165430165'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5028316262165430165'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2011/04/gegen-das-vergessen.html' title='Gegen das Vergessen:'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-GRZeGnpt3ZE/TZs2LoxXTMI/AAAAAAAAAHY/Cw8HxB2C9Hc/s72-c/6DreselMadres.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-5813292128265002502</id><published>2011-03-20T14:25:00.000-07:00</published><updated>2011-03-20T14:29:10.930-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-tcpDVXNr4pA/TYZxc9xvR1I/AAAAAAAAAHQ/H5oAcri3N7k/s1600/IMG_8711%255B1%255D.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5586277130233136978" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 288px; CURSOR: hand; HEIGHT: 216px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/-tcpDVXNr4pA/TYZxc9xvR1I/AAAAAAAAAHQ/H5oAcri3N7k/s400/IMG_8711%255B1%255D.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5813292128265002502?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5813292128265002502/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5813292128265002502' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5813292128265002502'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5813292128265002502'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2011/03/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-tcpDVXNr4pA/TYZxc9xvR1I/AAAAAAAAAHQ/H5oAcri3N7k/s72-c/IMG_8711%255B1%255D.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-7925975725173129111</id><published>2011-03-20T14:13:00.000-07:00</published><updated>2011-03-20T14:16:26.698-07:00</updated><title type='text'>Menschenrechte in Argentinien: Lesung + Ehrung</title><content type='html'>12.10.2010&lt;br /&gt;EntwicklungPartnerschaftenMission EineWelt unterwegs&lt;br /&gt;Menschenrechte in Argentinien: Lesung + Ehrung&lt;br /&gt;Eine Gruppe ehemaliger lateinamerikanischer Exilierter, vertreten durch Alejandro Franco,(Galerie Arauco, Nürnberg) bat das Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg im Rahmen seiner internationalen Arbeit, den Pfarrer Heinz F. Dressel zu danken und ihm eine Ehrung zukommen zu lassen. In verschiedenen Publikationen wurde die wichtige Rolle von Herrn Dressel während seiner Tätigkeit als Leiter des Ökumenischen Studienwerkes in Bochum dokumentiert, indem er vielen Menschen durch die Vergabe von Auslandsstipendien half deren Leben zu retten. Der gebürtige Oberfranke (1929) war nach dem Studium in Neuendettelsau für 15 Jahre nach Brasilien gegangen. Danach hatte er die Leitung des Ökumenischen Studienwerks e.V. in Bochum übernommen. Er nutzte die Möglichkeiten dieser Position, um - unabhängig von ihrem Glauben, ihren politischen Einstellungen oder ihrer Nationalität - politisch Verfolgten Südamerikas, die Einreise in die Bundesrepublik Deutschland zu ermöglichen. So konnten diese ihr Studium bzw. ihren Kampf gegen die Militärdiktaturen fortsetzen. Die Auszeichnung soll in Form einer Urkunde an Herrn Pfarrer Heinz F. Dressel ausgehändigt werden. Im August 2007 wurde Herr Pfarrer Dressel von den nunmehr demokratischen Regierungen Argentiniens und Chiles für sein Wirken mit hohen Orden ausgezeichnet. Allein in Deutschland erhielt er bis dato noch keinerlei Ehrungen. Aufgrund dessen organisiert das IB in Kooperation mit Mission EineWelt und weiteren Kooperationspartnern auf Wunsch vieler in Nürnberg lebender lateinamerikanischer MitbürgerInnen am 12. Oktober 2010 in der Villa Leon unter dem Titel "Menschenrechte in Argentinien" eine Veranstaltung, welche sich in zwei Teile gliedert. Im ersten Teil wird Pfarrer Heinz Dressel durch Teilnahme ehemaliger Exilierter geehrt, im zweiten Teil wird die argentinische Schriftstellerin Maria Teresa Andruetto aus ihrem Roman "Wer war Eva Mondino?" lesen. Maria Teresa Andruetto wurde als Mitglied der argentinischen Delegation zur Buchmesse in Frankfurt Mitte Oktober in diesem Jahr geladen. Das Buch von Frau Andruetto wurde vor kurzem vom Rotpunktverlag herausgegeben und dokumentiert die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau, die aus politischen Gründen während der Militärdiktatur Argentiniens inhaftiert, gefoltert und ihres neugeborenen Kindes, welches sie aufgrund von Vergewaltigung im Verlies gebärte, beraubt wurde. Lesung (span./deutsch) mit María Teresa Andruetto (Argentinien) "Wer war Eva Mondino?", Rotpunktverlag 2010 Die in Córdoba (Argentinien) lebende Schriftstellerin erzählt in Form eines Untersuchungsberichts die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau, die in die Mühlen der Diktatur gerät. Die Frau überlebt die Haft, jedoch zu einem hohen Preis. Die Zeugenaussagen spiegeln nicht nur ihr Schicksal, sondern beleuchten auch Angst, Heuchelei und das Mitmachen der Gesellschaft in jenen Jahren. Argentinien ist das Schwerpunktland der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt/M.. María Teresa Andruetto ist dort mit der argentinischen Delegation zu Gast.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-7925975725173129111?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/7925975725173129111/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=7925975725173129111' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7925975725173129111'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7925975725173129111'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2011/03/menschenrechte-in-argentinien-lesung.html' title='Menschenrechte in Argentinien: Lesung + Ehrung'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-6274980986477458699</id><published>2010-09-04T00:33:00.000-07:00</published><updated>2010-09-04T00:36:58.647-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TIH22pJnp0I/AAAAAAAAAHA/boZgjtKb4d8/s1600/TupIgrV.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5512958837497767746" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 297px; CURSOR: hand; HEIGHT: 331px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TIH22pJnp0I/AAAAAAAAAHA/boZgjtKb4d8/s400/TupIgrV.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-6274980986477458699?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/6274980986477458699/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=6274980986477458699' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6274980986477458699'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6274980986477458699'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/09/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TIH22pJnp0I/AAAAAAAAAHA/boZgjtKb4d8/s72-c/TupIgrV.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-6387729881571010126</id><published>2010-09-03T09:32:00.000-07:00</published><updated>2010-09-03T10:02:08.281-07:00</updated><title type='text'>Apresentação Eckert  O sol nasce para todos</title><content type='html'>Kurt Benno Eckert O sol nasce para todos&lt;br /&gt;Historias narradas para meus netos Cachoeira do Sul,&lt;br /&gt;2009&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Apresentação&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neste, nosso mundo moderno, as impressões com as quais diariamente temos que lidar são múltiplas e, consequentemente, em geral meio superficiais, coisas que vêm e vão e aparecem novamente. É por isso que tão facilmente esquecemos dados e fatos realmente importantes em nossa vida. Parece que a memória a respeito da história - inclusive de nossa história particular - não pertence às coisas que mais nos destacam. Quem foram Miquel Arraes ou Carlos Lacerda? Já faz tanto tempo que faleceram! Quem sabe os nomes de seus bisavôs? De que mais carecemos neste mundo marcado pela TV e pelo computador é uma clara noção da história, antes de tudo da própria história: quem sou eu, de onde venho, quem eram meus antepassados, em que circunstâncias particulares, familiares, sociais e políticos eles se desenvolveram?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lembro-me de livros e documentos muito valiosos, a maioria escritos e publicados no curso dos primeiros 50 anos do século XX, de testemunhas da época, como Alfred Funke, W. Heeren, Gustav Stutzer, Friedrich Wüstner, Carlos H. Hunsche, Heinrich Wilhelm Hunsche, como também da segunda metade do século, Artur Gustav Schmidt, p. ex. Os livros desses autores um tesouro da história não apenas dessas pessoas, mas de períodos da aculturação dos migrantes alemães e da Igreja protestante marcada pela reforma luterana; e dão vivo e ilustrativo testemunho da própria história estatal e nacional no respectivo período.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A obra do Pastor emérito Kurt Benno Eckert enquadra-se honrosamente nesta ilustre série de autores que enriquecem nosso fundo de conhecimento histórico e, com isso, também nossa autopercepção.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O autor nos convida a participar das vivências de seus antepassados da Saxônia, que haviam escolhido justamente o Brasil para lá procurarem seu futuro e edificarem sua vida em tempos difíceis; passaram, inclusive, pelos „anos de chumbo", como o autor denomina a Guerra Mundial de 1914 -18. Ao ouvirem dos acontecimentos no Império do Kaiser Wilhelm II., os homens apresentaram-se perante o cônsul em Joinville para cumprirem seu „dever nacional de defender a pátria" no além-mar. Acontece, porém, que a marinha inglesa patrulhava o atlântico, parava e inspecionava os que atravessavam o oceano prendendo os alemães. Era por isso que o cônsul declarou que nenhuma embarcação partiria do Brasil levando „voluntários da pátria" alemães.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A seguir, narra-nos o autor o seu próprio caminho, da infância em Santa Catarina e no Paraná, de seus tempos de estudante no Rio Grande do Sul, caminho que se cruza com o caminho principal da história global e nacional, marcada, antes de tudo, pela nacionalização, pelos „anos de chumbo" e pela repressão dos imigrantes provenientes de países do „eixo": Alemanha, Itália e Japão.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O P. Eckert nos regala um livro que muito fala de pessoas que também chegamos a conhecer ao ensaiarmos - como „residentes" novatos neste Brasil - os primeiros passos na „serra das Missões", em Tuparendi, Tucunduva, Pratos e Linha Machado, Horizontina, etc. A narrativa do colega Kurt Benno lembrou-nos, inclusive, aquele maravilhoso piano na sala da casa Mundstock; para nós, significava „uma jóia na mata".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bem no primeiro dia que da Europa chegamos ao Morro do Espelho, em São Leopoldo, ao famoso „Instituto Pré-Teológico"(IPT), meu colega Bertoldo Weber, então professor deste instituto, cumprimentou os dois novatos, o P. Bohnenkamp e a mim, com as palavras um tanto estranhas: „Meus senhores, sem dúvida vocês sequer podem imaginar que acabo de ter lutado contra vocês!" Ele fora membro do contingente brasileiro que, ao lado dos aliados, lutou contra o exército alemão em Monte Cassino, Itália. Fazia apenas 7 anos da derrota do regime de Hitler quando entramos no Brasil em 1952. O passado era ainda muito presente em ambos os continentes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Também o P. Eckert fala da guerra e dos „teutos", naquela época. Hoje constatamos com certa curiosidade a opinião dos teutos sobre o corpo expedicionário. Perguntavam eles, como o sr. Kurt Benno se lembra: „Porque morrer pelos franceses e britânicos se a guerra praticamente já terminou?" O autor, contudo, lembra também os pastores detidos como também os dias do „povão", com os quebra-quebras, em certas circunstâncias tão populares no país.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vale destacar: o narrador é testemunha dos acontecimentos de um período a cujos fatos e números em livros de história inspira vida e clareza por deixar nos participar de suas experiências.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O jovem Kurt Benno veio a ser aluno do „Proseminar" (IPT), onde foi educado na primeira turma dos „pastores made in Brazil", que, durante a guerra e o pós-guerra, marcou profundamente os destinos do então „Sínodo Riograndense".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;No período anterior, antes de tudo na década 1930 até a fase da „nacionalização", numa Igreja majoritariamente marcada por pastores enviados pela Igreja Evangélica da Alemanha, sentiam-se claramente os reflexos dos acontecimentos no além-mar e, especialmente, o antagonismo ideológico entre os „cristãos germanizantes" („Deutsche Christen") e a Igreja Confessante („Bekennende Kirche"), p. ex. A juventude não ficou à parte destes antagonismos. Neste contexto é muito interessante o que o autor conta sobre suas experiências nos seus estudos no Morro do Espelho. Terminadas as aulas do dia, os alunos se juntavam para cultivar a camaradagem entre si em horas livres as tardias praticando esporte, cantando e dedicando-se ao estudo e à discussão de temas culturais, sociais e patrióticos, preparando-se desta maneira para uma vida marcada pelo civismo. O círculo que os reunia chamava-se o „Ring" - anel ou aliança. Nos dias de festas, o 25 de julho, p. ex. - o „dia da imigração alemã", em seus uniformes, marchavam pelas ruas de São Leopoldo até a praça pública com o monumento do imigrante cantando „Die blauen Dragoner, sie reiten mit klingendem Spiel durch das Tor (...)" Com a „nacionalização" o „Ring" desapareceu, já não houve marchas nem uniformes ou canções „em língua estrangeira". Suspeitava-se do perigo da subversão (...) É conhecida esta história histérica.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O „Ring" não era „a Spiegelberg-SA", como incorretamente o havia caracterizado numa publicação de 1971. Fui devidamente corrigido por colegas que frequentaram o „Proseminar" [Instituto Pré-Teológico] no respectivo período. A ideologia do „Ring" não era nazista; provinha de época bem anterior, quem sabe, dos tempos de Bismarck; foi naquela época que surgiu o hino „Heil dir im Siegerkranz, Retter des Vaterlands ...". Preferia definir de „nacional-patriotismo" a espécie de ideologia predominante entre os tempos da imigração e o auge do fascismo. Resultado do „Kultur-Protestantismus"- protestantismo cultural - da época no país de origem (importado pelos pastores provindo da Alemanha). A outra corrente de pensamento a encontrei, de forma maciça, ao ler velhos Almanaques („Jahrweiser") e edições da revista „EJ", de autoria do P. Erich Knäpper.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Em seu livro sobre a história da comunidade de Cachoeira - Quando Florescem Os Arrozais, Porto Alegre 1994 - o P. Eckert refere-se à 39ª Assembleia Geral do Sínodo no ano de 1932 a narrar: „A conferência principal, a cargo de Prepósito Funcke, dissertou sobre o tema: 'Igreja e tradição étnica'. Foi um tema polêmico. Naqueles anos, todavia, era comum a opinião de que, para preservar os valores do evangelho e da confissão luterana, deviam-se preservar os valores culturais da etnia. O maior perigo, porém, advinha naquele tempo das idéias da doutrina nazista, que procuravam impor uma concepção de mundo diferente da doutrina cristã. O tema ainda seria motivo de muita polêmica, discussão e sofrimento entre os pastores e na Igreja." (S. 64) Sente-se ainda hoje a tensão ideológica onipresente naqueles anos em que se formaram os jovens pastores.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Enquanto estudante do curso de Teologia, o presidente do Sínodo Riograndense enviou a Tuparendi o jovem aluno Kurt Benno, na condição de „substituto" do pastor, detido por ser cidadão alemão. Felizmente a comunidade evangélica da região tinha um excelente presidente, o sr. Lückemeier, que, por iniciativa própria e ao seu risco pessoal, mandou edificar a casa paroquial, oferecendo o projeto já realizado aos membros da pequena comunidade. Este detalhe demonstra a dinâmica desse homem, também em outros contextos - coincidência muito feliz para os teutos evangélicos do lugar!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O narrador fala também do imigrante alemão Willi Steinschen, o „arquivo vivo" da comunidade em formação. Homem culto, mas também representando uma antecipada espécie de hippy. Chegamos a conhecê-lo bem no início de nossa carreira na casa paroquial em Tuparendi, que nos forneceu amparo até que a comunidade de Pratos terminasse nossa futura casa. O Willi gostava de contar coisas da história da comunidade e dos pastores de Santa Rosa, centro maior da região. Falou, p. ex., das aventuras do P. Wolf, mas principalmente do legendário pastor Gustav Hahn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O seminarista Liesenberg foi não apenas o primeiro „substituto" na comunidade, mas também o primeiro „substituto" preso, apesar de ser cidadão brasileiro; pois foi denunciado por ter falado em língua alemã, rigorosamente proibida na época. Foi preso com toda uma turma de amigos e parentes convidados para festejarem um aniversário na zona rural onde muitas pessoas sequer sabiam falar o vernáculo. Toda aquela turma festejando um aniversário foi levada para Porto Alegre! Foi a benevolência do próprio delegado porto-alegrense que os salvou de maiores dificuldades. Ele os mandou para casa - a 500 km de distância! Tempos difíceis para gente modesta!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O Willi Steinschen, alemão nato, com o presidente da comunidade, o sr. Lückemeier, verdadeiro brasileiro, e outros teutos, foram presos em Santa Rosa. Devido às elevadas despesas da delegacia por causa da alimentação de tantos presos, estes foram postos em liberdade, com exceção do sr. Lückemeier, que foi hostilmente maltratado. Foi com horror que o pessoal se lembra do comportamento dos policiais nos tempos de Getúlio!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O „substituto" Eckert - antes de cada culto dominical - tinha que se apresentar na delegacia para entregar uma lista de todos os participantes do culto. Como saber com antecedência quem participaria do culto? Eckert, utilizando uma máquina de escrever da casa Mundstock, copiou uma lista de todos os membros inscritos e regularmente entregava ao delegado uma cópia desta relação. Foi assim. Dura lex est lex, como haviam aprendido os estudantes no „Proseminar".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Para alguém como nós, que tantas vezes esteve pessoalmente em Linha Machado, primeiro de carroça, depois num velho automóvel marca Chevrolet, ano de construção 1929, tudo que o autor nos conta daquele lugarejo é muito interessante.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Os moradores, diz, teuto-russos „teimosos", formavam uma comunidade difícil; especialmente as „assembléias gerais" gravaram-se em sua memória. Um fator que mais ainda complicou a coisa foi a concorrência da comunidade „missouriana", composta de luteranos fundamentalistas com um pastor oriundo dos Estados Unidos, que tentou transferir aquele incrível fundamentalismo que se conhece de lá, onde rejeitam o conceito científico da evolução e afirmam que esse mundo foi criado no espaço de uma só semana, exatamente há 5.000 anos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;No povoado Pratos as coisas não eram essencialmente melhores. O centro, na rua principal, era formado pela casa comercial Pfitscher. Na rua paralela havia meia dúzia de igrejas: a católica, evangélica, batista e uma igreja russo-ortodoxa de duas torres, igreja fundada por um general russo. A igreja ficou famosa por causa das melodiosas canções litúrgicas dos cossacos; e, pertinho, havia mais uma igreja luterana missouriana fundamentalista. Ao planejar o povoado, os agrimensores reservaram um terreno para cada comunidade religiosa, detalhe impressionante.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Para nós, que somos muito amigos da família Mundstock, o capítulo do livro que dela trata torna-se sumamente interessante. Conta o autor como o „substituto" celebrou seu 22º aniversário na casa Mundstock e como se criaram laços de amizade com a família Mundstock, em que até encontrou sua futura esposa Herta.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nesse meio tempo a guerra na Europa terminara, mas continuava a exigência de entregar antes dos cultos aquela lista dos participantes e a necessidade de apresentar formalmente um „requerimento" para conseguir a „permissão" para a realização do culto dominical, apesar da diminuição da perseguição de „alemães" e „italianos" no país inteiro. Foi o sr. Lückemeier que conseguiu a dispensa da prática boba do delegado de Santa Rosa. Assim terminaram as besteiras das autoridades regionais.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um capítulo inteiro do livro é dedicado à D. Helena Mundstock, nossa saudosa comadre. Ela - filha de imigrantes suecos - foi uma pessoa com boa educação escolar e geral, „boa cria", como dizem os gaúchos. Ela aprendeu duas línguas, a língua materna, que era o sueco, e a língua oficial, o português. Havia lido uma série de livros brasileiros na época em moda. Falava a língua alemã devido à convivência com muitos imigrantes de origem alemã, já que no povoado de Guarany havia muitos teuto-russos, e Belo Centro - depois batizado de „Tuparendi" - fora um lugar quase que exclusivamente „alemão".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;É comovente como P. Eckert chama a D. Helena a „mãe" dos pastores e de suas famílias, que haviam chegado da Alemanha, também „de trânsito" em Tuparendi, ou cujas senhoras procuraram o Hospital dos irmãos Hase para lá dar vida aos seus filhos, como foi nosso caso. Éramos a primeira família pastoral em Pratos e passamos semanas em Tuparendi, e o nosso primeiro filho, Ulrich, nasceu no Hospital dos doutores Hase porque a D. Helena havia insistido para que minha esposa ficasse na casa dela no período crítico, e não lá em Pratos, „no fim do mundo".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O que Kurt Benno Eckert narra sobre a chegada do Pastor Scheele em Tuparendi no ano de 1948 - 4 anos antes de nossa chegada em Tuparndí e Pratos! - nos lembra nossas próprias experiências na região: numa „assembléia geral" da comunidade, convocada para introduzir o P. Scheele, o P. Gottschald, chegado da direção do Sínodo em São Leopoldo, apresentou o novo pároco. Mas não foi coisa fácil, não: estourou uma discussão sobre o salário proposto pelo Sínodo para o novo pastor. O grupo, descontente, argumentou: O Eckert passou 6 anos aqui e nunca houve discussão nenhuma sobre o salário dele. Ele aceitou o que ele recebia sem reclamação alguma. Agora vem aí um novo pastor e se espera que a gente pague mais do que anteriormente.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O presidente Lückemeier disse mais ou menos: „DEFENDI esta comunidade durante todos estes anos de guerra: o P. Dedekind foi seis vezes preso, e nós componentes da diretoria defendíamos os direitos da comunidade e sobrevivemos. Mas agora eu fico com vergonha! Sugiro que votemos democraticamente e que seja feito o que a maioria decidir." Concordaram e ficou aceito o salário proposto pelo Sínodo Riograndense.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eckert, a partir deste momento, ficou funcionário da casa Mundstock, onde ganhava 1.500,- mil reis ao mês. Antes, durante os 6 anos na paróquia, recebera apenas 500.- mil reis. (E nós, quando chegamos 4 anos depois a Pratos, em época de inflação galopante, deveríamos receber 2.500 mil reis - mas foi uma luta que nos esmagou ... quem nos substituiu foi um solteiro, muito mais barato ... )&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Acontece que por muito tempo, primeiro o governo imperial, depois o republicano, havia completamente abandonado os imigrantes que cultivavam as matas riograndenses. Não providenciou nem escolas, nem professores. Nos núcleos maiores da imigração, como p. ex. na região de São Leopoldo, os poucos pastores tomaram conta da educação escolar dos filhos da comunidade. Na „nova colonia", p. ex. na região do Alto Uruguai, com Santa Rosa, Horizontina, Três de Maio, Três Passos etc., a situação era completamente diferente. Quase não havia pastores, nem professores nem capelas ou escolas. Em consequência, o que costumamos chamar de „cultura geral", era escasso entre a população rural que lutava porá garantir sua subsistência. E havia duas „facções" natas em toda região: o catolicismo, no tempo do império religião oficial e exclusiva, e essa minoria protestante. Além disso, sentia-se a influência do „modernismo" ou da „iluminação", que perpetrou também a colônia teuta. Notava-se uma forte influência do Carlos von Koseritz, com o famoso „Koseritz-Kalender" e outras publicações dele, o impacto da ideologia dos „livres pensadores". Devido a esta realidade sociocultural presente também no interior, na „colonia", desenvolveu-se uma espécie de „confrontação cultural", sem violência, mas com difamações, fato também registrado pelo adolescente Kurt Benno.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Em certos grupos havia demasiada difamação de padres, freiras e pastores. Denominaram escolas evangélicas de „escola dos Mucker", devido ao episódio histórico dos Muckeres no interior de Sapiranga. Difamavam os pastores, „que trabalham só aos domingos, ficando em casa durante a semana ", sem considerar, p. ex., que eles lecionavam na escola comunitária todos os dias úteis ou atendiam filiais afastadas e até muito remotas da sede da paróquia, etc. Quando os pastores, os quase exclusivos educadores da juventude, planejaram construir uma escolinha maior, os críticos apenas reclamaram: quem vai pagar tudo isso? Os colonos! E ninguém lembrou que muitas vezes foi a Obra Gustavo Adolfo, do país de origem, quem carregou o peso maior da construção, etc.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Depois de ter-nos apresentado a história de seus antepassados, imigrantes, colonos e comerciantes, e sua própria história que o levou do Estado do Paraná e Santa Catarina até o Rio Grande do Sul, história fascinante, apresentada com incontáveis estórias interessantíssimas, o autor narra „o restante", a conclusão do curso de teologia, o período ativo do pastor devidamente formado e ordenado e o alcance do status de „emérito", vivendo e escrevendo lá entre sua última comunidade na vida profissional, em Cachoeira do Sul.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Voltaremos ao jovem estudante que já havia servido como „substituto" de pastores impedidos de exercer o ministério por causa da guerra e, depois, no ano de 1948, como assistente comercial da casa Mundstock e feliz pai da filha primogênita Clarissa, em Tuparendi: Quando, depois de tempos difíceis, no Morro do Espelho em São Leopoldo, a „Escola de Teologia" começou de funcionar novamente, o Kurt Benno em 1949 inscreveu-se no terceiro semestre. Formou-se em questão de dois anos, estudando muito e com seus quatro companheiros de curso - entre eles o Arno Wrasse e o Erdmann Goetz - lendo livros teológicos dia e noite. Entre os professores encontraram-se, além do diretor, D. Hermann Dohms, os pastores Heinrich Höhn, Ernesto Schlieper e Bertoldo Weber (aquele que fizera parte do corpo de expedicionários na Itália), para mencionar apenas estes. Havia apenas 20 estudantes, muitos deles encontramos ainda lá quando chegamos ao IPT em 1952 da Alemanha. Tudo era bastante primitivo: a Escola de Teologia não tinha casa própria; os estudantes ocupavam salas de reunião, o porão do Centro de Impressos e a biblioteca do Sínodo Riograndense; dormiam nas casas dos professores e frequentavam a sala de refeições do Instituto Pré-Teológico. O Kurt Benno, ao escrever sua tese final, não encontrou nenhum livro do famoso professor Karl Barth na pobre biblioteca sinodal - onde a maioria de livros era da herança do pastor Rotermund. Finalmente ele conseguiu um tomo da „Dogmatica" dele na rica biblioteca dos jesuítas, cujo seminário encontrava-se na vizinhança do Morro do Espelho.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Com o diploma no bolso, em 1951 o colega Eckert foi chamado para servir na comunidade de Serra do Cadeado, pertinho da cidade de Ijuí, que naquela época era o centro administrativo e comercial absoluto na região do Alto Uruguai. Foi lá, na casa paroquial da comunidade evangélica de Ijuí que cheguei a conhecer o Kurt Benno ao visitar a família do pastor Jost, que era o pastor regional daquela enorme região frutífera.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enviado à paróquia de Serra do Cadeado, lugar difícil, pois existia muita desunião na comunidade naquele momento, o jovem pastor hospedou-se no hotel, pois não havia casa paroquial naquele momento. Foi encarregado, além do pastorado, com a direção da escola evangélica. Por não haver locomoção oferecida pela comunidade, Kurt Benno adquiriu uma „aranha" com que visitava os membros fora do lugar em dias de sol; quando chovia, com as estradas de terra vermelha intransitáveis, ele ia a cavalo mesmo, como a maioria dos colonos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Passados uns meses, a comunidade ofereceu uma casa ao pastor e a professora da escola da comunidade, que não tinha outro amparo; o Kurt Benno chamou sua esposa com a filinha Clarissa de Tuparendi e em conjunto cuidaram da comunidade. A esposa do pastor logo foi aceita pela comunidade, e muita gente veio para conversar com ela, antes de aproximar-se com seus assuntos ao pastor. Não demorou até que também a desunião entre os membros e a diretoria da comunidade desapareceu, e se criou um clima de paz e tranquilidade no povo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na hora do culto dominical a senhora do pároco reunia as crianças numa sala para lidar na „escola dominical", uma reunião onde se ensinava os pequenos em assuntos da religião, contando histórias bíblicas, cantando e orando. Assistido por sua esposa e a professora, o pastor criou um coro que enriqueceu os cultos como também as festas como os casamentos, p.ex. Aos domingos em que o culto acontecia numa das vilas na região, a esposa e filinha acompanhavam o pastor visitando com ele também doentes e idosos lá fora, estabelecendo um clima de harmonia e confiança na paróquia.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na ocasião de uma visita em São Leopoldo, Kurt Benno, com um par de colegas do mesmo curso, foi devidamente ordenado ao ministério pastoral pelo presidente do Sínódo Riograndense, D. Hermann Dohms. A ordenação solene tomou lugar no mês de outubro de 1951 - aliás exatamente um ano antes de mihna ordenação ao ministério pastoral; fui ordenado no dia 5 de outubro na em minha cidade natal na Alemanha e cheguei - acompanhado por minha esposa - no Brasil no dia 1º de novembro de 1952.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O colega Eckert voltou para Serra do Cadeado. Não demorou, porém, e a família do pastor teve de passar por um período muito doloroso, quando a primogênita de repente adoeceu de uma enfermidade muito grave e perigosa, caindo logo em coma. Todo mundo ficou comovido com esta situação. Os pais temiam o pior. Até o médico ficou muito cético. Uma noite foram acordados pelas mulheres da OASE, que naquela hora, por solidariedade cristã, cuidavam da menina em coma, um susto enorme. Mas o que diziam foi uma verdadeira mensagem de páscoa, já que era a noite antes da festa: „A menina acordou e pediu água!" Que alegria! A comunidade reunida no culto naquele domingo de páscoa certamente nunca esqueceu o que o pastor disse, quando apareceu no púlpito: „Confesso que não tive tempo de preparar um sermão devido as circunstâncias preocupantes nestes dias e noites. Mas permitam-me contar-lhes uma história ... E contou o que havia acontecido em sua casa nos últimos dias, e depois nesta ultima madrugada. As palavras do pastor eram uma impressionante mensagem da festa da ressurreição de Jesus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;É assim que termina o livro biográfico do amigo Kurt Benno Eckert. Numa das viagens de Serra das Missões que o levou à região da „velha colônia" e para Cachoeira do Sul, ele mencionou que pretende mudar-se de Serra do Cadeado para Ijuí. Logo um membro da diretoria da comunidade de Cachoeira respondia: „Porque não vai assumir esta paróquia, já que não temos pastor atualmente!?" Foi assim que o autor do livro comentado se mudou para a comunidade evangélica de Cachoeira do Sul, que também foi homenageada com a edição de um livro biográfico - Quando Florescem Os Arrozais, Porto Alegre 1994.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heinz F. Dressel&lt;br /&gt;Nürnberg, Alemanha&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-6387729881571010126?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/6387729881571010126/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=6387729881571010126' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6387729881571010126'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6387729881571010126'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/09/apresentacao-eckert-o-sol-nasce-para.html' title='Apresentação Eckert  O sol nasce para todos'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-5042363942445918118</id><published>2010-06-27T02:51:00.000-07:00</published><updated>2010-06-27T02:55:12.320-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TCcfm8mjjzI/AAAAAAAAAGw/URBPjX9qS1Q/s1600/foto012.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5487389424937570098" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 400px; CURSOR: hand; HEIGHT: 290px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TCcfm8mjjzI/AAAAAAAAAGw/URBPjX9qS1Q/s400/foto012.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5042363942445918118?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5042363942445918118/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5042363942445918118' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5042363942445918118'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5042363942445918118'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/06/blog-post_27.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TCcfm8mjjzI/AAAAAAAAAGw/URBPjX9qS1Q/s72-c/foto012.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-26982170413250091</id><published>2010-06-27T02:39:00.000-07:00</published><updated>2010-06-27T02:46:11.631-07:00</updated><title type='text'>O 1º de abril de 1964 em Dois Irmãos - RS</title><content type='html'>Heinz F. Dressel&lt;br /&gt;Na páscoa do ano de 1964 (29 de Março) quase todo mundo esperava qualquer evento grave na vida da nação.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Apesar de preparados, ao tomarmos conhecimento pela Rádio Gaúcha, na terça-feira, 31 de março, pelas 22 horas da noite, que as tropas do general Morão estavam marchando de Belo Horizonte rumo à cidade do Rio de Janeiro, ficamos profundamente chocados. Até as 2 horas da madrugada sempre surgiram novas notícias alarmantes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na minha agenda profissional do ano de 1964 encontra-se uma anotação sublinhada a lápis vermelho: GOLPE DO ESTADO DE MINAS GERAIS.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O 3º Exército, responsável pela segurança da região sul do país, havia imediatamente colocado suas „tropas táticas" ao longo da BR-2, artéria principal do trânsito entre os Estados do Rio Grande do Sul e de Santa Catarina como medida de proteção do território do Estado de Rio Grande do Sul.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;No dia 2 de abril anotei na agenda:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;7 horas: fala Meneghetti.&lt;br /&gt;golpe da esquerda&lt;br /&gt;interdição da comunicação pelos meios de informação&lt;br /&gt;começo da „Legalidade 2, Brizola"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Imediatamente após uma proclamação do governador riograndense Ildo Meneghetti começou a falar o general Ladário Teles. Depois o Brizola declarou a "2ª LEGALIDADE" - o segundo movimento em prol do respeito à legalidade do governo, ou seja, ao Presidente da República, João Goulart.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O presidente João Goulart havia providenciado a presença do general Ladário no Estado do Rio Grande do Sul para de que fossem devidamente defendidas as instituições legais. Acontece que o general Galhardo, até então chefe do 3º Exército, havia sido deposto, já que a posição política dele não estava suficientemente clara. Depois de deposto, viajou ao Rio. Brizola mandou ocupar as rádios e emissoras de TV.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Até às 10 horas da manhã vigeu uma interdição de comunicação pelos meios de informação. Pontualmente às 10 horas o general Ladário mandou promulgar uma mensagem dirigida à população de toda região militar circunscrita ao 3º Exército, ou seja, Rio Grande do Sul, Santa Catarina e Paraná.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A „Brigada Militar", um contingente da Polícia Militar, subordinada ao governo do Estado de Rio Grande do Sul, foi integrada ao exército nacional - uma ordem que provocou o imediato protesto do Governador do Estado Ildo Meneghetti, que havia transferido a sede do governo para Passo Fundo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O general Ladário declarou sua disposição de lutar em favor do restabelecimento da lei e ordem em todo território da república com palavras como:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„O poder satânico dos privilégios não conseguirá de novo tirar a bandeira das reformas das mãos do povo. Para este povo lutaremos unidos, exército e povo juntos … Tenho certeza e confiança de que nossa causa é santa e que ninguém nos pode roubar a vitória, que é nossa."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Em seguida falava Leonel Brizola com a intenção de conjurar o mito dos „grupos dos onze". Um de seus admiradores em Dois Irmãos havia-se aproximado de mim uns dias antes, na sexta-feira-santa, avisado: "Os militares em São Leopoldo estão bem informados sobre sua posição política!" Parece, que o departamento de inteligência militar havia funcionado de forma excelente (o chefe do 19º regimento de infantaria, tenente Coronel Oswaldo Nunes era conhecido como admirador do governo do Jango.) O quartel estava em prontidão a aguardar ordens. Neste meio tempo examinava-se as reservas de armas e munição estocados na 3ª região militar com o resultado de que havia 20.000 armas de fogo mais 6.000.000 de tiros de munição.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pelas 16 horas de tarde o presidente Goulart aterrisou em Porto Alegre. Em Brasília, neste meio tempo, o parlamento declarou vaga a posição mais alta da República.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;No Rio Grande do Sul, o deputado Brizola, apoiado pelo chefe da 3ª região militar, chamou o povo às armas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O ministro de guerra, neste meio tempo, enviou tropas rumo à região sul do país.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O governador Meneghetti, com sede provisória em Passo Fundo, anunciou a marcha de uma tropa de 5.000 homens, reforçados por um contingente de voluntários, rumo a Porto Alegre, apelando ao general Ladário que este reconhecesse a realidade e evitasse qualquer derramamento de sangue inocente.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na tarde daquele dia, antes de Goulart embarcar e deixar o país, acompanhamos num aparelho de rádio transistor nas mãos o famoso comício na Praça da Prefeitura em Porto Alegre. Brizola instigou os suboficiais e sargentos a atacarem seus oficiais – "e seja à unha" - caso estes não aceitassem a liderança dele nesta luta. Neste caso os sargentos deveriam assumir o comando da tropa, afim de garantir a vitória da causa nacional.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brizola anunciou a formação de uma „milícia popular". Cada vez que mencionava o nome do governador Meneghetti e dos „conservadores", a multidão gritava: "paredão, paredão!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durante a noite seguinte resolvi fazer tudo a meu alcance para impossibilitar qualquer tipo de confrontação dentro dos limites de minha paróquia de Dois Irmãos. Queria tentar evitar situações em que, por exemplo, jovens inocentes se deixassem atrair pela idéia de formar um grupo desta „milícia popular". Resolvi fazer tudo que possível para evitar que entre esses colonos, naquela época politicamente pouco esclarecidos, fosse derramado sangue inocente (e a palavra "inocente" vem de "não ter noção de nada").&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eu havia escutado os repetidos apelos de Brizola para formar "milícias". Graças a meus contatos com a esquerda radical, havia tomado conhecimento da existência de lugares onde havia núcleos onde se cogitava a formação de clandestinos grupos de extremistas - armados ou ainda não armados. Fiquei preocupado ao pensar nas possíveis intenções de um amigo da casa, líder dos petebistas no lugar, mas exercendo sua profissão na capital do Estado; ele era capaz de aparecer de repente em Dois Irmãos com a idéia de formar um destes grupos. Tive conhecimento de que em outras cidades já estavam ocupadas prefeituras e emissoras de rádio por tais grupos. Até hoje não se sabe com exatidão o número destes „grupos dos onze" existentes neste Brasil, mas é um fato mesmo que o apelo do Brizola foi ouvido em praticamente todos os Estados da República e não apenas no Rio Grande do Sul. A repercussão também em círculos do PCB, inclusive em grupos de dissidentes do PCB - e não apenas no PTB - era surpreendente.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Calculei que Jango talvez pudesse se manter em Porto Alegre por mais ou menos duas semanas ao máximo. Esta avaliação me motivou no dia 2 de abril a procurar o prefeito para falar com ele sobre a situação atual do país. Perguntei quem nesta situação caótica governava de fato: o governador encontrava-se "incomunicável" em Passo Fundo, o Brizola na capital do Estado, aproveitando-se dos meios de comunicação indispensáveis; perguntei, então, quem era que de fato governava, e quem governava em nosso município de Dois Irmãos: o prefeito ou, quem sabe, o delegado de polícia da localidade (que era admirador fervente do Brizola)? E, perguntei, quem é que governava o Estado de Rio Grande do Sul - o Meneghetti, o João Goulart, ou Leonel Brizola com o 3º Exército?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A resposta do homem revelava o real tamanho da confusão e do medo do clássico cidadão humilde e obediente da zona rural ou semirural: "Quando o pessoal lá em Porto Alegre manda ordens, somos obrigados de cumprir as ordens que deles recebemos." O prefeito continuou falando lamentando: "Nunca antes passamos por uma situação destas, é a primeira vez em toda minha vida! Não sei o que eu devo fazer. Na outra vez, em 1961, durante o Primeiro Movimento da Legalidade, eles haviam nos mandados instruções da capital do Estado." Respondi: "O senhor não é comunista e eu o sou tampouco, e também os nossos colonos não são. A Igreja Católica ainda não se manifestou, mas ela também não defende a bandeira comunista, por isso não devemos permitir que uma minoria eventualmente produza caos e desordem neste município; não devemos permitir que venha uma minoria com o propósito de pôr os moradores em armas arriscando que corra sangue inocente num embate irracional. Por isso temos o dever de impor as regras do jogo e proibir que alguém apareça na rua armado. Quem vai à rua com uma arma na mão vai para a cadeia!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O prefeito ficou contente com a orientação recebida e fez apologias por motivo de sua inexperiência, e disse que a atual situação significava para ele algo completamente novo e desconhecido. Depois disso perguntou-me: "Como vou aplicar na prática este conceito que ora discutimos?" Aconselhei que evitasse discutir o assunto com o chefe da polícia, que apenas o visitasse e declarasse o mesmo que declarou o prefeito de Porto Alegre, Sereno Chaise, durante aquele comício da Praça da Prefeitura: "Aqui neste município sou eu quem manda e quem garante a ordem! Eu não tolero que alguém ande armado pelas ruas da cidade. Quem não obedece, vai ser preso pela polícia e marcha instantaneamente para a cadeia!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O prefeito me prometeu convocar ainda na mesma tarde os vereadores e convidar também os religiosos das três comunidades sediadas na cidade. Eu ainda ofereci ir com o prefeito no mesmo dia ao quartel da infantaria em São Leopoldo para conversarmos com os militares.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Graças a deus, pelas 13.30 horas, a Radio Guaíba divulgou a notícia da decisão do presidente João Goulart de abandonar o país para evitar uma guerra civil com muitos mortos - grandeza gaúcha!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seja-me permitido acrescentar um episódio típico que ocorreu nos primeiros dias de abril de 1964 em Dois Irmãos:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alguns dias depois do golpe parou em frente à delegacia de polícia - pertinho da casa paroquial – um comboio de cinco veículos: um jipe, uma van e três caminhões cheios de soldados vertidos de uniforme de combate e fortemente armados. O objetivo deles era procurar e prender comunistas. Este tipo de "blitz" com o objetivo de capturar militantes daqueles misteriosos "grupos dos onze" também em lugarejos muito remotos eram freqüentes naqueles dias pós-golpe (Direito à Memória e à Verdade, p.485)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na calçada e na rua à frente da delegacia, vis-à-vis do terreno da Comunidade Evangélica, estava um aglomerado de militares. Atravessei a rua e perguntei, brincando com os soldados, se porventura sua visita tinha o objetivo de gozar de um dos famosos e suculentos churrascos do lugar. Os praças não reagiram e ficaram calados.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neste meio tempo havia chegado à delegacia de polícia também o prefeito. Cumprimentei-o e perguntei qual era Ia razão desta invasão castrense. A resposta reconfirmou exatamente o que me havia preocupado: "Eles têm ordem de caçar comunistas, todos os comunistas comprovados e subversivos que moram no município." Respondi: "Muito bem, todo mundo sabe que não tem este tipo de gente aqui." E adicionei, para o comandante da tropa ouvir: "Durante os dias da crise reinou calma absoluta nesta cidade. Além disso, o senhor prefeito havia tomado providencias para evitar qualquer perturbação da ordem."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O prefeito, seu Walter Fleck, mais uma vez me agradeceu a assistência prestada, e os "caçadores de comunistas" foram-se rumo a São Leopoldo sem terem caçado nada e ninguém. No contexto deste episódio lembro-me ainda bem de um momento meio engraçado: o jipe do comandante só se pôs em movimento depois de empurrado com muitos esforços...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-26982170413250091?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/26982170413250091/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=26982170413250091' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/26982170413250091'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/26982170413250091'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/06/o-1-de-abril-de-1964-em-dois-irmaos-rs.html' title='O 1º de abril de 1964 em Dois Irmãos - RS'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-4933238192887403039</id><published>2010-06-24T13:42:00.000-07:00</published><updated>2010-06-24T13:51:50.322-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TCPE6KWArSI/AAAAAAAAAGg/wpCrNeLRWk0/s1600/bris01.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5486445274555526434" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 390px; CURSOR: hand; HEIGHT: 400px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TCPE6KWArSI/AAAAAAAAAGg/wpCrNeLRWk0/s400/bris01.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-4933238192887403039?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/4933238192887403039/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=4933238192887403039' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/4933238192887403039'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/4933238192887403039'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/06/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/TCPE6KWArSI/AAAAAAAAAGg/wpCrNeLRWk0/s72-c/bris01.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-4719392974148225978</id><published>2010-06-24T13:37:00.000-07:00</published><updated>2010-06-24T13:41:30.850-07:00</updated><title type='text'>Die „vorrevolutionäre" Situation bis zum Militärputsch 1964</title><content type='html'>Heinz F. Dressel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer die 50er und 60er Jahre in Brasilien aktiv miterlebt hat, wird sich noch lebendig an Francisco Julião und an die Landlosenbewegung erinnern. Gregório Bezerra hat einmal sehr eindrücklich das mühevolle Dasein der Landarbeiter des Nordostens beschrieben: In den frühen Morgenstunden begegnet man auf den Straßen der Zuckerregion tagtäglich Lkws, deren Ladeflächen vollgestopft sind mit Männern, Frauen und Kindern, als handle es sich um Viehtransporte. Bei all diesen Menschen, die auf den Fahrzeugen zusammengepfercht sind, handelt es sich um perspektivlose Landarbeiter, die zum Einbringen der Ernte in die Zuckerrohrfelder transportiert werden. Wenn denn der slogan no future irgendwo auf dem Globus wirklich angebracht war, so hier, bei diesen ausgebeuteten Kreaturen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Nordosten, wo die Konzentration des Landbesitzes besonders markant und die Proletarisierung der Landarbeiter am weitesten fortgeschritten war, bildeten im Januar 1955 eine Anzahl von Kleinpächtern, Landarbeitern, Tagelöhnern, nur für den Eigenbedarf produzierenden „Subsistenz-Landwirten", Bauernsöhnen ohne Eigentum, landwirtschaftlichen Leiharbeitern etc. in Galiléia, Pernambuco, eine Berufsgenossenschaft, aus der sich bald die Ligas Camponesas entwickeln sollten, als der Advokat und spätere sozialistische Abgeordnete Francisco Julião das Steuer in die Hand genommen hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ähnliche Ligas gab es bereits seit der Nachkriegszeit. Zumeist hatte man versucht, die Attraktivität und Popularität der örtlichen Ligas durch die Beifügung eines Heiligennamens zu fördern: Liga Camponesa Santa Madalena lautete dann etwa der Name. Ursprünglich sollen die Ligas so etwas wie »Begräbnisvereine« gewesen sein, ähnlich den „Wohltätigkeits-Genossenschaften auf Gegenseitigkeit", die bei Eintritt eines Todesfalles in der Familie mittels einer finanziellen Beihilfe, in erster Linie zum Erwerb eines Sarges und einer Grabstätte auf dem Friedhof, eine würdige Bestattung garantierten. Im Laufe der Zeit hatten sich die Ziele der Genossenschaften geändert, und es ging nicht mehr nur um ein paar Meter Land zur Bestattung der Toten, sondern um etwas Land für die hungrigen Lebenden. Julião hat diese »famose Geschichte« später als eine Dramatisierung der Landproblematik interpretiert, auf dem Hintergrund etwa der seinerzeit weltweit berühmten „Geographie des Hungers" von Josué de Castro, von dem das berühmte Bild vom Zyklus der Krabben stammt: „Die Armen, die in den mocambos hausen, leben von Krabben und die Krabben leben von menschlichen Abfällen. Alles, was inmitten dieses schwarzen Flußschlammes Mensch ist, war und ist und wird Krabbe sein. Die Menschen in den mocambos riechen nach Krabbe, sie denken wie Krabben, sie schreiten rückwärts wie Krabben." (Ciclo do Caranguejo) Vielleicht hat zur Dramatisierung auch das Werk des&lt;br /&gt;Ernährungswissenschaftlers Nelson Chaves beigetragen, der in einem Gespräch, das wir 1972 miteinander führten, von einer „neuen Spezies von Menschenaffen" im Nordosten, die infolge des eklatanten Mangels an Protein entstehe, gesprochen hatte. Für ihn stand es fest, dass der Grund dafür in der immer stärkeren Industrialisierung des Zuckers zu suchen war. Die Zuckerrohrplantagen breiten sich aus, argumentierte er, und ersticken alle anderen Kulturen. Dies wirkt sich ganz enorm auch auf die Ernährung der Menschen aus, die sich auf Dörrfleisch, Maniokmehl, Bohnen und Süßkartoffeln und auch auf den Zucker gründet. Die moderne Monokultur des Zuckerrohrs bringt es mit sich, dass die Abwässer aus den Zuckermühlen die ohnehin spärlichen Gewässer der Region so weitgehend verunreinigen, dass Fische und Schalentiere eingehen. Auf diese Weise ist der Bevölkerung eine wichtige Quelle eiweißreicher tierischer Nahrung verlorengegangen. Es konnte überhaupt nicht ausbleiben, dass die darbende Landbevölkerung im brasilianischen „Hungerdreieck« sich eines Tages gemeinsam gegen die herrschenden Lebensbedingungen auflehnen würde, um wenigstens minimale Rechte zu erstreiten. Gilberto Freyre sagte damals: „Es gibt derzeit in Lateinamerika keine kritischere Region als den Nordosten Brasiliens." Die Menschen dachten weithin wie jene Mutter von acht Kindern, die seit 15 Jahren in der Favela wohnte: „Es ist einfach nicht mehr auszuhalten. Ich werde anfangen zu stehlen. Ich bin ganz versessen darauf, dass der Kommunismus kommt!" Es war nicht von ungefähr, dass der Putschversuch der Kommunisten 1935 gerade in Recife begonnen hatte!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der eigentliche Fokus der ständig wachsenden sozialen Unruhen zu Beginn der 60er Jahre lag dementsprechend im Nordosten. Ein Beispiel der nahezu absoluten, semi-feudalen Macht im sertão erwähnt Paulo Cavalcanti in seiner politischen Chronik Nos Tempos de Prestes: Da hatte, wenige Wochen vor dem Amtsantritt des Gouverneurs Miguel Arraes, der Großgrundbesitzer José Lopes de Siqueira Santos fünf Landarbeiter ermordet, die ins Büro seiner Zuckermühle gekommen waren, um wegen rückständiger Lohnauszahlung zu reklamieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Landarbeiter waren seinerzeit völlig rechtlos, im Unterschied zu den Industriearbeitern in den urbanen Zentren, zu deren Schutz Getúlio Vargas entsprechende Gesetze erlassen hatte, über deren Einhaltung das „Allgemeine Kommando der Arbeiterschaft" (CGT) eifersüchtig wachte. Miguel Arraes, der endlich mit einem Zustand brechen wollte, der unter dem Gesichtspunkt sozialer Gerechtigkeit nicht länger zu vertreten war, gelang es, zwischen den antagonistischen Parteien - hier die latifundistas, dort die camponeses - einen Akkord zustande zu bringen und auf diese Weise den sozialen Frieden in Pernambuco zu erhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im November 1961 tagte in Belo Horizonte der 1. Nationale Kongress der Landarbeiter mit Francisco Julião, der sich mit allen Mitteln für die Interessen der verelendeten Landarbeiter einsetzte. Er hatte eine Delegation von 200 Repräsentanten der Ligas Camponesas mitgebracht. Auf der Tagesordnung stand die Forderung nach einer unverzüglichen Enteignung aller Latifundien einer Größe von mehr als 500 Hektar. Eine besondere Provokation bedeutete das Abspielen eines Tonbandes mit einem Grußwort Fidel Castros an die ca. 5000 Versammelten, in dem der Beifall Kubas zu einer Agrarreform in Brasilien zum Ausdruck kam. Zu den Instrumenten, derer man zur Herbeiführung der geforderten Agrarreform bedürfe, zählte in den Augen der Anführer der Ligas auch die Entsendung von „Landarbeiterführern" nach Kuba zum 1. Mai 1961.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Jacob Gorender, Publizist und Journalist und einst Mitbegründer des Partido Comunista Brasileiro Revolucionário (PCBR), wissen wir, dass es zu Zeiten der Regierung Jânios (31.1.1961 - 26.8.1961) einen intensiven Polittourismus der brasilianischen Ultralinken nach Kuba gegeben hatte. So befand sich der Vorsitzende des PCB, Jover Telles, vom 30.4. bis zum 23.5.1961 in Havanna. In dem Bericht über seine dortigen Aktivitäten erwähnte er die Frage nach einem Curso político-militar in Kuba für eine Reihe von Genossen. Zu jener Zeit hielt sich auch Francisco Julião, der Leader der Ligas Camponesas, in Havanna auf und suchte - laut Telles - kubanische Unterstützung des bewaffneten Kampfes. Dies entsprach übrigens nicht der Position Telles‘, der empfahl, die Angelegenheit mit Carlos Prestes (dem Generalsekretär des PCB) zu diskutieren. Auch der Rechtsanwalt Clodomir dos Santos Morais, einer der frühen Verfechter einer sozialistischen guerrilha in Brasilien, befand sich im Mai 1961 in Kuba. Er kommandierte eine Gruppe von Anführern der Ligas Camponesas und betrieb erfolglos den Einstieg des PCB in den bewaffneten Kampf. Die Partei schloss ihn später aus. In einem Brief vom 16.9.96 wies der frühere Justiz- und Erziehungsminister Jarbas Gonçalves Passarinho den Vf. auf das 1973 erschienene und in Kuba prämierte Buch A esquerda armada no Brasil hin, das auf der Grundlage von Aussagen kommunistischer guerrilheiros e terroristas basiert und in dem die Tatsache, dass terroristische Aktionen bereits lange Zeit vor Beginn der staatlichen Repression stattgefunden hatten, bestätigt werde. Zu diesem Komplex gibt es inzwischen bessere Informationen als vor 20 Jahren, besonders, was die frühe Landguerrilha im Amazonasgebiet betrifft.&lt;br /&gt;Gorender geht in seinem „Klassiker" über die Geschichte der marxistischen Untergrundbewegung in Brasilien - Combate nas Trevas - davon aus, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Ideen aus Frantz Fanons letztem Buch - Die Verdammten dieser Erde, das 1961 erschienen war, die Auffassung gerade jener Revolutionäre in besonderer Weise stützte, in deren Augen der bewaffnete Kampf der Bauern der entscheidende Motor einer generellen Revolution war. Von nun an war eine Radikalisierung der Ligas zu beobachten, zumindest, was ihre Parolen betraf. So hatte Julião damit begonnen, die längst überfällige Agrarreform „per Gesetz oder per Gewalt, mit Blumen oder mit Blut", herbeizuzwingen. Damit hatte er nolens volens seinen bis dahin vertretenen Standpunkt, der sich am Gesetz und an der Verfassung orientierte, verlassen. Im April 1962 begann in Ouro Preto die vom kubanischen focismo inspirierte „Revolutionsbewegung Tiradentes" (MRT) mit der Vorbereitung des bewaffneten Kampfes und Brizola betrieb die Organisation der „berühmten" Grupos dose Onze, womit er - was er nach seiner Rückkehr aus dem Exil noch einmal bestätigte - militante „Zellen" zur Durchführung bewaffneter Aktionen im Sinn hatte. Damit knüpfte er bewusst an die 1956 von Fidel Castro angeführte Invasion in Kuba an, bei der nach einem Angriff der Luftstreitkräfte Batistas von den 84 Revolutionären, die sich auf der legendären Granma befunden hatten, nur elf, darunter Fidel und Raúl Castro, überlebten. Fidel soll damals zu seinem Bruder gesagt haben: „Zwölf - dann sind die Tage des Diktators gezählt!" Brizola griff in einem Memorandum vom 29. November 1963 auf das Beispiel jener elf kubanischen Revolutionäre zurück und proklamierte die Bildung von „Commandos Nacionalistas" bzw. von „Grupos dos Onze Companheiros" - Elfergruppen - mit dem dreifachen Ziel: Verteidigung der demokratischen Errungenschaften des brasilianischen Volkes, unverzügliche Durchsetzung der notwendigen „Reformas de Base" und nationale Befreiung (libertação nacional). Dabei stellte Brizola sich faktisch bewaffnete Gruppen vor. Der Mythus Fidel Castro lag in der Luft! Im Nordosten des Landes bemühte sich Sargento Gregório - Bezerra -, der sich mit ganzer Leidenschaft der Organisation von Landarbeitergewerkschaften in Pernambuco gewidmet hatte, inzwischen um die Bewaffnung seiner Mannen. Sein diesbezüglicher Appell an den Gouverneur blieb jedoch ohne Antwort. Die Zukunft hatte bereits begonnen: Der Putsch war unterwegs. Man wusste nicht, ob er von links oder von rechts kommen würde, in Gestalt eines Staatsstreichs der Kommunisten oder als Rebellion der Armee.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie heutzutage der Führer des PT Lula z.B. auf seiner Caravana da Fome - Karawane des Hungers - die mystische Religiosität der einfachen Landbewohner im Nordosten einkalkuliert, wenn er erklärt, das Rot seiner Parteifahne sei »das Blut Jesu Christi am Kreuz« und das Kreuz des PT »der Wegweiser zur Geburt Jesu«, so hatte schon lange vor ihm der Volkstribun Leonel Brizola in demagogischer Weise die neue Aufgeschlossenheit der Katholischen Kirche sozialen Problemen gegenüber - es war die Zeit der Päpstlichen Enzyklika Mater et Magistra (15.5.61) - politisch genutzt und den Armen eingebläut: „Auch Christus war arm!" Brizola trat gern mit dem Ex-Padre Alípio de Freitas auf, der zum Partido Revolucionário dos Trabalhadores (PRT) gehörte und vor allen Dingen unter den Landarbeitern in Bahia, agitierte. Er hatte eine Weile in Kuba zugebracht und betätigte sich danach heimlich in der brasilianischen Ação Popular (AP). „Padre" Alípio geriet zu Beginn der Diktatur in Gefangenschaft und bezeugte später, dass auch in „den Kellern der Kasernen" Folterungen stattgefunden hätten, und dass Generals Antônio Bandeira, der Kommandeur des III. Exército, persönlich daran teilgenommen habe. Der Anführer der Aliança Libertadora Nacional (ALN), Joaquim Ferreira (o Toledo) ebenso wie der Leader des PC do B ,Carlos Danieli, seien, anders als offiziell verlautete, bei der Folter und nicht auf der Flucht ums Leben gekommen. (ZH 6.4.98)&lt;br /&gt;Übrigens verschmähte es auch der Sozialist Francisco Julião nicht, auf die christlichen Gleichnisse zurückzugreifen, um seinen am Rande des Elends lebenden Brüdern auf dem sertão das tägliche Brot zu erkämpfen.&lt;br /&gt;Die damals immer häufiger erklingenden radikalen Töne durften so ernst nicht genommen werden. Es ist so gut wie erwiesen, dass die Parteistrategen in der UdSSR zu Zeiten von João Goulart nicht an einem kommunistischen Aufstand interessiert waren, vielmehr strebte der „partidão" (PCB) einen friedlichen Übergang an und setzte auf eine Allianz mit der nationalen Bourgeoisie, um gemeinsam mit dieser eine nationalistisch-protektionistische Wirtschaftspolitik durchzusetzen. Auch die Gruppe um Fidel Castro war seinerzeit nicht an bewaffneten Aktionen in Brasilien gelegen, vielmehr war beiden Sektoren daran gelegen, die Regierung Goulart zu stabilisieren, indem sie deren Politik der „Reformas de Base" unterstützten.. Aus diesem Interesse heraus mussten sie zum damaligen Zeitpunkt jeden Radikalismus, sei es der von Julião oder der von Brizola, verurteilen. Entsprechende Zeugnisse von kommunistischer Seite, z. B. von Paulo Cavalcanti in Recife, belegen dies zur Genüge.&lt;br /&gt;Nach dem Rücktritt des Chaoten Jânio Quadros arbeitete die Regierung Goulart (8.9.1961 - 31.3.1964) unter Federführung des Planungsministers Celso Furtado ihren Dreijahresplan aus, der - neben tiefgreifenden Reformen im Gesundheitswesen, auf dem Gebiet der Lebensmittelversorgung sowie im Bildungs- und Transportwesen - insgesamt auf wichtige, längst fällige und unaufschiebbare Strukturreformen zielte. Angesichts der Rechtslage war es klar, dass die notwendigen Reformen nicht ohne eine Änderung der Verfassung verwirklicht werden konnten. Infolge der Mehrheitsverhältnisse im Parlament wurde 1963 die Anwendung von Notstandsgesetzen nicht zugelassen. Bei diesen Gesetzen handelte es sich konkret um den in Extremfällen vorgesehenen »Ausnahmezustand«, der den Präsidenten u.a. dazu ermächtigt hätte, in einzelnen Staaten zu intervenieren und per Dekret bestimmte Reformen vorzunehmen - ähnlich, wie es später die Militärs mit ihren „Institutionellen Akten", speziellen „Notstandsgesetzen", wiederholt praktiziert haben. Darcy Ribeiro, der „Chef des Kanzleramtes", hatte eigens ein Gesetzesprojekt vorbereitet, das zwischen dem Gebrauch und Besitz von Ländereien unterschied: Alle Ländereien, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums von ihren Eigentümern nicht adäquat benutzt worden waren, sollten von den traditionell darauf wohnenden „Häuslern" genutzt werden dürfen. Die Landbesitzer protestierten vehement gegen das geplante Gesetz. Ihr Sprecher, der Abgeordnete Armando Falcão, brachte den Protest auf den Nenner: „Haben Sie den Abgeordneten Ihrer Region dazu gewählt, damit man beschließt, Ihnen Ihr Land wegzunehmen? Verteidigen Sie Ihre Freiheit und verteidigen Sie Ihr Land!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die „Bauernligas" waren bereits in aller Munde, da kamen die „Gruppen der Elf" dazu, deren Organisation Leonel Brizola vor allem in seiner bereits zur Institution gewordenen „Ansprache am Freitag" über Radio Mayrink Veiga verkündete. Diese Comandos Nacionalistas, als welche sie auch bezeichnet wurden - (laut Brizola sollte es sich landesweit um eine Avantgarde der Revolution von 300.000 Mannen handeln) - sollte ohne Verzug die „Volksrevolution" in Brasilien entfachen. In einer Atmosphäre der „steigenden Erwartungen" forderten die Ultras immer ungeduldiger »grundlegende Reformen«, die Landarbeiter eine radikale Landreform, die Arbeiterschaft die Stadtreform, die Beamten eine Bankreform, die Angestellten eine Reform der Arbeitszeit, die Studenten eine Universitätsreform. Julião prophezeite: „Der Wille des Volkes wird den Sieg davon tragen, mit oder ohne Parlament!" Brizola forderte lauthals die Auflösung des Parlaments: „Dieses Parlament wird keine einzige Reform beschließen!" Goulart müsse handeln, drängte er, wie Getúlio Vargas es 1937 angesichts der Gefahr des Integralismus getan habe: „Wenn wir nicht putschen, werden die andern putschen!" Der Volkstribun aus dem riograndenser Städtchen Carazinho wollte unter allen Umständen den Umsturz und den Bürgerkrieg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Plänen seines Schwagers João Goulart entsprach solcher Radikalismus nicht. Zwar hielt auch er radikale Reformen für unerlässlich, er hoffte sie jedoch mit friedlichen Mitteln herbeiführen zu können: die Agrarreform, die dringend nötige Reform des Bildungswesens, die Reform des Wahlrechts, um endlich auch der Masse der Analphabeten die Möglichkeit zu geben, ihr Schicksal mitzubestimmen, die Reform des Bankwesens, um nur die wichtigsten Projekte der Regierung anzusprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Goulart stand fest, dass es ohne eine „Reformulierung" und die „Liquidierung" überkommener, morscher Strukturen, nicht gelingen konnte, den sozialen Frieden in einem Volk herzustellen, das ökonomisch weithin noch unter Bedingungen lebte, wie sie in der alten kolonialen und monarchisch geprägten Gesellschaft gang und gäbe gewesen waren, ohne dass sich durch die Abschaffung der Sklaverei und, ein Jahr danach, auch der Monarchie, tatsächlich greifbare und für die armen Massen tatsächlich zu Buche schlagende Veränderungen ergeben hätte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In seiner Rede auf der großen Kundgebung in Rio de Janeiro vom Freitag, dem 13. März 1964 hatte Präsident João Goulart ausgeführt: „In einem Land, in dem man für den Boden, den man bearbeitet, Pacht zu entrichten hat, die 50% des auf diesem Stück Land erzielten Ertrages übersteigt, kann es keine preiswerten Lebensmittel geben. In meinem Staat z.B., im Staat des Abgeordneten Leonel Brizola, werden 65% der Reisernte auf gepachteten Flächen erzielt, und der Pachtzins übersteigt 55% des Gesamtwertes der Ernte. Was in Rio Grande passiert, ist also, dass der Pächter eines Stückes Land zum Anbau von Reis dem Eigentümer jedes Jahr auf‘s neue den Gesamtwert des bearbeiteten Ackers erstattet. Dieses unmenschliche, mittelalterliche Lehenswesen in der Landwirtschaft ist die Hauptursache dafür, dass die landwirtschaftliche Produktion unzureichend und viel zu teuer ist, wodurch dann auch die Lebenskosten für die unteren Schichten unserer Bevölkerung unbezahlbar werden."&lt;br /&gt;Wie es vor und außer ihm auch andere Verfechter der Landreform, von Nabuco bis Julião, gehalten hatten, berief Goulart sich ebenfalls auf die Soziallehre der Kirche, wenn er beschwörend darauf hinwies, es sei der unvergessliche Papst Johannes XXIII gewesen, der uns gelehrt habe, dass die Würde der menschlichen Person als natürliche Lebensgrundlage das Recht auf die Nutznießung der Güter der Erde voraussetze. Daraus ergebe sich die fundamentale Pflicht, jedermann Eigentum zuzugestehen. Der Präsident wusste, dass sich die ihm vorschwebenden Reformen nur im Rahmen des Ausnahmezustands und mit Hilfe von Notstandsgesetzen realisieren lassen würden. Er vergaß nicht, hinzuzufügen: „Ich weiß um die Reaktionen, die zu erwarten sind ... doch können wir voller Stolz erklären, dass wir auf das Verständnis und auf den Patriotismus der tapferen und glorreichen Streitkräfte der Nation zählen dürfen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Wochen später war es mit dem Verständnis der Streitkräfte vorbei!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor dem Kulminationspunkt der politischen Kämpfe jener Zeit - dem Sturz der Regierung Goulart durch die Militärs am 1. April 1964 - hatten sich Agitation und Konspiration im gesamten Bundesgebiet rapid verstärkt. Die Medien hatten ein gut Teil dazu beigetragen. Klagte der populistische Senator Brizola in einer seiner flammenden Freitagsreden eine neue Schandtat der Ordnungskräfte des Gouverneurs von Guanabara, Carlos Lacerda, an, brachte das Jornal do Commercio prompt die Meldung von der Brandstiftung in einer Zuckerplantage oder von der Invasion eines Latifundiums durch die Liga dos Camponeses. Bei näherer Betrachtung stellte es sich dann oft heraus, dass es sich um eine „Geisterinvasion" oder um ein „Feuer" handelte, das lediglich in der Phantasie eines Sensations-Reporters gelegt worden war. Dies soll nicht heißen, Francisco Julião und seine Genossen in der Führung der Ligas seien lauter Unschuldsengel gewesen; ganz im Gegenteil: sie setzten mit ihrer Demagogie und mit ihren Aktionen die Staatsregierung tatsächlich unter Druck! Die Invasion des Engenho Serra, einer bekannten Zuckermühle in Vitória de Santo Antão, bedeutete für die Regierung des sozialistisch gesinnten, jedoch zugleich dem geltenden Gesetz der Unverletzlichkeit von Privateigentum verpflichteten Gouverneurs Miguel Arraes eine beträchtliche Herausforderung. In einem „vorrevolutionären" Klima, wie die Romantiker und Guevaras de opereta es sahen, spukten Vorstellungen wie luta armada und „Sozialreformen, wenn nicht kraft des Gesetzes, dann mit Mitteln der Gewalt" in den Köpfen vieler linker Romantiker herum, vornehmlich unter der studentischen Jugend, allerdings in gleicher Weise bei manchen Militärs und Genossenschaftlern. Dass Zuckerrohrfelder in Alagoas und Paraiba und auch in Pernambuco tatsächlich niedergebrannt worden sind, ist nicht zu leugnen. Julião hat später zu erklären versucht, dass er niemals der Landbesetzung oder gar der Zerstörung von Pflanzungen das Wort geredet habe. Er habe den Menschen klarzumachen versucht, wie viel Mühe, Schweiß und Blut der Sklaven in den Aufbau der Fazendas gesteckt worden sei, so dass es schon aus diesem Grunde nicht erlaubt sei, diese zu zerstören.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-4719392974148225978?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/4719392974148225978/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=4719392974148225978' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/4719392974148225978'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/4719392974148225978'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/06/die-vorrevolutionare-situation-bis-zum.html' title='Die „vorrevolutionäre&quot; Situation bis zum Militärputsch 1964'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-1568493087547797411</id><published>2010-05-08T12:44:00.000-07:00</published><updated>2010-05-08T12:46:24.293-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/S-W_dIofCwI/AAAAAAAAAGY/d_avaebalto/s1600/heinz05.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5468987829765737218" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 350px; CURSOR: hand; HEIGHT: 216px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/S-W_dIofCwI/AAAAAAAAAGY/d_avaebalto/s400/heinz05.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-1568493087547797411?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/1568493087547797411/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=1568493087547797411' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/1568493087547797411'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/1568493087547797411'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/05/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/S-W_dIofCwI/AAAAAAAAAGY/d_avaebalto/s72-c/heinz05.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-8297809460323435285</id><published>2010-05-08T12:41:00.000-07:00</published><updated>2010-05-08T12:42:59.573-07:00</updated><title type='text'>O Brasil vai fugir da confrontação com os crimes da ditadura?</title><content type='html'>Heinz F. Dressel&lt;br /&gt;O julgamento do Supremo Tribunal Federal sobre uma reinterpretação da Lei da Anistia de 1979 - a qual protege integralmente os respectivos representantes dos governos militares de serem julgados por execuções extrajudiciais, por torturas e por estupros -, este julgamento do STF que tomou lugar no dia 28 de abril 2010 em Brasília, infelizmente indulta e protege àqueles representantes dos governos militares que de maneira maciça cometeram crimes contra a humanidade.&lt;br /&gt;Fazendo parte do primeiro grupo de pessoas que assinaram o „Apelo ao Supremo Tribunal Federal: Não anistie os torturadores", enviado pelo Comitê Contra a Anistia dos Torturadores, observo com estranheza e repúdio a decisão do Supremo, que em última análise absolve os torturadores que andam por aí como qualquer policial ou militar honesto, que está cumprindo seu dever de zelar pela observação das leis e pela manutenção da ordem pública no Brasil.&lt;br /&gt;Engana-se o Supremo, que iguala as vitimas do terror da ditadura com os torturadores. É um equívoco falar numa „bilateralidade" com referência aos dois lados, os torturadores e as vítimas do terror nos porões. Fato é, que o governo militar em 1979 promulgou uma Lei de Anistia que exonerava todos os acusados que cometeram „crimes políticos ou conexo com estes". As violações dos direitos humanos cometidas por agentes de segurança ou outros integrantes dos governos militares foram interpretadas como „atos políticos", coisa injustificável, porque num Estado de direito nunca pode-se classificar prisões e execuções extrajudiciais, torturas, estupros ou desaparecimento „a serviço da Pátria" como „crimes políticos ou conexo com estes" e os incluir na anistia. É coisa absurdíssima mesmo, que só se explica refletindo sobre os motivos de tal argumentação. Quem sabe, a razão do julgamento era a mesma que valeu na elaboração da lei de 1979: a „pacificação do País".&lt;br /&gt;Sem dúvida, desde os tempos da ditadura já passaram umas décadas, por isso vale lembrar os fatos básicos do assunto em disputa:&lt;br /&gt;Foi Dom Hélder Câmara quem disse, a violência dos terroristas de esquerda era a de número 2, derivada da violência número 1, ou seja, a deposição de Jango. As hostilidades foram iniciadas pelos militares que passaram a prender e a torturar, comprovadamente já nos primeiros dias da „revolução salvadora", como costumaram chamar o movimento dos generais que assaltaram o Poder.&lt;br /&gt;Os que se envolveram na luta contra a ditadura, contra os torturadores e seus mandantes, estavam apenas reagindo à violência. Atiraram depois; os que foram absurdamente chamados de guerrilheiros e até de terroristas, agiram e reagiram em legítima defesa.&lt;br /&gt;Nao foi como o ex-ministo dos generais (Educação e Justiça), Jarbas Passarinho, me quis fazer crer quando me escrevia numa carta datada em 16 de dezembro de 1996, ao responder uma carta tipo resenha da interessantíssima biografia dele, que lhe havia enviado no dia 13.11.1996:&lt;br /&gt;"Não sei se o senhor conhece o livro: ‘A esquerda armada no Brasil’. premiado em Cuba e escrito a partir de depoimentos de guerrilheiros e terroristas de filiação comunista. Publicado em 1973, nele se contam as ações de assassinato denominadas „justiçamento", como as do capitão americano Chandler, sob pretexto de ter lutado contra o povo vietnamita e ser „agente do CIA"; do empresário Boilensen; e do major alemão, aluno da Escola de Estado Maior do Exército brasileiro, „justiçado" por engano, tomado que foi pelo capitão boliviano Gary Prado, que prendera Che Guevara. Tudo é revelado com orgulho pelos depoentes!"&lt;br /&gt;Quem iniciou a violência nos dias da páscoa em 1964 não foram os ditos "terroristas de filiação comunista", como hoje em dia alegam os militares; muito pelo contrário, foram os adeptos da „revolução democrática", como consta o caso do famoso Gregório Bezerra, que no dia 1º de abril encontrava-se no caminho do sertão pernambucano rumo ao Recife. Ao ter chegado na usina Pedrosa em Ribeirão, ele foi preso por um capitão da PM. Na viagem ao Recife encontraram um destacamento do Exército acompanhado por um bando de pistoleiros, enviados pelo proprietário do latifúndio Estreliana a fim de matar o Gregório. Ocorreu uma disputa acerca do procedimento mais razoável: matar o preso na hora mesmo ou mais tarde? Resolveu-se levá-lo a Ribeirão. Chegado lá, amarraram o homem e o jogaram num veículo do Exército. No Recife o entregaram às mãos do general Justino Alves Bastos, comandante do IV. Exército. De lá o levaram ao quartel da Companhia de Motomecanização. Imediatamente o comandante, tenente-coronel Darcy Villocq Viana, junto com uma turma de soldados, o agrediu, batendo nele fortemente com seus fuzis, não poupando ponta pés. Acontece que entre os presos que juntamente com Gregório deram entrada havia também um médico, ao qual deram ordem de limpar o homem do sangue que correu fortemente. Este médico utilizou sua própria camisa para tratar os ferimentos do Gregório. Enquanto o médico se ocupava do Gregório Bezerra, por incrível que pareça, o tenente-coronel tentou induzir uma barra de ferro no ânus dum preso seminu. Isso aconteceu no primeiro dia do mês de abril e nenhum dos presos que passaram tais crueldades foi um „terrorista", e nem se fala num „torturador" - não faz mais o mínimo sentido falar de „bilateralidade", como o está fazendo o Supremo! A tortura tornou-se instrumento exclusivo das forças de segurança (que contradição!) da ditadura. Vejam a tragédia no nordeste: „Nos porões dos quartéis dominados pelos criminosos, mas também nas principais ruas do Recife, com prisioneiros sendo „passeados à vista de todos, e relembre-se, amarrados pelo pescoço", diz Helio Fernandes. Também a „via crucis" do Gregório o levou pelas ruas da cidade. Num cenário macabro, envolto de uma multidão estarrecida na „Praça Burle Marx", como o lugar se chama hoje, em frente da igreja do bairro de Casa Forte, perante um número de instalações da paróquia, inclusive um colégio de freiras, o comandante do destacamento militar gritou: „Venham todos e olham como se enforca o comunista Gregório Bezerra!" A madre superiora do colégio assistiu com horror o cenário bárbaro lá embaixo, quando suas alunas, cheias de medo, observaram tudo pelas janelas, pegou o telefone e avisou o bispo que imediatamente alarmou a hierarquia militar. „No último momento apareceu o coronel Ibiapina e parou as bestialidades que horrorizaram todos os moradores", contou Paulo Cavalcanti. Sargento Gregório foi condenado para muitos anos de prisão, mas antes, junto com outros 69 presos políticos pelo governo brasileiro, foi trocado contra o embaixador da Suíça, Giovanni Enrico Bucher, sequestrado por guerrilhas urbanas, e levado ao Chile.&lt;br /&gt;O terror no nordeste, produzido por elementos pertencentes ao IV. Exército chegou a tamanha extensão que o presidente Castelo Branco teve que enviar o general Ernesto Geisel, chefe da casa militar, a Pernambuco para investigar a situação devido às reclamações de todos os lados. O relatório de Geisel existe, mas faz parte dos documentos que estão sendo tratados como segredo do Estado para o cidadão brasileiro não olhar.&lt;br /&gt;Dói falar sobre a tortura „ou conexo com esta".&lt;br /&gt;Notei isso, quando na ocasião de uma visita a sua casa, no dia 30.8.2007, conversei com o ex-ministro dos generais, Jarbas Passarinho. Referindo-me à biografia dele, chamei atenção do fato de que, quando há 35 anos o visitei no ministério de educação na capital, não havia deixado de fazer uma observação a respeito das coisas ocorridos „nos porões" das Forças Armadas. Ele repetiu a resposta que ele havia-me dado naquela ocasião: „Estou certo de que os senhores realmente ouviram muito mais sobre o terror clandestino nos porões da polícia ou nos recintos de certos quartéis do que nós ministros civis dos governos dos generais."&lt;br /&gt;Lembrei que o ministro Passarinho naquele vez, em 1972, havia sido o único representante do Governo militar que deixou passar a palavra „tortura" por seus lábios apesar de que ele diminuiu a admissão da existência da tortura pelo termo „não sistemática"...&lt;br /&gt;Após esta reminiscência, Jarbas falou por mais tempo sobre o tópico da tortura, destacando que ele, também como membro do Exército em função de oficial de reserva, rejeitava a tortura. Aí ele mencionava um caso de tortura que havia provocado sua imediata reação bastante enérgica. Nesse contexto ele mencionou o general Frota, que sem dúvida se inclinava à direita, mas que era rigorosamente contra a tortura. Jarbas contou com orgulho que durante seu mandato de governador do Estado de Pará não havia sido necessário prender nenhuma pessoa por cause do uso da tortura.&lt;br /&gt;Mas ..., ao disputir sobre certos métodos da tortura, através dos quais, pelas circunstâncias dentro de um prazo muito curto, poder-se-ia receber informações essenciais de natureza militar - como havia sido com os franceses na Argélia - nestas condições o sofrimento de uma só pessoa poderia ser aceitável para salvar a vida de muitas outras pessoas. Poderia dizer-se que esse sofrimento seja apenas um sofrimento menos grave, como no dentista, que tira um dente sem anestesia alguma; dói na hora, mas a gente esquece logo ... Ouvindo isso, me lembrei do lema do sumo sacerdote, Caifas, presidente dos sacerdotes naquele ano da execução do rebelde Jesus: „É melhor que morra apenas um homem pelo povo, do que deixar que o país todo seja destruído" (João 11,49).&lt;br /&gt;Mas, não eram dentistas os torturadores, muito pelo contrário, eram monstros que se tornaram poderosos ao maltratar os outros. Suas vítimas eram idealistas, como Jarbas Passarinho admitiu caracterizando-os: „idealistas paradoxalmente materialistas". Foram severamente torturados, mas nunca torturaram ninguém. Convivi durante anos com esta „diáspora" brasileira na Alemanha e na Franca, jovens formidáveis.&lt;br /&gt;Entre eles Luís Travassos, líder estudantil em São Paulo, como José Serra. Nos anos 1967/68 Luís liderou grandes passeatas, gritando palavras de ordem como „O povo unido jamais será vencido" - a única arma utilizada pelos estudantes rebeldes. Luis foi co-organizador do famoso Congresso da UNE em Ibiúna, onde se reuniram mais de 1.000 estudantes, clandestinamente, como pensaram, mas o SNI estava bem informado. No último dia de seu mandato como presidente da UNE, em 12 de outubro de 1968, Travassos foi preso com 920 estudantes. O rapaz ficou detido durante um ano inteiro. Quais as bestialidades que sofreu esta juventude idealista contou o colega de Luís na direção da UNE e também na prisão, Jean–Marc von der Weid, numa entrevista ao epd–Nachrichtenspiegel Nº 12 do dia 25.3.71: desde o primeiro dia foram batidos e sistematicamente torturados, houve repetidamente execuções fingidas, os presos foram pendurados pelas pernas e torturados com choques elétricos, e praticou-se o „water boarding" ou quase-afogar das vitimas horrorizadas. Tirar um dente sem anestesia?&lt;br /&gt;Travassos deixou este inferno criado pelos „órgãos de segurança" depois de um ano, acompanhado de 14 presos políticos em troca do embaixador dos Estados Unidos, Charles Burke Elbrick, sequestrado por guerrilhas urbanas. Um avião da Força Aérea os levou ao México, „banidos por tempo de vida."&lt;br /&gt;Seu caminho o levou via México, Cuba e Chile à Alemanha, onde chegou com sua esposa Marijane Lisboa e onde a Obre Ecumênica de Estudos em Bochum os acolheu.&lt;br /&gt;O histórico da Marijane foi muito cruel também. Junto com a juventude estudantil carioca ela agitou nos primeiros anos depois do golpe, assistindo a passeata em 1968 em que mataram o jovem estudante Edson Luís. Por ordem do serviço de inteligência da Marinha Marijane foi presa no CENIMAR - Centro de Informações da Marinha na Ilha das Flores, onde a tortura era tão brutal que o coração da moça começou a falhar. Demorou um ano e meio até que a moça teve de se apresentar perante um tribunal militar. Apesar de absolvida, ela foi detida de novo em frente à porta do tribunal. Posta em liberdade depois de 20 dias, ficou livre durante 5 dias e de novo entrou no cárcere. Depois de 30 dias foi posta em liberdade. Um advogado da família a buscou, mas no caminho o carro dele foi parado, pegaram a Marijane, e a levaram encapuzada ao centro de tortura do Exército na Tijuca. A família conseguiu que ela fosse posta em liberdade depois de três semanas. Aí, no caminho a casa, Marijane resolveu pedir asilo na embaixada chilena, de onde se foi para Santiago. Que odisséia!&lt;br /&gt;Como é que é possível falar de „bilateralidade" em vista destas pessoas que sofreram todo tipo de besteira - inclusive estupro - e que nunca na vida nem tocaram em outra pessoa; como o STF pode colocar estas pessoas do lado dos torturadores?&lt;br /&gt;Como os ministros do Supremo podem chamar de bilateral a anistia dada a torturadores e a brasileiros que praticaram o "crime" de resistir a esses torturadores? - perguntou também Helio Fernandes, grande repórter da Tribuna da Imprensa, praticamente liquidada pela ditadura.&lt;br /&gt;Como é possível comparar monstros como aqueles que despedaçaram o preso Bacuri Eduardo Leite, militante da guerrilha urbana, primeiro cortando-lhe uma orelha, depois tirando-lhe os olhos e arrancando-lhe um braço, destruindo seu corpo, membro por membro - como é possível comparar monstros, que fizeram coisa desta, com as vitimas que não torturaram ninguém em toda sua vida? Monstros que até esquartejaram os cadáveres de suas vitimas como se fossem bois no matadouro, métodos que se usaram no Centro de Investigação em Petrópolis-RJ.&lt;br /&gt;Considerando tudo isso, o julgamento do Supremo Tribunal Federal parece ser irracional. Tortura não pode ser considerada função legítima do Estado, não é possível declarar a tortura parte dos deveres dum funcionário público, Tortura é crime contra a dignidade humana e não deve ser anistiada. Se o torturador agiu em nome do Estado, deve ser responsabilizado até o governo, como neste meio tempo acontece no Chile, na Argentina e no Uruguai.&lt;br /&gt;Lamentamos que o Brasil rejeite a confrontação com um período escuro de sua história.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-8297809460323435285?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/8297809460323435285/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=8297809460323435285' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/8297809460323435285'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/8297809460323435285'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/05/o-brasil-vai-fugir-da-confrontacao-com.html' title='O Brasil vai fugir da confrontação com os crimes da ditadura?'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-7939810215992139480</id><published>2010-02-06T09:17:00.000-08:00</published><updated>2010-02-06T09:20:45.926-08:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/S22k1d9bpKI/AAAAAAAAAGQ/Esmu3A1YkY4/s1600-h/DSC_6185.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5435181563788371106" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 400px; CURSOR: hand; HEIGHT: 268px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/S22k1d9bpKI/AAAAAAAAAGQ/Esmu3A1YkY4/s400/DSC_6185.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-7939810215992139480?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/7939810215992139480/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=7939810215992139480' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7939810215992139480'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7939810215992139480'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/02/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/S22k1d9bpKI/AAAAAAAAAGQ/Esmu3A1YkY4/s72-c/DSC_6185.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-2083625562287341873</id><published>2010-02-06T02:15:00.000-08:00</published><updated>2010-02-06T02:24:37.997-08:00</updated><title type='text'>Die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" als Teil der evangelischen „Bekenntnisschriften" oder der „Kirchlichen Lebensordnung"</title><content type='html'>Heinz F. Dressel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir im Dezember 1948 als junge Studenten, die gerade noch dem „Heldentod" und, wer weiß, im schlimmsten Fall sogar dem KZ, entgangen waren, in der „Neuen Zeitung" zum ersten Mal von der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" hörten, war es uns so ums Herz, wie vielleicht den Israeliten, als Moses ihnen die „Zehn Gebote" („Du sollst nicht töten!") verkündete, oder den Wittenbergern, als sie Luthers „95 Thesen" vernahmen. („Man soll den Christen lehren: Dem Armen zu geben oder dem Bedürftigen zu leihen ist besser, als Ablass zu kaufen, denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe und wird der Mensch besser ...44/45; oder auch: „Man soll die Christen lehren: Die, die nicht im Überfluss leben, sollen das Lebensnotwendige für ihr Hauswesen behalten und keinesfalls für den Ablass verschwenden." 47)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch nach drei Jahren des Überlebens inmitten zerbombter Städte mit einer fast gänzlich zusammengebrochenen Verwaltung, einer prekären Lebensmittelversorgung, die zwangsläufig Phänomene wie Hamstern und Schwarzmarkt nach sich zogen; da war auch das Elend der heimkehrenden Landser, oft mit entsetzlichen Verwundungen oder Verstümmelungen, darüber hinaus das herzbewegende Flüchtlingselend bei chronisch mangelndem Wohnraum - nach alledem standen wir noch immer unter dem Trauma des Krieges und der Hitlerdiktatur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht nur über die Presse und durch riesige, von der Besatzungsmacht aufgestellte Plakate mit erschütternden Bildern von den „Todesmühlen" der Nazis in Dutzenden von Konzentrationslagern erfuhren wir vom Ausmaß der Verbrechen, die von unseren „Führern" aller Art angeordnet und auch selbst begangen worden waren; wir kamen nun - von Mensch zu Mensch, um es so zu formulieren - mit Opfern der Diktatur, mit „KZlern", wie sie verächtlich bezeichnet wurden, in Berührung, unter ihnen insbesondere Ostjuden die, ausgemergelt und traumatisiert, den „Todesmühlen" entronnen waren, dank ihrer Befreiung durch die Alliierten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter solchen Umständen, in einer derartigen „Atmosphäre", wie sie uns in den ersten Nachkriegsjahren umgab, nach all dem, was wir an Menschenverachtung erlebt und zu Ohren bekommen hatten, war es wie eine Offenbarung, wie „euangelion", Evangelium, frohe, erlösende Botschaft, einen Satz wie diesen zu vernehmen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar ..."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einer Wirklichkeit, in welcher Superlative der Brutalität und der Versklavung die Regel gewesen waren, sprach man mit einem Male von der „angeborenen Würde und den gleichen und unveräußerlichen Rechten aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen" auf der „Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach all dem, was wir quasi von Kindesbeinen an erlebt und aufgenommen hatten, war die von der UNO-Vollversammlung am 10. Dezember 1948 verkündete „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" eine Offenbarung, die alles übertraf, was wir bis dahin gehört hatten.&lt;br /&gt;Was hatten wir denn gehört - in der Familie, im Kindergarten, in der Kirche, in der Schule und im „Deutschen Jungvolk"?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als kaum alphabetisierten Knäblein legte man uns die Streichersche „Judenfibel" auf den Tisch, wo wir unter hässlich karikiertem menschlichen Figuren Verse lesen konnten, wie diesen: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Kindergarten sangen wir, neben „"Lippe Detmold, eine wunderschöne Stadt, darinnen ein Soldat, und der muß marschieren in den Krieg, wo die Kanonen stehen ...", noch viele „vaterländische" Lieder , wie:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Morgenrot, Morgenrot,&lt;br /&gt;leuchtest uns zum frühen Tod.&lt;br /&gt;Bald wird die Trompete blasen,&lt;br /&gt;dann muß ich mein Leben lassen,&lt;br /&gt;ich und mancher Kamerad."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir mit 10 Jahren zum „Jungvolk" kamen, zogen wir singend durch die Stadt, solche „Kampflieder" auf den Lippen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Blutig rot sind unsre Fahnen,&lt;br /&gt;die den Weg zur Freiheit bahnen.&lt;br /&gt;Über Sowjetbarrikaden&lt;br /&gt;marschieren die HJ- Brigaden.&lt;br /&gt;Kamerad, reich mir die Hände,&lt;br /&gt;alle Knechtschaft hat ein Ende:&lt;br /&gt;Köpfe rollen, Juden heulen,&lt;br /&gt;die HJ marschiert, Marxisten an die Wand!&lt;br /&gt;Ja, nationale Sozialisten&lt;br /&gt;kämpfen für ihr Vaterland."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niemals hat auch nur ein einziger ehrbarer Bürger gegen derartige Gesänge protestiert oder uns den Mund verboten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch in der Kirche war von „pax intrantibus" - Friede den Eintretenden" - dem schönen Gruß, den man einst über der Pfarrhaustür ins Mauerwerk eingemeißelt hatte, wenig zu spüren. Auch dort ging es nach dem Motto:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Der Gott, der Eisen wachsen ließ,&lt;br /&gt;der wollte keine Knechte,&lt;br /&gt;drum gab er Säbel, Schwert und Spieß&lt;br /&gt;dem Mann in seine Rechte,&lt;br /&gt;drum gab er ihm den kühnen Mut,&lt;br /&gt;den Zorn der freien Rede,&lt;br /&gt;dass er bestände bis aufs Blut,&lt;br /&gt;bis in den Tod die Fehde."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn ich heute versuche, mich an die Botschaft zu erinnern, die der Gemeinde von der Kanzel aus vermittelt worden ist, fällt mir vor allem ein, dass der „alte Fritz", der preußische König „Friedrich der Große", zu den beliebtesten Beispielen gehörte, auf die unser Pfarrer in seinen Predigten rekurrierte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als im Juli 1944 nur noch 9 Monate bis zum Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland fehlten, wurde ich in einer lutherischen Kirche in Oberfranken konfirmiert. Auf dem Konfirmationsschein fand sich die Reproduktion eines Bildes von Arthur Kampf mit der Darstellung der „Segnung der Kriegsfreiwilligen". Wir 14-Jährigen, offensichtlich das letzte Aufgebot zur Verteidigung des Vaterlands, wurden präzis auf unsere Aufgabe eingestimmtr und erhielten den Segen der Kirche um zu siegen oder zu sterben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein freundliches Andenken, das der Konfirmator seinem confirmandus in die Hand drückte, war den „Katechismus" von Ernst Moritz Arndt. Das 5. Gebot - Du sollst nicht töten - hatte eine Fußnote, die besagte: „gilt im Kriege nicht."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für alle, die jene düsteren Jahre nicht miterlebt haben, mag es schwer sein, sich vorzustellen, welche Wirkung in der Adventszeit des Jahres 1948 eine Botschaft auf uns haben mußte, deren 1. Artikel wie ein gewaltiges Präludium eines Bachschen Oratoriums mit den Worten begann: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen." Mit der „Universal Declaration of Human Rights" sollte „das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal" vorgegeben werden, an dem sich dann jeder Einzelne und alle Organe der Gesellschaft orientieren sollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das gemeinsame Ideal ist dann mit Beginn des „"cold war" und der letzten Zuckungen des Kolonialismus - von Korea über Vietnam und Mozambique bis hin zur Südafrikanischen Union - sehr schnell in Vergessenheit geraten, wie wir wissen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Charta der Vereinten Nationen ist mitnichten zur regula vitae geworden, genau so wenig wie Barmen oder Stuttgart.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Worum war es in Barmen gegangen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mitten im Kirchenkampf war die „Theologische Erklärung" der Bekenntnissynode von Barmen (29. - 31. Mai 1934) für die evangelischen Kirchen ein wegweisendes Lehr- und Glaubenszeugnis der evangelischen Kirche im 20. Jahrhundert. Nach dem Verständnis der Evangelisch-reformierten Kirche und der Evangelischen Kirche der Union handelt es sich um ein Bekenntnis verpflichtenden Charakters, auch über die Zeit des Kirchenkampfes während des „Dritten Reiches" hinaus, ein Bekenntnis gleichen Ranges wie z. B. die „Schmalkaldischen Artikel". In der Evangelisch- lutherische Kirche hingegen gab es von Anfang an Bedenken, schon bezüglich des Sprachgebrauchs: „Barmer Bekenntnis" oder „Theologische Erklärung von Barmen"? Nach Kriegsende erzählte man sich, ein prominenter bayerischer Lutheraner habe, als er sich in Stuttgart gegen den terminus „Barmer Bekenntnis" verwahrte, die ironische Frage eines seiner Kollegen eingehandelt: „aber Herr Amtsbruder, haben Sie in Barmen nicht bekannt?" Immerhin bekannten sich die in Barmen versammelten Repräsentanten der evangelischen Kirchen des Landes „angesichts der die Kirche verwüstenden und damit auch die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche sprengenden Irrtümer der Deutschen Christen und der gegenwärtigen Reichskirchenregierung zu den „evangelischen Wahrheiten", die dann in 6 Thesen näher ausgeführt wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Historisch relevanter als die in diesen Thesen enthaltenen Affirmationen erscheinen die Passagen zur Abwehr von Positionen, die der Botschaft des Evangeliums konträr gegenüber standen, z.. B. „Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären." (aus These 2) Oder: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen." (aus These 3) Oder auch: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden." (aus These 5)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht wenige messen der „Theologischen Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen" über ihre Bedeutung in der Hitlerzeit hinaus verpflichtende Bedeutung bei, einige zählen sie zu ihren Bekenntnisgrundlagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Problem war die Applikation!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dietrich Bonhoeffer hatte allen Grund, die „Bekennende Kirche" post Barmen zu rügen. Sie hatte sich mehr mit internen und theologischen Problem als mit existentiellen und drängenden politischen Fragen befasst. Da war der „Arierparagraph", den die Kirchenleitungen sogar ergeben auf ihre eigenen Amtsträger anwandten. Da war der himmelschreiende Rassismus, der 1938 zur „Kristallnacht" führte. Da war das perfide Gesetz, welches den jüdischen Mitbürger zwang, den Davidstern - zum Zeichen der Feindschaft gegen das deutsche Volk erklärt - deutlich sichtbar an seiner Kleidung zu tragen. Damals soll Bonhoeffer gesagt haben: „Nur wer gegen die Verfolgung der Juden schreit, hat das Recht, gregorianisch zu singen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über ihre faktische oder praktische Wirkung während der auf die Barmer Bekenntnissynode folgenden Jahre bis zum Ende des „Dritten Reiches" braucht nach dem bisher Angesprochenen weiter nichts gesagt zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bereits wenige Monate nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 traf sich, trotz des völlig paralysierten Verkehrswesens in den vier Besatzungszonen, am 18. und 19. Oktober 1945 der „Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland" im französisch besetzten Stuttgart zu seiner ersten Sitzung nach dem Krieg. Die Versammelten standen einem gänzlich unrühmlichen kirchlichen Erbe, das sie selbst, der eine mehr, der andere weniger, mit verschuldet hatten, gegenüber.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ist ihnen zu danken, dass sie sich im „Stuttgarter Schuldbekenntnis", als welches es in die Geschichte eingegangen ist, zur „Solidarität der Schuld" bekannten: „Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Wir hoffen zu Gott, dass durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen dem Geist der Gewalt und der Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann. So bitten wir in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator spiritus!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu den Unterzeichnern zählten nicht nur die Landesbischöfe D. Theophil Wurm und D. Hans Meiser, Bischof D. Dr. Otto Dibelius, die Pastoren Heinrich Held, Wilhelm Niesel und auch der spätere Bundespräsident, Dr. Dr. Gustav Heinemann, sondern auch Pastor Martin Niemöller D.D. und Landessuperintendent Dr. Hanns Lilje, die im Konzentrationslager der eine und im Gestapogefängnis der andere, die Repression der Nationalsozialisten am eigenen Leibe erlitten hatten. Niemöllers Haltung war gerade in den ersten Jahren nach dem Krieg bei vielen Gemeindegliedern und auch bei manchen Kirchenleitungen ziemlich umstritten. Eine große Breitenwirkung hatte das „Stuttgarter Schuldbekenntnis"- trotz aller Beachtung eindrücklicher statements von Zeitzeugen wie Niemöller und Lilje - aufs Ganze gesehen, nicht erzielen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So lief die Zeit, und nach Barmen und Stuttgart kam die UNO- „Universal Declaration of Human Rights" am 10. Dezember 1948 aus New York. Hätte sie es nicht verdient, zu den wichtigsten Dokumenten der Menschheit gezählt zu werden ? Hätte es nicht auch den Kirchen besser angestanden, anstatt an hohen Feiertagen immer wieder einmal das Constantinopolitanum zu rezitieren? Wäre es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht wert gewesen, sie den uralten „Bekenntnissen" hinzuzufügen oder sie wenigstens als verpflichtenden Bestandteil in die „Ordnung des kirchlichen Lebens" aufzunehmen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sind die „Bekenntnisschriften" tatsächlich abgeschlossen? „Finitum" ist der Kanon der „Bekenntnisschriften" höchstens in dem Sinne, dass kaum jemand - von Examenskandidaten abgesehen - mehr ihn liest, die umstrittene „Konkordienformel" zum Beispiel (obwohl sich gerade in dieser so wunderbare Paragraphen finden, wie z. B. DE LEGE ET EVANGELIO?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Kirche besass den Mut, die UNO-Charter verbindlich in ihre theologische „Konstitution" und Lebenspraxis aufzunehmen: Die Evangelische Kirche am Rio de La Plata (IERP), mit Gemeinden in Argentinien, Paraguay und Uruguay, mit Sitz der Kirchenverwaltung in Buenos Aires, Argentinien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den 70er Jahren war die argentinische Gesellschaft in irrationale Gewalt versunken und befand sich am Rande einer totalen Anarchie. Die Streitkräfte griffen ein, um, wie sie sagten, die Subversion zu überwinden und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes anzukurbeln. Weite Kreise der Bevölkerung akzeptierten die Militärherrschaft. „Wie so oft in Krisenzeiten, wird der Staatsstreich von einem Teil der Gesellschaft mit einer gewissen Erleichterung hingenommen", schrieb Flávio Koutzii, der von den Militärs vier Jahre lang eingekerkert worden war, 1984 in seinem Buch Pedaços de Morte no Coração.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die protestantischen Einwandererkirchen unterschieden sich bezüglich ihrer Stellung zu den Militärs im Prinzip nicht von der katholischen Kirche, welche die argentinische Armee als ein „Element der Sauberkeit, der Kompetenz und der Stabilität" betrachte. Pastor Enrique Bösenberg konstatiert (Revista Parroquial de la IERP, Marzo 2001): „In den Leitungsgremien und in den Pfarreien begrüßte man überwiegend die Militärdiktatur und leugnete die Tatsache der Entführungen und Folterungen." Der Berichterstatter fügt barmherzigerweise hinzu: „Dieses Abstreiten war eine künstliche Blindheit, um der Wirklichkeit nicht in die Augen sehen zu müssen ... Jedenfalls brachten es die historischen protestantischen Kirchen, obgleich sie sich in ihren Gemeinden selbst mit dem Phänomen der „Verschwundenen" konfrontiert sahen, nicht fertig, eine konkrete und umfassende Verurteilung des Militärregimes zu artikulieren." Vieles an diesem Rückblick erinnert an die Verhältnisse im deutschen Mutterland in den 30er und 40er Jahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es muss allerdings angefügt werden, dass sich diese Kirchen bereits vor dem Militärputsch der politischen Flüchtlinge aus Uruguay und Chile angenommen hatten, z.B. mittels des von P. Armin Ihle verwalteten Programms Comisión Argentina para los Refugiados (CAREF). „Bereits vor dem Putsch und vor der Initiative des Weltrats der Kirchen (CMI) hatten die historischen protestantischen Kirchen auf die Nöte der politischen Flüchtlinge aus Uruguay und Chile reagiert; ihr Engagement im Rahmen der Bewegung zur Verteidigung der Menschenrechte schloss allerdings nicht zugleich die Verurteilung der Diktatur als solche ein. Die EKALP begrüßte die Repression der Subversion, verurteilte jedoch die Exzesse bei der Durchführung derselben."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der damalige Kirchenpräsident Peter Lienenkämper besass allerdings den Mut, beim Besuch einer Delegation des Weltrats der Kirchen zu erklären: „Ein so unerhörtes Geschehen wie Raub und Folterung einer Person beim Namen zu nennen, wer immer auch die Täter sein mögen, ist [...] die Pflicht eines Christen, und man kann sie nicht mit dem Schlagwort antiargentinische Kampagne disqualifizieren." „Allerdings wurde die Haltung Lienenkämpers nicht von der Mehrheit geteilt." (Walter Techera, Revista Parroquial de la IERP, Abril 1996) Sein Nachfolger im Amt, Rodolfo R. Reinich, der seinerzeit auf mein Ersuchen hin u. a. einen seit Jahren inhaftierten politischen Gefangenen aus Córdoba regelmäßig besuchte, erklärte in einem „Brief des Kirchenpräsidenten" (4/1996) in Erinnerung an die Ereignisse der Periode 1976 bis 1983: „Als evangelische Gemeinden müssen wir bekennen, dass wir oft geschwiegen haben, wenn wir hätten reden sollen und dass wir diejenigen allein gelassen haben, die den Mut hatten, Gewalttätigkeiten anzuzeigen und etwas zu machen, um Menschenleben zu retten, während wir uns vom Los jener, die anders dachten und handelten als wir, fern hielten."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die bittere Erfahrung der EKALP während der Zeit der Diktatur hatte am Ende die Einbeziehung der UNO-Declaration of Human Rights von 1948 in die „Ordnung des kirchlichen Lebens" zur Frucht. Darin heißt es in Art. 6 u. a.: „Es gehört zum Auftrag der Kirche, Verantwortung auch im Blick auf die Gesellschaft, in der wir leben, zu tragen, insbesondere bezüglich der Verteidigung der Menschenrechte (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 1948)." Regime Eclesial de la Iglesia Evangelica del Rio de la Plata (1998) Art 6.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-2083625562287341873?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/2083625562287341873/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=2083625562287341873' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/2083625562287341873'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/2083625562287341873'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/02/die-allgemeine-erklarung-der.html' title='Die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte&quot; als Teil der evangelischen „Bekenntnisschriften&quot; oder der „Kirchlichen Lebensordnung&quot;'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-5708801194165197158</id><published>2010-01-09T02:16:00.000-08:00</published><updated>2010-01-09T02:18:58.060-08:00</updated><title type='text'>Erinnerung an Mexiko und  Trinidad y Tabago</title><content type='html'>Mexiko war in Bezug auf soziale und politische Unruhen nie eine Insel des Friedens gewesen. So hatte ich zu Beginn meiner Tätigkeit im Ökumenischen Studienwerk von einem jungen Mann gehört, der wegen seiner Beteiligung an einem Protest mexikanischer Arbeiter (Hungerstreik) im August 1967 verhaftet und im März 1969 zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Davon verbüßte er 4 Jahre und 3 Monate. Mit Hilfe der Jesuiten gelang es ihm, das Land zu verlassen. In Europa begann dann eine Odyssee von INODEP (Paris) bis Misereor (Aachen). 1977 waren Einrichtung und Archiv des Centro Nacional de Comunicación Social - CENOS -, einer ökumenischen Initiative, die zwei Jahrzehnte lang die Arbeit der Kirche in Mexiko dokumentiert hatte, von Polizeikräften vernichtet worden. Auch CELADEC - Comisión Evangélica Latino-americana de Educación Cristiana - sowie das Büro von CAREF - Asistencia a Refugiados Latino-americanos vinculado al Alto Comisariado de la UNO - hatten die Invasion polizeilicher Kräfte über sich ergehen lassen müssen.&lt;br /&gt;Zweck meines Abstechers nach Mezzoamerika im August 1978 war es, im Gespräch mit Vertretern der Kirche, der Flüchtlingsorganisationen und der Universitäten auszuloten, welche Ansätze es für eine eventuelle Förderung von gefährdeten Argentiniern in diesen Ländern gab. Ein wichtiger Gesprächspartner in Mexico City, Casa del Pueblo Argentino, war Prof. Dr. Rodolfo Puiggrós, ein exilierter Publizist aus Argentinien, unter Perón Rektor der Universidad de Buenos Aires. Das esquema de segururidad im Domizil des illustren Argentiniers ist mit gut in Erinnerung geblieben: Die guarda costa des Prominenten unterzog mich spürbar einer gestrengen Kontrolle - ich konnte ja auch ein Agent des Feindes sein (seit Trotzki war man da in Mexiko besonders alert!). Für die Haltung der Exilargentinier mußte man Verständnis haben; war es doch vorgekommen, dass „Infiltrationsversuche" entdeckt wurden. Im Januar 1978 setzte der argentinische Geheimdienst einals Flüchtlingsgruppe getarntes Kommando nach Mexiko in Marsch, mit dem Auftrag, Rodolfo Puiggrós zu liquidieren. Andererseits mußte man auch feststellen, dass die Exil-Organisationen in Mexiko und Costa Rica von Montoneros dominiert wurden, die ihrerseits frühere Dissidenten mit dem Todesurteil bedacht hatten.&lt;br /&gt;Eine Bemerkung zu Trinidad y Tabago, die sich in meinen Reisenotizen findet „Gerade regnet es, dass es rauscht. Es ist ungemein schwül in Port-of-Spain. Der Regen soll so schnell wieder aufhören, wie er gekommen ist, sagen die Leute. Ich delektiere mich über den hausinternen Musikkanal derweil mit einer edleren Abart der in der Karibik typischen „Benzintonnenmusik" - ich habe sie so getauft, weil der Rhytmus auf tin drums - die aus alten Benzinfässern gefertigt worden sind - geschlagen wird. Eine Schallplattenaufnahme der Trinidad Troubadors - Over &amp;amp; Over, einer mitreißenden Interpretation des calypso, wird mich ebenso nach Hause begleiten wie die des Huiggins Pan-Demonium Steel Orchestra des Holiday Inn Trinidad W.I., a very special „kinda music".&lt;br /&gt;In Trinidad - nur sieben Meilen von Venezuela entfernt und wie dieses zu den Petroleum fördernden Ländern der Erde zählend - sind die meisten Menschen von schwarzer Hautfarbe oder dunkelbraun, entweder afrikanischer oder indischer Herkunft. Über zwei Generationen war in Trinidad alles „britisch" bestimmt. Im Jahrhundert zuvor allerdings sassen auf der Insel noch die Spanier. Wie ich es von meinen Besuchen in Indien her kannte, gab es - z. B. am Flughafen - in der ehemals britischen Kolonie viel Formalismus und Bürokratie („Do not step beond this line ..."). Eine Aufenthaltsgenehmigung wird nur für drei Tage erteilt, wogegen man in den lateinischen Ländern des Subkontinents automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung für 30 - 90 Tage in den Pass eingetragen bekommt. Die penible Fliegenbeinzählerei der Funktionäre in Port-of-Spain ist wahrscheinlich - wie auch in Indien oder Burma - englisches Erbe.&lt;br /&gt;In Trinidad wurde ich vom kath. Erzbischof Anthony Pantin (indischen Blutes), bei dem ich mich zwecks einer visita de cortesia angemeldet hatte, sehr freundlich empfangen und wir haben etwa eine Stunde miteinander geplaudert. Der Erzbischof, jünger als ich, ist so eine Art von Hélder Câmara von Trinidad. Unsere Auffassungen bezüglich der Entwicklungsproblematik deckten sich fast völlig. Als vor ein paar Jahren ein Priester in einem Armenviertel ausfiel, übernahm er, neben seinem Amt als Erzbischof, persönlich die Pfarrei und zog ganz dorthin. Es muß, wie mir seine Haushälterin verriet, recht armselig gewesen sein. Dort lernte der Kirchenfürst die Wirklichkeit des Lebens unterhalb der Mittelstandsgrenze kennen! Noch heute empfängt er die Armen zu Audienzen. Als ich um 9.00 Uhr ankam, warteten vor dem Eingang seiner Residenz, einem schon fast baufällige Holzgebäude aus der Kolonialzeit, unter einer Art von „Vorbau", ungefähr in Dutzend von Bittstellern herum. Ich durfte dann eine Audienz mit einer dicken, schwarzen Frau - Joyce - miterleben und mich mit Fragen am Gespräch beteiligen. Es handelte sich um eine Mutter von sieben Kindern, die von zwei Vätern stammten; sie lebte jedoch ohne Mann. Ein Hurrikan, der in den frühen Morgenstunden über Port-of-Spain gezogen war, hatte ihr Haus, eine Art von Favelahütte an einem steilen Abhang, schwer beschädigt. Nun benötigte sie Hilfe, da sie nicht über das nötige Geld verfügte, um die erforderlichen Reparaturen vornehmen zu lassen. Ihr Hauptproblem war jedoch, dass sie keine Arbeit fand. In ihrem Wohnviertel gab es zwar so etwas wie eine kommunale „Arbeitsfront", ein Programm zur Arbeitsbeschaffungs für die Ärmsten (z. B. Wegebau, wo die Bittstellerin als Wasserträgerin ein wenig hätte verdienen können.) Dort hatte man ihr aber keine Arbeit gegeben. „Der Vorarbeiter", erzählte sie, „hat gesagt, dass er mich einstellt, wenn ich eine Nacht in seinem Hause verbringe. Aber wie kann ich meine Kinder eine Nacht sich selbst überlassen?" Der Erzbischof erklärte mir, der Vorarbeiter stelle nur junge Mädchen ein, die bereit seien, sein Ansinnen zu erfüllen. „Die Vorarbeiter hier bei uns sind identisch mit den Steuereintreibern zur Zeit Jesu, den Zöllnern aus dem Neuen Testament. Sie saugen die Armen unbarmherzig aus." In seinem, seit 1962 unabhängigen, Land sei es eines der größten Probleme, dass die früher Unterdrückten nun selbst zu Unterdrückern würden. „Schlimmer als die Weißen dies getan haben, unterdrücken die Schwarzen ihre Brüder", sagte er, und nannte als ein Beispiel Idi Amin. Aber auch eine Sekretärin beim Karibischen Rat der Kirchen bestätigte mir, dass schwarze Dienstmädchen aus Angst vor schlechter Behandlung nicht bei schwarzen Herrschaften dienen wollten. Übrigens gibt es in Port-of-Spain viele Leute indischen Blutes, neben denen afrikanischer Abstammung. Caribbs sieht man nur selten. (Mein Tee-Kellner war der erste, den ich bewußt wahrgenommen hatte.) Niemand kam als Sklave nach Trinidad, vielmehr waren die Menschen von anderen Inseln zugewandert. Trinidad ist schwarz oder schwarz/braun.&lt;br /&gt;„Heute nachmittag habe ich eineAutofahrt nach San Fernando mehr erlitten als genossen. Der kleine schwarze Chauffeur fuhr wie ein Verrückter. Ein Typ wie aus einem Charly Chaplin-Film! Das Kraushaar zu Zöpfchen geflochten, Bevor wir losfuhren, habe ich ihn zum Essen mit ins Hotel genommen. Offensichtlich war er die im Restaurant herrschende Atmosphäre nicht gewohnt. Er nahm sein Hütchen mitnichten ab, bis ihm eine Kellnerin dezent zu verstehen gab, den Hut müsse er an diesem Ort schon abnehmen. Mit einigem Zögern legte er ihn dann auf meinen Tip hin auf eine Konsole neben unserem Tisch. Durch mein Erscheinen mit ihm wurde ich selbst zur exotischen Person: Was bringt denn der da für einen mit? Glenn ist sein Name - factotum, unicum und Motorist beim CADEC - Christian Action for Development in the Caribbean. Der Ausflug führte ins Zuckerrohrgebiet und zu einer Ölraffinerie - doch angehalten hat mein Fahrer nur beim Umkehren bzw. zum Einkaufen von Zigaretten! Dazu spielte sich die Fahrt auch noch in einem Mini-Austin ab! Ich habe schon manchen wilden Chauffeur erlebt, aber Glenn kann sich auch sehen lassen!&lt;br /&gt;Über die CCC - Caribbean Conference of Churches -, deren Büro in Barbados ich im Anschluss an den Aufenthalt in Port-of-Spain besuchte, kam später die Stipendiatin Michelle John, Internationale Agrarentwicklung, nach Bochum, mit dem Ziel, nach abgeschlossenem Studium in der Beratung kleinbäuerlicher Betriebe, wie sie in Trinidad und Tobago die Regel sind, tätig zu werden. Ihr Praktikum konnte sie im Bereich der Unijuí - Rio Grande do Sul Brasilien - ablegen, und lernte auf diese Weise etwas vom „Sechsten Kontinent" kennen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5708801194165197158?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5708801194165197158/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5708801194165197158' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5708801194165197158'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5708801194165197158'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2010/01/erinnerung-mexiko-und-trinidad-y-tabago.html' title='Erinnerung an Mexiko und  Trinidad y Tabago'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-2277379279061344635</id><published>2009-10-20T08:54:00.000-07:00</published><updated>2009-10-20T09:09:07.666-07:00</updated><title type='text'>Die Wunder Jesu</title><content type='html'>Wundergeschichten in den Evangelien - was ist von ihnen zu halten? Wie geht die Theologie mit ihnen um? Die Namen Strauss und Bultmann stehen als Markierungspunkte in der protestantischen Theologiegeschichte. Das nachfolgende Referat über die Wunder Jesu erinnert an die theologische Diskussion vor vier Jahrzehnten. Ist die evangelische Kirche seitdem in der Frage weitergekommen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die Wunder Jesu &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In "Lutherische Rundschau", Zeitschrift des Lutherischen Weltbundes, 16. Jhg., Nr. 3, Juli 1966, ist ein Votum von Jürgen Roloff, von 1958 bis 1961 Mitarbeiter der Theologischen Abteilung des LWB, zur Bildung der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium" abgedruckt, in dem, S.. 413 die Verschwommenheit der gegenwärtigen Predigt auch darauf zurückgeführt wird, dass die Prediger sich in subjektiver Ehrlichkeit auf Karl Barth und Rudolf Bultmann berufen, auf Männer also,"die eine ganze Theologengeneration geprägt haben und die, wenn auch mit verschiedenem Akzent, die Verkündigung von der Historie befreien wollten, indem sie alles Gewicht auf den "Anredecharakter der Predigt legten." Roloff fährt fort: "Allein, wir beginnen heute zu sehen, dass es bei diesem Ausweichen auf die Dauer nicht bleiben kann, wenn die Kirche sich nicht den Vorwurf der Unwahrhaftigkeit zuziehen will. Die Fragen an die Kirche werden lauter, das Unbehagen wächst. Wir sollten uns, jenseits von aller billigen Apologetik, um klare und sachliche Antworten bemühen, ehe es zu spät ist."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In diesem Votum, ist dreierlei bezeichnend: 1) dass es sich, obwohl es mit der "Bekenntnisbewegung: Kein anderes Evangelium" stark ins Gericht geht, im offiziellen theologischen Organ des LWB befindet (die "Lutherische Runschau" hat übrigens in letzter Zeit eine ganze Reihe kritischer Beiträge abgedruckt, an denen nicht zuletzt auch zu erkennen ist, wie überholt Etikettierungen wie "orthodox" oder "liberal" heute auch in Raume des Luthertums sind); 2) dass es das theologische Unternehmen Barths und Bultmanns letzten Endes als Flucht vor der Historie versteht, worauf ich bereits 1955 in der Debatte um die Entmythologisierung (Kerygma und Mythos IV) hingewiesen habe; 3) dass es von der Einsicht getragen ist, die Kirche sei zu klaren und sachlichen Auskünften sich selbst und der Gemeinde gegenüber verpflichtet und dürfe angesichts verfänglicher Themen nicht mehr länger einen Bogen machen wie die Katze um den heißen Brei, auch nicht unter Verschanzung hinter Barth und Bultmann. Dass die Gebildeten auch bei uns Antworten ohne Hörner und Zähne haben wollen, zeigte sich, als ic kürzlich in Porto Alegre vor Studenten aller Fakultäten über die Frage "Christlicher Glaube und Naturwissenschaft" gesprochen habe. Die Zielrichtung der Frage bei der Diskussion bewegte sich sehr bald auf die Wunder in den Evangelien. Dieselbe Erfahrung machte ich bei einer Akademietagung in La Paz, wo ich auch über das Thema "Naturwissenschaft und Glaube" referiert habe, wesentlich unter Bezugnahme auf die biblische Schöpfungsgeschichte. In der Diskussion wurde dann sehr scharf nach der Einstellung der Kirche zu den neutestamentlichen Wundern, inclusive Ostergeschichte, gefragt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowohl die Theologen als auch die Gemeinde werden immer wieder mit Wundererzählungen konfrontiert, zumal die gängigen Perikopenreihen alle auch Predigttexte bzw. Lesungen über Wunder Jesu einschließen. Es ist deshalb nicht etwa abwegig, wenn wir uns einmal speziell mit der Wunderfrage befassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieses Referat ist als Korreferat zu den Ausführungen P. Baeskes gedacht, so daß ich mich, zwangsläufig, ziemlich kurz zu fassen habe. Ich beziehe mich in meinen thesenhaften Ausführungen auf folgende Literatur: D. F. Strauss, Leben Jesu für das Volk, 1864; Martin Dibelius, Jesus, 1949; Adolf Harnack, Das Wesen des Christentums, 1908; Joseph Klausner, Jesus von Nazareth, 1952; Rudolf Bultmann, Glauben und Verstehen, I. Bd.,1958; Helmut Ristow und Karl Matthiae, Der historische Jesus und der kerygmatische Christus, 1961; Helmut Thielicke, Ich glaube, 1965; und auf eine eigene, im November in Bern erscheinende Arbeit (Krise und Neuansatz der Christologie).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun zur eigentlichen Wunderfrage:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Evangelien enthalten eine ganze Reihe von Wundererzählungen: Blindenheilungen, Heilungen von Gelähmten, Aussätzigen, Tauben und Stummen, Heilungen von Besessenen, unwillkürliche Heilungen und Heilungen aus der Ferne, Totenerweckungen, Naturwunder, Speisungswunder, das Weinwunder und andere Wundertaten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strauss hat sie in zwei, bzw. drei Klassen eingeteilt, "sofern sie entweder an Menschen oder an der außermenschlichen Natur, und die ersteren entweder an dem kranken oder dem erstorbenen menschlichen Organismus verrichtet werde ." (L. J. II, S. 55) Strauss ist insofern wichtig, als er der erste ernstzunehmende Kritiker der Wunder in der Theologiegeschichte ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist von diesen Wundern zu halten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemäß der ältesten Überlieferung der Geschichte Jesu, den Petrusformeln, ist an Jesu Wundertätigkeit nicht zu zweifeln. Sie ist "so gut verbürgt, wie ein solches Geschehen durch volkstümliche Berichte überhaupt verbürgt werden kann." (M. Dibelius,. 72) Es ist recht aufschlußreich, dieser Feststellung des Historikers Dibelius den Satz seines Schülers Bultmann gegenüberzustellen: "Deshalb sind in der Diskussion die "Wunder Jesu, sofern sie Ereignisse der Vergangenheit sind, restlos der Kritik preiszugeben, und es ist mit aller Schärfe zu betonen, daß schlechterdings kein Interesse für den christlichen Glauben besteht, die Möglichkeit oder Wirklichkeit der Wunder Jesu als Ereignisse der Vergangenheit nachzuweisen, dass im Gegenteil dies nur eine Verirrung wäre." (Glauben und Verstehen I S. 227) Hier kann man sehr gut beobachten, wie der eigentliche Begründer der formgeschichtlichen Schule, Martin Dibelius, die Historie noch als solche ernstgenommen hat, während sich sein berühmter Kollege, Rudolf Bultmann, durch die unbequeme Historie sein theologisches Konzept nicht verderben lassen möchte. Ob die Wunder für den christlichen Glauben von Interesse oder nicht von Interesse sind, ist eine sekundäre Frage, die uns nicht von der Pflicht entbindet, zunächst einmal nach ihrer Möglichkeit und Wirklichkeit zu fragen. Die Stellung Bultmanns zur Wunderfrage ist ein Musterbeispiel für seine historische Skepsis. Wenn nur diese Einsicht hier akzeptiert würde, hätte sich der Vortrag dieses Korreferates bereits gelohnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie Klausner und Stauffer mitteilen, besitzen wir auch jüdische Zeugnisse vom Wunderwirken Jesu. Wenn die Wundererzählungen keine Wurzeln in der Geschichte Jesu hätten, würden die Juden das sofort herausgefunden haben. Grundsätzlich ist also an der Wundermacht Jesu nicht zu zweifeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dennoch ist, gerade den Wundererzählungen gegenüber - das ist kein Geheimnis - weitgehende Kritik vonnöten, da ihnen die Tendenz, Jesus zu verklären, sofort abzuspüren ist. Hier liegt die Berechtigung der formgeschichtlichen Kritik, besonders ausgeprägt bei Bultmann,die im Prinzip aber schon bei Strauss und Wrede zu finden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Religionsgeschichtliche Parallelen belehren uns darüber, dass man in allen Religionen des Altertums mit Mirakeln und effekthaschenden Zauberkunststückchen nicht gerade sparsam umgegangen ist. Hier gebe ich übrigens Bultmann recht, wenn er sagt, der Unterschied von Christentum und Heidentum liege nicht in einem verschiedenen Wundergedanken und nicht einmal in einem verschiedenen Gottesgedanken, sondern nur darin, dass das Christentum vom wirklichen Gott rede, weil es vom wirklichen Wunder, nämlich vom Wunder der Gnade Gottes, der Vergebung, reden könne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schließlich haben wir noch religionspsychologische Argumente zu beachten: Die Wundersucht in Enthusiasmus versetzter und fanatisierter Massen ist ein Faktum, mit dem auch in unserem Zusammenhang gerechnet werden muß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weiter ist uns bekannt, dass man die Großen im Reiche der Religion überall und zu allen Zeiten gern mit allerlei Wundern umgeben hat. Dibelius rechnet sogar damit, "dass die Christen mitunter nicht nur fremde Motive, sondern auch ganz fremde Erzählungen sich angeeignet und auf ihren Heiland übertragen haben." (S. 76)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ende kommen auch naturwissenschaftliche Einwände hinzu. Es ist nicht zu leugnen, dass wir im Altertum weithin einem unaufgeklärten Wunderglauben ohne naturwissenschaftliches Gewissen begegnen, und dass wir es bei den Autoren oder Redaktoren der Evangelien mit von physikalisch und biologisch unbedarften Gemütern zu tun haben, worauf Thielicke besonders hinweist. Er verweist etwa auf das Beispiel eines Gewitters, das dem naiven Menschen Ausdruck des Zornes Gottes sein kann, während es sich in Wirklichkeit um ein mit der Elektrizität zusammenhängendes Phänomen handle. Bultmann bemerkt übrigens, dass einem derart naiven Gemüte Gott logischerweise ein Stück Welt, also etwa eine der Elektrizität vergleichbare Energie sein müsse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1) Wunder als Erfüllung biblischer Verheißung oder Nachahmung eines Propheten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf diese Frage hat bereits Strauss hingewiesen, welcher, bei der Beschreibung des Begriffes des Mythus, Folgendes ausführt: "Nachdem einmal, sage ich, erst Wenige, dann immer Mehrere dazu gelangt waren, in Jesus den Messias zu sehen, glaubten sie, es müsse an ihm auch alles zugetroffen sein, was man, den alttentamentlichen Weissagungen und Vorbildern und deren landläufiger Auslegung zufolge, von dem Measias erwartete. Möchte Jesu Nazarenerthum noch so landkundig sein: als Messias, als Davidssohn, mußte er gleichwohl in Bethlehem geboren sein, denn Micha hatte es so vorausgesagt. Mochten von Jesu noch so scharfe Tadelworte gegen die Wundersucht seiner Landeleute in der Überlieferung leben: der erste Befreier des Volkes, Moses, hatte Wunder gethan, so mußte der letzte Befreier, der Messias, und das war ja Jesus gewesen, gleichfalls Wunder gethan haben. Zu jener Zeit, d. h. der messianischen, hatte Jesaias geweissagt, werden die Äugen der Blinden geöffnet werden und die Ohren der Tauben hören; dann werde der Lahme springen wie ein Hirsch und die Zunge der Schwerredenden fließend reden: so wußte man auch im Einzelnen, welcherlei Wunder Jesus, da er der Messias gewesen war, verrichtet haben mußte. So kam es, daß man über Jesum in der ersten Gemeinde Erzählungen erdichten konnte, ja erdichten mußte, ohne sich der Erdichtung bewußt zu sein."(Leben Jesu S. 76) Im Il. Band, S. 75, bezieht sich Strauss auch auf die "Todtenerweckungen" und verweist auf Elia (l. Kön. 17,17 ff.) und Elisa (2. Kön. 4,18 ff.) die auch schon Tote erweckt hatten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist also offenbar, dass den Wundergeschichten der Evangelien schwerwiegende Argumente gegenüberstehen, denen die wenigsten standzuhalten vermögen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klausner hat die Wunder, welche Jesus zugeschrieben werden, in fünf Kategorien eingeteilt (S. 364 ff.). Ich halte mich hier bewußt an den jüdischen Historiker, weil er mir in der Wunderfrage als unvoreingenommen und objektiv erscheint, der hier nicht, wie die meisten Christen, dogmatische, sondern lediglich historische Interessen vertritt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Einteilung Klausners sieht folgendermaßen aus:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klausner knüpft also nur an die Strauss’sche Tradition an, wenn er unter Kategorie 1 die Auferweckung das Töchterleins des Jairus, des Jünglings zu Nain und des Lazarus nennt; ferner das Wunder der Brotvermehrung, dem Vorbild den Elia nachgebildet. Oder das Öl im Kruge vermehrt und damit viele Flaschen füllt, um so die Frau eines der "Söhne der Propheten" von ihrer Schuld zu befreien" und der "mit zwanzig Gerstenbroten hundert Menschen speist und sogar noch Brot übrigbehält."(S. 364)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Parallelen sind so eindeutig, dass man sie gar nicht übersehen kann, wenngleich im Einzelnen an der Darstellung Strauss’ und Klausners Korrekturen vorgenommen worden können oder sogar vorgenommen werden müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2) Poetische Metaphern die fälschlich als Wunder berichtet wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hierher gehört z. B. die wunderbare Geschichte vom Vertrocknen eines Feigenbaums auf Jesu Geheiß, die sich auf ein Gleichnis Jesu (Lk.13,6 - 9) aufgebaut hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3) Visionen als Wunder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hierzu zählt Klausner das Mirakel vom Wandeln Jesu auf dem Meer (Mk. 6,47 - 51).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4) Scheinbare Wunder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hierher gehört das Wunder von der Stillung des Sturmes (Mk. 4,35 - 41) das auf einem Zufall beruhe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5) Heilung Nervenkranker infolge außergewöhnlicher Suggestionskraft Jesu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieses Schema ist ausgezeichnet, es kommt nur darauf an, wie es im Einzelnen gefüllt,wird. Harnacks berühmter Satz ist auch heute noch gültig: "Dass die Erde in ihrem Lauf je stille gestanden, dass eine Eselin gesprochen hat, ein Seesturm durch ein Wort gestillt worden ist, glauben wir nicht und werden es nie wieder glauben, aber dass Lahme gingen, Blinde sahen und Taube hörten, worden wir nicht kurzerhand als Illusion abweisen." (S. 18) Wir können es schon aus dem Grunde nicht abweisen, weil wir Lourdes und Bad Boll, Gröning und Zaiss nicht ableugnen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines allerdings muß bemerkt werden: Jesus vermochte nur dort zu heilen, wo er Glauben fand. Das wird durch Jesu Erfahrung in seiner Heimatstadt bestätigt (Mk. 6,5 f.). Zum andern hat Jesus wiederholt gesagt: "Dein Glaube hat dir geholfen." (Mt.9,22). Dibelius weist darauf hin, dass sich mit der Heilung oft eine Verkündigung verbindet. Wo die Verkündigung nicht angenommen wird, ist eine Heilung nicht möglich. "Es handelt sich um seelisch bedingte Leiden, die durch einen Eingriff in das Seelenleben des Patienten geheilt werden." (S. 73)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Grunde ist die Wunderfrage seit Strauss gelöst, nämlich seitdem er den Begriff des "Mythus" in die Evangelien einführte, nachdem dieser auf das Alte Testament schon länger angewendet worden war. In Bultmanns Forderung der Entmythologisierung des Neuen Testamente ist das Problem dann wieder zur Sprache gekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben uns nun, nach einer mehr historischen Beurteilung der Wunder noch der theologischen Frage zuzuwenden, welcher theologische Wert den Wundern etwa beigelegt werden könnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn wir von "Wundern" reden, meinen wir damit miracula, im Sinne wunderbarer, die Naturgesetze durchbrechender Ereignisse. Hier muß es bei der von Harnack beschriebenen Haltung bleiben: Wir dürfen den entsprechenden Wundererzählungen nicht den Anschein der historischen Wirklichkeit zu geben versuchen, sondern haben sie, ein für allemal, als "erledigt" zu betrachten. Bultmann argumentiert ganz richtig: "Der Gedanke des Mirakels ist also unvollziehbar geworden und muß preisgegeben werden."(Glauben und Verstehen I S. 216)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andererseits müssen wir anerkennen, dass Jesus besondere Heilungen, die wir aber nicht miracula nennen dürfen, da es sich bei ihnen nicht um Ereignisse contra naturam handelt vollbrachte; nur erhebt ihn dies nicht über andere vergleichbare Heiler. Seine Heilungen sind nicht theologisch beweiskräftig. Sie waren es zu seiner Zeit nicht, denn die Schriftgelehrten schrieben sie einem unreinen Geist zu bzw. sagten: "Er hat den Beelzebub, und durch den obersten Teufel treibt er die Teufel aus."(Mk. 3,22). Sie sind es auch heute nicht. Thielicke stellt fest: "Was für die Augenzeugen... immerhin eine -gewisse Beweiskraft haben mochte, kann es für uns jedenfalls nicht mehr haben." (S. 87) Hier ist auch an das Lessing-Wort zu erinnern: "Ein anderes ist es, selber Wunder zu erleben, und ein anderes, nur berichtet zu hören, dass andere sie wollen erlebt haben."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach Jesu eigener Intention konnten seine Krafttaten nicht als konstatierbare Ereignisse der Offenbarung Gottes in der Welt verstanden werden. Es konnte ihm unmöglich an einem Ersatz des Glaubens durch das Schauen gelegen sein. Davon zeugt die Versuchungsgeschichte genau so wie die Erzählung von Thomas, deren Skopus gerade in dem Wort liegt: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die sogenannten "Wunder" sind also durch die Bank inclusive,die Heilungen Jesu, für die Christologie unbrauchbar. Delling konstatiert: "Es gibt kein den Unglauben widerlegendes Zeichen." Die Machttaten Jesu haben auch keine eigentlich "christologische", keine messianische Bedeutung in dem Sinne, dass sie die Messianität Jesu als solche bestätigen." (Der historische Jesus, S. 391) Theologisch legitim kann nur vom "Wunder" im Singular geredet werden: vom"Wunder der Offenbarung, d. h.: "Offenbarung der Gnade Gottes für den Gottlosen, Vergebung." (Bultmann Glauben und Verstehen I S. 221) Vergebung ist ein Wunder im Gegensatz zum Weltgeschehen, wie Bultmann es ausdrückt. Mit einem Seitenblick auf "die Wunder" sagt er: "Der Mirakelgedanke ist ein primitiver, unklarer Ausdruck dafür, dass Gottes Tun verstanden ist in seinem Gegensatz gegen alles Weltgeschehen und weltliche Tun." (S. 226)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Glaube an das Handeln Gottes führt nun allerdings immer wieder zum subjektiven 'Glauben an Gottes Eingreifen in die Welt, d. h. an den Geschichtsverlauf und in mein Leben. Ich sage "subjektiv", weil sich dieses Eingreifen Gottes niemals objektiv konstatieren ließe. Es handelt sich, wie Thielicke sagt, um einen subjektiven Gehalt, d.h., das Wunder haftet an meinem Auge, nicht am Objekt. Man könnte genauso gut von einer religiösen Deutung historischer Ereignisse sprechen, nur dürfte solches Deuten, wie Rudolf Bultmann sagt, nicht überhandnehmen, da man sonst Weltereignisse nicht mehr Weltereignisse sein ließe und, durch eine Hintertür, den Mirakelbegriff, den man eben hinausbefördert hat, doch wieder herein ließe. Wofern der subjektive Glaube an Gottes Eingreifen in die Welt- wohlbemerkt, objektiv nicht aufweisbar - dezent, fast möchte ich sagen "keusch und züchtig" bleibt, kann man, wie Bultmann das tut, tatsächlich sagen: "Steht es aber so, dann hat der Christ wirklich die Möglichkeit, immer neue Wunder zu sehen. Dies Weltgeschehen, das dem ungläubigen Auge als gesetzmäßiger Ablauf von Ereignissen erscheinen muß, gewinnt für ihn den Charakter einer Welt, in der Gott handelt." (S.226) Damit wird, das war der große Fehler der älteren Theologie, der Unterschied von Weltgeschehen und Tun Gottes nicht preisgegeben, sondern es wird vielmehr deutlich, "dass der Glaube an Gott und an das Wunder überhaupt das Gleiche bedeutet." (Bultmann S. 219) So wie Gott nicht konstatierbar ist, ist es auch das Wunder nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn der Christ vom Wunder redet, so bezieht er sich damit nicht auf historische Fakten wie z. B. die Auferweckung des Lazarus, sondern auf seine eigene Existenz, d. h. darauf, dass in seinem Leben Gott sichtbar geworden ist. Fast möchte ich sagen, Goethe habe mehr von Theologie verstanden als die meisten Theologen, wenn er nämlich ein solches sog. historisches Faktum, in diesem Falle die Auferstehung des Herrn sogleich existential interpretiert, indem er sagt: "denn sie sind selber auferstanden."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch ich will hier nicht von Ostern sprechen, obwohl auch solche Mirakel wie Empfängnis durch den Heiligen Geist, Jungfrauengeburt, leibliche Auferstehung und Himmelfahrt zur Kategorie der Wunder gehören, von der wir gesagt haben, dass sie ein für allemal, als "erledigt" zu betrachten sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wunder schlechthin, zu dem wir uns als Christen bekennen, ist das von Gott gesprochene Wort der Vergebung aus dem Mund des geschichtlichen Menschen Jesus von Nazareth. Hier stehe ich, wie bereits zu Beginn dieses Referates, wieder im Gegensatz zu Bultmann, mit dem ich ansonsten in vielen Punkten einig bin, so dass ich, zu meiner Verwunderung, kürzlich einem Auditorium als Bultmannschüler vorgestellt worden bin. Rudolf Bultmann sagt am Schluß seines Aufsatzes "Zur Frage den Wunders": Wer in der geschichtlichen Persönlichkeit Jesu Gottes Offenbarung konstatieren will, verfällt dem Spott Kierkegaards, dass er klüger ist als Gott selbst, der doch seinen Sohn in der Verborgenheit des Fleisches gesandt hat." Bultmann meint weiter: "Auf die historisch konstatierbare Persönlichkeit den Offenbarungsgedanken anzuwenden, ist ebenso sinnlos wie auf die als Natur gesehene Welt den Schöpfungs- oder Wundergedanken anzuwenden." (Glauben und Verstehen S. 228)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann hier, in aller Kürze, nichts anderen sagen als den Einwand Herrmanns gegen Kähler zu wiederholen, ob wir, bei solchen christologischen Prinzipien, nicht "unsern Glauben auf etwas gründen wollen, was vielleicht gar nicht geschichtliche Tatsache, sondern Erzeugnis des Glaubens ist." Pannenberg, Christologie, S. 20) Wolfhart Pannenberg sieht, wie übrigens auch Ebeling, hier sehr klar, wenn er schreibt: "Die Aufgabe der Christologie ist es also, aus der Geschichte die wahre Erkenntnis seiner Bedeutung zu begründen, die sich zusammenfassend durch den Ausdruck umschreiben läßt, dass in diesem Menschen Gott offenbar ist." (S.23)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach diesem zweiten kleinen Exkurs darf ich nun, abschließend, noch einmal den Satz wiederholen: Das Wunder schlechthin zu dem wir uns als Christen bekennen, ist das von Gott gesprochene Wort der Vergebung aus dem Munde des geschichtlichen Menschen Jesus von Nazareth.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(H. Dressel, Referat - 1967 - im Rahmen einer theologischen Arbeitsgemeinschaft der Pfarrer des Kirchenkreises São Leopoldo, Brasilien)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-2277379279061344635?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/2277379279061344635/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=2277379279061344635' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/2277379279061344635'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/2277379279061344635'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/10/die-wunder-jesu.html' title='Die Wunder Jesu'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-3188623006359103731</id><published>2009-08-31T03:13:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T03:14:56.682-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuiiOl4uHI/AAAAAAAAAGI/6Ed0Q14DcDQ/s1600-h/4Acapa-heinz.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5376069289113073778" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 227px; CURSOR: hand; HEIGHT: 320px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuiiOl4uHI/AAAAAAAAAGI/6Ed0Q14DcDQ/s320/4Acapa-heinz.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-3188623006359103731?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/3188623006359103731/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=3188623006359103731' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/3188623006359103731'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/3188623006359103731'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/blog-post_4888.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuiiOl4uHI/AAAAAAAAAGI/6Ed0Q14DcDQ/s72-c/4Acapa-heinz.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-8070138763787955538</id><published>2009-08-31T03:03:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T03:09:54.354-07:00</updated><title type='text'>Fé e Cidadania</title><content type='html'>Fé e Cidadania&lt;br /&gt;Heinz F. Dressel&lt;br /&gt;Editora UNIJUÍ&lt;br /&gt;Ijuí-RS 2006&lt;br /&gt;Catalogação na Publicação:&lt;br /&gt;Bibliotéca Universitária&lt;br /&gt;Mario Osorio Marques - Unijuí&lt;br /&gt;1. Cidadania 2. Sociologia 3. Religião 4. Reforma Agrária&lt;br /&gt;5..Ciências sociais 6. Língua portuguesa, história da&lt;br /&gt;7. Política 8. Cultura 9. Economia&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seguem aqui uns parágrafos de textos do livro Fé e Cidadania que publiquei no ano de 2006 na Editora Unijuí. O livro foi gentilmente apresentado pelo professor Dr. Walter Frantz. Segue aqui - como introdução de meus textos - a principal parte do teor da introdução do amigo Walter, um dos pioneiros no contexto da fundação da Universidade Regional do Noroeste do Estado do Rio Grande do Sul (Unijuí).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Apresentação&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O escritor sempre revela algo de sua vida por meio das palavras e conteúdos de seus textos, mesmo que não fale de si, diretamente ... O leitor pode encontrar-se com o autor em todos os seus textos, que revelam os lugares sociais de vida do autor. O autor tem uma história de vida marcada pela experiência das relações internacionais, pela convivência com diversas culturas de diferentes países. Dessa valiosa experiência de vida nascem as razões e as motivações de seus escritos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;No início da década de 50 do século XX, o jovem pastor Heinz Friedrich Dressel e sua esposa, a nutricionista Ilse Dressel, chegam ao Brasil, vindos da Alemanha, para dedicar-se a trabalhos de pastoral na região Noroeste do Estado do Rio Grande do Sul. Desde 1952, trabalhando em diferentes comunidades, na região e no Estado, na condição de pastor, desenvolveu uma relação pessoal forte com o Brasil, revelada e testemunhada por muitos de seus textos, os quais ultrapassam a sua missão específica de pastor. Fez-se brasileiro de sul a norte, sempre criando e estabelecendo muitos laços de amizade. Sentindo-se e fazendo-se brasileiro, pelo trabalho e pela cultura, passou a escrever sobre a sociedade brasileira. Desse modo, em muito tem contribuído para com as relações de cooperação e amizade entre os dois povos. Em 1968, retornou a sua terra natal, porém passou a amar o Brasil e o Rio Grande do Sul, retornando sempre que possível, inclusive pela publicação de livros. Uma de suas pontes entre as duas culturas e pelas quais viaja, seguidamente, são suas pesquisas, seus escritos, sobre temas da realidade brasileira.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A sua relação com o Brasil, porém, foi reforçada pelo exercício da função de diretor da Obra Ecumênica de Estudos ÖSW - Õkumenisches Studienwerk e.V. de Bochum, Alemanha), durante um período de 20 anos, de 1972 até 1992. Nesta função, além do importante papel de apoio à formação de muitos mestres e doutores para universidades brasileiras e latino-americanas, o pastor Dressel exerceu também um papel importante, à época, no socorro aos perseguidos políticos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Com o agravamento da opressão política no Brasil e em muitos outros países dos continentes de origem dos parceiros da Obra Ecumênica de Estudos, esta decidiu acolher perseguidos ou exilados políticos, articulando política e ajuda ao desenvolvimento. Muitos exilados brasileiros, latino-americanos, africanos e asiáticos tiveram a sorte do apoio da Obra Ecumênica de Estudos e puderam, além da liberdade, usufruir da oportunidade de uma formação e qualificação em universidades alemãs e de outros países da Europa. Na condição de responsável pela Obra Ecumênica, o pastor Dressel conseguiu estender ajuda a muitas pessoas perseguidas, politicamente, em diferentes países. Sempre reuniu coragem e forças para lutar pelos direitos humanos, onde quer que estivessem sendo desrespeitados. Sempre que necessário, foi aos lugares e às pessoas envolvidas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aqui está uma marca especial de atuação e da personalidade do pastor Dressel. Como humanista e cristão, empenhou-se para a abertura das portas da Obra Ecumênica de Estudos também para quem estivesse em apuros por razões políticas, sem distinção de credo ou convicções ideológicas. Tinha como bandeiras o reconhecimento do direito às diferenças e o respeito à liberdade. Com este objetivo viajou, pelos diferentes continentes e países, em busca da afirmação da liberdade de pensamento e de organização. Com coragem e determinação, aliou a defesa intransigente dos direitos humanos à política de ajuda ao desenvolvimento, à concessão de apoio à formação docente. Assumiu e desempenhou, pode-se dizer, desse modo, uma função de pastor de um rebanho de ovelhas perseguidas, em diferentes países e continentes, incentivando-as a se abrigarem nas universidades, em seus programas de estudo, superando, sempre que possível, os traumas do exílio. Vislumbrou oportunidades de futuro em meio às dificuldades. Soube olhar em direções múltiplas, respeitando o diverso e lutando pela liberdade onde ela estivesse em falta. Com sua atitude solidária e corajosa, penetrou fundo na alma de todos aqueles que puderam conviver com ele. Marcou vidas, ao abrir caminhos e indicar horizontes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Os seus escritos, os seus livros, os seus artigos, os seus relatórios de viagem, as suas cartas, as suas visitas, o seu esforço incansável em defesa dos direitos humanos, trazem o exemplo e o compromisso com aquilo que tanto se sonha construir: a liberdade e a justiça social, em toda a dimensão possível e necessária para que o ser humano se complete em seus direitos e deveres.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Não poderia deixar de fazer referência, ainda que mínima, a uma passagem da história do ensino superior brasileiro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;No Brasil, seja por dificuldades econômico-financeiras, seja por opção política ou mesmo por omissão, por parte do poder público, em muitos espaços sociais e geográficos da sociedade brasileira, surgiram diferentes iniciativas não-estatais, apoiadas no marco jurídico constitucional e legal, com a função de promover a educação universitária. Dentre essas iniciativas, nasceu e se estruturou uma organização nova, nova em sua natureza, contendo novas forças e novos significados sociais. Nasceu e se desenvolveu a universidade comunitária e regional, experiência fundante de uma natureza pública não-estatal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Essa experiência inovadora no cenário acadêmico brasileiro, contudo, nem sempre encontrou facilidades. No passado, especialmente, deparou-se com dificuldades politicas, somadas aos obstáculos materiais e financeiros. À coragem e à ousadia de se instituir uma universidade, somou-se o constrangimento político, alimentado pelo medo do diverso, do confronto de argumentos, sustentado pelo poder das estruturas tradicionais da economia e da política.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Conforme depoimento do professor Argemiro Jacob Brum,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A Fidene, fiel a sua trajetória histórica e ao seu projeto, rejeitava submeter-se aos ditames do arbítrio instaurado no país, e buscava afirmar sua independência e autonomia. Os prepostos do regime, não podendo assumir-lhe o controle direto, desenvolviam a estratégia de tolher-lhe os passos, impedir-lhe ou dificultar-lhe a expansão, asfixiá-la, se possível. Era, então, praticamente impossível obter apoios internos substanciais (locais, regionais ou nacionais) para impulsionar com a necessária consistência o projeto assumido, apenas respaldado na sólida coesão institucional (professores, alunos e funcionários).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Foi justamente nesse contexto de dificuldades e incertezas que chegou até nós, qual pomba da esperança, o pastor Dressel, representando a Obra Ecumênica de Estudos, entidade da Igreja Evangélica, da Alemanha, e anunciando a possibilidade de podermos contar com um apoio do exterior.&lt;br /&gt;Graças ao pastor Dressel e seus colegas da ÕSW, firmou-se um convênio entre as duas instituições, que começou a operacionalizar-se a partir de 1972. A ÕSW passou a conceder bolsas de Pós-Graduação a professores indicados pela Fidene, e por ela aprovados, em cursos a serem realizados, quer no Brasil, quer no exterior. Os professores selecionados e contemplados com bolsa da ÖSW assumiam o compromisso moral de, uma vez concluído o respectivo curso, integrar-se efetivamente à Fidene, a fim de ajudar a impulsionar a expansão do seu projeto, esperando-se deles, também, que se engajassem em atividades e ações de promoção humana junto às distintas camadas da população, com prioridade para o desenvolvimento do cooperativismo e associativismo em geral.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pode-se ‘afirmar, com toda a segurança, que a solidariedade e o apoio, vindos da Obra Ecumênica de Estudos e da dedicação do pastor Dressel, foram fundamentais ao sonho e à ousadia na afirmação de um núcleo de reflexão científica e crítica, no distante ponto do tempo e do espaço da história do ensino superior brasileiro, no Noroeste do Estado do Rio Grande do Sul. A Obra Ecumênica de Estudos ocupa um lugar importante na história do ensino superior da região. Nos arquivos da Universidade Regional do Noroeste do Estado do Rio Grande do Sul (Unijuí) e na memória de seus integran tes, está registrada essa cooperação que daria suporte, por muitos anos, inclusive até hoje, à formação de docentes. Tanto a Obra Ecumênica quanto o pastor Dressel revelam em suas políticas e ações práticas que o desenvolvimento de uma sociedade passa pelo reconhecimento das diversidades e diferenças, pela solidariedade e cooperação decorrentes dessa compreensão do mundo da vida.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Agora, pela senda dessa história de cooperação e amizade, Heinz E Dressel retorna, por meio de diferentes textos, aprofundando o diálogo com todos aqueles que se reconhecem, de alguma forma, em um desses ideais de ecumenismo e convivialidade humana. Dressel se faz presente no cenário da reflexão sobre a sociedade humana, das relações culturais, políticas e econômicas, por intermédio da escrita, tendo como pano de fundo a sua vasta experiência de quem buscou construir pontes entre diferentes visões de mundo e de culturas, ao longo de boa parte de sua vida.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O Os temas escolhidos pelo autor e a elaboração dos textos refletem uma história devida, brotam da trajetória de vida do autor. Revelam os seus caminhos de pastor, de observador e pesquisador, marcados pela palavra falada ou pela escrita. O autor busca comunicar-se, pelos seus textos, a partir de sua experiência de vida. Busca a interlocução, o diálogo, entre pessoas e povos. E, ao fazê-lo, enriquece as relações entre as diferentes culturas e visões de mundo, entre as diversas práticas sociais de convivência humana.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;No primeiro texto retorna ao seu núcleo de formação inicial, o campo da teologia, aceitando um diálogo com quem busca entender a problemática da religião. O diálogo se estabelece com um aluno do curso de Sociologia da Unijuí, que busca como tema de conclusão de seus estudos a identidade religiosa da juventude de hoje. O texto é uma excelente reflexão sobre a questão religiosa, que continua a ser uma das grandes questões da vida do ser humano.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O texto sobre o problema da terra e da reforma agrária, no Brasil, além da importância do texto em si, revela muito da vida do autor. Buscar compreender e solidarizar-se com a problemática brasileira sempre foi uma forte motivação para ele. Além disso, o texto da pesquisa sobre a problemática da terra é uma significativa contribuição ao debate histórico da reforma agrária, no Brasil, especialmente considerando-se que o autor manteve muitos relacionamentos pessoais com políticos e lideranças brasileiras, voltadas à questão. Como tal, constitui-se em texto inédito.&lt;br /&gt;Por fim, porém não em ordem cronológica, o autor trata de uma problemática pouco conhecida, certamente, do leitor brasileiro: a Alemanha nazista e o comportamento de distintos setores da Igreja Protestante no período do governo nazista. O texto é resultado de pesquisas e estudos realizados pelo autor, apresentados em eventos e seminários específicos. O autor oferece ao leitor brasileiro uma rara oportunidade de conhecer aspectos importantes dessa problemática histórica.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Os textos são uma importante contribuição à discussão de diferentes problemáticas, seja do campo da cultura, da economia, da política ou da religião, a desafiar, especialmente, os povos dos países periféricos ou aqueles que sonham com dias melhores para todos. Os diferentes textos devem ser lidos tendo como referência a rica experiência de seu autor, que vai do campo teológico à área da educação, passando pela convivência com complexas e diferentes culturas, ao longo de algumas décadas. Os textos revelam a capacidade de pesquisa e de observação de quem soube aliar diferentes funções em seu lugar de trabalho. Mostram a capacidade do olhar de quem sabe produzir conhecimentos, pela observação crítica do mundo, aliando visões de cultura, de política e de economia. Os textos, portanto, oferecem ao leitor uma excelente oportunidade de interlocução com alguém que vem de uma outra cultura e realidade socioeconômica. Na leitura dos textos está presente uma ponte entre pessoas e culturas. O diálogo de diferentes olhares permite, com certeza, leituras mais significativas e completas de uma realidade.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Professor Walter Frantz Doutor em Sociologia&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-8070138763787955538?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/8070138763787955538/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=8070138763787955538' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/8070138763787955538'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/8070138763787955538'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/fe-e-cidadania.html' title='Fé e Cidadania'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-4301084028127779063</id><published>2009-08-31T02:56:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T02:59:31.222-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/Spue3S5COzI/AAAAAAAAAGA/rzi0glimP3A/s1600-h/musnitr.bmp"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5376065252997872434" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 320px; CURSOR: hand; HEIGHT: 215px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/Spue3S5COzI/AAAAAAAAAGA/rzi0glimP3A/s320/musnitr.bmp" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-4301084028127779063?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/4301084028127779063/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=4301084028127779063' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/4301084028127779063'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/4301084028127779063'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/blog-post_4370.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/Spue3S5COzI/AAAAAAAAAGA/rzi0glimP3A/s72-c/musnitr.bmp' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-2025810546384367988</id><published>2009-08-31T02:44:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T02:52:13.132-07:00</updated><title type='text'>O impacto pela confrontação de ciência e fé cristã</title><content type='html'>Atualmente assistimos a um exemplo impressionante, que nos mostra como a evolução do homem continua, quase a cada dia, mais rapidamente:com a nossa técnica, já alcançamos até planetas dos quais nos separam distâncias fora da nossa imaginação. Voamos com um macroavião, decolando em Paris, que facilmente alcança Buenos Aires ou Santiago do Chile. Mas, ao mesmo tempo, em nosso planeta, sofremos de dilúvios de uma força e de unia extensão inédita. E a mídia nos faz relembrar também que, ao lado de nosso mundo moderno, há tribos nas ilhas entre a Índia e a Tailândia, no oceano, que atiram de arco e flecha contra helicópteros do governo central que tentam trazer socorro numa situação de catástrofe. Primitivos, como os encontramos também hoje nas margens do Amazonas. Temos duas culturas lado ao lado, como, aliás, já acontecera na época do descobrimento do Brasil: temos o primitivo e o civilizado.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O índio imaginava um mundo bem diferente daquele que concebiam os brancos, com seu modo materialista, determinado pela Matemática e Física. O índio dava alma ao pássaro e atribuía poderes espirituais e divinos à planta que o curava. Também seu céu lhe parecia um lugar povoado por gente vivendo em bonitas aldeias cercadas de árvores frutíferas. E, em meio a sua tribo, iria um dia fazer parte dessa terra sem mal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Além das coisas visíveis e da realidade aparente na humanidade, existiram sempre a imaginação, o sonho e o mito, O mito cria modelos de comportamento humano, valorizando desta maneira a existência do homem. Uma de suas mais importantes funções é a criação de modelos de ritos e atividades essenciais para a alimentação, o casamento, o trabalho, a educação, a arte e a ciência. O mito propicia a realização daquilo que os homens imaginam em seus mais bonitos sonhos. No mito, as coisas essenciais, espaço e tempo, se transformam e ganham uma dimensão ideal e mágica. O mito tem um valor religioso (Vide Natalicio Gonzalez, Proceso y Formacion de lá Cultura Paraguaya, Asunción, 1998).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na pré-história, por assim dizer, reconhece-se a função da inteligência singular do ser humano e emerge desta supremacia sobre o resto das criaturas a religião, como dela também emerge a ciência. Trata-se de gêmeos! Note-se que a religião não se utiliza de outros meios senão da razão e da língua, como destacou Herder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;É importante sublinhar um fato fundamental: não há e, desde os primórdios da humanidade, não houve inimizade entre estes gêmeos, entre a religião e a ciência. Muito ao contrário: o que, de fato, observamos, é que há e sempre houve uma forte interdependência entre elas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tratemos mais de perto o tema da interdependência entre a religião e a ciência, a partir da Idade Moderna até o surgir do neoprotestantismo e da teologia neoliberal:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A stoa, com seu intelectualismo e racionalismo, desenvolveu as formas clássicas das provas da existência de Deus: o argumento cosmológico, teleológico e ontológico, todos válidos até Kant, como disse Kurt Leese (Recht und Grenze der natürlichen Religion, p. 20). Já na stoa encontramos todos os elementos mais tarde expostos na theologia naturalis da Igreja Católica, como os há também nos escritos de S. Paulo e, no Velho Testamento, na coleção apócrifa da Sabedoria de Salomão. Os apologistas Justino o Mártir ou Clemens Alexandrinus, ambos educados em ambiente grego, e os patriarcas da Igreja adaptaram a theologia naturalis, proveniente da filosofia do estoicismo, propositadamente. Lemos, no Dialogus cum Tryphone, de Justino, diz: a Filosofia é, sem dúvida alguma, o tesouro mais precioso e, aos olhos de Deus, o mais importante, pois é só ela que leva o homem a Ele. Os apologistas e padres antignósticos atribuíam aos pensamentos filosóficos dos gregos um valor extraordinário dentre o contexto da teologia da revelação. Isto se nota claramente na fórmula de Tertuliano: anima naturaliter christiana. No decorrer dos tempos, a Igreja Católica-Romana aperfeiçoou esta theologia naturalis e, no Vaticano 1, a confirmou por meio do dogma: Salta máter eclesial tente ac doce, delfim riram omnium principium et finem, naturali rationis lumine e rebus creatis certo cognosci posse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mediante a história da religião conhecemos o impacto dos cultos religiosos contextuais - do Egito, via Síria, Arábia, Babilônia, Assíria, até a Pérsia - na vida dos israelitas. Nas escrituras integrantes do Velho Testamento encontram-se milhares de respectivas referências. Tais influências manifestaram-se, antes de tudo, nas mitologias dos anjos e na narração do dilúvio - tudo isso provém da mitologia persa. Temos também a literatura da sabedoria, por Goldammer classificada como corrente paralela dos livros da Bíblia. O fato de serem os Provérbios de Salomão, em grande parte, completamente idênticos aos da velha Doutrina de Sabedorias, do antigo estadista egípcio Amenemope (cerca de mil anos antes de Cristo) deveria chamar particular atenção, comenta Goldammer (Die Bibel und die Religionen, in: Fuldaer Hefte, Schriften des Theologischen Konvents Augsburgischen Bekenntnisses, organização de Friedrich Hübner, caderno 16, Berlin und Hamburg, p. 104).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O que constatamos no Velho Testamento por meio de aspectos ligados à história das religiões, não podemos absolutamente excluir com relação ao Novo Testamento. Antes de tudo, aprendemos com Harnack, Uetzmann e Bultmann, entre outros teólogos destacados, que a religião cristã também ficou e ficará submetida a processos de aculturação, da mesma forma como outros credos. É evidente que as raízes do Cristianismo encontram-se nÓ Judaísmo. Isso comprovam o culto e a ética, cujo fundamento são as escrituras do Velho e do Novo Testamento, a lei e os profetas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eusébio de Cesaréia, em sua História Eclesiástica, transmitiu-nos uma idéia bem clara da tradição em vigor na comunidade primitiva de cristãos em Jerusalém, enraizada no culto judaico. No esquema científico que vigora na Teologia, estes cristãos primitivos figuram na rubrica de hereges (Lietzmann, p. 191). Eusébio os chama de ebioneios (no vernáculo: os pobres), porque tinham apenas uma idéia muito modesta e vaga de Cristo. Consideravam-no um homem comum, filho de Maria, que o pariu depois de ter tido relações sexuais com um homem, mas que, devido a seu caráter exemplar, foi declarado um justo. Em plena conformidade com a religião mosaica, defendiam a estrita observação da lei, rejeitando a idéia de poderem os homens ser justificados por Deus apenas por crerem em Cristo. Praticavam a religião-cerimonial da rigorosa observação da lei, como todos os judeus. Rejeitavam o ensinamento de Paulo, a quem consideravam um apóstata que havia traído a crença dos antepassados. Reconheciam exclusivamente o "evangelho aos hebreus", evangelho que não pertencia ao "cânon" dos livros reconhecidos, menosprezando os outros evangelhos (canônicos). Celebravam o Sábado no templo e observavam também o Domingo comemorando a ressurreição do Senhor. Não é de estranhar que essa comunidade primitiva dos ebionitas, emergida da comunidade dos discípulos de Jesus na capital, suspeitasse ao máximo do desenvolvimento da cristandade e que afinal a evolução passou por cima dela, como observou Lietzmann (Anfãnge, p. 184).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pode-se perceber como começa a polêmica entre as distintas tendências que emergiram do novo movimento religioso dos cristãos. Há um entusiasmo extático versus sabedoria helenística, como também há a tradição judeu-cristã de Tiago cuja continuação era o semijudaísmo do apóstolo Pedro versus a proclamação da liberdade ensinada por Paulo: Para a liberdade foi que Cristo nos libertou. Permanecei, pois, firmes e não vos submetais de novo ao jugo da escravidão! (Gal. 5,1). Demorou, porém, até que a corrente paulinista - fortemente apoiada pelo movimento marcionista - se consolidas-se mais ou menos no seio da igreja. Consta que, neste processo, o elemento essencialmente judaico do Cristianismo mostrou uma impressionante assiduidade: acontece que a comunidade cristã da capital do Império, a cidade de Roma, herdou sua liturgia da sinagoga. O tríplice sanctus, sanctus, sanctus, a laudatio da ordem do universo, as diversas preces que se cantam ou falam na missa, tudo isso provem do culto judaico. Além disso, o catolicismo primitivo gradativamente assimila também elementos do helenismo, como o sacramentalismo e a mística espiritual, e a idéia da salvação devido ao sacrifício de Cristo, etc., como registra Lietzmann (p. 233-234).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;No seu tratado Diálogo com o judeu Trifão, constata Justino que Sócrates e Platão eram precursores de Cristo, em pé de igualdade com os profetas do Antigo Testamento. E continua: Deus agiu em todos os tempos e entre todos os povos. Por meio de Cristo, deu-lhes desde sempre e também fora do povo de Israel fragmentos e bocados de sua verdade. Por isso é lícito dizer que todos os homens que viveram em conformidade com a razão eram cristãos, seja entre os gregos, por exemplo, Sócrates e Heráclito, seja entre os bárbaros por exemplo, Abraão, Elias e muitos outros. Também a escola da stoa fala de um logos spermaticos, semente espalhada entre toda a humanidade. Para Justin, Cristo foi o logos, ou seja, a razão divina, em pessoa.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A história do judaísmo mostra como se constitui, passo a passo, dos elementos de uma primitiva religião de nómades cheia de elementos provenientes de um animismo arcaico, uma prestigiosa religião de caráter monoteísta que assimilou elementos bem diferentes. Da mesma forma, não pode haver dúvidas de que também o jovem movimento cristão assimilouos mais diversos componentes do mundo contemporâneo num processo de formação secular. É claro: a lei da evolução que aplicamos ao setor profano não deve e nem pode ser excluída no contexto do fenômeno do Cristianismo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ao analisar os respectivos setores da história das religiões e das fontes que com eles correspondem, reconhecendo as respectivas relações e correlações, parece bem lógica a observação de Gunkel: o Cristianismo acaba sendo uma religião sincretista (Zum religionsgeschichtlichen Verstãndnis des Neuen Testaments).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Foi na Assembléia Mundial do Conselho Mundial de Igrejas em Nova Delhi (1961) que se afirmou: independentemente do caráter de nossas Cristologias ou Budologias, fica o importante fato de que se encontra detrás de todas as religiões a própria religião, acompanhada pela consciência religiosa do ser humano (K. J. Saunders - Christentum und Buddhismus, vide W. Andersen, Die theologische Sicht der Religionen etc., Fuldaer Hefte, caderno 16, p. 28) Até Karl Barth não ignorou o fenômeno que indica que os homens obviamente se sentem vis-à-vis de elevados poderes sobre a sua vida e sobre o mundo, e que os influenciam. Não ignorou que os homens sentem o compromisso de honrar o deus ou os deuses por meio de cultos, mistérios, símbolos, sacrifícios, orações, ritos, costumes e pela instituição de comunidades ou igrejas. Não negou que se procurou a voz divina na veda dos hindus e na avesta dos persas. Na tripitaca dos budistas, no Alcorão, que para o crente do Islã tem o mesmo significado que a Bíblia, o Velho e o Novo Testamento para o cristão. Não ignorou que certos elementos e problemas das religiões, tais como o começo e o fim do mundo, a origem e o caráter do ser humano, a lei moral-religiosa, o pecado e a salvação, parecem ser idênticos à doutrina cristã. Em última instância, porém, Barth não consegue reconhecer o fator da theologia naturalis, senão, muito ao contrário, critica a correlação que existe entre a religião e o homo religiosus, por ser este um ente problemático, completamente inconflável. Para Barth, tudo isso é Antropologia e como tal, falta de fé.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Num artigo em torno da revelação natural - Die Frage der natürlichen Offenbarung - afirma Bultmann que havia - extra Christum - uma noção de Deus no contexto da noção do homem sobre a própria existência. Da sua própria fraqueza ou impotência deduzia o homem o poder ou até a omnipotentia de Deus; em função dos desafios que ele teria de enfrentar, o homem possuía uma noção de sua própria responsabilidade perante o ente supremo, e sua própria transitoriedade e mortalidade levá-lo-ia a desenvolver a idéia da eternidade de Deus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sabemos que na doutrina católica sempre se manteve o princípio antigo: gratia non tollit naturam sed perflcit. Gratia praesupponit naturam, non destruit naturam. Martin Werner, que defende um realismo crítico, avança ainda mais quando afirma: com a proclamação da pessoa histórica de Jesus como o único, exclusivo e absoluto lugar histórico da revelação divina, nos atribuímos uma interpretação da historia da humanidade inteira, para a qual não temos nenhuma legitimação. Obviamente Deus não se revela exclusiva-mente por meio de homens santos e espiritualmente vultos, ou mediante sacerdotes e profetas, de babalorixás e pajés, mas, muito ao contrário, age durante a história inteira e no mundo inteiro, desde Geze, no antigo Egito, até Machu Picchu, no Peru.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Temos de reconhecer que Deus, que para nós se revelou através da História e por intermédio de pessoas santas - ou até de uma só pessoa santíssima, - que este Deus seja capaz de se revelar no mundo afora da cristandade também de outra maneira, além da História ou sem a História, e quiçá até contra a História. Como disse Devanandan, Trends of Thought in Contemporary Hinduism, há 60 anos: li we believe that ali new creation is in Christ, the dynamic rejuvenation of Hinduism now in the process is the work ofthe Holy Spirit. Não temos o direito de tratar a maneira dos não-cristãos de lidar com a revelação como ficção ou algo parecido à feitiçaria, destacou Gerlitz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Em 1963 foi lançado um livro considerado revolucionário, Honest to God, de autoria de um bispo anglicano, John A. T. Robinson. Antes da edição do livro RobinsQn havia entregado à redação do "Observe?* um artigo que saiu sob o título agressivo: Our image of God must go. Este título havia sido formulado pela redação da revista, não pelo autor. Este tinha posto o título: A new Mutation in Christianity. Com isto, Robinson queria chamar a atenção para o fato de que, mais uma vez, no decorrer do tempo, haviamos chegado a uma nova fase de desenvolvimento da longa história do Cristianismo. A mensagem do bispo foi aplaudida pelo público como uma espécie de catecismo para pessoas secularfzadas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Escrevia meu livro - afirmou Robinson - porque me considerei uma pessoa comprometida com Cristo e, ao mesmo tempo - sem a mínima possibilidade de recua - comprometida com esta sociedade secuiarizada de nosso século. Escrevia o livro na certeza de que ambos os fatores ou aspectos mereceriam um compromisso total, rebatendo ao mesmo tempo a hipótese de que estas duas realidades poderiam ser incompatíveis. Deus ficou cada vez mais marginalizado. Só foi admitido em vacant places left, em lugares vagos. Transformamos Deus em algo como "suplente", como asseverou Bonhoeffer. Afastamos Deus até a margem da vida, ou seja, o papel Dele fica restrito às coisas sub specie aeternitatis - quer dizer, o papel Dele fica relacionado à hora da morte. Um mundo no qual valem apenas as regras da causalidade não dispõe mais de lugar para Deus. Deus só pode sobreviver em espaços meio clandestinos ou em nichos reservados. No tempo dos astronautas já não restam mais vacant places left. Não há mais espaço vital para Deus. É por isso que conclui Bultmann: depois que Deus tornou-se Deus além do mundo, somos hoje incumbidos de achar Deus no meio deste mundo, na hora presente. O antagonismo entre a vida terrestre, isto é, entre o presente e outro mundo, ou seja: o além de nós deve ser superado. Só a idéia ou a imagem de Deus será capaz de encontrar bem aqui, neste mundo mesmo, aquilo que se imagina estar no transcendente, do lado do além. Só assim vai ser viável e possível, como uma chance para o homem moderno, encontrar neste mundo mesmo aquilo que se imagina estar no transcendente (Bultmann, 1964, p. 4ss). O Deus propagado pela tradicional teologia popular é apenas uma projeção. Quiçá sejamos nós chamados a viver sem esta projeção. De fato, isto não é uma proposta atrativa, pois sem dúvida alguma produz o sentimento de tornar-se órfão (Robinson, Honest to God, p. 18).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Esta posição de docta ignorantia, como gostaria de dizer com Martin Werner, une Robinson com Bonhoeffer, que referiu um Cristianismo sem religião. Como Karl Barth, para quem a religião era pura falta de fé, também Bonhoeffer chamou o adepto da religião um feio egoísta burguês, gozando a sua salvação metafísica. Para Bonhoeffer, um Cristianismo sem religião exigia um cristão maduro, cuja tarefa era enfrentar a vida numa condição etsi deus non daretur - sem que Deus esteja presente. Deus nos faz entender que deveríamos nos comportar como gente que deve enfrentar a vida sozinha, sem poder recorrer a Ele. Na opinião de Bonhoeffer, Deus chamou-nos para viver com um tipo de Cristianismo que não dependia das premissas da religião, da mesma forma como Paulo tinha chamado os homens do século I para viverem num tipo de Cristianismo que não dependia da circuncisão (Robinson, Honest, p. 23). Do mesmo jeito também o cristão de nosso século deveria confiar em Deus sem possuir uma idéia exata da sua existência. Isto implicava também numa fala mais modesta e reservada acerca de Deus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bonhoeffer compara o cristão moderno com o rapaz da parábola do filho pródigo que deixou a casa paterna por decisão própria. Bonhoeffer, contudo, troca os papéis dos estadistas: é Deus, diz ele, que manda o filho embora. E lá fora, o filho maduro tem de assumir toda a responsabilidade por tudo que faz ou deixa de fazer. O pai não o protege, opai não está presente. O mundo moderno é o mundo do qual Deus se retirou. Os homens têm que viver neste mundo secularizado etsi deus non daretur. Somos chamados a enfrentar os desafios e desaforos do mundo moderno sem que Deus nos dê uma mão. Somos completamente independentes. O Deus que está conosco é aquele que nos abandona (Marcos 15,34 - Deus meu, por que me desamparaste?). Deus deixa acontecer e nenhuma prece o faz parar. (Neuenschwander Die mündige Welt ais Aufgabe der Theologie, Schweizerische Theoiogische Umschau, Nr.2, 3Ø. ano , Bern, 1960, p. 109).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O que acontece é a dissolução de um mundo velho e o emergir de um mundo novo. Devido ao moderno trânsito aéreo, as distâncias geográficas tornaram-se relativas. Fazendo uso de satélites, a tecnologia, que facilita a comunicação audiovisual de maneira quase incrível, transforma também a autoconsciência dos homens em todas as regiões do globo e dissolve o primado dos europeus da mesma maneira como o colonialismo, produzindo uma cultura global da humanidade. Não fazem falta, porém, também as vozes que registram o perigo de uma desumanização radical ou a falência do pensamento humanitário diante de um processo que poderia levar a uma progressiva substituição do homem pela tecnologia, motivada pela automatização e cibernética. Resta a pergunta sobre qual será o papel do protestantismo neste processo irreversível e cada vez mais acelerado da secularização.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A preocupação acerca de nosso futuro não é um problema apenas do protestantismo; trata-se de um problema da cristandade inteira, como observou Zahrnt (Zahrnt, Glauben unter leerem Himmel, Em Lebensbuch, München 2002, p. 30). Em um artigo sob o título Existirá ei cristianismo en el siglo XXI?, o teólogo católico espanhol Enrique Miret Magdalena (Ei País, 10.9.1999) pronunciou-se sobre esta problemática. Ele parte da questão, se a mensagem de salvação que Jesus transmitiu aos homens de seu tempo seria de fato a única mensagem religiosa da salvação. E continua perguntando se a Bíblia de fato poderia ser considerada o único livro santo autêntico, ou se esta mensagem revelada também se manifestaria nas vedas, por exemplo, e se Jesus poderia ser considerado a única pessoa divina, ou se talvez também tenha outras pessoas às quais poderíamos, de certo modo, chamar de Jesus por serem elas mediadoras de uma mensagem que também provém de Deus. Não poderia, eventualmente, ser possível, pergunta o autor, que a mensagem fundamental - aquilo que para os cristãos significa Jesus como centro da salvação -, quiçá em outras palavras e de outra forma, se encontre também em outros livros, em outras culturas considerados escrituras santas, como as vedas dos hindus, ou no contexto de Confúcio?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;É muito interessante o que é dito numa Carta Pastoral dos bispos do Vietnã, de outubro de 2003: A fim de que a verdade do evangelho se torne mais transparente, mais clara e aceitável, temos que usar meios que sejam mais apropriados e compreensíveis para a gente de hoje. Isso significa que se use termos e expressões que correspondam com a cultura e psique do homem moderno (Weltkirche, 9/2003). Parece que na Igreja Católico Romana se abre um novo capítulo para tornar realidade o complexo relacionado à inculturação e aculturação, deixado de lado desde o Vaticano II.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dentro de um mundo globalizado, com uma sociedade pluralista, na qual não existe muralhas entre uma esfera religiosa e outra não-religiosa, em que não há terrenos específicos e marcados religiosos ou seculares nem há sanctum ou santíssimum vis-à-vis o profanum - aliás, uma evolução que corresponde totalmente com o princípio prdtestante - num mundo desses surge uma pergunta elementar e existencial: o que significará, no futuro, viver como um ser humano realizado, ter personalidade, representar a semelhança de Deus? (Loewenich, Die Aufgabe des Protestantismus in der Gegenwart, Schweizerische Theologische Umschau Nr.1, 350 ano, Bern, Junho de 1965, p. 4).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Exige-se que o cristão maduro seja comprometido com o mundo em que vive.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-2025810546384367988?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/2025810546384367988/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=2025810546384367988' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/2025810546384367988'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/2025810546384367988'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/o-impacto-pela-confrontacao-de-ciencia.html' title='O impacto pela confrontação de ciência e fé cristã'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-6661097327794767030</id><published>2009-08-31T02:33:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T02:38:38.153-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuaAnwuQTI/AAAAAAAAAF4/7L7vDXPDMvA/s1600-h/2ALutDF17.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5376059915660837170" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 320px; CURSOR: hand; HEIGHT: 240px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuaAnwuQTI/AAAAAAAAAF4/7L7vDXPDMvA/s320/2ALutDF17.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-6661097327794767030?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/6661097327794767030/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=6661097327794767030' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6661097327794767030'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6661097327794767030'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/blog-post_5772.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuaAnwuQTI/AAAAAAAAAF4/7L7vDXPDMvA/s72-c/2ALutDF17.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-7330815522985332853</id><published>2009-08-31T02:28:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T02:32:45.090-07:00</updated><title type='text'>A crise da Igreja: o desafio da modernidade</title><content type='html'>A Igreja, de fato, como acabamos de explicar, muitas vezes falhou na tarefa de acompanhar a evolução da sociedade, esquecendo que o próprio evangelho, a boa -nova, põe a incarnatio no centro da fé cristã, O medo dos pios de lidar com este murfdo em liberdade parece um tanto irracional porque, de fato, a Igreja não tem motivo para se fechar à modernidade, pois ela sempre deve acompanhar a sociedade em seu respectivo momento; melhor seria ainda se a Igreja assumisse sua liderança espiritual e moral, tornando-se vanguarda.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;É possível aplicar aqui também a regra sábia da homilética: o predicador deve ler com atenção a Bíblia e o diário, uma vez que ele deve tomar em consideração as circunstâncias concretas dos ouvintes que ele procura alcançar. Não deve falar tanto dos efésios e coríntios, mas muito mais dos berlinenses, recifenses ou dos gaúchos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Existe, nos púlpitos, o permanente e grave perigo do sermão que não tem hora nem lugar, da prédica que poderia ser proferida igualmente no ano de 1800 ou 1900 ou 2000, seja no Recife, em Nova York, em Paris, Londres ou Berlim. Seja entre os judeus, entre gregos, abissmnios, egípcios, angolanos, moçambicanos, pigmeus, turcos, árabes, hindus, vietnamitas, chineses ou timorenses (Deus, porém, na pessoa histórica que se chama Jesus de Nazaré, encarnou-se neste mundo e ainda nos deu seu espírito santo, a fim de que se evite estagnação e se estimule a criatividade, da qual vive o mundo!).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Disse R. Seeberg (An der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts, Leipzig 1901, p. 72, 73-74), com toda razão:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Como são raras idéias novas, novos aspectos, uma psicologia religiosa, relações práticas e concretas nos sermões modernos! A dogmática mais correta será aquela que leva à melhor maneira de predicar! - O que o predicador de hoje antes de tudo precisa é dedicação; compreensão da vida do homem moderno, o convívio com a sua comunidade e uma forte e própria vida religiosa perante o Senhor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;De qualquer maneira, ó que importa é que o padre ou pastor deve ser necessariamente agente sociopolítico no meio de sua comunidade e de todo o município em que vive e age. Disso vive a nossa sociedade. Ela depende de membros maduros e capazes para raciocinar e atuar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aprendi de Martin Luther King:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Não nos é permitido esperar que Deus, com um espetacular milagre, elimine o mal deste mundo. Enquanto cremos isso, Deus não vai escutar as nossas orações, porque lhe pedimos fazer o que ele nunca fará. Deus não vai fazer tudo para o homem, e o homem não pode fazer tudo sozinho. Temos que reconhecer que se trata de superstição esperarmos que Deus vá atuar enquanto nós ficamos passivos. Ou, como diz o brasileiro: Deus nós dá as nozes, mas somos nós que temos que tirar a casca! Ou ainda, o que diz o bispo ao jovem padre na hora da ordenação: você pode contar com a benção do Senhor. Conte com a bênção dele para seu trabalho, mas não espere que ele também faça o serviço em seu lugar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Creio que seria muito importante para cada comunidade cristã que seu padre ou pastor, por exemplo, fosse capaz de apresentar uma Radiografia do Brasil sempre atualizada, a fim de oferecer aos fiéis uma orientação global neste mundo complicado, que pelo menos comece diretamente ao passar o portal do templo, não, melhor: os fiéis, ao entrar, o trazem ao culto dentro de suas cabeças. Aí não basta falar do Bom Jesus, como ele andou na Terra Santa tão remota - onde, aliás, reinam a morte e o homicídio hoje em dia - e onde o Salvador proferiu seu sermão do monte. Os pastores têm o compromisso sagrado de guiar as suas ovelhas em seu tempo e espaço. O pregador deve conhecer este mundo, suas leis e sua história, e deve ser mais sábio, mais culto, mais educado e mais instruído do que os seus fiéis e até do que todas aquelas autoridades grandes e pequenas que vivem no mesmo tempo e espaço. Nada mais triste do que um líder ignorante, um pastor que não sabe como cuidar das ovelhas. Os pastores devem ser bons teólogos e bons sociólogos e também devem ser firmes e atualizados em matéria de história, da ciência! A ciência moderna, inclusive a tecnologia eletrônica, significa um processo, uma dinâmica de transformações, que deveria indicar um caminho rumo ao futuro, e a Igreja - melhor: a cristandade - deve responder de maneira madura e inteligente.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ninguém poderia dizer o que vai ser o futuro da Igreja como tal, mas pode-se dizer hoje com firmeza: ou o Cristianismo se mostra aberto para uma evolução ou ele chegou ao seu fim. A Reforma não foi a renovação do Crisfianismo primitivo, mas um novo tipo de Cristianismo. Se o Cristianismo quiser perdurar, não apenas a sua forma, mas também a sua substância devem estar abertas para o desenvolvimento. Quem deseja reduzir a Igreja ao modelo da comunidade primitiva ou ao padrão da reforma do século XVI está negando a razão de ser da Igreja. Também o Novo Testamento ou a suposta doutrina do Jesus histórico não podem ser simplesmente transferidos ao mundo presente. Sem a separação entre verdades temporárias e verdades evidentes e permanentes, não podemos avançar (Loewenich, Die Aufgabe des Protestantismus in der Gegenwart, Schweizerische Theologische Umschau Nr.1, 350 ano, Bern, Junho de 1965, p. 7).&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-7330815522985332853?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/7330815522985332853/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=7330815522985332853' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7330815522985332853'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7330815522985332853'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/crise-da-igreja-o-desafio-da.html' title='A crise da Igreja: o desafio da modernidade'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-6216990536575823905</id><published>2009-08-31T01:42:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T01:43:57.130-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuNODZcvhI/AAAAAAAAAFw/dIgISy79gkw/s1600-h/1Amstsomb.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5376045852766551570" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 320px; CURSOR: hand; HEIGHT: 225px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuNODZcvhI/AAAAAAAAAFw/dIgISy79gkw/s320/1Amstsomb.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-6216990536575823905?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/6216990536575823905/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=6216990536575823905' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6216990536575823905'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6216990536575823905'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/blog-post_31.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuNODZcvhI/AAAAAAAAAFw/dIgISy79gkw/s72-c/1Amstsomb.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-3242601590980913989</id><published>2009-08-31T01:36:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T01:42:13.732-07:00</updated><title type='text'>O MOVIMENTO DOS TRABALHADORES RURAIS SEM TERRA (MST)</title><content type='html'>O Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST) foi oficialmente fundado por ocasião do V* Encontro dos Trabalhadores Rurais Sem-Terra, em 1984, em Cascavel-PR No ano seguinte realizou-se em Curitiba o 10 Congresso Nacional dos Sem-Terra. Foi esta a sua mensagem: "Ocupação é a única solução!" Desde então o Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra está presente em 23 Estados da Federação, abrangendo mais de 1,5 milhão de pessoas come 300.000 famílias, que vivem em assentamentos, mais 80.000 que ainda sobrevivem em condições muito precárias, em acampamentos provisórios, debaixo de lonas de plástico. A marcha de protesto dos 100.000, em prol de "Trabalho, Justiça e Reforma Agrária", em gigantesco comício em Brasília, no dia 19.4.1997, constitui um dos acontecimentos mais marcantes da história brasileira contemporânea. Os sem-terra haviam aprendido a lição da sabedoria popular:, Quem não chora, não mama, aplicando o provérbio à prática política. Os camponeses chegaram à conclusão que esperando pacientemente não chegariam a lugar nenhum. Por isso, desde então, atuam conforme o lema: "Só quando se ocupa terras e lá se instala acampamentos, só quando se organiza ocupações em repartições públicas ou escritórios de filiais de agroempresas multinacionais, ou só quando, eventualmente, se devasta até plantações transgênicas, ou quando se organiza passeatas de protesto e greves de fome ou métodos de luta semelhantes, só então se poderia chegar a resultados favoráveis para os miseráveis".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Em 1996 mais de 30.000 lavradores acampavam em barracas de lona às margens da BR-386, no município de Sarandi - RS. Reivindicavam ao governo do Estado créditos de emergência, pois uma estiagem havia dizimado suas lavouras de soja, fato que levara os agricultores à beira da falência. A concentração dos colonos no acampamento na BR-386 não surgiu por acaso. Há um bom tempo o frei Sérgio Gõrgen e sindicalistas vinham percorrendo colônias, organizando famílias de pequenos agricultores. O resultado desta ação foi a bem-sucedida mobilização na beira da estrada. Pela organização e eficiência apresentada, o Movimento dos Pequenos Agricultores - MPA - é uma entidade que se alastra pelo Brasil seguindo as pegadas do MST.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cabem aqui algumas palavras sobre o frei da O. M. de São Francisco de Assis, Sérgio Antônio Gõrgen, cuja atuação está estreitamente ligada ao destino dos pequenos agricultores e trabalhadores rurais e a suas lutas por dignas condições de vida. Sempre que colonos sem-terra e soldados da Brigada Militar estiveram na iminência de confronto, um frade surgia entre os dois grupos. Com sua batina surrada, calçando chinelos de dedo, o frei Sérgio Antônio Gorgen emergia com os braços erguidos, iniciando as negociações para evitar o confronto. Depois, pela primeira vez, o enérgico franciscano, de 43 anos, estava do outro lado: como diretor do Departamento de Desenvolvimento Rural e Reforma Agrária da Secretaria da Agricultura, tornou-se sua a responsabilidade de concretizar o que reivindicava há anos: instalar a paz e o crescimento econômico no campo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A experiência como hábil negociador do religioso no campo da agricultura ou do mundo rural começou, como dito, em 1979, quando se tornou membro ativo da CPT e quando ocorreram as primeiras ocupações de fazendas no RS. O objetivo específico de tais ações foi acelerar a luta pela tão atrasada democratização do solo no Brasil. Ocuparam Ïatifúndios em Ronda Alta. A empreitada foi o embrião do Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST), no qual Gõrgen conheceu João Pedro Stédile, hoje o principal nome do MST no Brasil. Nos anos 80 o frade organizou núcleos de colonos, de onde surgiram lideres como Adão Pretto (deputado federal pelo VI) e Antônio Marangon (ex-deputado estadual pelo PT e prefeito de Palmeira das Missões). Nas dezenas de invasões de terra* desde a década de 80 o franciscano sempre participava das ocupações, fosse para levar palavras de fé aos acampados ou para orientá-los sobre como se comportar diante de um. cerco da Brigada Militar. "Muitas vezes agiu de forma radical. Mas é um ideólogo, um estrategista, que acredita nas invasões como instrumento de pressão", avalia o então secretário de Agricultura, Marcos Palombini. "Tenho duas ferramentas de luta: a lei dos homens, que é o Estatuto da Terra, que garante terra a todos, e a Lei de Deus. A Bíblia não passa escritura de terra para ninguém," diz o religioso. A partir de 1992 frei Sérgio implantou o ensino nos assentamentos. Cinco anos depois, com um grupo de sindicalistas e lideranças de sem-terra, criou o Movimentos dos Pequenos Agricultores (MPA), entidade que adota a estratégia e a organização do MST. Sem se separar da Bíblia, o frei tem sempre por perto a agenda, o celular e a calculadora, usada muitas vezes para estabelecer melhores preços para os pequenos produtores. "Precisamos de organização. Usaremos o princípio da subsidiariedade, que se aplica na Ordem dos Frades Menores. Primeiro, fazemos o que está ao nosso alcance. No caso da agricultura, o que está ao alcance de cada comunidade, compara, salientando que sua grande meta é instalar 10.000 famílias no campo, vai ser difícil, apenas isso. Vamos consegui?*, declara (conforma Juan Domingues).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ao começar a redemocratização no Brasil, nos anos 80, formaram-se vários movimentos sociais. Enquanto os operários no triângulo industrial de São Paulo organizavam greves para conseguir salários melhores e condições de trabalho mais humano, os agricultores do Rio Grande do Sul e do Paraná formaram o Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST). Considera-se o dia 21 de janeiro de 1984 a data oficial da fundação. Foi o momento em que os coloflos, que tinham ~cupado terras da Fazenda Encruzilhada Natalino, em Ronda Alta-RS, e o movimento dos agricultores de Paraná-Oeste (Mestro) chegaram a se juntar, formando assim o movimento dos sem-terra, cujo objetivo era a reforma agrária. Este novo movimento, deste o começo, contou com o apoio da esquerda nacional e da Igreja Católica (CPT).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A «Mensagem Fraterna", por D. Hélder Câmara, dirigida à Universidade Federal Rural de Pernambuco (UFRPE), ao receber desta, em 21 de setembro de 1984, um Doutorado de Honra, reflete muito bem este apoio da igreja: sob o tema Missão especial confiada à Universidade Federal Rural de Pernambuco, o arcebispo referiu-se à conhecida e querida Conferência Nacional dos Bispos do Bràsil (CNBB), que clama por umá autêntica reforma agrária em todo o país ou, ao menos, prioritariamente numa região como o Nordeste, com os seus nove Estados. Deveria ser realizada com rapidez, segurança e firmeza, sem ódios, sem violências, mas também sem sombra de covardia (UFRPE, 1984, p. 33ss).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dez afirmações proferidas pelo orador alicerçaram esta reivindicação da CNBB:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Primeiro, D. Hélder mencionou a questão da propriedade no setor da agricultura: No Nordeste, 76% dos proprietários possuem apenas 19% das terras nordestinas; no Brasil inteiro 71% dos proprietários possuem apenas 12% das terras do país; 24% possuem 78% do Brasil. 42 milhões de terras aproveitáveis estão inexploradas e 240 milhões, mal utilizados. As multinacionais já se apropriaram de mais de 35 milhões de hectares de terras do Brasil. O número de pessoas que migraram para outros Estados, entre 1970 e 1980, cresceu para 24 milhões. Conta-se aproximadamente 11 milhões de desempregados nas ddades e 12 milhões de camponeses semterra. 8 milhões e 700 mil assalariados rurais recebem menos de um salário mínimo. A produção de alimentos por habitante vem caindo nos últimos 20 anos, em razão do apoio governamental à grande propriedade. 269 mil familias de pequenos produtores enfrentaram conflitos pela posse de terra entre -1979 e 1983. No mesmo espaço de tempo, foram assassinados camponeses, posseiros, bóias-frias, garimpeiros, dirigentes sindicais rurais e advogados, na luta pela posse da terra e na defesa dos direitos dos trabalhadores. Somente nos 3 primeiros meses de 1984, 17 pessoas, número superior ao dos anos de 1980, 1981 e 1982. Em 480 anos os indígenas no Brasil foram reduzidos de 5 milhões para 220 mil, e apenas um terço de seu território está oficialmente demarcado... Este panorama social e econômico evidencia a necessidade de uma reforma agrária.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;D. Hélder, então, questionou: para que a reforma agrária?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A reforma agrária visa à distribuição, entre 12 milhões de trabalhadores rurais sem terra ou com minúsculas parcelas de terra, dos 280 milhões de hectares de terra não-explorada nos latifúndios. Reforma agrária multiplica a área de lavouras aumentando a produção de alimentos, como também amplia o mercado interno, por meio da redistribuição da propriedade e da renda agrária. Uma reforma agrária eliminará a especulação, possibilitando preços justos para pequenos produtores e alimentos mais baratos para a população. Uma reforma agrária também cria novas oportunidades de vida e de trabalho para os desempregados e subempregados nas cidades e reestimula as atividades econômicas, que oferecem mais emprego e se voltam para o bem-estar da população. A reforma agrária pode quebrar o monopólio das multinacionais na produção e comercialização agroindustrial e pode recuperar as terras em suas mãos, acabando com a especulação. E, com uma reforma agrária, elimina-se as causas da violência contra os trabalhadores rurais e contra os povos indígenas. A reforma agrária é necessária para a efetivação da democracia no país, democratizando o acesso à produtividade da terra.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;O palestrante referiu-se também ao costume brasileiro de falar muito sobre a reforma agrária, inclusive à opinião de que esta já estaria sendo realizada. Diante deste engano, D. Hélder tentou identificar o que não devia ser chamado de reforma agrária, mesmo que oficialmente se chame assim: a compra de terras; a regularização fundiária; a titulação de terras e a regularizsação fundiana; a titulação de terras e a reformulação fundiaria. „Que nos perdoe o Instituto Nacional de Colonização torna mais suave a sua sigla Incra, mas seria melhor não misturar Colonização e Reforma Agrária." Reforma agrária é um processo amplo, que abrange uma democratização verdadeira do solo, uma re-distribuição.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Foi esta a mensagem, que ele transmitiu ao corpo docente e discente da Universidade Rural. "Bem sei", disse ele, "que vos convido para uma empreitada dificílima. Tocar no direito de propriedade é atingir um direito que, para muitos, é considerado intocável, sagrado... Mas devia-se reconhecer com toda clareza a realidade: estamos abusando da paciência do povo..."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Foi uma palestra corajosa, mas D. Hélder não hesitou em declarar: "Quando dou comida aos pobres, me chamam de santo; se pergunto porque os pobres passam fome, me chamam de comunista"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deve-se constatar que a Igreja Católica nem sempre havia se engajado nas longas disputas acerca da democratização da terra. Houve épocas em que a posição da Igreja quanto aos movimentos camponeses era até agressiva; só mais tarde a Igreja mostrou-se mais sensível a esta questão. Desde o Vaticano II, a Igreja desenvolveu mais compreensão para a situação do proletariado. D. Hélder Câmara, na sua palestra proferida em 21.9.1984, por ocasião da promoção a Doutor Honoris Causa, na aula magna na UFRPE, destacou o Santo Padre João XXIII ("o nosso querido João de Deus*) que dissera: "Quando um Homem trabalha uma terra, durante anos, acaba criando raízes nela ... Arrancá-lo dali e jogá-lo para as surpresas da cidade é um pecado contra Deus e contra a criatura humana" (UFRPE, 1984, p. 39).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jaime Amorim, coordenador regional do MST em Pernambuco, sublinha que o Movimento dos Sem Terra deve muito aos bispos pernambucanos, "porque rezaram missas nos assentamentos". Apesar de numerosos conflitos, que periodicamente causaram até feridos e mortos, os camponeses e trabalhadores sem-terra se sucederam, apoiados especialmente pela Igreja, fazendo pressão sobre o governo a fim de conseguirem melhoramentos da infra-estrutura nos assentamentos, melhor acesso de seus produtos ao mercado e uma constante aceleração na realização da reforma agrária.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Se, porém, o governo, em ‘1998, não consegue assentai no Estado de Pernambuco mais de 944 famílias, o que seria apenas um terço daquilo que no início do ano foi planejado, então o ano de 1999 promete tornar-se ainda mais difícil", advertia então o bem conhecido líder Jaime Amorim.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-3242601590980913989?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/3242601590980913989/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=3242601590980913989' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/3242601590980913989'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/3242601590980913989'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/o-movimento-dos-trabalhadores-rurais.html' title='O MOVIMENTO DOS TRABALHADORES RURAIS SEM TERRA (MST)'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-7434805917483675628</id><published>2009-08-31T01:31:00.000-07:00</published><updated>2009-08-31T01:34:47.642-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuK6aGQv6I/AAAAAAAAAFo/nMypyUOLKbc/s1600-h/semt18.bmp"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5376043316239450018" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 320px; CURSOR: hand; HEIGHT: 225px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuK6aGQv6I/AAAAAAAAAFo/nMypyUOLKbc/s320/semt18.bmp" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-7434805917483675628?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/7434805917483675628/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=7434805917483675628' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7434805917483675628'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7434805917483675628'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SpuK6aGQv6I/AAAAAAAAAFo/nMypyUOLKbc/s72-c/semt18.bmp' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-7398439998887900175</id><published>2009-08-28T00:45:00.000-07:00</published><updated>2009-08-28T00:54:50.868-07:00</updated><title type='text'>Letter to President Barack Obama</title><content type='html'>A good friend from Asunción. DR. MARTIN ALMADA , defending Human Rights in Paraguay, passed me the following letter CON RUEGO DE SU DIFUSION, asking for publication:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;President Barack Obama&lt;br /&gt;The White House Washington, DC&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;On January 26, 2009 a U.S. federal judge in Georgia found the SOA 6 guilty of illegal entry onto the U.S. Army base at Fort Benning during a protest against the School of the Americas (SOA). The six were part of the thousands who came together on November 22-23, 2008, to demand the closure of the School of the Americas. The six carried out an act of peaceful civil disobedience, walking onto the base. The judge sentenced them to two-month prison terms. These activists are Fr. Luis Barrios, Kristin Holm, Sister Diane Pinchot, Al Simmons, and Theresa Cusimano. A sixth co-defendant, Louis Wolf, was sentenced to six months of house arrest. In Asuncion we have declared our support for the cause. We are in solidarity with the six.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;As with Guantanamo, the SOA is known for torture and crimes against humanity. In the case of Guantanamo the crimes occurred recently inside of one complex. With the School of the Americas, the "training" and the resulting crimes have gone on for more than 60 years.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Starting on November 26, 1974, in Asuncion, Paraguay, I was brutally tortured by an aggregate of military personnel from Argentina, Brazil, Bolivia, Chile, Uruguay, and of course, military and police from Paraguay.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I had defended a doctoral thesis at the University of La Plata in Argentina, entitled "Paraguay: Education and Dependence." I took my inspiration from the great Brazilian educator, Paulo Freire, who at that time was considered a subversive.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I would like to emphasize that I took no course in how to be tortured.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;However, all my torturers had taken courses at the School of the Americas when it was located in the Panama Canal Zone. During one month in the torture room I saw more than 1,200 persons tortured for the mere act of holding different opinions from that of the government of General Alfredo Stroessner. He was the person who the former Vice President of the USA, Richard Nixon, called the "Champion of Anti-Communism in Latin America."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thus I believe that for nearly all the human rights abuses committed in Paraguay during the period from 1954 to 1989, the government of the United States has legal co-responsibility at the national and international levels.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Crimes against humanity have no statute of limitations.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;On November 22, 1992, on my return to Paraguay, with the assistance of a judge, I discovered the archives of Stroessner's Secret Police. The press soon dubbed it the "Archives of Terror." I uncovered the founding documents of Operation Condor. This was a criminal pact between the military governments of the 1970s, including Argentina, Bolivia, Brazil, Chile, Paraguay, and Uruguay. The price of the pact was paid with more than 100,000 victims in the Southern Cone region. More than half of these victims were grassroots leaders, students, professors, lawyers, doctors, members of religious congregations, journalists, human rights defenders, artists and intellectuals. In other words, the military tried to eliminate the thinking class of Latin America.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The intellectual author and instigator of these crimes was the Secretary of State from the US at that time, Henry Kissinger. In 2002, I initiated a criminal complaint against him in Santiago, Chile, where Operation Condor was conceived during the Pinochet regime.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soon after the discovery of the "Archives of Terror," Maryknoll Father Roy Bourgeois visited us. From my personal experience of torture in 1974-1975 at the hands of graduates of the School of the Americas, I enthusiastically joined his campaign to close the "School of Assassins" now located at Ft. Benning. To me, keeping this US military facility open makes no sense at all because in Latin America the rule of law is now in effect. Why spend US tax money to train Latin American torturers?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Your election as President has offered a great hope to the world. In Latin America we are especially hopeful that the systemic violation of human rights might come to an end.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;As winner of the Alternative Nobel Peace Prize and as a Member of the Executive Committee of the American Association of Jurists, I ask of ou, please, Mr. President:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Utilize your office to end the political persecution of the brave US citizens who are struggling for the closure of the School of the Americas, a training institute that supports authoritarian governments. Let us be in solidarity with the six North Americans who, swimming against the current, are staking their all for universal justice.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Close the School of the Americas, and convert it into a People's University for Human Rights and Ecology. We are very concerned, as you are, about growing environmental contamination and global warming.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I send you greetings with the highest regard and respect.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;DR. MARTIN ALMADA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;27.8.09&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-7398439998887900175?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/7398439998887900175/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=7398439998887900175' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7398439998887900175'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/7398439998887900175'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/08/letter-to-president-barack-obama.html' title='Letter to President Barack Obama'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-6478603302888952696</id><published>2009-07-13T08:30:00.000-07:00</published><updated>2009-07-13T08:32:20.569-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SltTcvB2xmI/AAAAAAAAAFg/4Qmm98wtvpY/s1600-h/jbeneu.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5357967934813029986" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 320px; CURSOR: hand; HEIGHT: 245px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SltTcvB2xmI/AAAAAAAAAFg/4Qmm98wtvpY/s320/jbeneu.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-6478603302888952696?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/6478603302888952696/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=6478603302888952696' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6478603302888952696'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/6478603302888952696'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/07/blog-post_13.html' title=''/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SltTcvB2xmI/AAAAAAAAAFg/4Qmm98wtvpY/s72-c/jbeneu.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-3960314459356590907</id><published>2009-07-13T08:18:00.000-07:00</published><updated>2009-07-13T08:26:37.904-07:00</updated><title type='text'>„SCHWARZES VIEHZEUG" UND „FARBIGES ELEMENT"</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Beobachtungen zum Thema *Menschenrecht, Toleranz und Humanität in Lateinamerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Jahr 2000 beging man mit großem Aufwand überall im Land das 500. Jubiläum der „Entdeckung" Brasiliens durch den portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral. Meine erste Begegnung mit der „ilha Brasil" lag fast ein halbes Jahrhundert zurück, so lag es mir daran, nunmehr das Fazit meiner Recherchen über Kultur und Geschichte dieses Landes zu ziehen. Eine Reise nach Argentinien, Paraguay und Brasilien im Jubiläumsjahr führte mir dann noch einmal besonders eindrücklich die Lage der Eingeborenen, der Schwarzen und der Landlosen, der Schwächsten also in der lateinamerikanischen Gesellschaft, vor Augen.&lt;br /&gt;Auf der Plaza de Mayo von Buenos Aires erinnern in das Pflaster eingelassene Symbole an die vielen Menschen, die während der blutigen Herrschaft der Militärs ums Leben gekommen bzw. `verschwunden´ sind. Jeden Donnerstag versammeln sich die „Mütter der Plaza de Mayo" vor dem Regierungspalais zu einem Schweigemarsch. Sie fordern Aufklärung über den Verbleib ihrer Angehörigen und verlangen „Gerechtigkeit". Dazu gehört auch die Verurteilung der Schuldigen, die noch heute unbehelligt auf ihren Posten sitzen. Der Abgeordnete des Nationalparlaments Torres Molina unterstützt die Angehörigen der Opfer des staatlichen Terrors der 70er Jahre mit großem Engagement. Sein Assessor war einer der Exilierten jener Zeit, der bei uns in der Bundesrepublik Aufnahme gefunden hatte. Nürnberger Menschenrechtler pflegen die Verbindung zu den Freunden in Argentinien in besonderer Weise.&lt;br /&gt;„Bis zum heutigen Tag sind wir ein kolonisierter und ausgebeuteter Kontinent", sagte einer meiner Kollegen in Rio de Janeiro. Der Leiter der Staatskanzlei von Rio Grande do Sul, Dr. Flavio Koutzii, sprach in einem Interview, um das ich ihn gebeten hatte, von einer erneuten Kolonisierung Brasiliens. Dazu nannte er ein Beispiel: Die fünf Geldinstitute des Landes, die von den ehemals vierzig brasilianischen Banken übrig geblieben sind, befinden sich heute mehrheitlich in spanischer oder portugiesischer Hand.&lt;br /&gt;Alle Leute sagen, Brasilien sei eine Demokratie, in der Menschen unterschiedlicher Rassen ohne Diskriminierung zusammen leben. In den gängigen Statistiken heißt es, die Bevölkerung setze sich aus 53% Weißen, 34% Mischlingen, 11% Schwarzen und 2% Sonstigen zusammen. Die Zahl der Indios wird mit 300.000 angegeben - bei einer über 160 Millionen zählenden Bevölkerung!&lt;br /&gt;Was die prominente Politikerin Benedita da Silva von der Gleichberechtigung aller Menschen in ihrem Land hält, hat sie mir ein einem Interview in aller Deutlichkeit erklärt: „Man hat uns viele Jahre lang weisgemacht, dass es hier keinen Rassismus gibt, sondern eine Pluralität der Rassen, und dies sei gleichbedeutend mit einer Demokratie. So wurde Brasilien als ein Land angesehen, in dem es keine Rassenvorurteile gibt und bei dem es sich in der Tat um eine Rassendemokratie handelt. Ich führe dies praktisch auf den Mythos der Rassendemokratie zurück. Wir, die von Afrikanern abstammenden brasilianischen Neger jedoch, wissen ganz genau, dass eine solche Feststellung nicht gerechtfertigt und dass jenes Bild von einer Rassendemokratie ein Irrtum ist, weil man, wenn man die Situation unter sozialen Gesichtspunkten betrachtet, eine außergewöhnlich große Anzahl von Ausgeschlossenen finden wird, und unter diesen wiederum befinden sich in erster Linie wir Neger und die Leute aus dem Nordosten."&lt;br /&gt;„Wir tragen" sagte sie mir, „ein Erbe mit uns herum, genau so, wie Sie es in Ihrem Buch beschreiben. Ich habe es genau hier an dieser Stelle gelesen - ich verstehe zwar kein Deutsch, aber Sie benutzen hier ein portugiesisches Wort, so dass ich es lesen konnte. Es ist genau so, wie Sie es hier in Ihrem Buch ausdrücken: „Ware", produto, ein Produkt. („Durch ihre Versklavung hatte man den Schwarzen ihre Identität genommen. Ihr angestammter Name wurde nach der obligatorischen Taufe durch einen christlichen Namen ersetzt; jedoch auch mit einem neuen Namen versehen, blieben sie verkäufliche Ware. Als peças - wie Rinder oder Esel - wurden sie von den Sklavenhändlern bezeichnet. Es handle sich bei den Afrikanern um Leute, die mais tem de bruto que de gente - die wilden Tieren ähnlicher seien als menschlichen Wesen." So äußerte sich die Befragte einmal an anderer Stelle.) „Wir sind tatsächlich ein Produkt, und nur seine Gestalt hat sich verändert: heute sind wir - unter physischen Gesichtspunkten - nicht mehr dieses Produkt, das uns als Sklaven identifiziert, es leben jedoch dort, wo die Mehrheit der Bevölkerung aus Negern besteht, einige Segmente der Schwarzen, in einer weitgehend mit der Sklaverei identischen Situation, in einer Welt des Elends, und der Finsternis, gerade auch auf dem Sektor von Erziehung und Bildung... Wir müssen also feststellen, dass hier die Wurzel allen Übels liegt, auch die Ursache für den Mangel an Toleranz, den wir in der ganzen Welt erkennen."&lt;br /&gt;Im Eingeborenen-Reservat von Inhacorá sprach ich mit dem Häuptling, João Camargo, der einer Gruppe von 800 Kaingang-"Indios" vorsteht. De facto geben die Bürokraten der Nationalen Indianerstiftung den Ton an. Die Kaingang betreiben Subsistenzwirtschaft auf einem Gebiet, das ca. 2.800 ha umfaßt. Vor einigen Jahren waren es noch 5.000 ha gewesen. 2.200 ha haben in der Zwischenzeit die „brancos", weiße Anlieger, die dem „schwarzen Viehzeug", wie sie die Indianer oft verächtlich nannten, von dem Territorium abgezwackt.&lt;br /&gt;Seit sie 1993 als Staatsbürger anerkannt wurden, können die Indios ihr Land wieder selbst bebauen; doch in welchem Zustand haben sie es vorgefunden? Jahrzehntelang wurde der Naturwald von skrupellosen weißen Geschäftemachern abgeholzt. Der Boden wurde durch Monokulturen, wie die für den Export bestimmte Sojabohne, total ausgelaugt. Nur schrittweise kann begonnen werden, auf der Basis der Subsistenzwirtschaft die Grundlage für den eigenen Lebensunterhalt zu schaffen. Es fehlt an allem: an Saatgut und Kleinvieh ebenso wie an landwirtschaftlichen Geräten. Die Indianerschutzbehörde ist ein bürokratischer Wasserkopf. Kaum jemand dort versteht wirklich, was die Indios benötigen.&lt;br /&gt;In Rio Grande do Sul gibt es nur noch 8.787 Kaingang und Guaranis auf einer Grundfläche von 60.330 ha in 17 Reservaten. Für zwei Gemeinden von 336 bzw.24 Eingeborenen muß über die Anerkennung des von ihnen bewohnten Gebietes erst noch durch die Justiz entschieden werden. Wen darf es wundern, wenn sich unter diesen Umständen bei den Indios der Wunsch verbreitet: `Wir wollen in Freiheit leben, wie zu der Zeit ehe der Portugiese nach Brasilien kam!´&lt;br /&gt;Kurz vor dem Besuch bei den Kaingangs hatten, ausgerüstet mit Pfeil und Bogen, Indios in Mato Grosso eine Ortschaft belagert, um zu fordern, „was ihnen gehört": „Dieses Land ist unser!"&lt;br /&gt;In Asunción lernte ich einen Ingenieur kennen, der eine Indianerstiftung leitet. Sein Vater, Leon Cadogan, Sohn australischer Einwanderer, hatte sich in der Indianerarbeit in außergewöhnlicher Weise engagiert und verschiedene Guarany-Sprachen studiert. In den 40er und 50er Jahren, als die Eingeborenen noch schutzlos der Sklaverei ausgesetzt waren, hat er mit Erfolg für das Recht der Indios gekämpft. Am Ende hat er eine umfangreiche Bibliothek über die Geschichte und Kultur der Guaraní-Völker Paraguays, samt einer Art von ethnologisch-anthropologischem Museum hinterlassen. Mit einem Indio fuhren wir in das benachbarte Luque, um dort eine „posada" zu besuchen, ein Grundstück, auf dem die Angehörigen eines Stammes der Guaranis „Unterkunft" finden, bis sie nach Erledigung ihrer Geschäfte in der Hauptstadt wieder in den Chaco zurückkehren können. Wir haben uns freundschaftlich unterhalten und ich erfuhr viel über die Unterdrückung dieser Menschen, deren Vorväter einst die Herren dieses Landes gewesen waren.&lt;br /&gt;Was die Situation der Schwarzen betrifft, deren Vorväter Brasilien als Sklaven unfreiwillig „entdecke" mußten, widerspiegelt ein bezeichnendes Erlebnis, das ich in Porto Alegre hatte:&lt;br /&gt;Im Regierungspalais wurde ich ins Vorzimmer des Chefs der Staatskanzlei weitergereicht, wo man mich bat, ein Weile Platz zu nehmen; vor mir sei nur noch eine Dame, eine Schwarze, an der Reihe. Als ein Sekretär auf der Bildfläche erschien, wandte sich dieser sofort mir zu, und fragte höflich, ob ich ein Glas Wasser annähme, worauf ein livrierter Diener mir artig cafézinho und Wasser anbot. Meine Nachbarin, neben der ich auf dem obligatorischen Ledersofa sass, hatte Glück, dass auch für sie ein Espresso samt einem Glas Wasser abgefallen war. Ich raunte ihr zu: „Da sehen Sie die democracia racial. Sie sind Brasilianerin, ich bin Ausländer, Sie waren zuerst hier, während ich erst nach Ihnen eintrat, doch ich habe helle Haut, also werde zuerst ich angesprochen. Vielleicht gibt es bis zum Jahr 2088 ein Gesetz, welches eine derartig offensichtliche Diskriminierung wirklich verhindert!" Damit bezog ich mich auf das `berühmte´ Jahr 1888, in dem am 13. Mai durch die Kaiserin die Abolition verkündet worden war. Obwohl seit der Aufhebung der Sklaverei weit über hundert Jahre vergangen sind, werden die Schwarzen in Brasilien noch immer als Bürger zweiter Klasse behandelt. Dabei sind von je zehn Brasilianern vier von dunkler Hautfarbe. De facto werden 60 Millionen Brasilianern bis heute die vollen staatsbürgerlichen Rechte vorenthalten, vor allen Dingen durch rassistische Mechanismen im Bildungswesen, aber auch auf dem Arbeitsmarkt. Eine ganze Reihe befreundeter Schwarzer haben mir bestätigt, dass sie auf Grund ihrer Hautfarbe entweder ohne Arbeit sind oder - auch als Akademiker - schlechter bezahlt werden als Weiße.&lt;br /&gt;Es war eine schwarze Künstlerin - sie malte und machte Straßen- und Kindertheater - die in der Kurie von Salvador de Bahia genau wie ich auf ein Gespräch mit dem schwarzen Bischof Gílio Felício wartete, die mir im Verlauf unserer Unterhaltung ein paar Bildchen zeigte. Als ich fragte, welche Bedeutung diese Bildchen denn hätten, bedeutete sie mir: Sehen Sie sich das einmal richtig an! Es ist eine Kollektion von Kindern aus Bahia. Sie wählte ein halbes Dutzend solcher Bildchen aus und erklärte: Hier können Sie sehen: Das sind die Kinder von Bahia!" Sie waren alle weiß uns blondschöpfig.&lt;br /&gt;Sogar im Bereich der Kirche sind gelegentlich Beispiele der Diskriminierung von Schwarzen zu registrieren. So berichteten Freunde aus Nova Iguaçú, einer Stadt im Großraum von Rio de Janeiro, in der überwiegend Schwarze leben, mit Abscheu vom Verhalten eines Priesters, der die bereits festgesetzte Trauung eines schwarz-weißen Paares mit der Ermahnung verhindert habe, die jungen Leute möchten sich die Sache doch noch einmal genau durch den Kopf gehen lassen. zwar verbietet das Gesetz jegliche Diskriminierung aus Gründen der Rasse, und man spricht nicht über die Hautfarbe des andern. Wie die Katze um den heißen Brei herum schleicht, windet man sich, wenn es um die Frage der Rasse geht. Am Ende bezeichnet man den Neger dann vorsichtig als ein elemento de cor - ein farbiges Element! So redet man sich ein, „Neger" gibt es in der Gesellschaft einfach nicht, darf es nicht geben! Es ist genau diese Haltung, die den vehementen Protest Beneditas hervorruft und sie fordern läßt: „Wir wollen wahrgenommen werden! Wir wollen als negros wahrgenommen werden!" Als Da. Benedita dies ausrief, dachte sie wahrscheinlich nicht daran, dass 50 Jahre zuvor Frantz Fanon (Black Skin, White Masks) herausgeschrieene hatte: „Get used to me, I am a Negro!" - Gewöhne dich an mich, ich bin ein Neger.&lt;br /&gt;Die meisten offiziellen Studien ignorieren die Hautfarbe des Betreffenden, was die Analyse erschwert. Das Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística - IBGE - fordert die Befragten auf, selbst die Tönung ihrer Hautfarbe zu bestimmen. Die Schwarzen haben jedoch, wie Benedita da Silva gelegentlich sagt, den subtil herrschenden Rassismus so sehr verinnerlicht, dass sie sich für alles mögliche halten, nur nicht für schwarz. Die Antworten der vom IBGE Befragten sind unglaublich. Sie ergeben ein Farbspektrum, das von einem unbestimmten café-com-leite - Milchkaffee - bis zu einem unverständlichen pardo bebê - babybraun - reicht. Als 1995 das Instituto Datafolha eine Gruppe von Personen nach ihrer Hautfarbe befragte, kamen über hundert verschiedene Antworten zusammen. Es gibt einen technischen Grund, weshalb man die Hautfarbe nicht vom Interviewer definieren läßt: Da es kein biologisches und katalogisierbares Konzept zur Bestimmung der Rassen gibt, böte sich dem Befrager Raum für seine eigenen Vorurteile; dann schon lieber 138 unterschiedliche Hauttönungen! Es ist erfrischend, eine Autodefinition wie die des 41jährigen Volleyball-Fans Isabel zu vernehmen, die ISTOÉ erklärte: Eu sou neguinha. Minha avó era uma mulatona linda e a mãe dela, uma negona - „Ich bin ein Negerlein. Meine Großmutter war eine hübsche Mulattin und ihre Mutter eine Schwarze." Es ist übrigens frappierend zu sehen, dass bereits die Franzosen - mit Blick auf ihre Untertanen in der Karibik - 128 Farbabstufungen registriert hatten!&lt;br /&gt;Im Klassenzimmer haben es weiße Kinder leichter als dunkle, wie diverse Studien beweisen. Auch das schwarze Mädchen Benedita aus der Favela do Morro do Chapéu Mangueira mußte diese Erfahrung machen. Obgleich eine fleißige Schülerin, die ihre Hefte ordentlich führte, die in ihrer Klasse niemand in Kalligraphie übertraf, und der die Lehrerin die beste Note ankündigt hatte, erklärte man ihr beim Schulabschlussfest, es habe sich um einen Irrtum gehandelt. Negro não nasce para saber - heißt es bei Jorge Amado einmal - Der Neger wird nicht zum Studieren geboren! Rassenvorurteile gehören übrigens zu den Eigenschaften der Erwachsenen - und auch der Lehrkräfte! Die meisten Kinder bis zum Alter von 10 oder 11 Jahren besitzen keinerlei Rassenvorurteile, wie ein Kollege aus Porto Alegre, Harald Malschitzky, schon vor vielen Jahren dargelegt hat.&lt;br /&gt;Die Lehrerinnen küssen weiße Kinder dreimal so viel wie Neger. Und auch, wenn es um die Religion geht, erfahren schwarze Kinder, dass sie nicht wirklich dazugehören. Benedita da Silva berichtet: „Als Kind träumte ich davon, bei der Prozession in der Kirche ein Engel zu sein. Ich bin nie ein Engel gewesen, weil die Nonnen sagten, dass es keine schwarzen Engel gibt."&lt;br /&gt;Benedita da Silva, von den Ihren liebevoll Bené genannt, arbeitet mit der Bewegung der Schwarzen daran, für die TV-Werbeprogramme eine Quote von ebenfalls 40% für schwarze Darsteller zu erreichen. Bezeichnend war der Beitrag eines Babalorijá aus Recife, der auf einer Arbeitssitzung der Fundação Joaquim Nabuco, an der ich teilnehmen konnte, einen sehr bezeichnenden Vorfall heftig kritisierte: Für eine Verfilmung des Romans Gabriela, cravo e canela von Jorge Amado hatte man für die Rolle der Gabriela eine schwarze Darstellerin gesucht, am Ende jedoch eine weiße engagiert. Auf die Frage, warum man keine Schwarze für die Rolle einer negra genommen habe, kam die Antwort: „Wir haben mit 80 Schwarzen Proben vorgenommen, doch keine von ihnen besass die erforderliche Fähigkeit." Inzwischen sind gewisse Fortschritte zu verzeichnen. Dominierte in den gängigen Serien ein Image des Schwarzen, das ihn in die Nähe von Kriminellen, Doofen oder auch Verrückten zu stellen pflegte, so kann man Schwarze inzwischen auch in seriösen Rollen (inklusiv Werbespots) sehen. „Hat etwa schon einmal jemand in den Werbespots einen Schwarzen ein Glas Whisky trinken gesehen? Sie erscheinen nur als Kellner, Kriminelle, Pförtner, Hausangestellte oder aufgrund ihrer körperlichen Stärke, etwa beim Boxen, Fußball oder Olympischen Spielen, Nur ganz selten treten sie als Ärzte, Rechtsanwälte, Dichter, Philosophen oder Inhaber politischer Ämter auf", monierte Benedita. In den landesweit (und darüber hinaus: man verfolgt sie sogar in Russia) beliebten novelas - melodramatischen Fernsehserien - werden, wie brasilianische Kritikerinnen bemerken, „die Frauen und Schwarze systematisch als sich selbst entfremdet dargestellt. Steht ein Schwarzer im Mittelpunkt des Geschehens, kann es geschehen, dass diese Rolle von einem schwarz geschminkten weißen Schauspieler gespielt wird. Die Nebenrollen hingegen dürfen die schwarzen Schauspielerinnen ausfüllen: Prostituierte, Chauffeure, Gauner und das Heer der Dienstmädchen und Putzfrauen ... Shampoowerbung in Brasilien zeigt grundsätzlich Frauen mit langem, glattem, duftigem, meist blondem Haar." Die schwarze Frau werde, so die Kritikerinnen von Caipora, „durchgängig als naiv, wenn nicht dumm, abergläubisch, dick und hässlich dargestellt, sie trägt immer eine Schürze und ein Tuch um den Kopf."&lt;br /&gt;In Rio Grande do Sul und Pernambuco führte ich Gespräche mit Angehörigen der Landlosenbewegung (MST), die entweder ein Latifundium besetzt hatten, wo sie dann über viele Monate oder Jahre in primitiven Behausungen aus Planen hausen mußten, oder sich bereits definitiv einrichten konnten und, in einfachen Häusern lebend, bereits ihrer bäuerlichen Tätigkeit nachgingen.&lt;br /&gt;Eine UNO-Statistik belegt, dass Brasilien unter den Ländern der Erde mit der größten Bodenkonzentration in privater Hand an zweiter Stelle steht. Ungefähr 1% der Landeigentümer verfügen über 40% der gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Brasiliens. Dabei handelt es sich um nicht weniger als um 80 Millionen Hektar.&lt;br /&gt;Eine Untersuchung aus dem Jahre 1996 macht deutlich, dass in dem riesigen Land 4,9 Millionen bäuerlicher Familien unterhalb der Armutsgrenze vegetieren. 78% der ländlichen Bevölkerung verdienen pro Tag nicht mehr als zwei Reais, ungefähr zwei DM. Wen darf es da wundern, wenn die Miserablen unter solchen Bedingungen gegen das bestehende menschenverachtende System aufbegehren?&lt;br /&gt;Nach ersten Landbesetzungen haben landlose Taglöhner 1984 die Bewegung der Landlosen (MST) ins Leben gerufen. Im Laufe der mittlerweile verflossenen 15 Jahre gelang es, im Zuge von 2000 Aktionen der Landbesetzung über 200.000 Familien von Landarbeitern auf 7 Millionen ha bis dato ungenutzten Bodens anzusiedeln. Heute leben auf diesen Flächen 20 - 30mal mehr Familien als dies vor der Okkupation der Fall gewesen ist.&lt;br /&gt;Der Weg bis zur offiziellen Anerkennung solcher Okkupationen war nicht nur hart, sondern auch blutig. Die Kirche hat nachgewiesen, dass in den 12 Jahren von 1985 bis 1997 in ländlichen Regionen 1.003 Landarbeiter - Männer, Frauen und Kinder - und Anführer der Bewegung, wie Rechtsanwälte, kirchliche Mitarbeiter und Priester, im Zusammenhang mit Landbesetzungen ermordet worden sind. Weltweiten Protest erregten die der Bundespolizei anzulastenden Massaker von Corumbiara und Carajás. In all den Jahren kam es lediglich in 56 Fällen zu Strafprozessen, und nur 7 Personen wurden verurteilt. Alle übrigen gingen straffrei aus.&lt;br /&gt;Nach diesen Beispielen der Missachtung von Menschenrechten namentlich in Argentinien und Brasilien sei zum Schluß aber auch noch ein persönliches Erlebnis, eine Begebenheit von beispielhafter Toleranz, berichtet: Man hatte für den 12. Februar in der katholischen Kirche von Casa Forte, Recife, die Taufe unserer brasilianischen Enkeltochter angesetzt. Als protestantischer Theologe sollte ich bei der Feier mitwirken. In einem Vorgespräch mit Padre Edivaldo, der ein guter Freund des bekannten Erzbischofs von Olinda und Recife, Dom Hélder Câmara gewesen war, erzählte ich ihm die folgende Geschichte, die mir Dom Hélder einmal berichtet hatte: `Eine Studentin aus Rio de Janeiro, die sich auf die Abfassung ihrer Dissertation vorbereitete, kam in unsere Region mit dem Bewusstsein ihrer geistigen Überlegenheit. Man schickte sie in eine entfernte Gegend, wo sie einem Fischer begegnete, der mit einem Korb voller Fische des Weges kam. Sie begann sich mit ihm zu unterhalten und fragte ihn, ob er wisse, wer der Präsident der Republik sei. Er wusste es nicht. Und wer der Gouverneur des Staates Pernambuco sei. Auch das wusste er nicht. Und wie heißt der Bürgermeister diese Ortes? Wiederum blieb er die Antwort schuldig. Die Studentin verhehlte nicht ihr Erstaunen darüber, dass jemand, der in diesem Lande wohnte, die Namen jener Persönlichkeiten nicht kannte, die doch fast aller Welt bekannt waren. Der Fischer nahm seinerseits ganz gelassen einen seiner Fische aus dem Korb, hielt ihn der Fremden vors Gesicht und fragte: „Weiß die Frau Doktor vielleicht den Namen dieses Fisches?" Sie verneinte. Er holte einen anderen hervor: "Und diesen hier?" Sie verneinte wiederum. „Und diesen dritten hier?" Sie mußte erneut passen. Da sagte der Fischer in aller Schlichtheit: „Dann müssen wir unsere Unwissenheit austauschen!" - Nachdem ich diese Geschichte zum Besten gegeben hatte, wurde ich ohne langes Federlesen eingeladen, die gesamte Taufhandlung zu übernehmen. Eine erstaunliche Offenheit!&lt;br /&gt;Zur festgesetzten Stunde war ich an Ort und Stelle. Padre Edivaldo stellte mich nach der Messe der Gemeinde vor und kündigte an, dass nun der anwesende Pastor luterano aus Deutschland sein Enkelkind taufen werde. Die Gemeinde klatschte kräftig Beifall. Anstatt, wie am Vortag besprochen, bei der Tauffeier anwesend zu sein, sagte mir der Padre nun, es sei doch nicht sinnvoll, wenn er während der Taufe auch zugegen wäre, ich solle die Amtshandlung in aller Ruhe ganz allein vollziehen und zwar ganz genau so, wie es in meiner Gemeinde üblich sei. So wurde das Kind in einer der schönen katholischen Kirchen von Recife im Stil des Kolonialbarocks nach lutherischem Ritus getauft und danach in das Taufregister der römisch-katholischen Gemeinde von Casa Forte eingetragen. Dass der zuständige Kollege diese Form der Taufe in seiner Kirche gestattete, verriet eine ganz außergewöhnliche Toleranz. Er zeigte ein wahrhaft großes Herz! Eigentlich war es aber der gemeinsame amigo Dom Hélder Câmara, der statu invisibile seinen Segen zu der ungewöhnlichen Amtshandlung gegeben hatte!&lt;br /&gt;So wird durch dieses sehr private Beispiel bestätigt, was ein protestantischer Kollege aus Rio mir im Blick auf sein Volk und Land einmal sagte, das allen Unbilden zum Trotz von der Hoffnung auf morgen getragen wird: „Wir sind umgeben von Unwissenheit, Armut und Leiden, und doch sind wir erfüllt von Hoffnung! In unserer Zeit sind es die Armen, die gekreuzigt werden. Der Boden unseres ganzen Kontinents ist von ihrem Schweiß und Blut getränkt, doch eines Tages wird sich erfüllen, worauf wir gehofft haben, und wir werden uns zu einem neuen Leben erheben."&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-3960314459356590907?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/3960314459356590907/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=3960314459356590907' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/3960314459356590907'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/3960314459356590907'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/07/schwarzes-viehzeug-und-farbiges-element.html' title='„SCHWARZES VIEHZEUG&quot; UND „FARBIGES ELEMENT&quot;'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-5432913281390149172</id><published>2009-07-11T13:07:00.000-07:00</published><updated>2009-07-11T13:09:32.009-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SljxTua9TRI/AAAAAAAAAFY/QD2VXqLvM9Y/s1600-h/rep017.bmp"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5357297077938113810" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; WIDTH: 400px; CURSOR: hand; HEIGHT: 273px; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SljxTua9TRI/AAAAAAAAAFY/QD2VXqLvM9Y/s400/rep017.bmp" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5432913281390149172?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5432913281390149172/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5432913281390149172' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5432913281390149172'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5432913281390149172'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/07/blog-post.html' title=''/><author><name>Heinz F. 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Dressel&lt;br /&gt;Lassen Sie mich in einem "Wort zuvor" um Ihre besondere benevolentia bitten, denn dies ist der Beitrag eines Außenseiters: Es handelt sich um observationes und considerationes eines Theologen, der von Amts wegen viel in der Welt herum gekommen ist. Nicht fachwissenschaftliche Darlegungen eines Romanisten oder Ethnologen werden geboten, sondern Momentaufnahmen und Reflexionen eines Reisenden, ein paar Schlaglichter auf kulturelle Interrelationen zwischen Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa. Was in diesem Aufsatz zusammengetragen wurde, habe ich auf Reisen beobachtet, ergänzend dazu Einschlägiges in der Literatur entdeckt und manches Detail in der Begegnung mit Menschen aus der luso-tropischen Welt erfahren. Für dies alles gilt jedoch, was einst Lúis de Cadamosto zu seinem Bericht bemerkte: "tratarei das coisas ... as quais, se por mim não forem tão ordenadamente postas como a matéria requer, pelo menos, não faltarão de inteira verdade em todas as partes." (CADAMOSTO, ed. Lisboa 1948)&lt;br /&gt;Pablo Neruda wurde 1930 als Konsul seines Landes nach Batavia entsandt. In seinen Erinnerungen (NERUDA, 1974, 149-150) gab er eine hübsche Episode zum Besten: Eben in Java eingetroffen, machte er sich in seiner Hotelsuite daran, seiner Regierung in Santiago ein Telegramm zu schicken. In der Schreibtischschublade fand sich wohl Papier, es fehlte jedoch an Tinte. Er rief den Boy herbei und fragte ihn auf Englisch nach etwas Tinte. Der Junge ließ durch nichts erkennen, daß er den Wunsch des Gastes verstanden habe. Statt dessen rief er einen anderen Boy herbei. Als Neruda dann das Wort ink aussprach, tunkte er die Spitze des Federhalters in ein imaginäres Tintenfaß, und die Boys, es waren ihrer sechs oder sieben, blickten auf den komischen Fremdling, während jeder von ihnen dessen Bewegung mit dem Federhalter nachahmte und ausrief: ink, ink, und dabei krümmten sie sich vor Lachen. Verzweifelt verließ Neruda das Zimmer und eilte zum Empfangsschalter, gefolgt von den Boys. Da entdeckte er vor sich auf dem Schalter ein Tintenfaß, zeigte es den Jungen und rief aus: This! This! Da begannen die Boys alle erneut zu lachen und riefen aus: Tinta! Tinta! Nerudas Überraschung war perfekt! tinta, das portugiesische Wort für Tinte, wurde von den Malayen vor 500 Jahren aufgenommen und ist heute ein offizielles Lehnwort der Bahasa Indonesia, der indonesischen Sprache: tinta!&lt;br /&gt;Auf meinen Reisen nach Ostasien, Afrika und Südamerika stellte ich immer wieder fest, daß viele Elemente der iberischen, vornehmlich aber der lusitanischen Zivilisation nahezu über die ganze Welt verteilt anzutreffen waren. Die "Lusotropikalisierung" in Übersee begann bereits mit dem cavalo, gado und galo. Schon Cabral präsentierte den staunenden Tupiniquim der Region Bahía eine portugiesische Legehenne und rief damit nicht etwa Entzücken, sondern große Abscheu vor einem so exquisiten und unansehnlichen Tier hervor. Von den brasilianischen Hähnen sagt man übrigens, sie hätten sich bis heute nicht völlig akklimatisiert, sondern krähten nach wie vor entsprechend der lusitanischen Uhrzeit. Es fiel mir auf, daß es zwischen den Kontinenten Afrika, Asien und Südamerika eine Vielzahl von Interrelationen gibt, die alle auf die historischen Unternehmen der Iberer, ganz spezifisch jedoch der Portugiesen zurückzuführen sind. Gilberto Freyre folgend, möchte ich von einer luso-tropischen Zivilisation (civilização luso-tropical) sprechen, wenn ich mich auf derartige Interrelationen beziehe. Freyre hat ungewöhnlich viel über diesen Aspekt geschrieben. Die wichtigsten Titel dieses Autors, auf die auch ich mich hier beziehe, sind: O Luso e o Trópico, (1961) Lisboa; Nôvo Mundo nos Trópicos, (1971) São Paulo; Em Tôrno de Alguns Túmulos Afro-Cristãos, (1959) Salvador de Bahia; O Brasileiro entre os outros Hispanos, (1975) Rio de Janeiro; Uma Cultura Ameaçada: A Luso-Brasileira, (1980) Recife.&lt;br /&gt;Zum besseren Verständnis des prägenden Einflusses der Portugiesen auf viele Völker Asiens, Afrikas und Amerikas - der Beginn der `Globalisierung´ (!) - mag eine kurze historische Retrospektive hilfreich sein: António de Spínola wies in seinem Buch Portugal e o Futuro, dessen Erscheinen 1974 den Zusammenbruch eines autoritären Regimes in Portugal einleitete, auf die Tendenz hin, die für sein Volk im Verlauf seiner langen Geschichte bezeichnend gewesen ist: procurar fora o que dentro não se acha (SPÍNOLA, 1974, 21). Die Ökonomen würden hier vermutlich sogleich an materielle Interessen der Portugiesen denken, jedenfalls erinnert Manuel Nunes Dias daran, daß im Europa des 15. und 16. Jahrhunderts ein extremer Mangel an Metallen zu verzeichnen war (DIAS, 1967, 19, 21). Des weiteren erwähnt er eine tiefgreifende Krise infolge überschüssiger mão de obra. Dies mag durchaus von Bedeutung gewesen sein; auf jeden Fall bildeten kommerzielle Interessen - a ganância - die Triebfeder für die `descobrimentos´. Spínola wollte jedoch, als er auf die Tendenz seines Volkes anspielte, "außerhalb zu suchen, was innerhalb nicht zu finden ist", offenbar auf etwas Psychologisches aufmerksam machen: Man könnte nämlich - wie viele dies tun - mit einigem Recht durchaus von einer typischen "Klaustrophobie" des portugiesischen Volkes sprechen, von seiner Liebe zur See oder besser zu "Übersee" (ultramar)!&lt;br /&gt;Es gibt gute Gründe, die einen derart geprägten Nationalcharakter der Einwohner Lusitaniens erklären, z. B. den Einfluß der Jahrhunderte langen arabischen Okkupation auf das Volk oder die Einwanderung osteuropäischer bzw. kleinasiatischer Juden nach Portugal. Beide Faktoren - die lange Herrschaft der mouros und die relativ starke mosaische Immigration - haben einen engen Bezug zu den Phänomenen Mobilität und einem dynamischem Lebensstil. Im übrigen war Portugal eine Nation von Seeleuten! Nach all ihren epochemachenden Entdeckungen, zuerst entlang der Küsten Afrikas, danach von Ländern wie Indien (1497-1499), Indonesien (1511), China (1511-1512) und Japan (1542-1543), vor allem jedoch der terra de Vera Cruz - Brasilien - (1500) pflegte man zu sagen: `e se Mais Mundo Hafer La chegara´.(MOURA, 1992, 44 f,) Fernando Pessoa charakterisierte die Portugiesen als uma raça Y que houve por tipo o aventureiro e o herói, eine Rasse für die der Abenteurer und der Held typisch waren. Jorge Borges de Macedo konstatiert, es sei unmöglich, Portugal ohne die Welt der Seefahrt zu verstehen, so wie es ebenfalls unmöglich sei, die Welt ohne Portugal als menschliche Wirklichkeit zu verstehen. Es war nicht verwunderlich, daß Henrique o Navigador, nach dem Sieg über die mouros in Ceuta (1415) und nach seiner Ernennung zum Großmeister des Christusordens, dessen Ziel es war, die Ungläubigen zu bekämpfen, eine Seeakademie gründete, in der Absicht, dem Islam in Afrika den Todestoß zu versetzen, indem man die Territorien der Kalifen im Norden Afrikas durch eine gut ausgerüstete Flotte vom Hinterland abschnitt. Der Prinz berief die besten Geo- und Kartographen Europas als Mitarbeiter an seine Navigationsschule und baute eine Flotte auf, mit deren Hilfe man neue Länder und Schiffahrtswege entdecken würde. Dabei spielte neben der religiösen Motivation der Gedanke an den direkten Zugang zu den orientalischen Gewürzen mittels der Umschiffung Afrikas eine entscheidende Rolle. Pfeffer war unerläßlich für die Konservierung des Fleisches. Die mouros kontrollierten das Mittelmeer ebenso wie die Routen entlang der ostafrikanischen Küste bis hinüber nach Indien. Damit beherrschten sie auch den Gewürzhandel. Der zur Zeit der descobrimentos blühende arabische Ost-West-Handel hatte bereits eine jahrhundertelange Tradition und auch die Chinesen tasteten sich ziemlich gleichzeitig mit den Portugiesen nach Afrika vor, von wo sie Rhinozerushörner, Perlen, Elfenbein und Sklaven (!) gegen Kupfer, Porzellan, Gold und Silber eintauschten.&lt;br /&gt;Durch die Erforschung der afrikanischen Westküste, wo tief im Landesinnern der sagenumwobene Priesterkönig Johannes herrschen sollte, würden die Portugiesen Verbündete gegen die verhaßten Muslime gewinnen. Es kam allerdings erst zwei Generationen später, am Osterfest 1491, zur Taufe des kongolesischen Mani Sonyo, der sich nun Dom Manuel nannte. Wenig später wurden der benachbarte König Mbanza Kongo und mehrere seiner Edelmänner getauft. Damit besaß die portugiesische Krone verläßliche Verbündete und einen gesicherten Stützpunkt im Herzen von Africe sive Aethiopiae Pars. Manuel Nunes Dias erklärt solche Projekte auf dem Hintergrund einer extremen Armut der Portugiesen, die sie gezwungen habe, auf dem Ozean zu finden, was ihnen das Land nicht zu bieten vermochte. So hätten die Portugiesen im Atlantik den notwendigen Platz zur Expansion gefunden. Hier kommen dann also doch ökonomische Motive für das lusitanische "Fernweh" ins Spiel. Die Emigration ist ohne Frage ein wesentlicher Aspekt in bezug auf die portugiesische Demographie. Mitte des 17. Jahrhunderts soll die Zahl der Emigranten 1,2 Millionen betragen haben!&lt;br /&gt;Doch zurück ins 15. Jahrhundert! Zwar mag Infante D. Henrique für die Portugiesen - und nicht nur für diese - zum Mythos geworden sein. Dennoch steht sein Name - wie auch der von Sagres - symbolisch zzurecht für eine generelle Tendenz Lusitaniens im 15. Jahrhundert, nämlich für Wissenschaft und Forschung, neue Technologien und eine fortschrittliche Marine. Die `Seeakademie´ in der Algarve war so etwas wie ein antikes Cape Canaveral oder das mittelalterliche NASA-Hauptquartier, in dem man modernste Instrumente zur Navigation ebenso entwickelte wie neuartige Schiffe, allen voran die um 1430 konstruierte, unübertreffliche caravela (BRAUDEL, 1992). Dieses Schiff vermochte hervorragend gegen den Wind zu kreuzen und war trotz größerer Frachtkapazität und stärkerer bellistischer Bestückung bei einer kleineren crew leichter zu manövrieren als andere Modelle. Es war zweifellos um ein Vielfaches schwieriger, das Kap der guten Hoffnung zu umsegeln und eine Schiffahrtsroute nach Fernost zu eröffnen als in unseren Tagen mit Hilfe eines Raumschiffes auf dem Mond zu landen. Die iberischen Entdeckungsreisen, angefangen mit der Umschiffung von Cabo Bojador durch Gil Eannes (1434) bis hin zur Namibiafahrt des Bartolomeu Dias (1487), leiteten in der "alten Welt" eine rapid um sich greifende Revolution ein, in die sich am Ende die ganze Welt einbezogen fand. Welche Revolution hätte wohl Gagarin oder Armstrong eingeleitet? Die Beglückung der Welt mit Sat-1 oder RTL und der Vorstellung vom `Krieg der Sterne´? Oder `a conquista dos espaços interplanetários em que, com a ajuda do Diabo, os homens actualmente estão prosseguindo?´, wie Orlando Ribeiro bissig bemerkt. (DAVEAU, 1994, 63)&lt;br /&gt;Groß waren Energie und Phantasie der portugiesischen Seefahrer. Luís de Camões sagt in seinem 1572 publizierten Epos Os Lusíadas: "Os Portugueses somos do Ocidente, Imos buscando as terras do Oriente." (Canto I,50) Das Interesse der Portugiesen an den Ländern des Orients resultierte sicherlich aus der Zweiteilung der Welt durch Papst Alexander VI. im Jahre 1493: Die in der Neuen Welt entdeckten Gebiete wurden seitens des Vatikans zu spanischen Territorien erklärt; die verschiedenen Teile der Alten Welt als portugiesische Besitztümer respektiert. Auf der Suche nach dem Weg zu den Gewürzinseln, von denen Marco Polo Wunderdinge berichtet hatte , folgten die portugiesischen Seeleute der Route, die berühmte Kapitäne wie Diogo Cão oder Rui de Sousa entdeckt und die man über Jahrzehnte durch die Errichtung von Handelsniederlassungen - die berühmten feitorias - Befestigungen - fortalezas - und durch "völkerrechtliche" Maßnahmen, wie die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum kongolesischen Mani (König) im Jahre 1490, abgesichert hatte (ENDRUSCHAT, 1990, 11 f.), entlang der Westküste Afrikas bis hinab zum Kap der guten Hoffnung. Dieser Weg führte sie bis hinauf nach Mosambik und Mombasa. Die Europäer waren ungemein neugierig auf Afrika, auf die Afrikaner und ihren König, ihr Gesetz und ihre Sitten. Man spürt dies, wenn man die Lusíadas liest: `Que gente será esta? (em si deziam) Que costumes, que Lei, que Rei teriam?" (Canto I,45)&lt;br /&gt;Die Lusíadas vermitteln uns eine ziemlich deutliche Vorstellung von dem, was Afrikaner und Europäer damals von einander wußten oder doch zu wissen glaubten. Die Afrikaner werden den portugiesischen Seefahrern als Wesen vorgestellt, die von der Natur ohne Gesetz und Vernunft geschaffen wurden, - aqueles que criou a Natura, sem Lei e sem Razão (Canto I,53). Das war ganz nach der Auffassung des Aristoteles, dessen in Vergessenheit geratene Lehre den Europäern erst durch die mouros in Iberien wieder bekannt geworden sind. Die Afrikaner wiederum hatten bereits die Gewalt der Europäer erfahren, so daß sie unter Bezug auf europäische Seeleute sagten: `Todos seus intentos são para nos matarem e roubarem, e mulheres e filhos cativarem.´ (Canto I,79) Ein portugiesischer Schriftsteller nimmt Bezug auf D. Francisco de Almeida, der an einem einzigen Tag die Flotten Ägyptens und Cambaias zerstörte. Aus Rache für den Tod seines Sohnes wäre er bereit gewesen, das Blut des ganzen Orients zu trinken, hätte ihm nicht sein Nachfolger Albuquerque das Schwert aus der Hand genommen. (MENDOÇA, 1987, 16)&lt;br /&gt;Unglücklicherweise blieb jahrhundertelang der Sklavenhandel einer der wichtigsten Faktoren hinsichtlich der Beziehungen zwischen Portugal und Afrika. 1450 hatte der Papst Alfons V. zugestanden, alle Bewohner entlang der afrikanischen Westküste als Sklaven zu betrachten. Entsprechend der aristotelischen Auffassung, nach der die Menschheit per naturam in Herren und Sklaven eingeteilt sei, die Sklaven aber seien mehr oder weniger unvernünftige und kaum mehr als Menschen zu betrachtende Wesen, sah man die Schwarzen Afrikas als Wesen, die ohne jedes Gesetz wie wilde Tiere lebten, an und betrachtete also die Sklaverei als eine Wohltat für die negros, da durch die Gelegenheit zur Annahme der europäischen Zivilisation und ihrer Wertvorstellungen sowie durch die Taufe auf jeden Fall ihre Seele gerettet werde. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts war infolge des lukrativen Sklavenhandels jeder zehnte Einwohner von Lissabon ein Sklave.&lt;br /&gt;Auf eine bemerkenswerte Sache sei besonders Bezug genommen: Als Mitte des letzten Jahrhunderts der deutsche Anthropologe Bastian durch Afrika reiste, stieß er im Kongo auf genuine Spuren einer vor langer Zeit introduzierten portugiesischen Zivilisation, die bis dato überlebt hatte. Es waren nicht nur portugiesische Namen, auf die er stieß, sondern auch Adelstitel, zeremonielle Kleidung und bestimmte Riten, wie sie unter den Noblen Portugals einmal gebräuchlich gewesen waren.&lt;br /&gt;Manuel I. hatte im Jahre 1512 dem Kongo-König Nzinga-Mvemba (1506 - 1543) - auf den Namen Dom Afonso I. getauft - "Entwicklungshilfe" angeboten und geleistet. Auf fünf Schiffen schickte er nicht nur eine Anzahl von Haustieren, wie sie zu jener Zeit in Zentralafrika noch unbekannt waren, dazu auch neue Sorten von Pflanzen für eine bessere Ernährung der Bevölkerung, sondern er entsandte darüber hinaus gleichzeitig lusitanische "Experten" und "Spezialisten" im Rahmen eines erstaunlich gut durchdachten Programms für technische und kulturelle Kooperation (die GTZ des 16. Jhdts.!), darunter einige Maurer, Tischler, Agraringenieure, Lehrer und natürlich Missionare. (Der faszinierende Roman des Amerikaners Peter Forbath - DER KÖNIG DES KONGO - München 1996, läßt den Leser dies allees ganz plastisch miterleben. Allerdings wird in diesem Buch die Geschichte der Entdeckung Afrikas durch die Portugiesen dankenswerterweise zugleich gründlich entmythologisiert.) Neben anderen Dingen führten die Portugiesen das Zuckerrohr, mandioca (kassawa), den Mais und die - ursprünglich aus Indien stammende - Süßkartoffel (batata) im Kongo ein. Fast alle diese Pflanzen wurden aus der Neuen Welt herbeigeschafft, wo die Portugiesen - obwohl dies eigentlich gegen das päpstliche Dekret verstieß - Besitzungen unterhielten. Sicherlich ist es nicht übertrieben generalisierend zu sagen, die Hälfte der Früchte Afrikas stamme aus Lateinamerika. Andere Pflanzen wurden aus anderen, weit entfernten Regionen der Welt eingeführt und an allen möglichen Orten kultiviert. Der Mais wurde, wie Ribeiro, der von der `revolução do milho´ spricht, zu betonen nicht müde wird, zum Grundnahrungsmittel der Menschen im sub-sahaurischen Afrika. Die Portugiesen hatten denselben vom Nordosten Brasiliens nach Afrika verpflanzt, als sie sich plötzlich mit klimatischen Bedingungen konfrontiert sahen, unter denen es nicht möglich war, ihre gewohnten Nahrungsmittel (wie z. B. Weizen) zu gewinnen. Da war die Möglichkeit, über Mais zu verfügen, sozusagen providentiell. (RIBEIRO, 1994, 33)&lt;br /&gt;Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die Portugiesen die verschiedenen Erdteile mittels der Seefahrt und indem sie allerlei Produkte, Pflanzen und Tiere, in alle Himmelsrichtungen hin und her verbreiteten, eng miteinander verbanden, so daß sich so etwas wie eine luso-tropische Zivilisation herausbildete. Indem sie dieses taten, gaben sie übrigens auch viele der Werte weiter oder sogar zurück, die sie als Volk durch die arabische Besetzung der iberischen Halbinsel gewonnen hatten. Einer dieser Werte war - das muß allen gegenteiligen Parolen zum Trotz betont werden - die Absenz einer jeglichen Art von "Rassismus" im Sinne einer Ideologie. Nicht nur die Menschen in den provincias ultramares - also die Einwohner von Angola, Mosambik, Guinea Bissau, Timor und Macau etc. - wurden als portugiesische Staatsbürger betrachtet, sondern sogar solche afrikanische Christen, wie sie im 16. Jahrhundert unter der Herrschaft des Congo-Königs lebten, wurden als Staatsbürger angesehen, die mit den gleichen Rechten ausgestattet waren wie jene, die in Coimbra oder in O Porto geboren waren. Es gab keine Rassenunterschiede zwischen Christen, `quando esta gente se torna cristã, era-o tão bem como qualquer outra´, war die gängige und vielfach bestätigte Auffassung. Das galt ja letztendlich auch für die Brasilianer. `São todos Pretos, mas somente neste acidente se distinguem dos Europeus´, urteilte P. Antonio Vieira. Übrigens waren selbst die Rechte derer, die im Mutterland geboren waren, in einer Gesellschaft, die von latifundiários und Geistlichen dominiert wurde stark begrenzt! Es darf in diesem Zusammenhang noch einmal ausdrücklich auf Gilberto Freyre bezuggenommen werden, der bei seiner Beschreibung Brasiliens unterstreicht, daß es in der kolonialen Gesellschaft keinen Rassismus gab. Nicht wie auch immer verstandene "Blutsbande" hätten die Nation zusammengehalten, vielmehr sei die Religion bzw. die `expressão espiritual´, das Bekenntnis zur Römisch-Katholischen Kirche, der Kitt gewesen, der alle Lusitanier, die in Übersee ebenso wie diejenigen auf dem Festland, zusammengehalten habe. Ribeiro drückt dies so aus: `Portugal brachte unterschiedliche Menschen und Rassen einander näher, und - was dies noch übertrifft - es brachte weiße Männer und farbige Frauen zusammen. So entstanden gemischte Gesellschaften, in denen sich schon allein von ihrer Herkunft her keine Rassenvorurteile bilden konnten. - Indem Portugal diese Menschen, von welcher Farbe auch immer, in das gleiche kulturelle Ambiente eintauchen ließ, ihnen die gleiche Religion überstülpte, sie in der gleichen Weise ihr Leben führen ließ, wobei es von den Zivilisationen, mit denen es in Berührung kam, auch vieles übernahm, erwies sich die portugiesische Zivilisation dennoch als die stärkste Prägung.´ (RIBEIRO, 1994, 20)&lt;br /&gt;Ehe wir bestimmte Details einer "Portugiesischen Zivilisation" ansprechen, lohnt es sich, auf einen hervorragenden portugiesischen Chronisten des 16. Jahrhunderts, João de Barros, zu hören, der sagte: "Die portugiesischen Waffen und Stützpunkte, die sich in Afrika und Asien und auf zahllosen Inseln jenseits der Grenzen der drei Kontinente befinden, sind materielle Dinge, die vom Zahn der Zeit zerstört werden mögen. Die Zeit wird aber weder die Religion, noch die Sitten und die Sprache zerstören, welche die Portugiesen in diesen Ländern eingepflanzt haben." (PINTO DA FRANÇA, 1970, 3) Oder, wie Nunes Dias es sieht: "Portugal hat eine Neue Welt geschaffen, die in die Geschichte als ein wertvoller Bestandteil der christlich-okzidentalen Wirtschaft eingegangen ist." Während des gesamten 16. Jahrhunderts beherrschten die Portugiesen den Handel zwischen Europa und der afrikanischen Küste; sie kontrollierten Indien, die Gewässer Südostasiens, Kampuchea, China und Japan. Ziel und Zweck ihres ostasiatischen Unternehmens war die Entdeckung der berühmten Gewürzinseln. Zuerst dachte man, die teueren Spezereien wie Pfeffer, Zimt und Nelken kämen aus Indien, deshalb bezeichnete man den König von Goa als `rei da Pimenta´. Indische (hinduistische) Kaufleute hatten jedoch den Pfefferstrauch inzwischen nach Sumatra und Java gebracht. Zunächst war nach Afrika - Mosambik und Mombasa - das berühmte Land Indien das Ziel, wie Camões in seinem Epos sagt: "Sou da forte Europa belicosa, Busco as terras da India tão famosa." (Canto I,64)&lt;br /&gt;Zwischen 1500 und 1606 war der "Indische Ozean" unwidersprochen das "Portugiesische Meer". (MENDOÇA, 1987, 15)&lt;br /&gt;Nachdem die portugiesischen Seefahrer Goa (Marmagão) erreicht hatten, war Malaca das nächste Ziel, das sie eroberten. Danach segelten sie entlang der Ostküste Sumatras durch die Straße von Makassar (Ujung Pandang, Sulawesi) bis zu den Moluccas. Einem indonesischen Prinzen, der einen Kapitän der Portugiesen nach dem Grund ihres Aufenthalts in seiner Region befragte, erteilte dieser die sehr präzise und bezeichnende Auskunft: "Wir suchen Seelen und Gewürze." (In Calucut hatte es `cristãos e especiaria´ geheißen.) `Cristianisar e negociar´, lautete die Parole seit den Tagen der Erforschung des Kongo.&lt;br /&gt;In den Lusíadas finden wir das Echo auf den Eindruck der im fernen Osten reisenden Seeleute beim Anblick der Javanischen See oder wie immer sie jene Gewässer hinter dem Indischen Ozean und im Süden Chinas mit seinen unendlich vielen Inseln bezeichnet haben mögen: "Olha cá pelos mares do Oriente, as infinitas Ilhas espalhadas." (Canto X,132)&lt;br /&gt;Die Absenz jeglicher Art von "Rassismus" unter den Portugiesen wurde bereits erwähnt. Sie wird durch die portugiesische Praxis der "Mischehen" bestätigt. Bereits während der ersten Fahrt zu den Moluccas kam es zu einer solchen gemischten Ehe. Auf Francisco Serrão's Schiff befand sich eine javanische Frau, welche wohl die erste indonesische Braut eines portugiesischen Bräutigams gewesen sein dürfte, als Serrão sie in einem nordöstlichen Hafen der Insel Java heiratete. Er ließ sich in Ternate nieder und die Mitglieder seiner Besatzung folgten dem Beispiel ihres Kommandanten, indem sie indonesische Mädchen zu ihren Frauen machten. Serrão war der Auffassung, daß es günstig sei, wenn die Männer auf den Außenposten der Krone verheiratet waren, denn die Einheimischen würden mit ihnen lieber Geschäfte machen als mit nicht seßhaften Junggesellen. Die portugiesischen Wirtschaftsinteressen lagen also bei verheirateten Männern in besseren Händen. Sie waren beständiger und würden nicht nach Portugal zurückkehren wollen, weil sie in Gedanken an die moças in Lisboa, Coimbra oder O Porto immer krank vor Heimweh wären. Ein paar Jahre später bot die Krone den casados in Fernost zum Anreiz sogar so etwas wie Einrichtungsdarlehn an. Dies fügte sich perfekt in die Politik der feitoria, fortaleza e igreja ein, wie sie die Krone konsequent verfolgte. (PARAMITA, 1974, 113 f.) Den örtlichen Gebräuchen entsprechend, begegneten die regionalen Herrscher den fremden Seefahrern oft mit großem Respekt und empfingen dieselben nicht nur als geehrte Gäste in ihren Palästen, sondern manch einer trug einem Kapitän sogar die Hochzeit mit einer seiner Töchter an, um auf diese Weise die Beziehungen zu den offenbar sehr mächtigen Besuchern zu vertiefen. Nicht wenige Portugiesen ehelichten einheimische Prinzessinnen und richteten sich auf Dauer in der Fremde ein, wo sie bald sozusagen ihre eigenen Dynastien schufen. Es ist bekannt, daß El-Rei, D. Manuel I. die Vermischung (`cruzamento´) seiner Seefahrer favorisierte und daß die Krone zur Eheschließung mit indischen Frauen - besonders solcher aus Goa - ermutigte. Wegen der Eigentümlichkeiten des hinduistischen Kastensystems waren Ehen mit Frauen aus Goa allerdings so gut wie nicht zu schließen. Für Allianzen kamen nur bailadeiras - sozial stigmatisierte Tempeltänzerinnen - oder in der hinduistischen Gesellschaft massiv diskriminierte viuvas in Frage. Das eigentliche Ziel der Politik Lissabons bestand darin, die betreffenden Territorien zu bevölkern - `povoar´ lautete der terminus technicus für diese Methode. Besonders aus Brasilien gibt es dafür sehr anschauliche Exempel, z. B. was Diogo de Gouveia in seinem Brief an D. João III über die Kolonisation in Brasilien erwähnt: daß bereits drei Jahre nach der Zueignung von Ländereien an portugiesische Siedler vier- bis fünftausend Kinder geboren worden seien, dazu `outros muitos´ aus der Vermischung der Einheimischen mit den `Unsrigen´. (RIBEIRO , 1994, 20)&lt;br /&gt;Die Portugiesen schienen für die Vermischung mit tropischen Völkern besonders prädestiniert zu sein. Mit dieser Einschätzung beziehen wir uns nicht nur auf Gilberto Freyre, der u. a. und sicherlich nicht zu Unrecht auf die Bewunderung der legendären Figur der `moura-encantada´ - einer berückenden dunklen und schwarzäugigen Frau - durch die Portugiesen hingewiesen hat. Daß die Iberer die `índios´ der Neuen Welt besonders attraktiv fanden, ist bis in die an die Krone gerichtete Korrespondenz der Conquistadores hinein zu verfolgen, z. B. in den `cartas´ von Pêro Vaz de Caminha, in denen der `encanto físico das Índias´ gepriesen wird. Die authentische menschliche Sympathie, wie die Portugiesen sie gegenüber farbigen Frauen empfinden, die Liebe für alle Frauen, gleich welcher Hautfarbe und die Akzeptanz aller Kinder, gleichgültig von welchen Müttern sie geboren wurden, werden von den meisten Autoren als beispielhaft für die portugiesische Menschenliebe (verdadeira humanidade) gerühmt. Häufig wird auf Vasco da Gama hingewiesen, der Moçambique `a terra de Ba gente´ nennt, wo sich Männer `de Bons corpos´ finden und Mädchen `que nesta terra parecem bem´. Ein klassisches Beispiel für die `Negrophilie´ der Portugiesen ist auch das Poem Camões über die `Barbara Escrava´, dem die Begeisterung für die exotische Weiblichkeit deutlich anzuspüren ist, wo er von der schwarzhäutigen Sklavin schwärmt, `von so süßer Gestalt, daß es selbst der Schnee sich schwört, seine Farbe zu ändern´ - `tão doce a figura que a neve lhe jura que trocara a cor´.&lt;br /&gt;Alte Berichte wollen von einer romantischen Liebesgeschichte wissen, die sich 1545 zugetragen haben soll: Eine junge indonesische Prinzessin verliebte sich unsterblich in Dom João de Heredia und flüchtete sich in ihrer Herzensnot auf ein Schiff der Fremden. Man brachte sie darauf, so heißt es, ehrenvoll bis nach Malaca. Dort wurde in der Kathedrale die feierliche Trauungszeremonie zelebriert. Die christliche Gemeinde in Malaca (das sich von 1511 - 1641 in der Hand der Portugiesen befand) benützt noch heute eine portugiesische Mischsprache. Es wird auch von einer Romanze zwischen André Furtado Mendoça und der Prinzessin Calicaia, der Tochter des Königs von Talangane, berichtet: Während seines Aufenthalts in der Bucht von Talagane sprach Mendoça regelmäßig beim König von Talagane vor, woraus eine gegenseitige Sympathie entsprang. Im Palast begegnete er der einzigen Tochter des Königs, die mit dem König von Ternate verlobt war. Als Mendoça die Bestallung zum Admiral der Südlichen Meere erhielt, beschloß er, seine Beförderung in großem Stil zu feiern, und lud den König, die Persönlichkeiten von Talangane und ihre Offizieren zu dem Fest ein. Der König erschien mit zahlreichem Gefolge, darunter auch seine Tochter, Prinzessin Calicaia, die während der ganzen Festnacht kein Auge von der Gestalt des Generals wandte. Einige Zeit danach veranstaltete der König ein rauschendes Fest zu Ehren der Flotte. Bei dieser Gelegenheit kam es zu einem ersten Rendezvous des Admirals mit Calicaia. Von diesem Zeitpunkt an trafen sich die Verliebten häufig. Die Prinzessin arrangierte allerlei Versammlungen in ihrem Palast, zu denen stets auch einige Flottenkapitäne eingeladen waren. Bei solchen Veranstaltungen ergötzten sich die Prinzessin und ihre Freundinnen damit, die Gäste zu unterhalten, indem sie ihnen vorsangen und ihnen einheimische Tänze vorführten. Die Prinzessin verstand es, allerlei Gelegenheiten zum Alleinsein mit dem General herbeizuführen. Bald kam es zu ausgedehnten Perioden der Isolierung, besonders von dem Tag an, an dem Calicaia den Admiral eines Abends einlud, am Rande der königlichen Gärten in einem Wäldchen voll blühender Nelkenbüsche mit ihr spazierenzugehen. Den nächsten Tag verbrachte Mendoça hin- und hergerissen zwischen dem Gebot des Herzens und der Vernunft. Auf jeden Fall wollte er sich aus der Schlinge ziehen und seine Armada vor der Rache des Königs von Talagane retten. Admiral Sousa Arronches, der beste Freund Mendoças, der zum König von Talagane freundschaftliche Beziehungen unterhielt, drängte diesen, die Hochzeit Calcaias mit dem König von Ternate zu beschleunigen. Auf diese Weise würde sich das Problem von selbst lösen. (FRAZÃO, MENDOÇA, 1987, 117 f .)&lt;br /&gt;Hier wird zugleich der nüchterne Sinn der Portugiesen für die Wirklichkeit und ihre Fähigkeit zur geschmeidigen Anpassung an konkrete Situationen bestätigt. Einige Jahre später heiratete der portugiesische Händler Francisco Vieira Figueiredo in Makassar eine Schwester des Sultans. Als sie starb, vermählte er sich mit des Sultans anderer Schwester. Mischehen waren nicht nur problemlos, sondern die Verbrüderung oder Vermischung der Portugiesen mit dem Exotischen und Tropischen wurde sogar gefördert, wie Gilberto Freyre festzustellen nicht müde wurde. Ohne Frage gab es auf indonesischer Seite, wo die Stammessitten sehr streng eingehalten zu werden pflegten, gewisse Schwierigkeiten hinsichtlich der Mischehen. Mit "Rassismus" hatte dies jedoch ebenfalls nichts zu tun, vielmehr war es die Adat, das indonesische Moralgesetz, das befolgt werden mußte. Einer meiner Freunde aus dem Batakland, der während des Studiums in Jakarta eine Javanerin kennenlernte, hatte zuerst Schwierigkeiten mit seiner Familie auf der großen Insel Samosir im Tobasee in Nordsumatra, als es um die Frage der Eheschließung ging. Ein traditioneller Batak darf unter gar keinen Umständen ein Mädchen heiraten, das nicht ebenfalls dem Batakvolk angehört. Die Lösung, dem brasilianischen jeito nicht unähnlich, entsprach der Adat: Die Javanerin wurde rituell in den Stamm der Batak aufgenommen!&lt;br /&gt;Interessant ist ein Blick auf Dinge wie die Kleidung: Die Portugiesen brachten von Indien die weiße Unterwäsche aus Baumwolle, die öfter gewaschen werden konnte als die linnenen Hemden der Lusitaner, mit nach Europa. Bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts spielte auch der Handel mit brasilianischem algodão und sementes de algodão eine nicht unwesentliche Rolle. Die Baumwolle aus Brasilien konnte sich allerdings gegen die indische, die von wesentlich besserer Qualität war, auf die Dauer nicht durchsetzen. (SERRÃO/ MARQUES, 1992, 214) Selbst beim täglichen Bad bzw. der Dusche handelte es sich um eine aus tropischen Regionen importierte Neuerung. Die Indios aus dem Amazonasgebiet pflegten täglich mehrmals zu baden; in Goa, der portugiesischen Enklave in Südindien, waren die Menschen ebenfalls gewöhnt, sich täglich im kühlen Wasser des Ozeans zu erfrischen. Aus Indien stammt der Gebrauch des Pyjamas, und solches bei den Brasilianern nicht nur während der Nacht, sondern ebenfalls zur Abendzeit, beim Schwätzchen mit dem Nachbarn auf dem Strohstuhl vor dem Haus. Unser Sporthemd, das wir über der Hose zu tragen pflegen, stammt ebenfalls aus dem Osten. Man findet es in Indien so gut wie in Indonesien, wo man es sogar zur Audienz beim Präsidenten der Republik tragen darf, wenn es nur lange Ärmel hat. Der sombrero als Sonnenschutz kommt nicht etwa aus Mexiko, sondern aus dem fernen Osten, aus Java und Makassar. Die von den lusitanischen bachareis auch nach Brasilien verpflanzte Sitte, den Nagel des kleinen Fingers der linken Hand überlang wachsen zu lassen, stammt übrigens ebenfalls aus dem fernen Osten und ist dort noch heute anzutreffen, von China bis Vietnam oder Sulawesi.&lt;br /&gt;Die Portugiesen brachten aus Brasilien die Tomaten, den Kürbis und den Maniok, Goiabas, Ananas, Papayas (mamão), Süßkartoffeln, Chili (den sog. Cayenne-Pfeffer) und die Avocado-Frucht - die aus Mexico stammt und deren Name vom aztekischen `ahucatl´ (Hoden) herkommt - (abacate) nach Indonesien. (FRANÇA, 1970, 27) Mais wurde an der Westküste, insbesondere in der Region Kongo und Angola eingeführt; mandioca fand erstmals 1601 bei dem deutschen Reisenden, Samuel Brum, Erwähnung . (DIAS, 1992, 137)&lt;br /&gt;In Nord-Sumatra (Medan) ist der portugiesische Einfluß auf die Musik ebenso wie auf die Tänze der Region ganz offenbar. Die Tracht des Bräutigams ist von der portugiesischen Kleidermode des 17. Jahrhunderts beeinflußt. Mario Gibson Barboza berichtet von seiner enormen Überraschung, als er im Verlauf einer Reise nach Westafrika dort eine Gruppe von der Elfenbeinküste einen Tanz aufführen sah, der dem pernambukanischen frevo sehr ähnlich war, so daß seine Delegation sich sogleich ebenfalls dem Tanz hingab. Bei einer anderen Gelegenheit tanzten die Afrikaner einen bumba-meu-boi und sangen dabei auf portugiesisch, genau wie im brasilianischen Nordosten. (BARBOZA, 1992, 283 f., 290) Die Ähnlichkeit und teilweise sogar Identität der Geschichte, der Sprache und der Sitten zwischen der ehemaligen portugiesischen Kolonie Brasilien und Westafrika, beide 500 Jahre lang von der lusitanischen Kultur imprägniert, frappierte den Besucher, der nicht von ungefähr von Präsident Gowan in Lagos mit dem Gruß welcome home! empfangen wurde.&lt;br /&gt;Auf dem Gebiet der Architektur führten die Portugiesen die Nutzung des Kalks (pedra e cal) Stein und Kalk beim Bauen ein. Der typische Stil bei der Errichtung von Torbögen und Fensterbögen kommt ursprünglich aus Marokko, die Charakteristika der `typisch portugiesischen´ Dächer - die roten Rundziegel und die elegant geschwungenen Dachenden (beirais arebitados) - stammen aus Fernost. Dort fanden sie zuerst beim Bau der chinesischen Pagoden Verwendung. Die Araber liebten als Bodenbelag und Wandverzierung quadratische Tontafeln mit arabesken Mustern, wie man sie in Granada bewundern kann. Mehr in Spanien als in Portugal wurde die Kunst der Gestaltung von Kacheln dann weiterentwickelt, vor allem in der Provinz von Valencia. Ab etwa 1500 bezeichnete man alle Kacheln, unabhängig von ihrer Farbtönung, als azuleijos, ("Blaue") Über die mouros gelangten sie auf die iberische Halbinsel. Im 17. Jahrhundert wurden, samt dem massenweise aus China importierten Porzellan, die blau-weißen Muster der Keramikplatten in ganz Europa und dann auch in Brasilien modern.&lt;br /&gt;Léopold Senghor bezeichnete das Portugiesische einmal als uma língua civilizadora, eine zivilisierende Sprache. (BARBOZA, 1992, 305 f.) De facto war es die língua franca in Ostasien ebenso wie in Afrika und selbstredend in Portugiesisch Amerika.&lt;br /&gt;Als einem durch seinen langjährigen Aufenthalt in Brasilien des Portugiesischen kundigen Reisenden in Indonesien und 20 Jahre lang im fast täglichen Umgang mit Indonesiern von Sumatra bis Sulawesi, die zum Zweck der Postgraduierung nach Deutschland gekommen waren, fiel mir der deutliche Einfluß des Portugiesischen auf die indonesische Sprache auf. Die Bahasa Indonesia verwendet eine große Zahl von Lehnwörtern aus dem Portugiesischen wie z.B. cadeira (Stuhl), janela (Fenster), martelo (Hammer), meja (Tisch), porta (Tür) und tela (Leinwand).&lt;br /&gt;Das Portugiesische hat in ganz Asien deutliche Spuren hinterlassen. In Indien (es waren Freunde aus Tamilnadu, die mich darauf aufmerksam machten) - nicht etwa nur in Goa - sagen die Leute pau für Brot (pão), geredja für Kirche (igreja) und azócker für Zucker (açúcar).&lt;br /&gt;Auch die Portugiesen haben ihrerseits viele Wörter aus anderen Sprachen in die ihre integriert. Eine dieser Wörter stammen aus Afrika, China oder Amerika. Sie wurden von den Portugiesen absorbiert und gelangten durch diese wiederum in andere Sprachen z. B.:&lt;br /&gt;bambu, banana, bunda, cacá, cachimbo, caçula, caravana, chá/te, moleque, pagode, pipí, tabaco, tapioca, varanda.&lt;br /&gt;Der Einfluß des Portugiesischen auf die ostafrikanische língua franca - Suaheli - ist deutlich erkennbar, z.B. bei folgenden Wörtern:&lt;br /&gt;bas (ta)! (Genug! Schluß!), bendera (Flagge), sapatu (Sandale), vinio (Wein), geresa (Gefängnis - weil die Leute beim Gottesdienst mehr oder weniger hinter dem Zaun oder curral eingesperrt waren), mesa (Tisch).&lt;br /&gt;Stärker noch als auf die weitverbreitete Verkehrssprache im östlichen Afrika, Suaheli, ist der Einfluß des Portugiesischen auf das, im nördlichen Angola gängige, Kimbundu. Im Küstengebiet zwischen der Mündung des Rio Poderoso (Zaire) und Luanda, das (anders als das Hinterland, in dem Kikongo gesprochen wird) zum Sprachraum der Kimbundu gehört, spielten sich bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Geschäfte mit den Ovimbundu-Händlern - insbesondere der Sklavenhandel - und die Eroberungszüge der Portugiesen ab. Der über Jahrhunderte währende Kontakt zu den Lusitanern brachte es mit sich, daß besonders das Kimbundu stark von portugiesischen Entlehnungen durchsetzt ist, z. B. (HUTH, 1991, 21 ff.)&lt;br /&gt;kabalu - cavalo, kazaku - casaco, makina - máquina, ngalafa - garrafa, dilalanza - laranja, mbo - bom, finu - fin, mulatu - mulato. novu - novo.&lt;br /&gt;Das Kapverdische Crioulo ist aus dem anhaltenden Umgang einheimischer Fischer mit Portugiesen und westafrikanischen Sklaven hervorgegangen. Wörter wie&lt;br /&gt;sabe, pode, vive, diskubri (descobre), ki (que), ben (vem), talbes (talvez), duranti (durante), dirapenti (de repente), imbóra (embora), mésmu (mesmo), pasadu (pasado), purgunta (pergunta), raspósta (resposta), povu (povo), cusa (coisa), ténpu (tempo), raiba (ráiva), ricu (rico), pocu (pouco) oder tudu (tudo) sind ebenso anzutreffen wie kultura (cultura), momentu (momento), distinu (destino), dizenvolvimentu (desenvolvimento), kastigu (castigo), duenti (doente) etc. (PERL, 1989, 175 f.)&lt;br /&gt;In Sierra Leone wird ein lusitanisches Wort häufig benutzt: sabi (was von Wissen - saber - kommt und im Sinne von "weißt du, verstehst du, du verstehst doch" gebraucht wird.)&lt;br /&gt;Auf das Indonesische ist der Einfluß der portugiesischen Sprache besonders stark. Bestimmte Wörter wurden für die Umgangssprache adaptiert und dann in die Bahasa Indonesia aufgenommen:&lt;br /&gt;beranda - Balkon, biola - Viola, bola - Ball, bolu - Kuchen, boneka - Puppe, deposito - Bankguthaben, garpu - Gabel, geredja - Kirche, kaldu - Suppe, kedju - Käse, kemedja - Hemd, kopi - Kaffee, medja - Tisch, mentega - Butter, Minggu - Sonntag, Natal - Weihnachten, nota - Rechnung, pesta - Festa, roda - Rad, Sabdu - Samstag, sabun - Seife, saya - Rock, sekolah - Schule, selada - Salat, sepatu - Schuh, serdadu - Soldat, sigar - Zigarette, tempo - Zeit, tenda - Zelt, tinta - Tinte, tjebol - Zwiebel, toala - Handtuch, total - gänzlich.&lt;br /&gt;In den regionalen Dialekten finden sich zusätzlich zahlreiche Ausdrücke und Redewendungen, von denen hier einige wiedergegeben werden, z. B. aus der Region Menado:&lt;br /&gt;barko - Boot, batata - Kartoffel, buraco - schlechter Mensch, cadera - Stuhl, japeo - Hut, kintal - Garten, milu - Mais, pombo - Taube, tambor - Trommel. Aus Flores stammen: galo - Hahn, porta - Tür, semana - Woche, ué - na sowas! Domingu Ramu heißt dort noch heute der Palmsonntag. In der Region Jakarta benutzt man die Ausdrücke: batata - Kartoffeln, chatu - schlecht, geizig (aus dem Hebräischen?), matuh - Busch, mel - Honig, moler - Frau (Prostituierte), moska - Fliege, rabu - Schwanz.&lt;br /&gt;Es gibt eine große Anzahl von portugiesischen (und spanischen) Namen in Indonesien, auf den Philippinen, in Indien, Afrika und natürlich in Amerika, z.B.&lt;br /&gt;Albuquerque , Almeida, Alves, Amaral, Araujo, Barbosa, Barnabas, Baros (Barros). Bela, Belo, Borges, Braga, Braganza, Branco, Cabral, Carrascalao, Carvalho, Castro, Conceição, Correa, Cunha, da Gama, da Costa, da Silva, da Costa, de Cruz, de Jesus, de Souza/Sousa, Dias, Domingos, Fonseca, Fereira, Fernandes, Figueiredo, França, Francis, Freitas, Gomes/Gomez, Kandero, Leite, Lopes, Lobato, Machado, Manuel, Marques, Martins, Mascarenhas, Menezes, Mesquita, Modesto Rico Monteiro, Nascimento, Nogueiro, Nunes, Oliveira, Parera, Pereira, Pinto, Prudente, Quello (Coelho), Reis, Ribeiro, Rodrigues, Salsinha, Sanches, Sarmento, Soares, Tavares, Torres, Trindade, Vasconcellos, Viegas, Vieira, Villacorta, Viola, Ximenes.&lt;br /&gt;Auf meinen Reisen nach Afrika, in süd- und ostasiatische sowie in lateinamerikanische Länder stellte ich mit Erstaunen und zunehmender Bewunderung fest, in welchem Ausmaß die Portugiesen überall in der Welt die europäische Zivilisation ausgebreitet haben. In bezug auf Afrika bestätigte dies Léopold Senghor gegenüber Mario Gibson Barboza mit der Bemerkung: "Die Rolle Portugals in Afrika war außergewöhnlich als Faktor der Zivilisation." (BARBOZA, 1992, 306) Gleichermaßen trugen sie enorm zur Ausbreitung asiatischer, afrikanischer und lateinamerikanischer Muster, Sitten und Gebräuche (Kultur) bei, und dies nicht allein in der Metropole, in Europa, sondern weltweit. Auf diese Weise schufen die Kosmopoliten aus dem kleinen Portugal eine Art von luso-tropischer Zivilisation, die den ganzen Erdkreis umfaßt und die der postmodernen US-amerikanischen Coca Cola-Zivilisation nicht nachsteht. Daß die luso-tropische Zivilisation überall auf der Welt so gut und so schnell greifen konnte, ist vermutlich besonders darauf zurückzuführen, daß die Portugiesen ungewöhnlich kontakt- und anpassungsfähig sind und sich leicht mit anderen Rassen und Kulturen amalgamieren. Ich habe dies auf meinen Reisen immer wieder bestätigt gefunden: im gesamten südliche Afrika (und insbesondere in Angola) ebenso wie in Ost-Timor und natürlich an allen Ecken und Enden des brasilianischen "Subkontinents".&lt;br /&gt;Gilberto Freyre sagte, die Portugiesen besäßen die Fähigkeit, sich mit den Tropen durch Liebe und nicht lediglich durch Gewohnheit - wie dies bei anderen Nationen der Fall sei - zu verbinden. Es besteht kein Zweifel an der Vorliebe der Portugiesen für warme Länder, leuchtende Farben wie gelb, grün und rot, ebenso wie für dunkelhäutige Frauen. Zur Vorliebe tropischer Menschen für leuchtende Farben eine kleine Beobachtung: Als uns zu Ostern einmal eine afrikanische Familie besuchte, bot meine Frau den beiden Kindern aus Malawi gefärbte Eier zum Mitnehmen an. Es war faszinierend zu beobachten, wie unter den grünen, gelben, roten, violetten, blauen, orangefarbigen und rosa Ostereiern das Mädchen ein gelbes und der Junge ein rotes auswählten. Je farbenfroher, desto besser!&lt;br /&gt;Es gibt klare Gründe für die portugiesische tropicofilia infolge der Geschichte dieses kleinen Landes und des Großteils der iberischen peninsula, die seit eh und je ein Ort der Begegnung unterschiedlicher Kulturen bzw. Zivilisationen gewesen ist. Über Jahrhunderte waren weite Teile ihres Territoriums von den Arabern besetzt gewesen. Neben den Mauren befand sich auch eine große Zahl von Juden in Spanien und Portugal. Beide Gruppen übten einen starken Einfluß auf die iberische Lebensart, auf den Nationalcharakter, die Kultur, den Stil und die Mode der dort lebenden Völker aus. Geographisch zwischen Europa und Afrika gelegen - wo Afrika und Europa einander überlappen -, lassen die Menschen Iberiens eine klare Neigung zu "exotischen" Farben, Geschmäcken und Gerüchen erkennen, meinte Gilberto Freyre. Wie die Araber und die Juden gewohnt waren, häufig von einem Ort zum andern überzuwechseln - die Araber wegen ihrer nomadischen Traditionen und die Juden, weil man ihnen verweigerte, ein nationales Territorium zu besitzen - so seien auch die Iberer ungewöhnlich dynamisch, besonders jedoch die Portugiesen seien ein ungewöhnlich bewegliches Volk.&lt;br /&gt;Zusammengepfercht auf ihrem schmalen Streifen Land, das auf der einen Seite von Bergen, auf der anderen - finis terrae - vom Atlantik begrenzt wurde, litten die Lusos an einer profunden claustrophobia. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden sie zu Tropikalisten und suchten nach entfernten, tropisch-heißen Ländern, die sie in Indien, Brasilien, Afrika, dem chinesischen Macau und in Indonesien (Timor, Java, Flores, Makassar und auf anderen Inseln) fanden.&lt;br /&gt;Vor allem in Indonesien trug die Begegnung von malaysischen und europäischen Konzeptionen zu einem umfassenden emotionalen und intellektuellen Wandel auf beiden Seiten bei. Der indonesische Einfluß auf das portugiesische Denken sowie auf seine Kunst und Literatur war beträchtlich. Bei meinen Besuchen in Indonesien und im stetigen Umgang mit Indonesiern glaubte ich zu beobachten, daß auch der portugiesische Einfluß in Indonesien tiefgreifend war, und dies umso mehr, als auch die Indonesier für ihre bewundernswerte Gabe der Anpassung sowie der kulturellen Toleranz bekannt sind. Möglicherweise gibt es eine besondere Affinität zwischen Indonesiern und Portugiesen, die den Austausch fördert.&lt;br /&gt;Aber auch in Indien - in der Region Bombay und ganz speziell in Goa - verstanden es die Portugiesen, eine luso-tropische Zivilisation sich entwickeln zu lassen, die man heutzutage als Goan culture bezeichnet. Diese manifestiert sich in einem spezifischen Temperament, das vom convivium mit der römisch-katholischen Kirche und der Eigenart der portugiesischen Herren, die sich seit der Eroberung der Stadt durch den Kommandanten Afonso de Albuquerque im Jahre 1510 im Lande befanden, geprägt worden war. (PEREIRA, 1987, 64)&lt;br /&gt;Ich bin der Meinung, daß es die Portugiesen in einzigartiger Weise verstanden haben, eine Kultur, die wir mit Gilberto Freyre als luso-tropische Zivilisation bezeichnen, fruchtbar werden zu lassen. Als ein kleines, auf engem Raum zusammengedrängtes, Volk haben sie gewissermaßen ein Weltreich begründet und mittels ihrer Expansionspolitik eine neue Epoche eingeleitet und damit die Zukunft der Welt ganz entscheidend verändert.&lt;br /&gt;Als ich zum erstenmal die Strände des nordöstlichen Brasiliens mit den unzähligen Palmen und den prächtigen Kokosnüssen kennenlernte, wies man mich darauf hin, daß dort nichts als kahle Dünen zu sehen gewesen seien, als einst die ersten portugiesischen Seeleute dort erschienen waren. Danach habe man Palmen aus Südindien ins Land gebracht. Gabriel García Márquez berichtet dem Leser in seinem Roman El General en su labirinto, dass, zumindest im nordwestlichen Teil des Subkontinents, zur Zeit seines Helden Simon Bolivar Eucalyptus- und Mangobäume noch nicht eingeführt gewesen seien. Der Reis, der heute ein Grundnahrungsmittel in ganz Brasilien darstellt, stammt ebenso aus Indien wie die beliebte mangueira, die von den Portugiesen auch in Afrika eingeführt wurde. Die afrikanische fruta pão wiederum eroberte Brasilien. Die Bohnen (feijão), ohne welche die brasilianische Küche überhaupt nicht mehr vorstellbar wäre, wurde von Europa nach Brasilien verpflanzt. So wie die Portugiesen Bäume aus Asien nach Amerika und Afrika brachten, führten sie den Maniok in Afrika und Tomaten in Indonesien und den cashew-Baum (cajueiro) sowohl in Afrika als auch im Orient ein, espalhando lavoura und misturando os produtos. Auch nach Europa brachten sie `fremdländische Gehölze´ - Araukarien, Zypressen, Föhren, Lorbeerbäume, Zedern, Magnolien. Übrigens liebten die Portugiesen die Tomaten so sehr, daß es heute eine bekannte kulinarische Bezeichnung gibt, nämlich für eine bestimmte Art von Soße, die mit vielen gequirlten Tomaten zubereitet wird und recht rötlich aussieht: à la portugaise, à portuguesa! In Brasilien registrieren wir den Einfluß der afrikanischen Küche, die erst einmal durch die Küchen in Lissabon gegangen war, mit farofas, vatapás, caruru, mocotós etc. Die ursprünglich in Amazonien beheimateten amendoim, Erdnüsse, eroberten als peanuts, die man in Deutschland zuzeiten auch als "Burnüsse" bezeichnete, die ganze Welt. Wo immer wir heutzutage Orangen begegnen - ursprünglich kommen sie aus Spanien und Portugal, wo die Araber sie akklimatisierten. Auch den Kaffee haben die Portugiesen von den Arabern übernommen, die ihn ihrerseits aus Äthiopien, exakt aus der Provinz Kaffa, eingeführt haben . Heute gibt es einen weltweiten Markt mit tropischen Produkten wie z.B. Tee (chá da Índia, ein japanisches Wort, während the aus dem Chinesischen kommt). Dazu kommen Nelken, Tabak, Kakao, Erdnüsse, Papaya, Zitronen, Limonen, Mais und andere tropische Erzeugnisse, bei denen es mitunter schwierig ist, den eigentlichen Ursprungsort zu benennen. Es ist in der Hauptsache den Portugiesen mit ihrem internationalen Handel zu verdanken, daß wir die meisten dieser Dinge heute fast überall antreffen.&lt;br /&gt;Es war ein Franzose, Msr. Tavernier, der einmal bemerkte: "Der Portugiese hat ein besonderes Verdienst: Wo immer er hinkommt, tut er alles zum Nutzen derer, die später den Ort okkupieren, den er vorher selbst besetzt hat." - O Português tem este mérito: onde chega, faz qualquer coisa em benefício daqueles que venham no futuro ocupar o lugar por ele ocupado.&lt;br /&gt;"Em um naviu que se aparta, em longincuas rotas, quem sabe até onde e até quando, vae um pouco do territorio pátrio."&lt;br /&gt;Querino de Fonseca (Os Portugueses no Mar)&lt;br /&gt;Bibliographie&lt;br /&gt;Barboza, Mario Gibson, (1992), Na Diplomacia, o Traço Todo da Vida, de Janeiro Borges de Macedo, Jorge (1992) *O Mar e a História+, in Oceanos, e o Mar, Número 3, Lisboa, (Abril 1992) Braudel, Fernand (1992) *Chinesen, Araber ... hatte nur Europa eine ?+, in: Beck, Rainer (Hrsg.) (1492): Die Welt zur Zeit des - Ein Lesebuch - München 1992) Buschick, Richard (1930) Die Eroberung der Erde, Dreitausend Jahre Entdeckungsgeschichte, Leipzig. 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Spínola, António de (1974) Portugal e o Futuro, Análise da Conjuntura, Rio de Janeiro.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5379087874415930681?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5379087874415930681/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5379087874415930681' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5379087874415930681'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5379087874415930681'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/07/luso-tropische-welt.html' title='Luso-tropische Welt'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-5100102390763252374</id><published>2009-07-11T00:43:00.000-07:00</published><updated>2009-07-11T00:45:49.829-07:00</updated><title type='text'>Manifestationen eines grenzüberschreitenden liberalen Protestantismus</title><content type='html'>curriculum&lt;br /&gt;(Ich bin bereit, Lutherische Pfarrer in Brasilien 1897 - 1997, Im Auftrag des Martin-Luther-Vereins herausgegeben von Hans Roser und Rudolf Keller, MARTIN-LUTHER-VERLAG ERLANGEN 1997 ISBN 3-87513-112-6, S.138 f.)&lt;br /&gt;I. Tabellarischer Lebenslauf&lt;br /&gt;Heinz Friedrich Dressel, geb. 28. September 1929, getauft am 7. Oktober in Marktredwitz; 1936 - 1945 Volks- u. Berufsschule; 1944 Verwaltungslehre beim Landratsamt Rehau; 1945 nach Kriegsende Arbeit in einer Marktredwitzer Schreinerei; 1946 - 1952 Studium am Missions- und Diasporaseminar Neuendettelsau; Ordination am 5. Oktober 1952 in Marktredwitz, Dekanat Wunsiedel; Eheschließung mit der Hauswirtschaftsleiterin Ilse Wende am 6. September 1952 in Lauf/Pegnitz; 1952 - 1967 Pfarrer im Dienst der Evangelischen Kirche (Riograndenser Synode) in Brasilien: - 1952 - 1954 Pfarrer im neu gegründeten Pfarrbezirk Pratos, Kirchenkreis Santa Rosa; - 1954 - 1957 Pfarrer in Crissiumal, Kirchenkreis Santa Rosa, Mitglied des Vorstands des neu gegründeten Pfarrerbundes und Schriftleiter des Korrespondenzblattes; - 1957 - 1967 Pfarrer in Dois Irmãos, Kirchenkreis São Leopoldo, Kreisvorsteher, Mitglied der Theologischen Kommission der Riograndenser Synode, Vorsitzender der Theologischen Kommission des Bundes der Synoden (BdS), Mitglied der Prüfungskommission des BdS zum 2. theol. Examen, Direktor des Centro Rural Dr. Albert Schweitzer in Boa Vista do Herval, nebenamtlich Englischlehrer am Staatlichen Gymnasium Dois Irmãos; - 1967 Berufung zum Leiter des Predigerseminars und Pastoralkollegs in Araras, Rio de Janeiro; 1968 Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in der Gethsemane-Gemeinde Frankfurt am Main, Vorstandsmitglied der Hauptgruppe des Gustav-Adolf-Werks Frankfurt/M; 1972 - 1992 Leiter des Ökumenischen Studienwerks e. V. Bochum; Ab 1. 10. 1992 Ruhestand in Nürnberg.&lt;br /&gt;II. Im Dienste der Diaspora- und Ökumene&lt;br /&gt;Im Juli 1952 legte ich am Missionsseminar Neuendettelsau das Abschlußexamen ab. Nachdem im Direktorium die Entscheidung gefallen war, mich nach Brasilien zu entsenden, hatte ich mir beim Kirchlichen Außenamt die Verwendung in der Riograndenser Synode, die als theologisch offen galt, ausbedungen. Am 12. Oktober 1952 fand in der St. Johanniskirche zu Lauf a. d. Pegnitz die "Aussegnung", zusammen mit Johannes Knoch statt; darauf folgte ab Hamburg die Ausreise mit dem französischen Dampfer "Louis Lumiere".&lt;br /&gt;Die Periode des Übergangs vom Alten zum Neuen in den 50er und 60er Jahren im Dienste des "Sínodo Riograndense" war sowohl politisch als auch kirchenpolitisch eine außerordentlich spannende Zeit. Von ihrem Selbstverständnis und ihrer Bewusstseinslage her befanden sich Gemeindeglieder und Pfarrer der Synode noch mitten in der "Nachkriegszeit", in der das Trauma fortwirkte, welches die staatlichen Repressionsmaßnahmen gegenüber allem "Deutschen" bei den Deutschbrasilianern bewirkt hatten. Dass mit dem Ende des "Dritten Reiches" auch für die Evangelische Kirche in Brasilien eine neue Epoche begonnen hatte, war damals den wenigsten klar; vielmehr machte man sich nach Art des gewohnten "Traditionsprotestantismus" recht unreflektiert an die Fortsetzung dessen, was diese Kirche hundert Jahre lang für die Menschen bedeutet hatte, und knüpfte wie selbstverständlich an die vorgegebene Tradition der "Bedienungsgemeinde" an, in der es üblich war, sich bei entsprechenden Anlässen durch die Amtshandlungen vom Pfarrer bedienen zu lassen.&lt;br /&gt;Als ich Ende 1952 den Dienst in Rio Grande do Sul aufnahm, war noch auf Schritt und Tritt das Trauma der Jahre 1939 - 1946 zu verspüren, der Zeit, von der P. Ernesto Th. Schlieper in einem wegweisenden Vortrag "Über das Bekennen der Kirche" 1948 gesprochen hatte. Er beschrieb die Synode jener Jahre, zwar liebevoll, jedoch mit so deutlichen Worten, wie sie im Raum der Riograndenser Synode nie zuvor vernommen worden waren, als "eine Kirche, die wirklich eine kleine, in jeder Hinsicht bescheidene und unselbständige Kirche ist; die etwa hundert Pfarrer zählt, die ihr ausnahmslos von der Mutterkirche zugewiesen wurden", und scheute sich nicht, vom "großen Versagen der Synode", zu sprechen und freimütig zu bemerken: "Das Christentum unserer Gemeinden ist in weitem Maße ein naiv-säkulares Christentum". Nun aber gelte es, der Verkündigung neue Impulse zu geben und auf die Gewinnung der Fernstehenden hinzuarbeiten, "auf daß unsere Gemeinden wirklich Kirchengemeinden werden." Mit dem Ende der Riograndenser Synode zu Ausgang der 60er Jahre ging die ererbte Art von "Kirchentum" langsam dem Ende zu, um schließlich mit Beginn der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLB), einem neuen Typus von Kirchlichkeit Platz zu machen. Dieser war dann nicht mehr nur auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse ausgerichtet, sondern besaß einen missionarischen Impuls, der nicht nur die Errichtung neuer Gemeinden in Mato Grosso oder Amazonien, sondern einen rasanten Integrationsprozeß auch in Bezug auf die "brasilianische Wirklichkeit" überhaupt in Bewegung setzte.&lt;br /&gt;Als junger Pfarrer wusste ich mich eingebunden in einen freisinnigen Protestantismus, der in seiner Zuwendung zur Welt meinem fränkischen Freiheitssinn und Realismus entsprach. Neben Albert Schweitzer, der mich theologisch stark geprägt hatte, war für mich Friedrich Naumann so etwas wie eine "Leitfigur". Mit seinem sozialen und politischen Engagement hatte er mir für meine pfarramtliche Praxis, gerade in einem Land wie Brasilien, entscheidende Impulse vermittelt. Politisch sozial-liberal gesinnt, bewegte ich mich "zwischen Kapitalismus und Sozialismus", ohne mich einem der beiden Extreme zu verschreiben. Im Pfarramt vertrat ich nicht eine eng gefaßte lutherische "Zweireichelehre", die es der Kirche jahrhundertelang verwehrt hatte, den Kampf um die Weltgestaltung aufzunehmen, sondern hielt es im Sinne meiner theologischen Vorbilder geradezu für erstrebenswert, dass Glaube und Politik sich gegenseitig durchdrangen. In der täglichen Praxis des brasilianischen Pfarramts begann ich mehr und mehr die imaginären Grenzen zwischen dem "Reich der Kirche" und dem "Reich der Welt" zu überschreiten, um ohne theologische Skrupel an der Gestaltung einer "besseren Welt", so dachten wir mit unserem protestantischen "Fortschrittsglauben" oder mit unserem "desarrollismo" (wie man ihn später zu apostrophieren pflegte), an der "Entwicklung" des Landes mitzuarbeiten. Dies führte mich auch direkt in die brasilianische "Politik" und brachte mich mit den unterschiedlichsten Politikern in Berührung, von denen übrigens die evangelische Kirche lange Zeit offiziell kaum Notiz nahm. Im Brasilien der 50er Jahre wurde man fast von allein zum "Pionier auf jedem Gebiet, das man bearbeiten wollte", und begriff bald - um es mit Vilém Flusser zu sagen - "dass es geradezu eine Gemeinheit gewesen wäre, sich nicht zu engagieren."&lt;br /&gt;Präses Dohms hatte die jungen Pfarrersleute aus Deutschland in den neu errichteten Pfarrbezirk Pratos, Distrikt Tucunduva - der insgesamt ca. 250 Mitglieder zählte - entsandt. Dieser Distrikt im äußersten Nordosten des damals weit ausgedehnten Munizips Santa Rosa galt bis in die Kriegsjahre hinein als "Neusiedlungsgebiet". Erst 1936/37 erfolgte eine nennenswerte Besiedlung durch russische, polnische, italienische und deutschstämmige Kolonisten. In einem Streifen von ca. 50 km zog sich zu beiden Seiten des Uruguay-Flusses ein fast undurchdringlicher Waldgürtel hin. Die Ortschaft Pratos war nur ein paar hundert Meter von der argentinischen Grenze entfernt.&lt;br /&gt;Mir war es beschieden, zur Jahreswende 1952/53, sozusagen als boi de peixe die Arbeit im nunmehr "selbständigen" Pfarrbezirk zu beginnen. Den "boi de peixe" pflegte man als ersten Ochsen einer Rinderherde ins Wasser eines Flusses zu treiben, um die piranhas abzulenken, damit der Rest der Herde unbehelligt durch den Fluß gelangen konnte. Es galt in erster Linie schwierige Aufbauarbeit in den 5 Gemeinden der Pfarrei zu leisten: Es hieß, die Gemeinden und ihre Vorsteher für die Übernahme gemeinschaftlicher Verantwortung in der Parochie Pratos zu gewinnen und eine "Pfarrbezirksordnung" unter Dach und Fach zu bringen, den Finanzhaushalt des neuen Pfarrbezirks und die völlig unzureichenden Finanzen der Gemeinden zu sanieren, die Schulaufsicht über zwei Gemeindeschulen auszuüben, eine Gruppe der Frauenhilfe und einen Jugendkreis zu gründen sowie - nicht zuletzt - die Motorisierung des Pfarrers zu forcieren. 1953 wurde im Hospital von Tuparendi unser Sohn Ulrich geboren. Auf ökonomischen Problemen beruhende Unstimmigkeiten unter den Gemeinden ließen es ratsam erscheinen, nach knapp zwei Jahren die Pfarrstelle zu wechseln, um dem Bezirk die Anstellung eines weniger kostspieligen Junggesellen als Amtsnachfolger zu ermöglichen.&lt;br /&gt;Der Aufzug in der Pfarrei Crissiumal fand am 3. September 1954 statt. 1936 waren die ersten Landkäufer aus der "alten Kolonie" in jene abgelegene Gegend gekommen. Seit 1943 war Crissiumal ein selbständiger Pfarrbezirk. Zu ihm gehörten 13 Filialgemeinden. In einer derart ausgedehnten Pfarrei, die einen auch physisch bis an die Grenze des Erträglichen forderte, bot die Rundfunkarbeit eine ideale Möglichkeit, die Kolonisten in ihren weit abgelegenen Weilern regelmäßig mit der Predigt des Evangeliums zu erreichen. Am Karfreitag 1955 begannen für den Pfarrer von Crissiumal die zuvor im Studio des Radio Colonial Ltda. Tres Passos aufgenommenen sonn- und feiertäglichen Rundfunkgottesdienste. Die stillen Nachtstunden ermöglichten kontinuierliche wissenschaftliche Studien und eine stetige literarische Tätigkeit, zu deren Früchten ein Beitrag in Hans-Werner Bartschs bekannter Reihe Kerygma und Mythos gehörte, in deren IV. Band - Die oekumenische Diskussion - ich zur Frage der Entmythologisierung aus der Sicht der "konsequent-eschatologischen Schule" Stellung genommen hatte (1955). Im Mai 1956 wurde im Hospital von Crissiumal unser zweiter Sohn geboren.&lt;br /&gt;1956 wurde ich Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Pfarrerbundes sowie Schriftleiter des von diesem herausgegebenen Korrespondenzblattes. Damals ergriffen zwei Synodalkreise unabhängig von einander die Initiative zur Gründung einer Standesvertretung der Pfarrer innerhalb des Bundes der Synoden (BdS). Überall wurde der fehlende kollegiale Zusammenhalt bedauert. Die durch geographische und räumliche Bedingungen gegebene Isolierung mancher Amtsbrüder machte sie zu Einzelkämpfern. Geistig und theologisch fühlte sich ein großer Teil der Kollegenschaft "im Exil". Der Pfarrerverein sollte sich auf alle dem Bund der Synoden angehörenden Pfarrer erstrecken, der Förderung im Beruf und der Vertretung der Standesinteressen dienen. Die erste Nummer des "Korrespondenzblattes" erschien im November 1956. Auf der Titelseite fand sich als Motto in einem großen Kasten Reinhold Niebuhrs Gebet: "Gib mit die Abgeklärtheit hinzunehmen, was nicht zu ändern ist. Gib mir den Mut, zu ändern, was zu ändern ist, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden."&lt;br /&gt;Nummer 2 vom Januar 1957 enthielt einen Leitartikel aus meiner Feder: Die Diasporapfarrer als "clerus minor", der sich auf einen Artikel OKR Schröders bezog. Über P. Grottke aus Neuendettelsau war bald darauf zu erfahren: "In Erlangen lag Deine Stellungnahme in Nr. 2 vor. Ich bemerkte, daß sie stark beachtet wurde." Die Frage nach der Rechtsstellung der `Neuendettelsauer´ und `Ilsenburger´ beunruhigte seinerzeit die Betroffenen hüben und drüben ganz erheblich. Zu Beginn der 60er Jahre begannen sich die entsprechenden Vorstöße aus den späten 50er Jahren hinsichtlich der Rechtsstellung der vom Kirchlichen Außenamt auf Lebenszeit nach Brasilien entsandten Pastoren dann kirchenrechtlich und praktisch auszuwirken. So wurde den Betreffenden ab 1962 die Ablegung des 2. theologischen Examens ermöglicht. Das Grundproblem war damit gelöst.&lt;br /&gt;Ein anderer Schwerpunkt galt der Bewusstmachung der wirtschaftlichen Not in den Pfarrhäusern. Auch hier wurde im Laufe der Jahre Linderung geschaffen. Das Korrespondenzblatt trug wesentlich dazu bei, daß der Pfarrerbund auch gehört wurde. Dieser verschaffte sich zwar nicht nur durch das Blatt Gehör, ganz entscheidend jedoch gerade durch das Blatt. Dieses konnte Beiträge zahlreicher Autoren zu Fragen der Kirchenordnung, des Pfarrerrechts, der Praktischen Theologie, der Diakonie, der Kirchen- und Schulpolitik wie auch theologische Referate und Abhandlungen, z. B. zur Frage der Christologie, veröffentlichen.&lt;br /&gt;Zu meiner Überraschung erhielt ich durch Präses Gottschald einen Ruf in die Gemeinde Dois Irmãos, Munizip São Leopoldo. Die Nähe zum "Spiegelberg" wo sich die Synodalleitung das Proseminar, das Colégio Sínodal, die Schriftenzentrale und die Theologische Schule samt einer einigermaßen gut ausgestatteten Bibliothek befanden, würde mir bei meine theologisch-wissenschaftlichen Arbeit förderlich sein, begründete Gottschald die Einladung. So trafen wir am 6.8.57 in Dois Irmãos ein. Der Pfarrbezirk umfaßte 6 Gemeinden im sogenannten alten deutschen Koloniegebiet. In einer mit Hilfe des Martin-Luther Vereins publizierten Arbeit habe ich später die Region detailliert beschrieben: DER DEUTSCHBRASILIANISCHE KOLONIST IM ALTEN SIEDLUNGSGEBIET VON SÃO LEOPOLDO, Rio Grande do Sul, Eine soziologische Studie unter besonderer Berücksichtigung von Dois Irmãos, Neuendettelsau 1967. Im Januar 1962 wurde in Dois Irmãos unsere Tochter Helga geboren.&lt;br /&gt;1957 wurde ich durch die 52. Synodalversammlung zum Mitglied der theologischen Kommission berufen. Von der 55. Synodalversammlung wurde ich, wiederum für vier Jahre, in dieser Funktion bestätigt. Im Laufe der Jahre beschäftigte sich die Kommission u. a. mit der Frage nach dem rechten Verständnis der Ordination, mit dem Problem der Bekenntnisgrundlage der Riograndenser Synode und mit dem sehr praktischen Thema der Ordnung des kirchlichen Lebens. Als die Theologische Kommission später zu einer Kommission der EKLB geworden war - deren Vorsitz ich später innehatte- , befaßte sie sich auch intensiv mit der Frage der christlichen Verantwortung für die Welt. Sozialethische Fragen wurden damals immer dringlicher. Alle möglichen Denominationen hatten bereits rein biblizistische oder opportunistische Voten abgegeben. Wir wollten innerhalb der Confederação Evangélica ein grundsätzliches Wort sagen, jedoch erst einmal die Basis klären, von der aus überhaupt geredet und geurteilt werden konnte. 1959 wurde ich durch die Kreisversammlung des Synodalkreises São Leopoldo zum Kreisvorsteher des Kirchenkreises São Leopoldo gewählt. 1965 zum Mitglied der Prüfungskommission zum 2. theologischen Examen berufen, oblag mir die Beurteilung von Predigten und Katechesen der Kandidaten zum 2. theol. Examen. Als Prüfer in Liturgik wirkte ich bei der mündlichen Prüfung mit.&lt;br /&gt;1963 begann unter der Leitung von Pfr. Oskar Lützow die Arbeit der Evangelischen Akademie mit dem Ziel, den Gemeindegliedern bei der Auseinandersetzung mit einer sich wandelnden Welt Orientierungshilfe aus der Sicht des Evangeliums zu leisten. Zunächst ging es darum, die Gemeinden anzusprechen und deren Angelegenheiten, z. B. die Gestaltung des Gottesdienstes ohne "kirchenregimentlichen" Druck, mit ihnen in aller Freiheit zu diskutieren. Später kamen im Gespräch mit Pfarrern und Gemeindevorstehern delikatere Dinge, z. B. Strukturfragen der Kirche, hinzu. Generell wurde angestrebt, möglichst viel Begegnung zuwege zu bringen: Begegnung von Glaube und Wissenschaft, von akademischer Theologie und Gemeindeglauben, von insidern und Randsiedlern der Kirche, von Kirchengemeinde und Bürgergemeinde, von Kirche und Staat, von Bürgern und Politikern, Begegnung über Kirchen- und Konfessionsgrenzen aber auch über die Landesgrenzen hinaus.&lt;br /&gt;Lützow und ich haben von Anbeginn an eng zusammengearbeitet In verschiedenen riograndenser Gemeinden, aber auch in La Paz und Lima, bestritten wir zusammen einige Tagungen unter dem Thema Der Mensch zwischen Wissenschaft und Glauben. Mir kamen dabei eine themenbezogene Predigt im Gottesdienst sowie ein Referat - "Naturwissenschaft und christlicher Glaube" - in deutscher oder portugiesischer Sprache zu. In Porto Alegre übernahm ich in der Vortragsreihe Profile zeitgemäßer evangelischer Theologie die Präsentation Rudolf Bultmanns. Im Rahmen einer Theologischen Arbeitsgemeinschaft, in der das Gespräch innerhalb einer theologisch recht unterschiedlich geprägten Pfarrerschaft gepflegt werden sollte, übernahm ich einmal ein Referat zum Thema "Vernunft und Offenbarung", ein andermal zum Thema "Vernunft und Wunderfrage".&lt;br /&gt;Rio Grande do Sul war in den 60er Jahren noch zu zwei Dritteln Agrargebiet. Die Gemeindeglieder waren überwiegend ländlich geprägt. Dem Akademiepfarrer ging es auf diesem Hintergrund einerseits darum, die Gesamtkirche für die Belange der bäuerlichen Bevölkerung zu interessieren, während zum andern die Betroffenen selbst angeleitet werden sollten, ihre Lage zu erkennen, um gangbare Lösungen ins Auge fassen zu können und der zumindest auch ein Stück weit "selbstverschuldeten" Unmündigkeit, in der sie subsistierten, zu entrinnen. Die Akademiearbeit war Aufklärung, iluminação, in Reinkultur, Aufklärung jedoch, die nicht bei der "Nabelschau" stehen bleiben wollte, sondern die Menschen zu sozialer Verantwortung und Engagement anhielt, getrieben vom Evangelium, nicht von einem ideologisch bestimmten Aktivismus und Immediatismus. Im Verlauf gemeinsamen Reflektierens kamen wir auf die Idee, es einmal nach dem Muster der Evangelischen Bauerntage, wie es sie im Schoße der bayerischen Landeskirche, auf dem Hesselberg, seit Jahren gab, zu versuchen. Insgesamt wurden fünf solcher Bauerntage im Pfarrbezirk Dois Irmãos abgehalten.&lt;br /&gt;Das Bemühen um eine immer konkretere Präsenz der Kirche und damit um ein immer intensiveres Zeugnis der Zuwendung Gottes zu den Menschen führte zur Gründung des Centro Rural Dr. Albert Schweitzer in Boa Vista do Herval, wo 1966 die Arbeit aufgenommen werden konnte. Die Grundidee, die zur Errichtung des Landwirtschaftszentrums geführt hatte, war der Gedanke der Rural Extension als Instrument zur Vermittlung fachlichen Wissens, sozusagen ein Programm zur geistigen und technischen Aufforstung der Landbevölkerung. Der Begriff Rural Extension umschließt sowohl Bildung als auch Ausbildung der Landbevölkerung, und dies auf allen nur denkbaren Gebieten, wie: Landwirtschaftliche Technik, Hauswirtschaft, Hygiene und Erziehung zum Gemeinschaftsleben (was man auch als Politik im eigentlichen Sinne des Wortes bezeichnen könnte). Eine weitere Idee, die bei der Gründung des Landwirtschaftszentrums Pate stand, war die, daß eine evangelische Landgemeinde auch aus Gründen der religiösen Erziehung und des kirchlichen Zusammenhalts ein Zentrum brauchte in dem eine umfassende religiöse und menschliche Bildung sowie die Pflege christlichen Gemeinschaftslebens ein Stätte haben würde.&lt;br /&gt;1965 nahm ich zusammen mit Präses Gottschald, Oskar Lützow, Dr. Harding Meyer und anderen Amtsbrüdern an einer theologischen Tagung der Missourisynode im Concordiaseminar Porto Alegre teil. Dies war ein Anfang in Richtung auf eine stärkere Integration der beiden lutherisch geprägten Kirchen Brasiliens hin, die sich dann u. a. 1967 in einer gemeinsamen - "Consulta de Diaconia e Ação Social de Igrejas Luteranas do Brasil manifestierte. Ich hielt dabei das Einführungsreferat über das Thema A Realidade Sócio-econômica e cultural na Zona Rural.&lt;br /&gt;Auf Bitten des Kirchenpräsidenten D. Ernst Schlieper hatte ich zu Beginn des Jahres 1967 zugesagt, die Leitung des Predigerseminars und Pastoralkollegs der EKLB in Araras, Rio de Janeiro zu übernehmen und mich dort sogleich um die stockenden Bauarbeiten zu kümmern. Während unseres Deutschlandurlaubs im Sommer 1967 sollte u. a. die Beschaffung von Büchern für die Seminarbibliothek betrieben werden. Kaum in der Bundesrepublik angekommen, erreichte mich jedoch ein Brief D. Schliepers, dem zu entnehmen war, dass der Rat der EKLB die Berufung aufgrund meiner Ende 1966 in Bern erschienenen christologischen Studie KRISE UND NEUANSATZ DER CHRISTOLOGIE, zurückgenommen habe. In Anbetracht der Haltung des Rates der EKLB stellte ich den Antrag auf Rückkehr.&lt;br /&gt;Mit Wirkung vom 16.1.1968 wurde ich Pfarrer der EKHN und übernahm den 2. Bezirk der Gethsemanegemeinde in Frankfurt am Main. Ohne Frage stellte die neue Tätigkeit just zu Beginn der Studentenrebellion eine Herausforderung dar, die mich ebenso reizte und mir ebenso viel Freude machte, wie die Predigtarbeit in einer weltoffenen Stadt, in der Martin Rade einst an der Paulskirche und Friedrich Naumann als Vereinsgeistlicher des "Vereins für Innere Mission" gewirkt hatten. Ich kam nach Frankfurt am Beginn jener Jahre, die den Anstoß brachten, gerade die jüngere Generation mit ihrem Drang nach Neuerung und Öffnung der Kirche für die Aufgaben einer sich schnell wandelnden Welt ernster zu nehmen als je zuvor. Bei meinem Amtsantritt hatte ich klar ausgesprochen, dass ich das Amt des Pfarrers als eine Berufung "zum Bau des Ganzen", zu einem umfassenden "Dienst an der Gesellschaft im weitesten Sinn" verstand. Was in den Gottesdiensten der Gethsemane-Gemeinde erprobt werden konnte, geschah in dem Bemühen, durch gewohnte Formeln hindurch den Menschen aus der Vereinzelung inmitten einer nur feiertäglich geschmückten "Sonntagswelt" herauszuholen und ihn zurückzuführen zum bewussten Dienst aneinander und in einer Welt, die insgesamt der Hilfe bedurfte.&lt;br /&gt;Die Brasilienerfahrung floß einerseits in die Gemeindearbeit mit ein, andererseits führte sie mich auch darüber hinaus. Auf der Lateinamerikanischen Arbeitskonferenz unter dem Thema "El futuro del protestantismo latinoamericano y la estrategia del Consejo Mundial de Iglesias", die im Juli 1969 beim WCC Genf stattfand, hatte ich ein Referat unter dem Thema "Historia e Problemas das Igrejas de Imigração" übernommen und dabei 4 Probleme besonders herausgestellt: 1) Das Problem der Bewusstseinsbildung in der Mitarbeiterschaft der Kirchen, angefangen bei den Pastoren. Es gelte die Devise: "Wer seine Welt nicht kennt, kann nicht verantwortlich planen und handeln" 2) Die Integration und Akkulturation der Menschen in den ländlichen Regionen müsse vorangetrieben werden, um diese vor der völligen Degeneration zu bewahren. 3) In "unterentwickelten" Gebieten genüge die Predigt des Evangeliums nicht. Es bedürfe der sozialen Assistenz, welche die Predigt begleiten oder dieser sogar vorausgehen müsse. Es müsse deutlich werden, daß es nicht nur "consolo espiritual" - geistlichen Trost - gebe, sondern ebenso "amor prático ao necessitado" - Liebe zum bedürftigen Nächsten. Die Kirche habe sich darüber hinaus nach Kräften einzusetzen und soziale Gerechtigkeit für ganz Lateinamerika zu reklamieren. Dies dürfe nicht als opus alienum oder "Politisierung der Kirche" abgetan werden. 4) Die Kirche benötige Personal, jedoch nicht, um den status quo zu bewahren, sondern um geistlich und diakonisch in die Gesellschaft hineinzuwirken. Dazu sei auch eine grundlegende Erneuerung des Finanzsystems der EKLB vonnöten: Der Reiche zahle dort traditionell nicht mehr als der Arme. Die Frage sei erlaubt: "Hat sich die evangelische Kirche mit den Reichen verbunden", wie einst die römische Kirche? Hier müsse die "soziale Revolution" innerhalb der Kirchen anfangen! Auch in dieser Hinsicht sei Bewusstseinsbildung nötig. Schließlich sei auf eine sinnvolle Änderung der theologischen Ausbildung hinzuwirken: Soziologie, Politologie, ökumenische Theologie, lokale Kirchengeschichte müßten in das curriculum einbezogen werden. Mit Exegese und Dogmatik allein sei man der lateinamerikanischen Wirklichkeit so wenig gewachsen wie der deutschen!&lt;br /&gt;Die Berufung in das Ökumenische Studienwerk e. V. Bochum führte mich von 1972 - 1992 in die ökumenische Bildungsarbeit, die zugleich Besuche in zahlreichen Ländern Süd- und Mittelamerikas, der Karibik, des afrikanischen Kontinents sowie Ost- und Südostasiens beinhaltete, bei denen auf der einen Seite die bisherige Auslandserfahrung zum Tragen kam und auf der anderen Seite sich der ökumenische Erfahrungshorizont zum Wohle der uns anvertrauten Stipendiaten aus Übersee kontinuierlich erweiterte. Der objektive Ertrag oder die subjektive Wirkung dieses weltweiten Dienstes läßt sich statistisch kaum verifizieren und schon gar nicht quantifizieren. Immerhin deutet das unvermutete Echo aus dem Munde eines früheren Stipendiaten auf profunde Effekte hin: "Sie mögen es vielleicht nicht glauben, aber tatsächlich hat Ihr Christentum im allgemeinen und Ihr Luther im besonderen, unser Leben stark beeinflußt. Die ökumenische Erfahrung, das convivium mit Personen anderen Glaubens, ist eine Erfahrung gewesen, die bewirkte, daß wir uns als menschliche Wesen glücklicher fühlten. Es hat uns motiviert, weiterhin für eine bessere Welt zu kämpfen. Kämpfen heißt nicht etwa mit Waffen oder durch Gewaltanwendung zu kämpfen, sondern eine starke humanistische Motivation zu haben. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Wir glauben, daß die Erfahrung Christi es wert ist, wiederholt und auf sich genommen zu werden."&lt;br /&gt;Der Ruhestand in Nürnberg ermöglichte dem Emeritus neben dem ehrenamtlichen Engagement für die südbrasilianische Regionaluniversität UNIJUÍ - das ihn sogar in einige Universitäten Rußlands führte - und der Mitarbeit beim Nürnberger Menschenrechtezentrum - Dokumentation- und Informationszentrum Menschenrechte in Lateinamerika (MRZ/DIML) die Verwirklichung lange zurückgestellter literarischer Projekte wie die jüngsten Veröffentlichungen zu Lateinamerika: BRASILIEN - VON GETÚLIO BIS ITAMAR Vier Jahrzehnte erlebter Geschichte, ELA-Edition Lateinamerika ISBN 3-929044-04-8 (1995) 39,80 DM- wovon 1997 bei Editora UNIJUÍ auch eine brasilianische Ausgabe erschien: Brasil de Getúlio a Itamar, Quatro Décadas de História Vivida ISBN 85-85866-39-x (R$ 25,00) - sowie KIRCHE UND FLÜCHTLINGE, Das Flüchtlingsprogram des Ökumenischen Studienwerks e.V. Bochum, FDL-Verlag Augsburg, ISBN 3-922740-19-7 (1996) DM 38.- und der Reseña de TORTURA NUNCA MAIS: DOSSIER DOS MORTOS E DESAPARECIDOS POLÍTICOS A PARTIR DE 1964, memoria, Revista del Centro de Derechos Humanos de 8/1996, pg. 51 ff., die sich zu früheren Veröffentlichungen hinzugesellen, unter denen besonders herausragen: DAS REICHE LAND DER ARMEN, BRASILIEN - HEUTE UND MORGEN, Freimund Verlag Neuendettelsau, 1971; VERFOLGT UM DER GERECHTIGKEIT WILLEN, DER KONFLIKT ZWISCHEN STAAT UND KIRCHE IN LATEINAMERIKA, Freimund Verlag Neuendettelsau, 1979; Anuário, Jahrbuch für Bildung, Gesellschaft und Politik in Lateinamerika, Münster 6/1981, DIALOG MIT DEM ANDEREN BRASILIEN, S.225 ff.; Anuário, Jahrbuch für Bildung, Gesellschaft und Politik in Lateinamerika, Münster 12/1984, NICARAGUA 1984 - EXPORT DER REVOLUTION ODER IMPORT DES KRIEGES? (Reisebericht und Interviews), S.219 ff.&lt;br /&gt;ANHANG&lt;br /&gt;Aus den Nürnberger Jahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Februar 1994 konnte ich mit meiner Frau Ilse eine Reise nach Olinda/Recife zu unserem Sohn Ulrich unternehmen. Dort lernten wir dann Ulis pernambukanische Frau, Vera de Sena, kennen. Vom Gästeapartment unserer früheren Stipendiatenfamilie Barros aus, konnten wir allerlei Abstecher in die Umgebung machen. Ich traf alte Freunde, wie D. Helder Câmara, Miguel Arraes, Paulo Cavalcanti, Armando Souto Maior und Familie Barbosa wieder.&lt;br /&gt;Im Juni 1995 unternahm ich im Auftrag von FIDENE / UNIJUÍ zusammen mit dem Rektor der UNIJUÍ, Dr. Walter Frantz, der als ÖSW-Stipendiat in Münster promoviert hatte, eine Reise, die uns zu den Universitäten von Birmingham, Umea, Stockholm über Helsinki nach Moskau, Kazan und St. Petersburg führte.&lt;br /&gt;Im November 1995 reiste ich mitmeiner Frau Ilse über Paris nach Ijuí / RGS, wohin unsere Kinder aus Olinda-Pe inzwischen umgezogen waren. Dort kamen wieder einige akademische Aufgabn auf mich zu, es blieb jedoch genügend Zeit für Ausflüge nach São Borja, wo wir u. a. die Grabstätten von Getúlio Vargas, dessen Sohn Lutéro Vargas und João Goulart besuchten. Auf der serra besuchten wir die altvertrauten Städte Santo. Angelo, Cruz Alta und Panambi nach vielen Jahren wieder. Von São Leopoldo aus, wo wir uns der Gastfreundschaft unserer alten Freunden Dr. Joachim und Ingrid Fischer erfreuten, konnten wir auch einen Abstecher nach Dois Irmãos machen und außerdem in Porto Alegre liebe Freunde treffen, u. a. bemerkenswerterweise, vor dem Abflug nach Rio, den einstigen Flüchtlingsstipendiaten Jaime Rodrigues, Architekt im Dienste der Prefeitura de Porto Alegre.&lt;br /&gt;Im Januar 2000 trat ich eine Reise an, die mich über Brasilien auch nach Argentinien und Paraguay führte. In Buenos Aires hielt ich mich vom 22.- 26., in Asunción vom 26.- 30. Januar auf. Anschließend ging es über Rio nach Recife, wo ich zu meiner Freude am 12. Februar in der Igreja de Casa Forte die Taufe unserer Enkeltochter Tainá vornehmen konnte. Padre Edwaldo, ein Verehrer D. Hélders, hatte mir - grandeza pernambucana ! - freundlicherweise seine Kirche für eine lutherische Taufe zur Verfügung gestellt. Als Text meiner Ansprache hatte ich das Psalmwort ausgewählt: „Graças te dou, visto que por modo assombrosamente maravilhoso me formaste; as tuas obras são admiráveis, e a minha alma o sabe muito bem." (Salmo 139/14) Über Lissabon (16.2.2000) ging es aus den trópicos zurück in den inverno alemão.&lt;br /&gt;2001 unternahm ich erneut eine Reise nach Südamerika, vor allem, um vertiefte Studien im Blick auf die Herausgabe meines Buches BRASILIEN 500x zu betreiben, insbesondere zum Kapitel cultura negra incl. Candomblé.&lt;br /&gt;In Recife konnte ich an dem feierlichen Akt aus Anlass des 40. Jubiläums des Instituto de Filosofia der UFPE teilnehmen. Die ehrenvolle Erwähnung meines Namens und Bezuges zum Dep. de História durch den Rektor war keine geringe Überraschung und eine Genugtuung. Im Jahre 1972 hatte ich die Ehre gehabt, den ersten Kontakt zwischen dem Ökumenischen Studienwerk Bochum und der Abteilung für Geschichte an der Bundesuniversität von Pernambuco herzustellen. Umso größer war denn auch die Freude, zur Eröffnung eines Postgraduierungskurses der UFPE für evangelische Theologen mit einer Einführungsvorlesung eingeladen zu werden. Das Thema der Vorlesung lautete: Porque a História é tão importante para um pastor? Warum ist Geschichte für einen Pfarrer so wichtig? In Rio / Niterói wurde ich dann eingeladen bei einem Colloquium des Instituto de Física da UFF Niterói - RJ, über das Thema Naturwissenschaft und christlicher Glaube zu sprechen, ein durchaus aktuelles Thema angesichts des anachronistischen Kreationismus aus Kansas /USA, einer neuen species religiösen Fundalmentalismus innerhalb des Christentums.&lt;br /&gt;Als ich Pater Lucas, den Prior des Convento dos Franciscanos, Salvador/Bahia, aufsuchte, überraschte mich dieser mit der Bemerkung, er habe gerade Besuch aus Bielefeld. Es handelte sich um den Kanzler der Universität Bielefeld, Prof. Firnhaber und dessen Begleiter, Prof. Augel, ebenfalls aus Bielefeld. Wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen. Auf meiner Reise vom Nordosten bis zur Guanabara begegnete ich mehreren „Nürnbergern", z.B. Dr. Luís de Nascimento, Dr. Ana Maria Barros dos Santos, Dr. Dacier Barros, Dr. Gláucia Villas Boas, incl. die Studentin Diana Tomimura aus Niterói, die im Jahr zuvor eine Weile im Studentenwohnheim Hl. Geist der ESG Nürnberg gewohnt hatte.&lt;br /&gt;Während meiner Reise traf ich mit einigen Politikern zusammen, unter ihnen mit dem früheren Gouverneur Miguel Arraes, mit Janeide, Diretoria Regional do Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST) in Caruaru, mit Ofélia Cavalcanti, der Witwe des früheren Mitglieds des CC do PCB, Dr. Paulo Cavalcanti, Autor der Chronik „O caso eu conto como o caso foi", mit der Vicegouverneurin des Staates Rio de Janeiro, Benedita da Silva, sowie mit meinem ehemaligen riograndenser Gouverneur, Leonel Brizola, da seit dem movimento de legalidade, das er nach dem Rücktritt des Präsidenten Janio Quadros, den das Volk Tanakaraquefugíu taufte, angestoßen und angeführt hatte, gerade 40 Jahrevergangen waren. Im Gespräch kamen wir auf meinen Kollegen Norberto Schwantesm der in ato Grosso den seither vielgenannten Häuptling der Índios Juruna entdeckt hatte. Dieser chefe da nação Namunkurá sollte an einer großen Versammlung des PDT im Staat Guanabara teilnehmen, es gab allerdings ein paar Hindernisse. Brizola begann zu erzählen: Juruna rief an und sagte: Ich habe da ein Problem! Brizola nahm an, es handle sich um Geld und fragte, um welches Problem es sich denn handle. Darauf Juruna: Ich habe vier Frauen, aber so kann ich keine Politik machen. Was soll ich also tun? Brizola erwiderte: Schick drei davon weg und bleib bei einer! Doch ein paar Tage später rief Juruna erneut an und sprach von einem Problem. Um welches neue Problem es sich wohl handle, erkundigte sich Brizola. Ich habe eine weiße Frau, und die will ich heiraten, erklärte der Häuptling. Brizola entgegnete: Dann schick alle vier Frauen weg! Darauf wandte er sich an meinen, im Hintergrund wartenden, Kollegen Schwantes, von dessen Telefon aus Juruna gesprochen hatte und sagte: Sie sind doch einverstanden, Pastor?! Und sein amigo Norberto pflichtete ihm bei. - Was die Vize-Gouverneurin anging, mit der ich verabredet war, bemerkte Brizola: Die gute Benedita ist auch nicht mehr das arme kleine Mädchen aus der favela; sie hat sich gründlich geändert. Heute trägt sie Schuhe mit hohen Absätzen! - Als ich mich verabschiedete, bemerkte der leader des PDT: Ich hatte einen großen deutschen Freund: Willy Brandt! Zum Schluß überraschte mich dieser Polyglott Brizola, der einst in einer protestantischen Schule von Carazinho-RS sogar Deutsch gelernt hatte, mit der pfiffigen Bemerkung: In Nürnberg gibt es eine ausgezeichnete Spezialität: salsichas muito gostosas - sehre schmackhafte Würstchen!&lt;br /&gt;Über 30 Jahre vor diesem Brasilienaufenthalt, seinerzeit hatte ich eine Pfarrstelle in Frankfurt/M inne, nahmen wir in unsere Wohnung einen exilierten Brasilianer auf, einen Journalisten der Tribuna de Imprensa (oder Tribuna da Encrenca, wie das streitbare Blatt Lacerdas von manchen Leuten auch genannt wurde). Just während meines Aufenthalts in Bahia hörte ich von dem bedenklichen Gesundheitszustand dieses brasilianischen Freundes, der um seiner persönlichen Sicherheit willen vor Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatte. Ich suchte ein Telefon und sprach mit dem kranken Freund in Frankfurt. Der bat mich, seine in Rio wohnende Schwester anzurufen. Es war diese, die mich an eine Broschüre erinnerte, die ich 1996 aus Anlass des 65. Geburtstages des exilierten Journalisten zusammengestellt hatte - ein historisches Dokument eines turbulenten persönlichen, beruflichen und politisch Lebens. Dann sprachen wir von den alten Zeiten und vom renommierten Herausgeber der Tribuna, Hélio Fernandes, der auch Beiträge aus meiner Feder, Kommentare und ein Interview, abgedruckt hatte, das Jorge França mit mir gemacht hatte. Zu meiner Genugtuung war inzwischen Hélinho, der Sohn des tapferen Kämpfers Fernandes, als Journalist in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Nach den Ereignissen des 11. September in New York kritisierte er o terrorismo dos terroristas e o terrorismo da televisão, den Terrorismus der Terroristen und den Terroristen des Fernsehens, wobei er sich mit einem unübertrefflichen Sarkasmus auf das Benehmen eines terrorista da Globo, perdão, artista da Globo - auf einen Terroristen des Senders Globo, Verzeihung, auf einen Artisten des Senders Globo - bezog.&lt;br /&gt;Da ich gerade von terrorismo spreche, möchte ich auch die bemerkenswerte Wandlung eines brasilianischen „Terrosisten" aus den Jahren 1968/70 erwähnen. Er war seinerzeit Angehöriger einer der Gruppen, auf deren Konto die Entführung der Botschafter Elbrick, von Holleben, Okuchi und Giovani Enrico Bucher geht. Unter den 70 politischen Gefangenen, die gegen einen entführten Botschafter ausgetauscht wurden, befanden sich in erster Linie Militante der Vanguárdia Popular Revolucionária (VPR) Colina, des VAR-Palmares, der ALN, von MR-8, MAR und M3G , hedoch auch Funktionäre der Bundesuniversität von Minas Gerais (UFMG) - wie z.B. Maria Auxiliadora Barcellos-Lara und Guarany, seit 1970 in Haft, sowie der Dominicanermönch Tito de Alencar, der sich später in Paris das Leben genommen hat. Die erste Etappe der ausgetauschten Gefangenen war Allendes Chile. Em Februar 1974 nahm das Ökumenische Studienwerk Bochum Maria Auxiliadora und Reinaldo Guarany als Stipendiaten in das Flüchtlingsprogramm auf. Dora nahm sich später in Berlin das Leben. Nach 28 Jahren berichtete mir Guarany, daß er schließlich die Politik mit der Malerei getauscht habe. Er machte mir ein Gemälde zum Geschenk, um quadro diferente, ein völlig anderes Bild, wie er betonte, in der Tat völlig unterschieden von dem, was 30 Jahre zuvor sein Bild der Welt gewesen war. Guarany suchte mich in Niterói auf, wo er mir zusätzlich zu seinem Gemälde eine Diskette mit dem Text eines Manifesto Askatchauam übereignete. Am Tag zuvor hatte er mir gestanden, er habe 1974 zu seiner Gefährtin gesagt: O Dressel está sendo pago pelo CIA - Dressel wird vom CIA bezahlt - , worauf er fortfuhr: Heute tut es mir Leid, daß ich Ihnen nicht gebührend für alles, was Sie uns getan haben, gedankt habe. In der Zwischenzeit haben wir erkannt, fuhr er fort, daß die brasilianische Linke dem Faschismus sehr nahe war. Ich bin heute eine völlig andere Person. 1968 war es der Kubaner, der uns sagte, was wir zu tun hätten. Heute lebe ich von Übersetzungen und von der Malerei. Ich habe die Politik gelassen und widme mich der Ästhetik. Heute schätze und verteidige ich meine Bücher nicht mehr; die Veröffentlichung der Fuga war mehr eine Sache der Psychologie. Was mir blieb, war den Menschen wegen seines historischen Misstrauens zu trösten: Wir alle bereuen tausend Dinge, die wir im Laufe unseres Lebens getan oder zu tun unterlassen haben. Und zu jener Zeit misstraute jeder jedem, es war ein Klima beträchtlcher Hysterie." In Guarany Simões‘ Manifesto Askatchauam findet sich der Satz: Já vi inúmeras teorias afundarem-se diante de fatos, porém jamais vi fatos se afundarem perante uma teoria (Francisco Severi). Ich vermag dem zuzustimmen, obgleich ich mit einer gewissen Reserve die Bemerkung lese, mit der mein Freund Guarany die fusao entre ciência, arte e religião, com a ciência e a religião se submetendo à superioridade da arte. (pg 112), also die Fusion von Wissenschaft, Kunst und Religion, wobei Wissenschaft und Religion sich der Überlegenheit der Kunst unterzuordnen haben, fordert.&lt;br /&gt;Ende Juli 2003 trat ich zusammen mit unserer Wittener Enkelin Anna, die grade ihr glücklich bestandenes Abitur hinter sich hatte, eine Brasilienreise an, die es uns ermöglichte, den 50. Geburtstag ihres Vaters in Ijuí-RS im August mit ihm nachzufeiern. Die Reise war so angelegt, daß wir zunächst das tropische Brasilien ansteuerten, um in Recife und anschließend in Salvador da Bahia Freunde zu treffen. Am 7. August hatte ich das Vergnügen, einen Magisterkurs der Bundesuniversität von Pernambuco (UFPE) für evangelische Pastoren über Gegenwartsgeschichte, den ich zwei Jahre zuvor mit einer Gastvorlesung zu eröffnen die Ehre gehabt hatte, mit einer Abschlussvorlesung zu beenden. In meiner Vorlesung versuchte ich den Studenten die Wechselwirkung zwischen Geschichte und Theologie und umgekehrt deutlich zu machen (A reciprocidade entre a História e o Conceito Teológico e vice-versa).&lt;br /&gt;In Salvador da Bahia waren wir Gäste des Convento de São Francisco, wo wir am Ankunftstag in einem beeindruckenden Refektorium am Mittagsmahl der Klostergemeinschaft teilnahmen. Danach zogen wir es aus praktischen Gründen vor, für unsere Verpflegung selbst zu sorgen. Auf dem Pelourinho und am Carmo gab es genug zu sehen, darüber hinaus besuchte ich mit Anna das Marinemuseum im Forte do Farol und schaute mich selbst in der Fundação Gregorio Matos etwas um. Anna war vom Atelier meiner Maler-Freundin Lena de Bahia sichtlich beeindruckt und freute sich auch über die tägliche Begegnung mit den baianas in ihrer kolonialen Mode auf dem Terreiro de Jesus und der Praça Anchieta.&lt;br /&gt;Im Kloster selbst waren die Begegnungen und Gespräche mit meinen amigos Frei Estanislau, Frei Hugo und Pe. Alfons, dem Custos, sowie mit dem Besucher aus Deutschland, Prof. Dr. Claus Narowski besonders eindrucksvoll und anregend. Zwischendurch würzten auch ein paar hübsche Anekdoten unsere Unterhaltung, z.B. die Episode von den drei Ordensleuten, einem Jesuiten, einem Dominikaner und einem Franziskaner, die gemeinsam durch die Wüste wanderten, als plötzlich ein Löwe brüllend auf sie zukam. Der Franziskaner, von großer Angst ergriffen, wandte sich an den Jesuiten und beschwor ihn: „Du bist der Klügste unter uns und hast gelernt zu argumentieren; Du musst mit dem Löwen sprechen, damit er uns verschone!" Der Jesuit hielt eine geschliffene akademische Rede, doch als er damit fertig war, riss der Löwe den Rachen auf und verschlang ihn erbarmungslos. Da wandte sich der Franziskaner an den Dominikaner und sagte: „Ihr Dominikaner seid als feurige Missionsprediger bekannt. Ihr redet nicht so hochwissenschaftlich daher wie die Leute von der Gesellschaft Jesu, vielmehr versteht Ihr es, dem Volk aufs Maul zu schauen und die Sprache der einfachen Leute zu reden. Bitte, sprich Du zu dem Löwen, daß er uns verschone!" So fing der Dominikaner an, wie bei einem Missionskreuzzug zu predigen, doch als er damit fertig war, fraß der Löwe auch ihn. Da näherte sich ihm der arme, vor Angst zitternde Franziskaner und flüsterte ihm ganz leise etwas ins Ohr, worauf der Löwe sich umdrehte und davon lief. Ein Beduine hatte das Ganze von einem Felsen herab mit angesehen und wunderte sich sehr über den Ausgang der Geschichte. Da kam er herbei und fragte den Franziskaner neugierig: „Was hast Du dem Löwen gesagt, daß er von Dir abließ und davon lief?" Der Franziskaner antwortete: „Ich habe ihm gesagt: Wenn Du mich fressen wirst, musst Du zur Strafe ins Kloster eintreten, und zwar na Ordem Terceira dos Franciscanos!"&lt;br /&gt;Am 16. August reisten wir weiter nach Rio de Janeiro. Dort empfingen uns Joselita, Irani, Raimundo und Pedro, meine Freunde aus Nova Iguassu, der frühere Stipendiat P. Dr. Luiz Longuini Neto, die „Berliner Freunde" Prof. Dr. Luis Morais und Luciana Mendanha, und rechtzeitig kam auch noch unsere „netinha carioca", Diana Tomimura, dazu, in deren Hause Anna und ich am folgenden Sonntagmittag zu Gast waren. Untergebracht waren wir bei Prof. Dr. Glaucia Villas Boas in Laranjeiras, ebenfalls eine einstige „Nürnbergerin".&lt;br /&gt;Am Abend des 18. August hielt ich im Seminário Batista von Rio de Janeiro die erbetene Vorlesung über den Nationalsozialismus, die Haltung der Kirche und die Bedeutung der Theologie Dietrich Bonhoeffers - A Alemanha Nazista, a Igreja Confessante, o papel teologíco de Dietrich Bonhoeffer. Am folgenden Abend wiederholte ich die Vorlesung in der Universidade Metodista von Rio de Janeiro.&lt;br /&gt;Über Porto Alegre, wo wir bei Dr. Marcos Albertin und seiner Frau Cátia dowie mit den beiden Kindern Larissa und Yan zu Gast waren - mit Besuchen von Freunden in meiner alten Gemeinde Dois Irmãos und in São Leopoldo - ging es dann auf die serra. Am 28. August holte uns Ulrich mit einem Wagen der UNIJUÍ ab. Er hatte sein Töchterchen Tainá mitgebracht, damit sie ihre große Schwester aus Deutschland so schnell wie möglich kennen lernen konnte!&lt;br /&gt;Am 4. September wurde mir gemäß eines Beschlusses des Conselho Universitário vom 14/8/03 von der Rektorin der UNIJUÍ (Universidade Regional do Noroeste do Estado do Rio Grande do Sul), Prof. Eronita Silva Barcelos im Rahmen einer feierlichen akademischen Zeremonie unter Hinweis auf den substantiellen Beitrag des ÖSW Im Zusammenhang mit der erforderlichen Qualifikation des Lehrkörpers der einstigen - von der Stiftung für Integration, Entwicklung und Ausbildung des Nordwestens von Rio Grande do Sul / FIDENE getragenen - Hochschule in Ijuí, sowie in Würdigung meines Engagements im Kontext der Menschenrechtsarbeit, und auch in Anerkennung meines literarischen Schaffens in Bezug auf Lateinamerika, insbesondere auf Brasilien, der Titel „Professor honoris causa" verliehen.&lt;br /&gt;Enkelin Anna für einige Tage unter der Obhut ihres Vaters in Ijui zurück lassend, begab ich mich am letzten Sonntag vor unserem Heimflug auf einen Abstecher nach Paraguay. Innerhalb von lediglich zwei Tagen schaffte ich es, mich sowohl mit meinen Freunden Dr. Juan Felix Bogado Gondra und Katia als auch mit Lic. Lino Trinidad Sanabra, einem Kenner der Guaranikultur und -sprache, und dazu noch mit dem Chef der Ethnologischen Abteilung der Universidad Catolica zu treffen. Es gelang mir ebenfalls, die von mir gesuchten Bücher zum Paraguaykrieg, zur Geschichte und Kultur der Guaranies und zur Aktualität der Republik ausfindig zu machen und zu erstehen.&lt;br /&gt;Eine ad hoc notwendig gewordene Darmoperation im September 2005 zwang mich, eine für Oktober / November geplante Reise nach Brasilien und Paraguay zu verschieben. Sie wurde im Februar / März 2006 nachgeholt.&lt;br /&gt;Am 2.2. mit TAP gegen Mitternacht in Recife angekommen und von zwei früheren Stipendiatinnen empfangen und zum Hotel gebracht, wurde ich nach dem Frühstück sogleich zur Bundesuniversität von Pernambuco (UFPE) abgeholt, wo ich vor den Historikern aus aktuellem Anlass eine Vorlesung über die Ursprünge des Nationalsozialismus, die Haltung der Kirchen dazu und über Dietrich Bonhoeffer zu halten hatte. Zuerst jedoch erfolgte zu meiner Überraschung wieder einmal eine akademische Ehrung und ich erhielt nach feierlicher Einführung durch den früheren Chef der Abteilung für Geschichte eine „Plakette" aus hellem Marmor mit einer freundlichen Widmung für die dreissigjährige Assistenz bei der Ausbildung des Lehrkörpers. Den schweren Stein, den ich nicht - wie viele Bücher, die ich während der Reise erhielt und kaufte - per Post nach Hause schicken konnte, musste ich dann über Paraguay bis Südbrasilien und dann wieder nach Rio bis Frankfurt und Nürnberg in meinem Handgepäck herumschleppen. Im Spaß habe ich den amigos immer gesagt, ich trüge - wegen der lieben Widmung - bereits die Hälfte meines Grabsteins mit mir herum.&lt;br /&gt;Am Abend vor dem Weiterflug nach Natal-Rio Grande do Norte, hatte ich auf Einladung der Pernambukanischen Vereinigung Plastischer Künstler noch einen Vortrag vor Malern und Poeten in der nagelneuen Buchhandlung Saraiva zu halten. Dort sprach ich über die Ausbreitung der luso-tropischen Zivilisation in der Welt, also auch in Ostasien und Afrika. In Natal besuchte ich eine Soziologin, die ich aus Nürnberg kannte, und die mir beim Wechsel von Bochum hierher viel geholfen hatte. Die nächste Station war der Besuch bei Marcos und Cátia Albertin, früheren Studenten des ÖSW-Sprachkurses, in Fortaleza, wo ich erneut eine Vorlesung - Bundesuniversität von Ceará (UFCE) - zu halten hatte: Die Europäisierung der Welt durch die Portugiesen. Für die Brasilianer war es neu zu erfahren, dass die portugiesische Sprache auch deutliche Spuren z.B. im Indonesischen hinterlassen hat etc. In Salvador, der nächsten Station, fand ich meinen Franziskaner-Freund nicht im Kloster, sondern in der Intensivstation eines Krankenhauses vor. Ein paar Wochen später erhielt ich die Todesnachricht.&lt;br /&gt;In Asunción sammelte ich vor allem Material zu den Themenkomplexen Mythologie der Guaranies und der Geschichte des Landes im 19. Jahrhundert. Daneben führte ich (23. 2.) ein Interview mit dem Vorsitzenden der Menschenrechtskommission (Comision de Verdad y Justicia Paraguay), dem Ex-Senator der Liberal-Radikalen Partei Juan Manuel Benitez Florentin. Und ich traf mich mit den Töchtern eines Ex-Stipendiaten, den ich seinerzeit aus dem Gefängnis Alfred Strössners herausgeholt hatte. Der Ex-Gefangene ist Arzt und Politiker, der sich z. Zt. in Deutschland befindet (um Geld für die nächste campanha zu verdienen), während die Töchter das Haus in Paraguay hüten. Ich kannte sie als kleine Mädchen und es war schön, sie jetzt als junge Damen wiederzusehen. In Asunción erhielt ich sogar Besuch aus Buenos Aires. Eine frühere Stipendiatin, die nachdem sie eine vierjährige Haft als politische Gefangene in Argentinien durchgestanden hatte, als ÖSE-Stipendiatin in Paris studierte, nahm eine 18-stündige Omnibusreise auf sich, um mich zu treffen.&lt;br /&gt;Über São Paulo kam ich nach Rio Grande do Sul, wo unser Ältester mit seiner pernambukanischen Ex-Frau Vera, ihrer gemeinsamen Tochter Tainá und dem Halbschwesterchen Tamara mich erwartete. Auch diesmal hatte ich auf dem Campus von Ijuí sowie auf zwei weiteren Campi - Tres Passos und Santa Rosa - wieder Vorlesungen übernommen. In dieser Gegend hatte ich in den 50er Jahren gewirkt. In Tres Passos z.B. hatte ich immer Radiogottedienste gehalten. In Santa Rosa holte ich mein erstes Vehikel (Baujahr 1929) aus der Werkstatt ab.In Porto Alegre und danach in Rio besuchte ich renommierte Menschenrechts-Organisationen, und den Exekutivsekretär einer - NGO Sozialprojekte der Lutherischen Kirche Norwegens - Projetos Sociais Igreja Luterana de Norwega, unseren einstigen Flüchtlingsstipendiaten Samuel Arão Reis. Vor allem jedoch ging es mir darum. mich bei den einschlägigen Institutionen und Organisationen über die viel diskutierte Frage der Offenlegung der entsprechenden Archive der vergangenen Militärregierungen zu informieren. Am 17. 3.06 interviewte ich mit Suzana Keniger Lisboa, Menschenrechtskommission des Landesparlaments von Rio Grande do Sul - CCDH (Comissão de Cidadania e Direitos Humanos da Assembléia Legislativa do Estado do Rio Grande do Sul) Porto Alegre zur Frage der Öffnung der Archive der Militärdiktatur. Am 20. 3.06 nahm ich an einer Arbeitssitzung des Grupo Tortura Nunca Mais in Rio de Janeiro teil und interview mit deren Vorsitzenden, Elisabeth Silveira.&lt;br /&gt;Am 25.3.06 übergab ich in Rio der Senatorin Benedita da Silva (PT) - Benedita da Silva-Foundation - mein Buch BRASILIEN 500x, auf dessen Umschlag sich ihr Konterfei befindet und in dem sie mit einem Interview auch im Text repräsentativ vertreten ist. Sie bot mir an, das Buch in ihrer amerikanischen Foundation in englischer Sprache herauszubringen und interessierte sich auch für eine portugiesische Fassung. Ich bin von dieser Idee wenig begeistert. Ich denke, Bücher haben ihre Zeit und ihren Ort.&lt;br /&gt;In Rio bildete den Abschluss meiner Reise eine weitere akademische Verpflichtung in der Universidade Federal Rural do Rio de Janeiro (UFRRJ), einer wunderschönen, unter Getulio Vargas in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts erbauten Universität. Die Studenten kommen aus dem Umfeld von Rio, wo sich einst die großen Fazendas mit Zehntausenden von Negersklaven befanden. Die jungen Leute stammen praktisch alle aus diesem afro-brasilianischen Milieu und es machte mir große Freude, gerade mit diesem Teil der Bevölkerung einmal in diesem Kontext zusammen zu treffen und zu arbeiten. Die jungen Leute haben sehr engagiert verfolgt, was ich ihnen über die Hitlerdiktatur und die zweifelhafte Haltung weiter Teile der Kirche zu vermitteln versuchte. So bin ich dankbar, dass ich - trotz der Strapazen, die dies für mich auch bedeutete (Ich hatte auf der Reise 8 kg an Gewicht verloren) - mein akademisches Engagement auf diese Weise beenden konnte, denn ich habe mir vorgenommen: Jetzt gehe ich endgültig in den Ruhestand !! In Brasilien galt ich diesmal sowieso - ohne Vorlage eines Ausweises - juristisch als „idoso", so dass ich z.B. im Omnibus keine Passage zu bezahlen brauchte und gratis mit der Barke über die Guanabara-Bucht von Niterói nach Rio übersetzen konnte, etc. Da wurde mir klar: Du b i s t jetzt wirklich ein Alter! (Und ich spüre es nach der Operation vom September auch physisch.)&lt;br /&gt;Doch scheint es mit der aposentadoria nichts werdenn zu wollen, denn inzwischen kam die Idee auf, ich solle auf Betreiben des Außenministeriums von Argentinien und der Botschsaften Chiles und Brasiliens bei einer gemeinschaftlichen Veranstaltung in Buenos Aires über die Zeit des Exils sprechen. Wenn nur die deutsche Botschaft in Buenos Aires nicht auch an der Geschichte beteiligt gewesen wäre (und sich durch ihr Verhalten in den Jahren 1976 sq. nicht in heute unbegreiflicher Weise kompromittiert hätte)!!&lt;br /&gt;Es wurde immer klarer, daß ein Stück ÖSW-Geschichte mich nach drei Jahrzehnten eingeholt hatte. Im Januar 2007 erhielt ich einen von vielen argentinischen und einigen chilenischen „Flüchtlingsstipendiaten" unterzeichneten Brief, in dem diese u. a. berichteten: „Nach und nach fanden wir uns wieder und die Liste der Email-Adressen wuchs und wuchs. Da wo möglich, haben wir uns bereits mehrere Male getroffen. Diese Treffen waren sehr nett, voller Verbundenheit und vielen, vielen Erinnerungen an unser Zusammenleben in Bochum, dem wir in gewisser Weise den Charakter eines Familienlebens gegeben haben. Wie in so vielen Familien gab es Freude und Traurigkeit, Solidarität, Probleme, Konflikte, Zuneigung, Streitigkeiten, Versöhnungen, Übereinstimmungen, Meinungsverschiedenheiten, Verstehen, Missverstehen, Kommunikation, Schweigen, Gesellschaft und Einsamkeit. Irgendwie waren wir eine Großfamilie besonderer Art mit vielen Gesichtern, bei der Sie die alles andere als leichte Vater-Rolle übernahmen... Zweck unserer Aktivitäten ist es, dem "Exil" einen adäquaten Platz in der neueren Geschichte zu geben."&lt;br /&gt;War dieser Brief für uns beide eine große Freude, so blieb ich bei dem bald folgenden Brief des colectivo fast sprachlos vor Überraschung: „Wir möchten Sie davon in Kenntnis setzen, dass uns die deutsche Botschaft in Argentinien – angeregt durch unsere Initiative – mitgeteilt hat, dass sie beabsichtigt, für Sie in Deutschland eine Ehrung als Anerkennung für Ihre wertvolle und wichtige Leistung zu organisieren. Diese Veranstaltung soll im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150zigsten Jahrestag der bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern (1857 – 2007) stattfinden. Darüber hinaus möchten wir Ihnen mitteilen, dass schon Kontakte mit dem argentinischen Außenministerium aufgenommen wurden. Es ist gerne bereit, eine Veranstaltung zu Ihren Ehren zu organisieren, an der auch die Botschaften von Chile, Deutschland und Brasilien teilnehmen würden. Mit letzteren wurden ebenfalls bereits Gespräche geführt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ehrungen: Argentinien, Chile, Brasilien, Paraguay&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über drei Jahrzehnte nach dem Putsch der argentinischen Armee, der dem Putsch Pinochets in Chile (1973) und dem „golpe" der Militärs in Brasilien (1964) folgte, am 7. August 2007 wurde ich in meiner Eigenschaft als Pfarrer aus der Evangelischen Kirche in Deutschland und früherer Leiter des Stipendienprogramms des Oekumenischen Studienwerks Bochum e. V. von den Regierungen Argentiniens und Chiles sowie - am 3. September 2007 - vom Gouverneur des Staates São Paulo wegen meines Einsatzes für die Menschenrechte und meines solidarischen Engagements zugunsten zahlreicher politisch Verfolgter des Subkontinents geehrt. In Paraguay fand am 17. August 2007 im MUSEO DE LAS MEMORIAS, einem früheren Folterzentrum, ein Akt der Anerkennung durch die Vertreter des oekumenischen Menschenrechtskomitees - Comité de Iglesias - sowie der MESA MEMORIA HISTORICA statt. Als er mir die Secretária Ejecutiva des ökumenischen Comité de Iglesias für Menschenrechte, Cristina Vila Caceres, bei einem Akt der homenaje eine eindrucksvolle Urkunde - Testemonio de Memória - überreichte, sagte der Dichter Dr. Martín Almada, selbst Opfer der Diktatur Stroessners, man habe diesen Weg der Ehrung vorgenommen, weil die Regierung von Paraguay nicht das moralische Recht besitze, eine condecoración für Menschenrechtsarbeit zu verleihen. Umso kostbare ist für mich die Urkunde, die ich aus der Hand ehemaliger Opfer der Diktatur Stroessners, zu denen auch mein Freund, der Linguist Lic. Lino Trinid Sanabria, zählte, empfangen habe.&lt;br /&gt;Ich hätte nicht gedacht, dass die damalige Politik des Oekumenischen Studienwerks Bochum, Stipendien zum Schutz politisch Verfolgter einzusetzen, eine derartig langfristige Auswirkung haben würde, wie ich sie dreißig Jahre später in Argentinien, Chile, Paraguay und Brasilien erfahren durfte.&lt;br /&gt;In der Erinnerung an den während der 70er Jahre in ihren Ländern herrschenden unberechenbaren Staatsterror bewerten viele der Betroffenen die seinerzeit von uns geleistete humanitären Hilfe per Gewährung von Stipendien als eine lebensrettende Massnahme, ohne die sie - und in manchen Fällen auch ihre Kinder - jene furchtbare Zeit nicht hätten überleben können.&lt;br /&gt;Der Respekt vor der in jenen Jahren erfahrenen bedingungslosen Hilfeleistung für Bedrohte und Gefaehrdete - ohne Ansehen der Person - durch von der EKD entsandte evangelische Pfarrer ist besonders in Chile gross, wo man in Anerkennung seines humanitären Engagements P. Helmut Frenz kürzlich die Ehrenbuergerschaft verliehen hat.&lt;br /&gt;Aehnliches gilt auch für Paraguay, wo P. Armin Ihle, heute Pfarrer in Montevideo, in Anerkennung seines mutigen humanitären Einsatzes die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde.&lt;br /&gt;Argentinien hat die Aktivitäten des Oekumenischen Studienwerks in guter und dankbarer Erinnerung, umso mehr, als die Erfahrungen mit der einheimischen (r.-kath.) Amtskirche während der Militärdiktatur eher bedrückend waren. In seiner Rede beim Akt der Ehrung erinnerte der argentinische Außenminister Jorge Enrique Taiana daran, dass die Solidaritaet des Auslands seinerzeit „gering und verkrampft" gewesen sei. Er beklagte nicht nur die weitgehende Unwissenheit und das Desinteresse der Welt bezüglich der Vorgänge in seinem Land, sondern da und dort sogar die Komplizenschaft mancher Laender mit der Repression. Umso bemerkenswerter sei die Tatsache, dass die Evangelische Kirche in Deutschland angesichts des Terrors in Argentinien nicht einfach zugeschaut habe, sondern bereit gewesen sei, dem Naechsten jenseits des Atlantiks in seiner Not beizustehen.&lt;br /&gt;In Brasilien geniesst die EKD aufgrund ihres humanitären Engagements zur Zeit der Militärdiktatur hohes Ansehen. Der Gouverneur des Staates São Paulo, José Serra, der nach dem Putsch Pinochets als brasilianischer Exilierter 1973/74 - zusammen mit 60 weiteren Asylsuchenden - sechs Monate lang in den Raeumen der italienischen Botschaft von Santiago Schutz gefunden hatte, erklaerte am 3. September 2007 bei einem Staatsakt im Palácio dos Bandeirantes, dass es ihm ohne die Stipendienerklärung des Oekumenischen Studienwerks Bochum damals nicht gelungen wäre, das Land zu verlassen.&lt;br /&gt;Es ist bemerkenswert, dass fast alle während der 70er Jahre im Rahmen des Flüchtlingsprogramms des Oekumenischen Studienwerks - auch in Verbindung mit dem Diakonischen Werk - Gefoerderten heute in ihrem jeweiligen Umfeld sozial und gesellschaftspolitisch engagiert sind.&lt;br /&gt;Dies ist in etwa das Fazit, das ich angesichts der mir zuteil gewordenen homenaje gezogen habe.&lt;br /&gt;Abgesehen von dem bewegenden Wiedersehen mit einstigen Flüchtlingsstipendiaten und ihren Angehörigen sowie mit lieben alten Mitstreitern aus jenen Tagen, allen voran die Kollegen Reinich in Argentinien und Ihle in Uruguay, sowie den Madres der Plaza de Mayo in Buenos Aires und guten Freunden aus dem Widerstand gegen den Stronismus in Asunción oder auch das unverhoffte Wiedersehen mit dem damaligen exilierten Studentenführer José Serra, heute Governador des Staates São Paulo, war es mir eine Freude, die amigos aus der Kirchenleitung der IERP, den Kollegen Carlos Moeller in Brasília, den Rektor der Unijuí-RS und einige meiner dortigen Professorenkollegen, sowie verschiedene Politiker, Historiker und Anthropologen der Universidad Católica in Asunción zu besuchen. Sowohl in Buenos Aires als auch in Asunción, Montevideo, Ijuí, Brasília, Rio de Janeiro und São Paulo kam es auch zur Begegnung mit neuen Freunden. Zu meiner Genugtuung brachte ich auch noch en Interview mit dem mittlerweile 87jährigen früheren Erziehungsminister Brasiliens, Jarbas Passarinho, das ich aus Gruenden der Historiographie auf meine Agenda für die Hauptstadt Brasília gesetzt hatte, mit nach Hause.&lt;br /&gt;Im Kontext der Auszeichnung mit dem brasilianischen Verdienstorden Rio Branco, die am 29, Apri 2008, dem „Tag des Diplomaten", im Festsaal des Itamaraty, in Anwesenheit des Präsidenten der Republik, Lula da Silva, stattfand, erinnerte ich mich intensiv der Ereignisse vom 31. März und vom 1. April des Jahres 1964, die wenigstens zwei Generationen von Brasilianern ihren Stempel aufgeprägt hatten. Zugleich erinnerte ich mich an das, was vor nunmehr 40 Jahren geschehen war, nämlich an den „Putsch innerhalb des Putsches", bzw. die Verkündung des „Ausnahmegesetzes Nr. 5" - AI-5 - welches die seit April 1964 existierende „Demokratur" in eine grausame Diktatur verwandelt hatte. Zwei Wochen dach der Ehrung in Brasília hatte ich dann Gelegenheit, in Vorlesungen an der riograndenser Regionaluniversität Ijuí- - Unijuí - und au deren campus in Tres Passos in einer Retrospektive auf 20 Jahre Militärdiktatur in Brasilien an besonders einschneidende Ereignisse jener Zeit zu erinnern.&lt;br /&gt;In meiner Funktion als Leiter des ÖSW Bochum, einer Einrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Förderung junger Akademiker aus Afrika, Asien und Lateinamerika, wurde ich sehr früh auf die bitteren Erfahrungen aufmerksam, die Tausende von Studenten während der 60er und 70er Jahre seitens der repressiven Regierung in ihrer Heimat hatten erleiden müssen. „Die Angst, in einen der Folterkeller geworfen zu werden, begleitete meine Generation tagaus, tagein", erinnerte sich einer der von uns aufgenommenen Flüchtlinge.&lt;br /&gt;Es war auf diesem Hintergrund, dass ich in den 70er Jahren das Leitungsgremium des Studienwerks beschwor: "Man kann die Lage der lateinamerikanischen Flüchtlinge nur mit derjenigen der Juden im "Dritten Reich" vergleichen, die ständig in der Furcht leben mußten, von der Polizei oder der SS in ein Todeslager abgeholt zu werden. Die Kirche darf die Vorgänge in den südamerikanischen Ländern nicht ignorieren."&lt;br /&gt;Im Frühjahr 1974 empfingen wir u. a. einen Studenten der Nationalen Universität von Brasília - UnB -, Lúcio Castelo Branco, der entführt. eingekerkert, gefoltert und schliesslich wieder in die "Freiheit" entlassen worden war. Wir nahmen diesen jungen Akademiker auf, da es für ihn in seiner Heimat definitiv weder Sicherheit bezüglich seiner physischen Integrität noch die Möglichkeit, sein Studium fortzusetzen, gegeben hätte. Wir luden ihn zur Teilnahme an einem Sprachkurs in Bochum ein, nach welchem er an der Universität Nürnberg/Erlangen sein Promotionsstudium aufnahm. Seine Geschichte wurde in dem 1985 von der Erzdiözese São Paulo herausgegebenen Band BRASIL: NUNCA MAIS (S. 207) dokumentiert.&lt;br /&gt;1973 - 74, nach dem Putsch in Chile, kamen einige prominente brasilianische Flüchtlinge aus Santiago, wie der frühere Studentenführer José Serra, der unter Allende Schutz gesucht und bei FLASCO, einer Einrichtung der UNO in Santiago, eine Stelle gefunden hatte. Serra, heute Governeur des Staates São Paulo und aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat, hatte mit seiner Familie von Oktober 1973 bis Mai 1974 in der Italienischen Botschaft Schutz gefunden. Bereits im November 73 war er im Besitz eines von mir unterzeichneten Schreibens gewesen, in welchem ihm die Hilfe des ÖSW zugesichert worden war. Es gelang ihm jedoch erst im Mai 74, die von Soldaten Pinochets umzingelte Botschaft und zugleich das Land zu verlassen. Auf dem Flughafen in Düsseldorf konnte ich ihn dann empfangen und zum campus des Oekumenischen Studienwerks Bochum geleiten.&lt;br /&gt;Nicht lange nach dem Putsch Pinochets gelangte eine Gruppe "auf Lebenszeit verbannter" Brasilianer, die nun bereits das zweite Exil erlebten, nach Europa. Unter ihnen befand sich Marijane Vieira Lisboa, die Ehefrau des charismatischen Ex-Präsidenten der inzwischen verboteten "Nationalen Studentenunion" - UNE - Luis Travassos (der dann, kaum aus dem Exil in die Heimat zurückgekehrt, 1982 bei einem Verkehrsunfall in Rio de Janeiro ums Leben kam), dazu Samuel Arão Reis, Student der Wirtschaftswissenschaften, mit seiner Frau Irene Reis Loewenstein und dem Töchterchen Tania. Irenes Eltern, deutsche Juden, die 1936 Nazideutschland verlassen und in Brasilien Asyl gefunden hatten, wo 36 Jahre später die Tochter Irene Verfolgung erlitt und in Chile Schutz gefunden hatte, bis sie am Ende in dem Land Hilfe fand, aus dem ihre Eltern vor einer Generation ausgewandert waren, um ihr Leben zu retten. Zur Gruppe der Verbannten gehörten auch der Labortechniker Irany Campos aus Belo Horizonte, Reinaldo Guarany Simões und Maria Auxiliadora Barcelos Lara. Alle zählten sie zu jener "Jugend von 68", die auf die Botschaft vertraut hatte, die sich in dem zum Symbol gewordenen slogan des "Marsches der Hunderttausend" am 26. Juni 1968 niederschlug: "Das organisierte Volk zerschlägt die Diktatur!" Es gab auch andere. die eine wesentlich aggressivere Version dieses Mottos anstimmten und riefen: "Das bewaffnete Volk zerschlägt die Diktatur!" Die Hunderttausend bildeten eine Koalition von Intellektuellen, Künstlern, Priestern, Arbeitern, Studenten und von Eltern dieser Studenten, die alle miteinander das System ablehnten, welches die Militärs eingeführt hatten, jene Militärs, die keine Skrupel gezeigt hatten, selbst so junge und unreife Gegner, wie jenen Gymnasiasten Edson Luis Lima Souto niederzuschiessen, der aus dem fernen Belém do Pará nach Rio de Janeiro gekommen war, um dann bei der Demonstration in der Rua 1° de Março am 28. März 1968 durch Kugeln aus der Maschinenpistole eines Militärpolizisten zu sterben. Gegen jenes Terrorregime protestierten 50.000 Bürger, die sich am folgenden Tag dem Trauermarsch angeschlossen hatten, der sich in das historische Gedächtnis des brasilianischen Volkes eingeprägt hat.&lt;br /&gt;Heute sind wir alle - diejenigen, die in schwierigen Zeiten ihres Lebens Zuflucht und Hilfe gefunden hatten und diejenigen, die den Verfolgten seinerzeit die Hand gereicht hatten - glücklich darüber, dass sich in Brasilien eine demokratische Regierung durchgesetzt hat.&lt;br /&gt;Im Jahre 1972 befand ich mich zum ersten Mal in der neuen Hauptstadt Brasiliens. Ich erinnere mich noch genau daran, wie beim Ankunft des Varig-Fluges auf dem Internationalen Flughafen in Rio de Janeiro ein Offizier des Staatlichen Gesundheitsdienstes die Maschine betrat und damit begann, entlang des Mittelganges Insektengift zu versprühen, um möglicherweise aus Afrika einschleppte Moskitos zu vertilgen. Da erhob ein Fussballer, dessen Mannschaft in Casablanca zugestiegen war, die Stimme und rief fast feierlich: „Agora tudo que não presta está morto!" - Jetzt ist alles, was nichts taugt, tot! Mit dieser provozierenden Bemerkung hatte der Athlet die im Lande herrschende Stimmung exakt auf den Punkt gebracht. Als Besucher der Hauptstadt hatte man stets ein Gefühl der Angst vor der Regierung in der Brust.&lt;br /&gt;Heute, eine Generation danach, ehrt mich die Regierung im Rahmen einer unvergesslichen Zeremonie! Es ist nicht die Regierung von damals - Gott sei Dank - doch es ist die Regierung derselben Nation! Welch ein Wandel!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ergänzung zur Bibliographie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Drama des Exils, Zur Psychologie der lateinamerikanischen Flüchtlinge, Web Site NMRZ&lt;br /&gt;Ensaios Luteranos, Dos primórdios aos tempos atuais do luteranismo no Brasil, org. e apr. Joachim Fischer, Editôra Sinodal, São Leopoldo, 1986, A Igreja Evangélica Face ao Desafio Brasileiro, S. 113 ff.&lt;br /&gt;15 Jahre Landpfarrer in Rio Grande do Sul - Brasilien: Aufbaujahre nach dem 2. Weltkrieg bis zur Bildung der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLB); erinnert anhand von Briefen und Aufzeichnungen, FDL-Verlag Augsburg 1998&lt;br /&gt;Mission in Fernost - Auf den Spuren Vasco da Gamas, Privatedition, Nürnberg, 1998&lt;br /&gt;Spanisch-Amerika - Bildungsförderung zwischen Reformation und Revolution, Privatedition, Nürnberg, 1999&lt;br /&gt;Die Ausbreitung einer luso-tropischen Zivilisation bzw. die Europäisierung der Welt durch die Portugiesen, in Erhard Engler / Axel Schönberger (Hrsg.): Studieb zur brasilianischen und portugiesischen Literatur, Frankfurt am Main, Domus Editoria Europaea, 2001, S. 49&lt;br /&gt;BRASILIEN 500 x Entdecker und Entdeckte, Brasilianische Trilogie Indios Negros Landlose, Heinz F. Dressel, FDL-Verlag Augsburg, 2002&lt;br /&gt;A experiência da Obra Ecumênica de Estudo em Bochum com o Programa de Parceria Acadêmica no Brasil, in: Sociologia, Pesquisa e Cooperação, ACHIM SCHRADER - homenagem a um cientista social, Clarissa Eckert Baeta Neves, Emil Albert Sobottka (org.) Porto Alegre 2003, pg. 31ff.&lt;br /&gt;Fé e Cidadania, Heinz F. Dressel, Ijuí, Editora Ijuí, 2006&lt;br /&gt;Brasilien: Die Öffnung der Archive oder das Recht auf Erinnerung, Mai 2007, Web Site NMRZ&lt;br /&gt;Ponencia en la ocasión del acto bi-nacional argentino.chileno de la condecoración en Buenos Aires, Testemonio de la Solidaridad Internacional, Buenos Aires 2007&lt;br /&gt;Einblicke in die Welt der Mythologie des Guaranies, Keingang, Ava-Katu-Ete, Kaiapós, Deni un anderer Indianervölker Südamerikas, Privatedition August 2008&lt;br /&gt;Ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte Dikitatur in Brasilien aus derr Perspektive eines kirchlichen Beobachters, mabase verlag Nürnberg 2008&lt;br /&gt;DEUTSCH-ARGENTINISCHE REMINISZENZEN - Argentinische Politik - deutsche Diplomatie zu turbulenten Zeiten, Web-Site NMRZ- Nürnberger Menschenrechtszentrum 2009&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/1655547609444017182-5100102390763252374?l=hfdressel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://hfdressel.blogspot.com/feeds/5100102390763252374/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=1655547609444017182&amp;postID=5100102390763252374' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5100102390763252374'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/1655547609444017182/posts/default/5100102390763252374'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://hfdressel.blogspot.com/2009/07/manifestationen-eines.html' title='Manifestationen eines grenzüberschreitenden liberalen Protestantismus'/><author><name>Heinz F. Dressel</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03839120920709027504</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://4.bp.blogspot.com/_YWp2_eFVrog/SNOUvbah-oI/AAAAAAAAAAM/x_6PSO5O4ME/S220/foto021.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-1655547609444017182.post-2730039762777927443</id><published>2009-07-11T00:26:00.000-07:00</published><updated>2009-07-11T00:28:19.568-07:00</updated><title type='text'>UMA EXPERIÊNCIA DE PARCERIA ACADÊMICA NO BRASIL</title><content type='html'>A EXPERIÊNCIA DA OBRA ECUMÊNICA DE ESTUDOS - BOCHUM - COM O PROGRAMA DE PARCERIA ACADÊMICA NO BRASIL&lt;br /&gt;Faz uns 30 anos que o Prof. Dr. Achim Schrader e eu pela primeira vez nos encontramos. Naquela ocasião acompanhado de sua equipe, nos procurou na casa paroquial de Dois Irmãos em função de um projeto de pesquisa, a fim de estabelecer os primeiros contatos na região, já que no interior de nossa paróquia deveria se realizar parte do levantamento sociológico por ele planejado. O resultado da pesquisa foi apresentado, em colaboração com Manfredo Berger e Birgit Schrader, no tomo LANDSCHULE IN BRASILIEN BEITRÄGE ZUR SOZIOLOGIE UND SOZIALKUNDE LATEINAMERIKAS, Athenäum Verlag Frankfurt 1972. Em1966 nem imaginamos que seis anos depois, na Diretoria, no Conselho e no Comitê de Seleção da Obra Ecumênica de Estudos colaboraríamos durante muitos anos estreitamente na tarefa de organizar e estruturar, antes de tudo, o Programa de Parceria Acadêmica e, quase simultaneamente, um eficaz programa de emergência nada burocrático para refugiados e jovens acadêmicos ameaçados pelos regimes fortes da época, principalmente na América Latina. Ao dedicar-nos, antes de tudo , às `coisas brasileiras´- através de conferências e publicações como, p. ex., no Anuário - e ao cuidar dos acadêmicos brasileiros que realizavam seus estudos na nossa região, etc., tornamo-nos "companheiros de luta" e tornamo-nos bons amigos, até hoje. É com gratidão e admiração que dedico este artigo ao Prof. Dr. Achim Schrader, pontífice incansável entre a universidade alemã e brasileira.&lt;br /&gt;AS RAÍZES DA OBRA ECUMÊNICA DE ESTUDOS&lt;br /&gt;Foi há 35 anos que ocorreu a fundação da Obra Ecumênica de Estudos (Ökumenisches Studienwerk e. V. Bochum), visando ao apoio a estudantes estrangeiros, inclusive o necessário preparo para os estudos na Alemanha, como também à orientação acadêmica e humana durante o período de estudos, e, mais ainda, ao apoio especial no momento do regresso ao país de origem. No contexto do Departamento de Ajuda Internacional da Igreja Evangélica na Alemanha, a Obra Ecumênica de Estudos [ÖSW] - representa o elemento de apoio ao setor acadêmico.&lt;br /&gt;O Presidente de Igreja, e spiritus rector da Obra Ecumênica de Estudos, D. Hans Thimme, destacou que esta instituição devia a sua existência "às origens criativas da Igreja após 1945". "Cheio de graça, devido à chance para um novo começo", diz Thimme, "esta, naquele momento, estava motivada - antes de tudo entre os adeptos da Igreja Confessante, por motivo das omissões culpáveis dos cristãos na era do Terceiro Reich - ... de sublinhar de maneira adequada a responsabilidade da Igreja não apenas para sua própria continuidade, mas também, e em primeiro lugar, pelo serviço ao mundo, em todos os setores da vida pública, como a Escritura e a Confissão da Igreja mesmo o exigem."&lt;br /&gt;A ÖSW vincula no seu conceito a vasta experiência da Igreja evangélica no campo da educação com o impulso que provém do Programa Eclesiástico de Cooperação Internacional em Favor do Desenvolvimento, inspirado pelo movimento ecumênico. Da Terceira Assembléia Geral do Conselho Ecumênico de Igrejas, no ano de 1961, em Nova Déli sob o lema central "Jesus Cristo a luz do mundo" emergiu a faísca inicial para todo este movimento que logo depois se tornou realidade com a fundação do "Serviço Eclesiástico em favor do Desenvolvimento". Foi a assembléia de Déli que salientou de novo a responsabilidade cristã pelo mundo inteiro e, referindo-se pela primeira vez na história do movimento ecumênico, à miséria dos países pobres no hemisfério sul. Em apelo dirigido aos governos dos povos, a assembléia geral em Déli proclamou a "luta em favor do desenvolvimento do mundo", com o objetivo de "partilhar o dom da civilização com toda a humanidade." Ao mesmo tempo percebeu-se de novo a importância dos "leigos" para a Igreja e sociedade civil e descobriu-se que de fato são os seres humanos que, sob o aspecto da política desenvolvimentista, significam a maior riqueza de um país, e que a Igreja, como também a sociedade civil em geral, carecem de mão de obra altamente qualificada, ou seja, de pessoas que se prontifiquem a contribuir com seus dons em favor do próximo. Recomendou-se às Igrejas apoiar exatamente este tipo de pessoas. Até lá, bolsas de estudo para projetos não-teológicos eram quase desconhecidos. Percebe-se que as raízes da ÖSW encontram-se de fato na ética social, na descoberta da tarefa diacônica global da Igreja.&lt;br /&gt;A PLANIFICAÇÃO DA OBRA ECUMÊNICA DE ESTUDOS&lt;br /&gt;A ÖSW foi projetada de propósito como "irmã gêmea" da ES-Villigst (Evangelisches Studienwerk Villigst). Esta, através de suas ex-bolsistas - por exemplo, com a elaboração do parecer de 1970 - desde logo participou de forma intensa no planejamento conceitual da nova instituição. Desde o começo esta foi concebida em favor de estudantes do "Terceiro Mundo", e isso em analogia ao programa do ES-Villigst que, da parte da Igreja Evangélica, desejava contribuir através da formação qualificada de jovens acadêmicos alemães, beneficiando estudantes de todas as disciplinas, e não apenas da faculdade de Teologia, já que para teólogos, no decurso dos século, sempre havia existido apoio financeiro. Após a assembléia geral de Nova Déli, na Igreja Evangélica na Alemanha surgiu a pergunta: como justificar que recursos financeiros eclesiásticos privilegiassem apenas um grupo de estudantes alemães, devidamente escolhidos. "Aumentam as considerações que sugerem se numa era de conscientização ecumênica mundialmente aprofundada não se deveria assumir, como tarefa especial capaz de abrir nosso horizonte ecumênico, uma promoção de estudantes talentosos e dignos, de todo mundo. (D. Hans Thimme, Leitende Gesichtspunkte, die zur Gründung und Entwicklung des Ökumenischen Studienwerks in Bochum führten. [Ms. 1992]).&lt;br /&gt;Através da colaboração ativa de ex-bolsistas em diretoria, conselho, comitê de seleção e comissão para assuntos de recrutamento de funcionários, a ES-Villigst contribuiu de maneira decisiva ao processo da estruturação e do crescimento da ÖSW. O mais importante destes "pioneiros" entre os ex-bolsistas da ES-Villigst na ÖSW foi o Prof. Dr. Achim Schrader.&lt;br /&gt;Realistas, os fundadores da ÖSW optaram muito cedo pela formação de jovens acadêmicos que em seu país de origem já tinham absolvido curso básico e que depois necessitavam de uma qualificação adicional. "A ÖSW está convencida de que no Terceiro Mundo o processo de independência e o alcance da auto-suficiência já esteja bastante avançado e que a responsabilidade da Igreja nos países altamente industrializados devia, hoje em dia, procurar o apoio aos pós-graduados." (Prof. Dr. Achim Schrader, Die Stipendienpolitik des Ökumenischen Studienwerks, Ansprache anläßlich des Festaktes des ÖSW am 15.12.1972)&lt;br /&gt;O projeto original tinha em vista os estudantes ingressados na RFA, por sua conta, comprovado pelo planejamento original que previu, além da fundação de um "Studienkolleg" (Colégio com cursos propedêuticos para os principiantes entre os estudantes estrangeiros), todo um complexo de instalações, inclusive uma casa de estudantes. Em conformidade com os resultados dos debates sobre um apoio adequado ao desenvolvimento das nações pobres, esta idéia original foi gradativamente ajustada. Apesar de a idéia original, de instalar um Colégio com cursos propedêuticos para os principiantes entre os estudantes estrangeiros, sido mantida, ao mesmo tempo foi planejado um colégio para preparar estudantes estrangeiros graduados nas questões de idioma e metodologia, aspectos essenciais para a posterior realização dum curso de aperfeiçoamento na Alemanha. Eles podiam - argumentou-se - fazer seus estudos básicos no país de origem. Isso evitaria também o perigo da alienação cultural no estrangeiro.&lt;br /&gt;Houve unanimidade de que, antes de tudo, justamente um programa da Igreja deveria considerar a possibilidade de que seus bolsistas absolvessem o curso básico no seu país de origem. Este princípio tornou-se um dos mais importantes critérios do Programa Ecumênico de Estudos (esp), formado pela Obra Diacônica (DDW) e a ÖSW. Já em 1966, um grupo de coordenação tinha proposto à diretoria coordenar todas as atividades da Igreja Evangélica na Alemanha (EKD) que porventura existissem no setor de apoio financeiro aos estudantes, a fim de formar um único programa eclesiástico para estudantes oriundos de países em via de desenvolvimento. Esta recomendação tornou-se realidade quando em 1969 um "Acordo entre a Obra Diacônica em Stuttgart e a Obra Ecumênica de Estudos em Bochum sobre uma cooperação ecumênica no setor da formação relacionada ao desenvolvimento pôde ser ratificado." - OEKUMENE Gemeinschaft einer dienenden Kirche, Theodor Schober, Hermann Kunst, Hans Thimme (Hrsg.), Stuttgart 1983, Heinz Dressel, Ökumenische Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Führungskräften - Ökumenisches Studienwerk e.V. Bochum ((ÖSW), S.243)&lt;br /&gt;O PROGRAMA DE PARCERIA ACADÊMICA&lt;br /&gt;A ÖSW resolveu apoiar projetos de pós-graduação, sendo que os candidatos deveriam ser recomendados por instituições parceiras antes criteriosamente selecionadas. "Vinculamo-nos a determinados parceiros ... através de convênios, o que se explica não apenas pelo fato de que os escassos meios financeiros disponíveis deverão ser aplicados economicamente, mas também para assim concretizar a solidariedade das Igrejas junto às instituições do Terceiro Mundo. Neste contexto está se colocando ênfase a tais parceiros que sejam universidades ou instituições do ensino superior, já que ficou comprovado que nossa idéia original, de dar apoio também a projetos em prol do desenvolvimento, através de específicas medidas pedagógicas, não ficou operável de forma mais ampla. A causa para isso encontra-se, antes de tudo, no fato de que os projetos em prol do desenvolvimento, mantidos pelo Estado ou também pela Igreja, são muito imediatistas para que pudessem ser calculados ou aguardados os relativamente longos períodos de maturação nos processos de formação e, também, porque a ideologia dos counterparts lá predominantes, em última análise, até impede uma formação adequada dos counterparts por nós apoiados." (Achim Schrader, Die Stipendienpolitik dês Ökumenischen Studienwerks)&lt;br /&gt;Desde o início, a opção da ÖSW em favor do apoio aos acadêmicos altamente qualificados não careceu de uma forte oposição, inclusive dentro da própria Igreja. A Congregação Evangélica de Estudantes (ESG) já havia agitado durante o período de planejamento da ÖSW, empregando aquele jargão típico da juventude dos anos "68" contra este novo projeto. Na ocasião do lançamento da pedra angular do campus de Bochum (2.12.68), a ESG assumiu um papel bem característico do clima espiritual daquela época quando, em companhia do DCE e do SDS (Associação Estudantil Socialista Alemã), acusou a ÖSW como entidade "não-democrática, paternalista e neocolonialista". Nesta ocasião, o idealizador e presidente da ÖSW, o Presidente de Igreja D. Thimme, sem hesitar havia concedido o microfone aos jovens provocadores, a fim de que pudessem expressar seu confuso assunto em praça pública. Triunfou o velho princípio liberal: "Embora que não compartilhe sua opinião, vou fazer tudo que está dentro de meu alcance a fim de que possam expressá-la livremente." Cerca de 20 organizações - entre eles a Congregação Evangélica de Estudantes (ESG), a Associação Estudantil Socialista Alemã (SDS), o World University Service e a Associação de Organizações Estudantis Estrangeiras - lançaram na imprensa uma declaração acusando a ÖSW de `confessionalista´ ou seja `confessional´. A Associação dos Diretores, em Munique, (21.-24.5.70) lamentava que a ÖSW concede bolsas apenas a estrangeiros graduados que em seu país de origem já teriam começado um curso acadêmico (pós-graduados). (Vide "Clausthaler Hefte" Ausländerfragen, Caderno n. 8, 15.9.70, BOCHUM: ÖKUMENISCHES STUDIENKOLLEG - STELLUNGNAHMEN) Apesar desta polêmica, em 1.4.70, Dr. Peter Riecken foi incumbido da organização do Colégio Propedêutico (Studienkolleg) que em outubro de 1971/72 iniciou suas atividades, inclusive o primeiro curso de alemão para estudantes estrangeiros.&lt;br /&gt;Naquele momento ainda não havia na ÖSW um funcionário responsável pelo programa de bolsas de estudo. Quando o autor destas linhas iniciou seu trabalho na ÖSW, em janeiro de 1972, sua tarefa mais urgente foi a de pôr em prática todas aquelas considerações tomadas anteriormente em relação a um viável programa de bolsas. No que se refere ao caráter do programa de bolsas, os fundadores da ÖSW, durante o período de planejamento e organização entre 1964 - 1971, tinham tomado a decisão de concentrar-se no apoio de jovens líderes provindos dos `países do sul´, cujas tarefas futuras exigiam estudos adicionais para aperfeiçoar seus conhecimentos científicos e profissionais. Não apenas levando em conta a assimilação de qualificações e conhecimentos aplicáveis, ainda não disponíveis nos respectivos países de origem dos bolsistas ecumênicos, durante seus estudos adicionais estes deviam ser motivados, como também deveriam adquirir uma atitude de reflexão crítica, que lhes seria útil no melhor entendimento dos problemas de sua profissão, de seu país e dos problemas dos países no hemisfério sul, e na procura por alternativas praticáveis em seu contexto específico. Pelo menos durante a década 70 o Programa de Parceria Acadêmica, concebido nesta filosofia, tornou-se o pilar de todo o programa. Prof. Schrader foi o inspirador principal deste programa.&lt;br /&gt;ÍNDIA&lt;br /&gt;Em fins de 1970, P. Hermann Jäger, pessoa responsável pela seção de bolsas da Obra Diacônica, Stuttgart (DDW), tinha percorrido a Índia, país que, após seu retorno, recomendou à ÖSW como lugar de excelência para aplicar o Programa de Parceria Acadêmica, justificando esta escolha com os laços tradicionais entre a Índia e as Igrejas da Alemanha, que há séculos haviam contribuído de maneira significante ao sistema educacional daquele país. Entre os cerca de 3.500 colégios na Índia, encontravam-se 180 "Christian Colleges". Estes tinham se associado na ALL-INDIA ASSOCIATION FOR CHRISTIAN HIGHER EDUCATION (AIACHE), dirigida pelo secretário geral, Padre Mathias SJ, pessoa recomendável para conselheiro e parceiro de destaque na execução do Programa de Parceria Acadêmica. Os colégios cristãos careciam de docentes bem qualificados.&lt;br /&gt;A ÖSW empenhou-se desde fins de 1971, visando a uma parceria acadêmica com AIACHE, que tinha recebido uma oferta de 5 - 10 bolsas para os 5 anos subseqüentes. Em 19.6.72, o Comitê de Seleção aprovou os primeiros candidatos a bolsa, os quais chegaram no campus de Bochum no começo do semestre de inverno de 1972/73, entre eles P. Joy, B. R. Venkataram e S. Manickam. Os colégios escolhidos nos marcos do Programa de Parceria Acadêmica, na Índia, eram o Lucknow Christian College, o Ewing Christian College (Allahabad), o Mar Thoma Christian College (Tiruvalla) e, mais tarde, o prestigiado Madras Christian College (Tambaram).&lt;br /&gt;ZÂMBIA&lt;br /&gt;Na fase experimental do Programa de Parceria Acadêmica, ratificou-se um "Formal Agreement" com o Ministry of Education, que teve em vista uma colaboração no setor da educação acadêmica. Em 1972 a ÖSW aprovou 14 bolsistas; 3 deles da área de Educação, da Engenharia Química e da Economia no contexto do Desenvolvimento; 2 da área de Construção Civil, 1 da área da Arquitetura, 1 da área da Engenharia Mecânica. 6 desses bolsistas realizaram seu curso de especialização na RFA, enquanto os outros estudaram ou in loco, ou no Reino Unido. Não demorou muito até que este programa morreu, mas ressuscitou em outra forma em função do diálogo com o CCZ, de forma que, até o começo dos anos 90, nada menos que outros 22 estudantes das áreas Biologia, Química, Física, Matemática, Educação, Engenharia, Telecomunicação, Arquitetura, Agronomia e Sociologia puderam participar do programa, cerca de dois terços deles freqüentando cursos de especialização na própria África. UNIVERSITY OF BOTSWANA, LESOTHO AND SWAZILAND - UBLS&lt;br /&gt;Alguns anos mais tarde, o Programa de Parceria Acadêmica na África foi estendido à University of Botswana, Lesotho and Swaziland (UBLS), da qual no decurso dos anos emergiram três universidades autônomas, a National University of Lesotho (NUL), a University of Botswana e a University of Swaziland. A ÖSW apoiou os projetos de estudo de cinco bolsistas de Gaborone nas áreas de Matemática, Física, Literatura Inglesa, Filosofia e Teologia (Obed N. O. Kealotswe), na Grã-Bretanha e no Quênia. Sete membros do corpo docente de Roma (NUL) tornaram-se bolsistas da ÖSW e faziam cursos de pós-graduação, em Nairobi e Dublin, em Literatura Africana, Educação, Pedagogia, Estudos Sociais, Estudos Jurídicos, Building Economics e Desenvolvimento de Sistemas. Quatro membros da equipe da University of Swaziland gozaram do apoio da ÖSW para freqüentar cursos adicionais nas áreas de Geografia, Relações Internacionais, Teologia e Eletrônica, na RFA ou no Reino Unido, respectivamente.&lt;br /&gt;AMÉRICA DO SUL&lt;br /&gt;Quando as atividades do programa da ÖSW começaram, já havia excelentes contatos com instituições latino-americanas, graças às atividades preparatórias do Conselheiro de Igreja Dr. Reinhart Müller, P. Jens Timm e a prestigiosa colaboração do Prof. Dr. Achim Schrader, a quem logo incumbiu-se os cargos de presidente do Conselho e de presidente do Comitê de Seleção; Dr. Reinhart Müller, anteriormente Pároco da Comunidade Alemã da Cidade do México, estabeleceu valiosos contatos junto às universidades hispanófonas (Universidad del Valle, Cali e Universidad Austral, Valdivia).&lt;br /&gt;UNIVERSIDAD DEL VALLE CALI/COLUMBIA&lt;br /&gt;Na primeira década das atividades da ÖSW - com a ajuda do Prof. Kümmel e do P. Honecker - ambos na cidade de Cali - e devido à colaboração efetiva de Dr. Achim Schrader - pôde-se fazer os primeiros passos que levariam à organização do Programa de Parceria Acadêmica em colaboração com a Universidad del Valle. Tudo isso aconteceu justamente em momento onde as autoridades desta universidade pensavam em abandonar a tradicional prática de enviar seus estudantes aos cursos de pós-graduação nos Estados Unidos, simplesmente fazendo uso da assistência oferecida ou pela Rockefeller - ou pela Fundação Ford. A ÖSW apoiou os seguintes docentes de Cali: Jaime Millan, Diego Roldán Luna, César Augusto Garcia Cano, Pedro Antonio Prieto Pulido, Alvaro Campo Cabal e Elsa, Graciela Valderama, Fabriciano Diaz, Otto Vergara, Nelson Porras e Orlando Escobar Zuñiga.&lt;br /&gt;UNIVERSIDAD AUSTRAL VALDIVIA /CHILE&lt;br /&gt;Por incumbência do Programa Ecumênico de Bolsas (esp), em 1971, P. Jens Timm, da Obra Diacônica Stuttgart, visitou instituições em Venezuela, Columbia, Peru, Chile, Argentina e Brasil como também começou negociações com a Universidad Austral em Valdivia. Foram os primeiros bolsistas de Valdivia: Edith Berger e Pedro Fernández de la Reguera (Matemática); Diner Moraga (Física) e sua esposa Feliza (Filosofia); Andrés Contreras e Fernando Medel Salamanca (Estudos Agrários); Jorge Sommerhoff (Sonóloga); Karin Schoebitz (Química); Frederick Ahumada e Oscar Araya (Veterinária); Jorge Paul Villaseca Ribbeck (Eletroacústica).&lt;br /&gt;BRASIL - PAÍS DE ÊNFASE PRINCIPAL&lt;br /&gt;Na fase de planificação da ÖSW, uma comissão ad hoc havia elaborado um "catálogo de países" que foi de grande utilidade no início do trabalho. Com o decorrer dos anos, esse instrumento ficou desafiado e antiquado diante do desenvolvimento geral. Neste remoto plano de ação, entre cujos autores também se encontra Dr. Achim Schrader, o Brasil figura entre os países de "primeira prioridade". A comissão tinha pensado na disparidade social deste país, que se refletia também no setor da educação. Ficou expressamente salientado que somente universidades e projetos no Sul e no Norte ou Nordeste podiam ser apoiados. No Sul, onde se podia contar com a colaboração da IECLB e a profunda experiência de Dr. Schrader, rapidamente conseguiu-se cooperação com as universidades UFRGS, UFSC e com o projeto em prol do desenvolvimento FIDENE - Fundação de Integração, Desenvolvimento e Educação no Noroeste do Estado. No Nordeste, concretamente junto à UFPe, perpassam dois anos até que surgiram os primeiros bolsistas. Em cooperação com estas instituições de educação superior pôde-se fazer as primeiras experiências com o Programa de Parceria Acadêmica.&lt;br /&gt;O primeiro secretário do programa de bolsa - que, depois de 15 anos de serviço pastoral, estava bem entrosado e bem a par da situação no continente latino-americano - ficou bastante satisfeito que a diretoria, seguindo uma recomendação do comitê ad hoc, decidiu começar com a organização de programas justamente neste continente. Novato no contexto da assistência educacional ecumênica, para ele, sem dúvida alguma, a escolha de Brasil, Chile e Colômbia, como campo de ação, tornou a tarefa mais fácil do que teria sido o caso com um eventual projeto piloto na Indonésia ou em Malawi.&lt;br /&gt;FIDENE&lt;br /&gt;1971, após uma visita em Ijuí, Dr. Schrader caracterizou a Fundação de Integração, Desenvolvimento e Educação no Noroeste do Estado (FIDENE), dirigida pelo capuchinho Mário Osório Marques, como "o centro espiritual da maior e mais efetiva cooperativa no interior da região sul do Brasil. Trata-se duma cooperativa de produção agrícola. Nos anos que precederam ao golpe de 1964, em cooperação com uma instituição para a formação de professores de segundo grau, ou seja, a Faculdade de Filosofia do lugar, tentou introduzir um programa de desenvolvimento comunitário. Ao desenvolver este programa, fundou-se nos subúrbios das pequenas cidades agrárias associações de vizinhos, e nos lugarejos rurais como nas vilas juntaram-se os sócios em círculos de discussão e trabalho. Neste contexto, toda uma porção de projetos surgia das próprias bases que também os levou ao nível de realizações através da cooperativa. Não podia faltar que tudo isso, de momento, criava um clima de desconfiança e suspeita do lado do governo militar, assim que, numa visita em 1968, observei que um número de líderes, cabeças do movimento, ou se encontravam presos ou privados da venia legendi. Neste meio tempo, a situação melhorou devido ao fato de que a cooperativa se tornou empresa importante de produção de trigo que há dois anos se estende numa região do campo tradicionalmente pecuário. O governo concedeu também voltou a conceder à FIDENE todas as liberdades de atuação. Atualmente organizam-se com regularidade, nas diversas filiais e na própria sede, cursos para agricultores e operários, que de fato não se limitam a assuntos ligados ao cooperativismo, mas que além disso pretendem abrir à população rural uma visão mais global deste mundo cada vez mais complexo. A Fundação mantém um instituto de pesquisa e planejamento que não apenas lida com demandas da cooperativa (p. ex., sobre a construção duma linha lateral da estrada de ferro), mas, de modo crescente, também com demandas do governo e de organizações, oferecendo ajuda ao desenvolvimento. No setor pedagógico da Fundação, no decurso do tempo, foram introduzidos outros cursos além daqueles que levam ao magistério; prepara-se os estudantes para sua responsabilidade pelos problemas da região do interior." (Prof. Dr. Achim Schrader REISEBERICHT Lateinamerika 1971)&lt;br /&gt;A boa relação entre os parceiros ÖSW e FIDENE, de início, foi entendida como colaboração com um projeto em prol do desenvolvimento, que, antes de tudo, procurava formar líderes em todos os níveis, os quais - também como docentes - poderiam colaborar em projetos lidando com o planejamento, ou assistir à administração pública, como conselheiros competentes. Originalmente fizeram parte do convênio com a ÖSW as Faculdades de Filosofia e Ciências Econômicas, os institutos de Educação Permanente, Pesquisa e Planejamento como também de Documentação. Em 1972 o Comitê de Seleção concedeu ad hoc 5 bolsas in loco, e, durante as 2 décadas seguintes - neste meio tempo, da FIDENE havia emergida a universidade regional UNIJUÍ -, mais do que 30 bolsas in loco como na França e na República Federal da Alemanha, nas seguintes áreas acadêmicas:&lt;br /&gt;Ciências Agrárias (3) Administração de Empresas (4); Bioquímica (1); Biologia (1); Ciência dos Solos (1); Botânica (1); Química (2); Community Development (1); Nutrição (1); Pedagogia (1); Geografia (2); História (1); Informática (1); Tecnologia de Alimentos (1); Lingüística (2); Matemática (1); Ecologia de Conservação do Ambien
